Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Keinen Lärm, mein Herr, entgegnete der Präsident, wenn ich Sie nicht als einen von den Menschenbetrachten soll, die Sie soebenbezeichneten, nämlich für einen Feigen, der seine Schwäche zum Schild nimmt. Sie sind allein, ein einziger wird Ihnen antworten; Sie haben einen Degen an der Seite, ich habe einen in meinem Stocke; Sie haben keinen Zeugen, einer von diesen Herren wird Ihnen als solcher dienen. Nun mögen Sie dieBinde abnehmen, wenn es Ihnenbeliebt. Der General riß sich auf der Stelle das Taschentuch von den Augen.
Endlich, sagte er, endlich werde ich erfahren, mit wem ich es zu tun habe.
Man öffnete den Wagen, und die vier Männer stiegen aus.
Franz unterbrach sich abermals und wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn; es war furchtbar anzuschauen, wie er, bleich und zitternd, mit lauter Stimme diebis dahin unbekannten Umstände von dem Tode seines Vaters las. Valentine faltete die Hände, als obsiebetete. Noirtier schaute Villefort mit einem erhabenen Ausdruck der Verachtung und des Stolzes an.
Franz fuhr fort:
Es geschah dies, wie gesagt, am 5. Februar; es war eine finstere Nacht, derBoden der Treppe warbis zum Fluß feucht von Schnee und Rauhreif; man sah das Wasser schwarz und von Eisschollenbedeckt dahinfließen. Einer von den Zeugen suchte eine Laterne in einem Kohlenschiffe, undbeim Scheine dieser Laterne prüfte man die Waffen. Der Degen des Präsidenten, ein einfacher Stockdegen, war fünf Zoll kürzer als der seines Gegners und hatte kein Stichblatt. Der General d'Epinay machte den Vorschlag, die Degen auszulosen; doch der Präsident erwiderte, von ihm gehe die Herausforderung aus, und er habe von vornherein in der Absicht gefordert, daß jeder sich seiner Waffebediene. Die Zeugen wollten Einsprache tun, doch der Präsident gebot Ihnen Schweigen. Man setzte die Laterne auf denBoden; die Gegner stellten sich einander gegenüber; der Kampfbegann. Das Licht machte aus den Degen zweiBlitze; die Männer gewahrte man kaum, so dicht war der Schatten. Der General d'Epinay galt für eine derbesten Klingen der Armee. Aber er wurdebei den ersten Stößen so lebhaftbedrängt, daß er zurückwich, wobei er zu Falle kam.
Die Zeugen hielten ihn für tot, doch sein Gegner wußte, daß er ihn nichtberührt hatte, undbot ihm die Hand, um ihm ausstehen zu helfen. Statt ihn zubeschwichtigen, brachte dies den General so auf, daß er ebenfalls auf seinen Gegner eindrang. Doch sein Gegner wich nicht eine Linie. Dreimal zog sich der General vor der Degenspitze seines Gegners zurück und griff dann immer wieder an. Beim dritten Male fiel er abermals. Man glaubte, er sei ausgeglitten, wie das erste Mal; da ihn jedoch die Zeugen nicht wieder aufstehen sahen, näherten sie sich ihm und versuchten, ihn auf dieBeine zubringen; doch als man ihn um den Leibfaßte, fühlte manBlut.
Der General, der halbohnmächtig war, kam wieder zu sich und rief: Oh! einen Raufer, einen Fechtmeister hat man mir hinterlistig gegenüber gestellt. Ohne zu antworten, näherte sich der Präsident der Laterne, schlug seinen Ärmel zurück und zeigte seinen von zwei Degenstichen durchbohrten Arm; dann öffnete er seinen Rock, knöpfte seine Weste auf und ließ an seiner Seite eine dritte Wunde sehen. Er hatte keinen Seufzer ausgestoßen. Bei dem General d'Epinay trat der Todeskampf ein, und fünf Minuten nachher war er verschieden.
Franz las diese letzten Worte mit so gepreßter Stimme, daß man sie kaum hören konnte, und als er sie gelesen, fuhr er sich mit der Hand über die Augen, als wollte er eine Wolke vertreiben. Nach kurzem Schweigen las er fort:
Der Präsident stieg wieder die Treppe hinauf, nachdem er zuvor seinen Degen in den Stock gestoßen hatte; eineBlutspurbezeichnete seinen Weg auf dem Schnee. Er hatte noch nicht die oberste Stufe der Treppe erreicht, als er ein dumpfes Platschen hörte, es war der Körper des Generals, den die Zeugen, nachdem sie seines Todes gewiß waren, in den Fluß gestürzt hatten.
Der General ist folglich in einem ehrlichen Duell gefallen und nicht etwa meuchlings getötet worden.
ZurBeglaubigung dessen haben wir Gegenwärtiges unterzeichnet, um den wahren Tatbestand festzustellen, in derBefürchtung, es könnte ein Augenblick kommen, wo eine von den handelnden Personen dieser furchtbaren Szene des Mordes mit Vorbedacht oder der Verletzung der Gesetze der Ehrebeschuldigt würde. Unterzeichnet
Beauregard, Duchampy und Lecharpale.
Als Franz die für ihn als Sohn so schreckliche Schrift gelesen, als Valentine, bleich vor Erschütterung, eine Träne getrocknet, als Villefort, zitternd und in einen Winkel gedrückt, durch flehende dem unversöhnlichen Greise zugesandteBlicke den Sturm zubeschwören versucht hatte, sagte d'Epinay zu Noirtier: Da Sie diese furchtbare Geschichte in allen ihren Einzelheiten kennen, da Sie sie durch ehrenwerte Unterschriften habenbezeugen lassen, da Sie sich für mich zu interessieren scheinen, obgleich sich Ihr Interessebis jetzt nur durch den Schmerz kundgegeben hat, so verweigern Sie mir nicht eine letzte Genugtuung, nennen Sie mir den Namen des Präsidenten, damit ich endlich den kenne, der meinen armen Vater getötet hat.
Villefort suchte wie verwirrt die Türklinke; Valentine, welche die Antwort des Greises vorausahnte, da sie oft auf seinem Vorderarme die Spur von zwei Degenstichen wahrgenommen hatte, wich einen Schritt zurück.
Ichbeschwöre Sie, mein Fräulein, sagte Franz, sich an seineBraut wendend, verbinden Sie IhreBitten mit den meinen, daß ich den Namen des Mannes erfahre, der mich im Alter von zwei Jahren zur Waise gemacht hat, Valentinebliebstumm und unbeweglich.
Ichbitte Sie, mein Herr, sagte Villefort, verlängern Sic diese Szene nicht; die Namen sind überdies absichtlich niebekannt gegeben worden. Mein Vater kennt selbst den Präsidenten nicht, und wenn er ihn auch kennt, so vermag er ihn nicht zu nennen, da sich die Eigennamen nicht im Wörterbuch finden.
Oh weh! Die einzige Hoffnung, die michbeim Lesen dieser Schrift aufrecht erhalten und mir die Kraft gegeben hat, bis zum Ende auszuharren, war die, wenigstens den Namen dessen, der meinen Vater getötet, kennen zu lernen! Mein Herr! rief er, sich zu dem Greise umwendend, im Namen des Himmels! Tun Sie, was Sie können, bemühen Sie sich, ich flehe Sie an, mirbegreiflich zu machen…
Ja, antwortete Noirtier.
Oh, mein Fräulein, rief Franz, Ihr Großvaterbedeutet mir durch ein Zeichen, er könne mir diesen Namen angeben… helfen Sie mir… Sie verstehen ihn… leihen Sie mir IhrenBeistand!
Noirtier schaute das Wörterbuch an. Franz nahm es zitternd und sprach hintereinander dieBuchstaben des Alphabetsbis zum I aus.
Bei diesemBuchstaben machte der Greis einbejahendes Zeichen.
I? wiederholte Franz.
Der Finger des jungen Mannes glitt über die Wörter hin, während Noirtier von Zeit zu Zeit ein verneinendes Zeichen machte und Valentine ihren Kopf in ihren Händen verbarg.
Bald gelangte Franz zu dem Worte: Ich.
Ja! machte der Greis.
Sie? rief Franz, dessen Haare sich auf seinem Haupte sträubten; Sie, Herr Noirtier, Sie haben meinen Vater getötet?
Ja, antwortete Noirtier, einen majestätischenBlick auf den jungen Mann heftend.
Franz fiel wie gelähmt auf einen Stuhl, Villefort aber öffnete die Tür und entfloh.
Die Fortschritte des Herrn Cavalranti Sohn
Herr Cavalcanti Vater war abgereist, um seinen Dienst wieder anzutreten, nicht in der Armee Seiner Majestät des Kaisers von Österreich, sondern an der Roulette derBäder von Lucca, zu deren eifrigsten Kunden er gehörte. Es versteht sich von selbst, daß er gewissenhaftbis auf den letzten Heller die Summe mitgenommen hatte, die ihm für seine Reise und alsBelohnung für die majestätische Art und Weise, wie er seine Vaterrolle gespielt, angewiesen worden war.
Andrea erbtebei dieser Abreise alle Papiere, diebestätigten, daß er wirklich die Ehre hatte, der Sohn des MarcheseBartolomeo und der Marchesa Oliva Corsinari zu sein.