Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Sie tun recht, zufällig zu sagen, erwiderte derBankier, denn man sieht ihn so selten, daß es in der Tat nur der Zufall zu sein scheint, der ihn zu uns führt.
Wenn er aber käme und diesen jungen Mannbei Ihrer Tochter träfe, so würde er mit Recht darüber aufgebracht sein.
Er! mein Gott, Sie täuschen sich; Herr Albert tut uns nicht die Ehre an, eifersüchtig auf seine künftige Frau zu sein, dazu liebt er sie nicht genug. Was liegt mir auch daran, ober aufgebracht ist oder nicht.
Dochbei dem Verhältnis, in dem wir zu einander stehen…
Wollen Sie wissen, in welchem Verhältnis wir stehen? Auf demBalle seiner Mutter tanzte er ein einziges Mal mit meiner Tochter, während Herr Cavalcanti dreimal mit ihr tanzte, und er hat es gar nichtbemerkt.
Der Herr Vicomte Albert von Morcerf, meldete der Kammerdiener.
DieBaronin stand rasch auf. Sie wollte ihre Tochter schnellbenachrichtigen, aber Danglars hielt sie am Arme zurück und sagte:
Lassen Sie das!
Sie schaute ihn erstaunt an. Monte Christo stellte sich, als hätte er dieses Zwischenspiel nichtbemerkt.
Albert trat ein; er war sehr schön und sehr heiter, grüßte dieBaronin mit Leichtigkeit, Danglars mit Vertraulichkeit, Monte Christo mit Liebe und sagte sodann, sich wieder zurBaronin wendend: Wollen Sie mir erlauben, michbei Ihnen nach demBefinden von Fräulein Danglars zu erkundigen?
Siebefindet sich sehr wohl, antwortete rasch Danglars, sie musiziert soeben in ihrem kleinen Salon mit Herrn Cavalcanti.
Albertbehielt seine ruhige, gleichgültige Miene; er empfand vielleicht einen inneren Ärger, aber er fühlte Monte ChristosBlick auf sich geheftet undbezwang sich.
Herr Cavalcanti hat eine sehr schöne Tenorstimme, sagte er, und Fräulein Danglars einen prachtvollen Sopran. Es muß ein entzückendes Konzert sein.
Sie stimmen allerdings vortrefflich zusammen, sagte Danglars.
Ichbin auch musikalisch, wenigstens wie meine Lehrer sagten, fuhr der junge Mann fort; doch seltsamerweise konnte ich meine Stimme nie mit einer andern Stimme in Einklangbringen.
Danglars lächelte auf eine Weise, die wohlbedeuten sollte: Ärgere dich doch! Dann sagte er laut: Der Prinz und meine Tochter haben auch gestern die allgemeineBewunderung erregt. Waren Sie gestern nicht hier, Herr von Morcerf?
Welcher Prinz? fragte Albert.
Der Prinz Cavalcanti, erwiderte Danglars, der dem jungen Italiener hartnäckig diesen Titel gab.
Verzeihen Sie, ich wußte nicht, daß er Prinz ist. Also der Prinz Cavalcanti hat gestern mit Fräulein Eugenie gesungen! Das muß in Wahrheit entzückend gewesen sein, und ichbedaure lebhaft, es nicht gehört zu haben. Doch ich konnte Ihrer Einladung nicht entsprechen, da ich Frau von Morcerf zurBaronin Chateau‑Renaud, wo die Deutschen sangen, begleiten mußte.
Dann wiederholte er nach einem Stillschweigen: Wird es mir erlaubt sein, Fräulein Danglars meine Achtung zubezeigen?
Oh! warten Sie, warten Sie, ichbitte Sie, erwiderte derBankier, den jungen Mann zurückhaltend, hören Sie die köstliche Cavatine: Ta, ta, ta, ti, ta, ti, ta, ta; es ist entzückend, sie sind sogleich fertig… nur eine Sekunde, vortrefflich! Bravo! bravo! bravi!
Und derBankier fing an, wie wütendBeifall zu klatschen.
In der Tat, rief Albert, das ist vortrefflich, und man kann unmöglich die italienische Musik charakteristischer wiedergeben als der Prinz Cavalcanti. Nicht wahr, Sie sagten Prinz? Wenn er übrigens nicht Prinz ist, so wird man ihn schon noch dazu machen, denn das hält in Italien nicht schwer. Doch um auf unsere anbetungswürdigen Sänger zurückzukommen… Sie sollten uns das Vergnügen machen, Herr Danglars, Fräulein Danglars und Herrn Cavalcanti, ohne etwas von der Anwesenheit eines Fremden zu sagen, zubitten, ein anderes Stück anzufangen. Es ist so köstlich, die Musik zu genießen, ohne daß man sieht, oder gesehen wird, und folglich, ohne den Musiker zubeengen, der sich ganz dem Instinkt seines Genies oder dem Ergusse seines Herzens überlassen kann.
Diesmal wurde Danglars durch das Phlegma des jungen Mannes aus dem Sattel gehoben. Er nahm Monte Christobeiseite und sagte zu ihm: Nun, was denken Sie von unserem Verliebten?
Verdammt, er kommt, mir ziemlich kalt vor; doch, was wollen Sie? Sie haben sich nun einmal verbindlich gemacht!
Allerdings habe ich mich verbindlich gemacht, aber nur, meine Tochter einem Manne zu geben, der sie liebt, und nicht einem Manne, der sie nicht liebt. Sehen Sie ihn an, er ist kalt wie Marmor, stolz wie sein Vater. — Wenn er noch reich wäre, wenn er das Vermögen der Cavalcantibesäße, könnte man darüber hinwegsehen! Meiner Treu, wenn meine Tochter jedoch einen guten Geschmack hätte…
Ich weiß nicht, obmeine Freundschaft für ihn mich verblendet, erwiderte Monte Christo, doch ich versichere Ihnen, Herr von Morcerf ist ein liebenswürdiger junger Mann, der Ihre Tochter glücklich machen und früher oder später etwas erreichen wird; denn die Stellung seines Vaters ist im ganzen ausgezeichnet.
Hm! machte Dauglars.
Warum dieser Zweifel?
Es ist da immer noch die Vergangenheit… die dunkle Vergangenheit.
Doch die Vergangenheit des Vaters geht den Sohn nichts an. — Warum nicht?
Seien Sie nicht eigensinnig! Vor einem Monat fanden Sie diese Verbindung vortrefflich. Siebegreifen, ichbin in Verzweiflung, dennbei mir haben Sie diesen Cavalcanti gesehen, den ich, ich wiederhole es, nicht kenne.
Ich kenne ihn, das genügt.
Sic kennen ihn? Haben Sie Erkundigungen über ihn eingezogen?
Bedarf es deren? Weiß man nichtbeim erstenBlicke, mit wem man es zu tun hat?… Einmal ist er reich. — Ich kann keine Versicherung hierüber geben.
Sie haften doch für ihn? — Bis fünfzigtausend Franken, eine Lappalie.
Er hat eine ausgezeichnete Erziehung. — Hm!
Er ist musikalisch. — Alle Italiener sind das.
Hören Sie, Graf, Sie sind nicht gerecht gegen diesen jungen Mann.
Ja, ich gestehe es; da ich Ihre Verbindlichkeit Herrn Morcerf gegenüber kenne, sehe ich zu meinem Schmerze, daß er so dazwischentritt und sein Vermögen mißbraucht!
Danglars schlug ein Gelächter aus und rief: Was für ein Puritaner Sie sind! Das kommt täglich vor.
Sie können aber doch so nichtbrechen, lieber Danglars; die Morcerf rechnen auf diese Heirat.
Sie rechnen darauf? — Bestimmt.
Dann mögen sie sich erklären. Sie, Herr Graf, sollten ein paar Worte hierüberbei dem Vater fallen lassen, da Sie im Hause so gut angeschrieben sind.
Ich? zum Teufel, wo haben Sie das gesehen?
Auf ihremBalle, mir scheint. Wie! die Gräfin, die stolze Mercedes, die hochmütige Katalonierin, die sich kaum herabläßt, den Mund für ihre ältestenBekannten zu öffnen, hat Sie am Arme genommen, ist mit Ihnen in den Garten und in die kleinen Alleen gegangen und erst nach einer halben Stunde zurückgekommen!
Ah! Baron, Baron, unterbrach Albert das leise geführte Gespräch, Sie hindern uns, zu hören; wie kann ein Musikfreund wie Sie sobarbarisch sein!
Gut, gut, Herr Spötter, rief Danglars und fügte leise, zu Monte Christo gewandt, hinzu: Sie übernehmen es, dies dem Vater zu sagen?
Gern, wenn Sie wünschen.
Doch es mußbestimmt und unumwunden geschehen; er soll meine Tochter von mir verlangen, eine Zeit festsetzen, seine pekuniärenBedingungen nennen, damit man sich verständigt oder nicht verständigt, aber Siebegreifen, Aufschubgibt es nicht mehr!
Gut, ich werde den Schritt tun.
Ich sage nicht, daß ich ihn mit Vergnügen erwarte, aber ich erwarte ihn. Sie wissen, einBankier muß der Sklave seines Wortes sein. Hier stieß Danglars einen Seufzer aus.
Bravo! bravo! bravo! rief Morcerf, denBankier parodierend und am Schlusse des StückesBeifall klatschend.
Danglars schaute Albert erstaunt von der Seite an, als ein Diener eintrat und ihm ein paar Worte zuflüsterte.