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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Er hatte inzwischen gleichsam Anker geworfen in der Pariser Gesellschaft, die so leicht und nachsichtig die Fremden aufnimmt und sie nicht nach dembehandelt, was sie sind, sondern nach dem, was sie sein wollen. So nahm Andrea schon nach vierzehn Tagen eine recht hübsche Stellung ein; man nannte ihn Herr Graf, man sagte, er habe fünfzigtausend Franken Rente, und sprach von den ungeheuren Schätzen seines Vaters, die in den Steinbrüchen von Saravezza vergraben seien.

In dieser Zeit machte Monte Christo eines Abends einenBesuchbei Herrn Danglars. Dieser war ausgegangen; aber man schlug dem Grafen vor, ihnbei derBaronin anzumelden, was er auch annahm.

Seit dem Mittagsmahle in Auteuil und den Ereignissen, die darauf folgten, hörte Frau Danglars den Namen Monte Christo nie ohne nervöse Erregung aussprechen. Bliebdann der Graf in Person aus, so steigerte sich die schmerzliche Empfindung noch; erschien er dagegen, so zerstreuten sein offenes Gesicht, seine glänzenden Augen, seine Liebenswürdigkeit und Höflichkeit garbald den letzten Eindruck von Furchtbei der Dame.

Als Monte Christo in dasBoudoir trat, betrachtete dieBaronin eben Zeichnungen, die ihr ihre Tochter hinreichte, nachdem diese sie mit Herrn Cavalcanti Sohnbesehen hatte. Der Graf, von derBaronin nach Überwindung des ersten Schrecksbei Nennung seines Namens mit einem Lächelnbegrüßt, übersah die ganze Szene mit einemBlicke. Neben derBaronin saß Eugenie in halbliegender Stellung auf einem Lehnsessel, und Cavalcanti stand vor ihr. Schwarz gekleidet mit lackierten Schuhen und durchbrochenen seidenen Strümpfen, fuhr sich der junge Mann mit einer ziemlich weißen und gepflegten Hand in seineblonden Haare, wobei ein Diamant an seiner Hand funkelte.

DieseBewegung war von mörderisch verliebtenBlicken auf Fräulein Danglarsbegleitet und von Seufzern, die sich an dieselbe Adresse richteten. Fräulein Danglars war immer dieselbe, das heißt schön, kalt und spöttisch. KeinBlick, kein Seufzer entging ihr, doch es war, als glitten sie am Panzer der Minerva ab.

Eugeniebegrüßte den Grafen kalt, und sobald die Unterhaltung allgemein und etwas lauter wurde, benutzte sie dies, um sich in ihr Studierzimmer zurückzuziehen, wobald zwei lachende Stimmen, vermischt mit den Akkorden eines Pianos, dem Grafenbewiesen, daß Fräulein Danglars seiner Gesellschaft und der des Herrn Cavalcanti die von Fräulein Luise d'Armilly, ihrer Gesanglehrerin, vorzog. Während der Graf mit Frau Danglars plauderte und sich ganz dem Reiz der Unterhaltung hinzugeben schien, bemerkte er doch die Unruhe des Herrn Andrea Cavalcanti, der, um zu horchen, bis an die Tür des Zimmers von Fräulein Eugenie ging, aber die Schwelle nicht zu überschreiten wagte.

Bald kehrte derBankier zurück. Sein ersterBlick galt Monte Christo, sein zweiter Andrea.

Haben Sie die Fräulein nicht eingeladen, mit Ihnen zu musizieren? fragte Danglars Andrea.

Nein, mein Herr, antwortete Andrea mit einem Seufzer, der noch auffälliger war als die früheren. Danglars ging sogleich zur Tür und öffnete sie, so daß man diebeiden Mädchen auf demselben Sitze nebeneinander vor dem Piano sitzen sah. Fräulein d'Armillybesaß eine interessante Schönheit, oder vielmehr eine ausgesuchte Zierlichkeit. Es war eine kleine, feenartig schlanke undblonde Dame mit langen, gelockten Haaren, welche auf einen etwas zu gestreckten Hals fielen, und mit einem etwas matten, verschleiertenBlick. Man sagte, sie habe eine schwacheBrust und würde wie Antonia in der ›Cremoneser Geige‹ eines Tagesbeim Singen sterben.

Monte Christo warf einen raschen, neugierigenBlick in dieses Frauengemach; er sah zum ersten Male Fräulein d'Armilly, von der er so oft im Hause hatte sprechen hören.

Nun! fragte derBankier seine Tochter, sind wir ausgeschlossen?

Dann führte er den jungen Mann in den kleinen Salon, und — war es nun Zufall, war es Absicht — hinter Andrea wurde die Tür so zugestoßen, daß Monte Christo und dieBaronin von dem Orte, wo sie saßen, nichts mehr sehen konnten.

Bald darauf hörte der Graf Andreas Stimme zu den Akkorden des Klaviers ein korsisches Lied singen. Während der Graf lächelnd auf dieses Lied horchte, das ihn Andrea vergessen ließ und anBenedetto erinnerte, rühmte Frau Danglars die Seelenstärke ihres Mannes, der an demselben Morgenbei einemBankerott in Mailand abermals 3–400 000 Franken verloren hatte. Und dieses Lobwar in der Tat verdient; denn wenn es der Graf nicht durch dieBaronin oder durch ein anderes ihm zu Gebot stehendes Mittel erfahren hätte, das Gesicht desBarons würde ihm kein Wort davon gesagt haben.

Gut! dachte Monte Christo, er istbereits so weit, daß er verbirgt, was er verliert, während er sich vor einem Monat noch seiner Verluste rühmte.

Dann sagte der Graf laut: Oh! gnädige Frau, Herr Danglars kennt dieBörse so gut, daß er dort stets wieder gewinnen wird, was er anderswo verlieren mag.

Ich sehe, daß Sie den allgemeinen Irrtum, Herr Danglars spiele, teilen. Das ist nicht der Fall.

Ach ja! das ist wahr. Gnädige Frau, ich erinnere mich dessen, was mir Herr Debray gesagt hat… Doch was ist eigentlich aus Herrn Debray geworden? Ich. habe ihn seit drei oder vier Tagen mit keinem Auge gesehen.

Ich auch nicht, sagte Frau Danglars mit der gelassensten Miene. Was haben Sie von Herrn Debray gehört?

Er hat mir gesagt, Sie selbst opferten dem Dämon des Spieles.

Ich gestehe, dasBörsenspiel lockte mich eine Zeitlang; aber ich habe den Geschmack daran verloren.

Darin haben Sie unrecht, gnädige Frau. Mein Gott, die Wechselfälle des Glücks sind unberechenbar, und wäre ich ein Weibund zufällig Frau einesBankiers geworden, so würde ich trotz allen Vertrauens zu meinem Manne mir doch ein unabhängiges Vermögen zu sichern suchen.

Frau Danglars errötete unwillkürlich.

Hören Sie, fuhr Monte Christo fort, als ober nichts gesehen hätte, haben Sie gehört, wie gestern die Neapolitaner gestiegen sind?

Ich habe keine und habe nie welche gehabt, sagte rasch dieBaronin; doch nun ist genug von derBörse gesprochen, Herr Graf, wir gleichen zwei Wechselagenten; reden wir lieber von den armen Villeforts, die in diesem Augenblick so sehr vom Unglück heimgesucht werden.

Was ist ihnen denn widerfahren? fragte Monte Christo mit gutgespielter Unwissenheit.

Sie wissen doch, daß sie nach dem plötzlichen Tode des Herrn von Saint‑Meran auch die Marquise drei Tage nach ihrer Ankunft verloren haben.

Ah! es ist wahr, versetzte Monte Christo, ich habe davon gehört; doch das ist, wie Claudius zu Hamlet sagt, das Gesetz der Natur: ihre Väter sind vor ihnen gestorben, und sie haben siebeweint; sie werden vor ihren Söhnen sterben, und ihre Söhne werden siebeweinen.

Doch das ist noch nicht alles. Sie wissen doch, daß sie ihre Tochter verheiraten wollten? An Herrn Franz d'Epinay… Hat die Heirat nicht stattgefunden? — Gestern morgen hat ihnen Franz, scheint es, ihr Wort zurückgegeben. — Ah! wirklich… Kennt man die Ursache diesesBruches? — Nein. — Und wie nimmt Herr von Villefort alle diese Unglücksfälle auf? — Wie immer, als Philosoph.

In diesem Augenblick kehrte Danglars zurück.

Wie! rief dieBaronin, Sie lassen Herrn Cavalcanti mit Ihrer Tochter allein?

Und als was sehen Sie denn Fräulein d'Armilly an? erwiderte derBankier undbemerkte sodann, sich an Monte Christo wendend: Ein reizender junger Mann, nicht wahr, Herr Graf, dieser Prinz Cavalcanti? Nur fragt es sich, ober wirklich Prinz ist?

Ich stehe nicht dafür. Man hat mir seinen Vater als Marquis vorgestellt; demnach wäre er Graf. Doch ich glaube nicht, daß er sich viel auf seinen Titel einbildet.

Warum? Wenn er Prinz ist, so hat er unrecht, sich dessen nicht zu rühmen. Jedem sein Recht! Ich liebe es nicht, daß man seinen Ursprung verleugnet.

Aber sehen Sie, welcher Unannehmlichkeit Sie sich aussetzen, sagte dieBaronin. Wenn Herr von Morcerf zufällig käme, so würde er Herrn Cavalcanti in einem Zimmer finden, in das er, derBräutigam, nie eintreten durfte.

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