Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Egwene hatte sich der Wärme wegen an seinen Rücken gekuschelt und schlief den tiefen Schlaf der Erschöpfung. Sie murmelte noch nicht einmal etwas, als er sich umdrehte. Die Sonne war schon vor vielen Stunden untergegangen, und sein ganzer Körper schmerzte — von Kopf bis Fuß -, nachdem er den Tag über mit einem Ring um den Hals hinter einem Pferd hermarschiert war. Doch nun konnte er nicht schlafen.
Die Kolonne bewegte sich nicht so schnell. Da sie die meisten Reservepferde an die Wölfe im Stedding verloren hatten, konnten die Weißmäntel nicht so schnell nach Süden reiten, wie sie vorgehabt hatten. Auch diese Verzögerung lasteten sie den Emondsfeldern an. Die doppelte Schlangenlinie bewegte sich gleichmäßig vorwärts — Lord Bornhald wollte Caemlyn aus irgendeinem Grund rechtzeitig erreichen -, und Perrin saß immer die Angst im Nacken, daß der Weißmantel, der seine Leine hielt, nicht anhalten werde, falls er stürzte, obwohl Lordhauptmann Bornhalds Befehl gelautet hatte, ihr Leben für die Folterknechte in Amador zu bewahren. Er wußte, daß er sich in diesem Fall nicht selbst retten konnte. Seine Hände wurden nur befreit, wenn man ihm zu essen gab oder wenn er die Latrinengrube besuchen durfte. Der Halsring machte ihm jeden Schritt zur Qual. Jeder lose Stein unter seinen Füßen konnte zur Todesfalle werden. Er marschierte mit angespannten Muskeln und beobachtete mit ängstlichen Blicken den Boden. Immer wenn er sich nach Egwene umsah, tat sie dasselbe. Wenn sich ihre Blicke trafen, wirkte ihr Gesicht angespannt und verängstigt. Keiner von ihnen wagte es, mehr als einen kurzen Moment lang den Blick vom Boden zu heben.
Meist fiel er total ausgelaugt in sich zusammen, sobald ihn die Weißmäntel anhalten ließen, aber heute abend drehte sein Verstand durch. Seine Haut kribbelte vor einer Angst, die sich über Tage hinweg gesteigert hatte. Wenn er die Augen schloß, sah er nur die Dinge vor sich, die Byar ihnen angedroht hatte, sobald sie Amador erreichten.
Er war sicher, daß Egwene immer noch nicht glauben konnte, was ihnen Byar in seiner ausdruckslosen Stimme gesagt hatte. Wenn sie es glauben würde, könnte sie keinen Schlaf mehr finden, wie müde sie auch sein mochte. Anfangs hatte auch er Byar nicht geglaubt. Er wollte eigentlich immer noch nicht daran glauben — Menschen taten so etwas anderen Menschen einfach nicht an! Aber Byar drohte eigentlich gar nicht; er sprach über glühende Brandeisen und Zangen, über Messer, die Haut abschälten, und peinigende Nadeln so, als ob er nur erwähne, er wolle sich ein Glas Wasser holen. Er schien sie nicht erschrecken zu wollen. In seinen Augen lag nie eine Spur von Häme. Es interessierte ihn gar nicht, ob sie Angst hatten oder nicht, ob sie gefoltert würden oder nicht, ob sie lebten oder nicht. Das war es, was Perrin den kalten Schweiß auf die Stirn trieb, sobald er es begriffen hatte. Das hatte ihn schließlich davon überzeugt, daß Byar die Wahrheit sagte.
Die Umhänge der beiden Wachsoldaten schimmerten grau im schwachen Mondschein. Er konnte ihre Gesichter nicht erkennen, doch er wußte, daß sie alles beobachteten. Als ob sie irgend etwas anstellen könnten, an Händen und Füßen gefesselt, wie sie waren. Er erinnerte sich an die Verachtung in ihren Augen und ihren verkniffenen Gesichtsausdruck, als das Licht noch hell genug gewesen war, um das zu erkennen. Es war, als habe man sie als Wächter zu schmutzbedeckten, stinkenden und abstoßenden Ungeheuern abkommandiert. Alle Weißmäntel sahen sie so an. Das änderte sich nicht. Licht, wie kann ich sie davon überzeugen, daß wir keine Schattenfreunde sind, wenn sie sich dessen doch bereits sicher sind? Sein Magen drehte sich bei dem Gedanken um. Am Ende würde er möglicherweise alles gestehen, damit die Folterknechte von ihrem Tun abließen.
Jemand kam näher — ein Weißmantel, der eine Laterne trug. Der Mann blieb stehen und sprach mit den Wächtern, die voller Respekt antworteten. Perrin konnte nicht hören, was sie sagten, aber er erkannte die hochgewachsene, hagere Gestalt.
Er blinzelte, als ihm die Laterne direkt vors Gesicht gehalten wurde. Byar trug Perrins Axt in der freien Hand; er hatte die Waffe für sich selbst beansprucht. Jedenfalls sah ihn Perrin niemals ohne sie.
»Wach auf«, sagte Byar kalt, als glaube er, Perrin habe mit erhobenem Kopf geschlafen. Er begleitete die Worte mit einem heftigen Tritt in die Rippen.
Perrin stöhnte durch zusammengebissene Zähne. Sein Oberkörper wies eine Menge blauer Flecken von Byars Stiefeln auf.
»Ich sagte, wach auf!« Der Fuß hob sich noch einmal, und Perrin sagte schnelclass="underline" »Ich bin wach.« Man mußte Byars Worte bestätigen, oder er fand andere Wege, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Byar stellte die Laterne auf den Boden und bückte sich, um die Fesseln zu überprüfen. Der Mann riß roh an seinen Handgelenken und verdrehte ihm die Arme in den Schultern. Nachdem er die Knoten noch genauso fest vorfand, wie er sie zurückgelassen hatte, zog Byar an seinem Halteseil, das an einem Fuß festgemacht war, und zerrte ihn über den steinigen Untergrund. Der Mann sah zu sehr wie ein Skelett aus, um Kraft zu haben, doch Perrin hätte genausogut ein Kind sein können. Es war jede Nacht das gleiche.
Als Byar sich aufrichtete sah Perrin, daß Egwene noch schlief. »Wach auf!« rief er. »Egwene! Wach auf!«
»Wa...? Was?« Egwenes Stimme klang verängstigt und schlaftrunken. Sie hob den Kopf und blinzelte in den Laternenschein. Byar zeigte keine Enttäuschung darüber, daß er sie nicht wachtreten konnte — das tat er nie. Er riß nur an ihren Fesseln wie vorher an denen Perrins und ignorierte ihr Ächzen. Schmerzen zu verursachen war eine weitere Sache, die ihn in keiner Weise zu beeindrucken schien. Nur Perrin quälte er offensichtlich mit Absicht. Obwohl Perrin sich nicht daran erinnern konnte, vergaß Byar nicht, daß er zwei der Kinder getötet hatte.
»Warum sollten Schattenfreunde denn schlafen?« fragte Byar leidenschaftslos, »wenn anständige Männer aufbleiben müssen, um sie zu bewachen?«
»Zum hundertsten Mal«, sagte Egwene müde, »wir sind keine Schattenfreunde.«
Perrin verkrampfte sich. Manchmal brachte eine solche Erwiderung eine beinahe monoton heruntergerasselte Predigt ein — über Geständnisse und Reue -, die mit einer Beschreibung dessen endete, mit welchen Methoden die Folterknechte dies erreichten. Manchmal wurde die Predigt von einem Tritt unterstützt. Zu seiner Überraschung ging Byar diesmal nicht auf die Bemerkung ein.
Statt dessen kauerte sich der Mann vor sie hin — überall kantig und eingefallen -, und legte die Axt auf seine Knie. Die goldene Sonne auf der linken Brustseite seines Umhangs und die beiden goldenen Sterne darunter glitzerten im Laternenschein. Er nahm den Helm ab und legte ihn neben die Laterne. Zur Abwechslung stand etwas anderes in seinem Gesicht geschrieben außer Verachtung und Haß: etwas Eindringliches und nicht klar Erkennbares. Er stützte die Arme auf den Schaft der Axt und betrachtete Perrin schweigend. Perrin bemühte sich, unter diesem hohläugigen Blick nicht hin und her zu rutschen.
»Ihr haltet uns auf, Schattenfreund, du und deine Wölfe. Der Rat der Gesalbten hat Berichte über solche Dinge vorliegen, und sie wollen mehr darüber wissen, also müßt ihr nach Amador gebracht und den Folterknechten übergeben werden, aber ihr haltet uns auf. Ich hatte gehofft, wir könnten auch ohne die Reservepferde schnell genug vorwärtskommen, aber ich habe mich geirrt.« Er schwieg und blickte sie finster an. Perrin wartete. Byar würde weitersprechen, wenn er soweit war.
»Der Lordhauptmann steckt in einer Zwickmühle«, sagte Byar schließlich. »Der Wölfe wegen müssen wir euch zum Rat bringen, doch er muß auch nach Caemlyn. Wir haben keine Pferde für euch zur Verfügung, aber wenn wir euch weiterhin laufen lassen, werden wir Caemlyn nicht zum ausgemachten Zeitpunkt erreichen. Der Lordhauptmann sieht seine Pflicht sehr klar, und er beabsichtigt, euch vor den Rat zu bringen.«