Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Noirtier antwortete nur durch einenBlick, bei dem Villeforts Adern ein Schauer durchlief. Erbedeutete Valentine durch ein Zeichen mit dem Auge, sie möge sich nähern.
Durch die Mittel, deren sie sich in ihren Unterhaltungen mit ihrem Großvater zubedienen pflegte, hatte sie in einem Augenblick das von ihm gewünschte Wort Schlüssel gefunden. Dannbefragte sie denBlick des Gelähmten, der sich auf die Schublade eines kleinen, zwischen zwei Fenstern stehenden Schrankes heftete. Als sie diesen Schlüssel herausgenommen, wandten sich die Augen des Gelähmten nach einem alten, seit Jahren vergessenen Sekretär.
Soll ich den Sekretär öffnen? fragte Valentine. Ja, machte der Greis.
Soll ich die Schubladen öffnen? — Ja.
Die mittlere? — Ja.
Valentine öffnete und zog einBündel Papiere heraus.
Ist das, was Sie wünschen, guter Vater? fragte sie.
Der Greis schüttelte den Kopf, und sie zog nach und nach alle anderen Papiere heraus.
Aber die Schublade ist nun leer, sagte sie.
Noirtiers Augen hefteten sich auf das Wörterbuch.
Ja, guter Vater, ichbegreife Sie, sagte das Mädchen.
Und sie fing an dieBuchstaben des Alphabets nacheinander herzusagen; bei demBuchstaben G hielt sie Noirtier an.
Ah! Ein geheimes Fach? — Ja, machte Noirtier.
Und wer kennt es?
Noirtier schaute nach der Tür, durch welche derBediente weggegangen war.
Barrois? sagte sie. — Ja, machte Noirtier.
Valentine ging an die Tür und riefBarrois. Während dieser Zeit floß der Schweiß der Ungeduld von Villeforts Stirn, während Franz im höchsten Maße erstaunt zu sein schien. Der alte Diener trat ein.
Barrois, sagte Valentine, mein Großvater hat mirbefohlen, diesen Sekretär zu öffnen und dieses Schubfach herauszuziehen; nun istbei diesem Schubfach ein Geheimnis, das Sie, wie es scheint, kennen; öffnen Sie!
Barrois gehorchte; ein doppelterBoden öffnete sich, und es wurden mehrere mit schwarzemBand umwickelte Papiere sichtbar.
Wünschen Sie das, mein Herr? fragteBarrois. — Ja.
Wem soll ich diese Papiere übergeben, Herrn von Villefort? — Nein.
Fräulein Valentine? — Nein.
Herrn Franz d'Epinay? — Ja.
Franz machte erstaunt einen Schritt vorwärts und sagte:
Mir, mein Herr? — Ja.
Franz empfing die Papiere ausBarrois' Händen und las die Aufschrift: Nach meinem Todebei meinem Freunde, dem General Durand, zu hinterlegen, der sterbend dieses Paket seinem Sohne mit der Einschärfung vermachen wird, dasselbe, da es ein Papier von der größten Wichtigkeit enthält, aufzubewahren.
Nun, mein Herr? fragte Franz, was soll ich mit diesem Papier machen?
Sie sollen es ohne Zweifel versiegelt, wie es ist, behalten, sagte der Staatsanwalt.
Nein, nein, erwiderte der Greis lebhaft.
Sie wünschen vielleicht, daß es der Herr lesen möge? fragte Valentine.
Ja, antwortete der Greis.
Sie hören, HerrBaron? Mein Großvaterbittet Sie, dieses Papier zu lesen, sagte Valentine.
So setzen wir uns, sagte Villefort voll Ungeduld, denn das wird lange dauern.
Villefort setzte sich, aber Valentinebliebneben ihrem Großvater, auf seinen Lehnstuhl gestützt, stehen, und Franz stand vor ihr und hielt das geheimnisvolle Papier in der Hand.
Lesen Sie! sagten die Augen des Greises.
Franz machte den Umschlag los, und es trat eine tiefe Stille in dem Zimmer ein. Inmitten dieser Stelle las er:
Auszug aus den Protokollen einer Sitzung desbonapartistischen Klubs der Rue Saint‑Jacques, gehalten im 5. Febr. 1815.
Franz hielt inne.
Am 5. Februar 1815, sagte er, das ist der Tag, an dem mein Vater ermordet wurde!
Valentine und Villefortblieben stumm; nur das Auge des Greises sprach klar: Fahren Sie fort! Franz las weiter:
Die Unterzeichneten, LouisBeauregard, Generalleutnant der Artillerie, Etienne Duchampy, Brigadegeneral, und Claude Lecharpale, Direktor der Forsten, erklären, daß am 4. Februar 1815 einBrief von der Insel Elba ankam, der dem Wohlwollen und dem Vertrauen der Mitglieder desbonapartistischen Klubs den General Flavier von Quesnel empfahl, der dem Kaiser von 1805bis 1814 gedient hatte und der Napoleonischen Dynastie trotz desBaronentitels, den ihm Ludwig XVIII. soeben unterBenutzung des Namens seines Landgutes Epinay verliehen hatte, völlig ergeben sein mußte. Demzufolge wurde ein Schreiben an den General von Quesnel gerichtet, worin man ihnbat, der Sitzung am fünftenbeizuwohnen. Das Schreiben gabweder die Straße noch die Hausnummer an, wo die Versammlung stattfinden sollte: es hatte seine Unterschrift und teilte dem General nur mit, wenn er sichbereit halten wolle, so werde man ihn um neun Uhr abends abholen. Um neun Uhr abends erschien der Präsident des Klubsbei dem Generaclass="underline" der General warbereit. Der Präsidentbemerkte ihm, es sei eine derBedingungen seiner Einführung, daß er nie den Ort der Zusammenkunft wüßte, daß er sich die Augen verbinden ließe und schwüre, er werde dieBinde nicht abzunehmen suchen. Der General von Quesnel nahm dieBedingung an und machte sichbei seinem Ehrenwort anheischig, nicht sehen zu wollen, wohin man ihn führte. Der General hatte seinen Wagen anspannen lassen, aber der Präsident erklärte ihm, man könnte sich seiner unmöglichbedienen, da es sich nicht der Mühe lohne, die Augen des Herrn zu verbinden, wenn dem Kutscher die Augen offenblieben, und er zu erkennen vermöchte, durch welche Straßen man käme.
Was ist dann zu tun? fragte der General. –
Ich habe meinen Wagenbei mir, sagte der Präsident. –
Sind Sie Ihres Kutschers so sicher, daß Sie ihm ein Geheimnis anvertrauen, das Sie dem meinigen anzuvertrauen für unklug halten?
Unser Kutscher ist ein Mitglied des Klubs, erwiderte der Präsident, wir werden von einem Staatsrate gefahren.
Dann sind wir einer andern Gefahr ausgesetzt, nämlich der, umgeworfen zu werden, sagte der General lachend.
Wirbezeichnen diesen Scherz als einenBeweis dafür, daß der General nicht entfernt gezwungen war, der Sitzungbeizuwohnen, und daß er sie durchaus freiwilligbesuchte. Sobald man in den Wagen gestiegen war, erinnerte der Präsident den General an sein Versprechen, sich die Augen verbinden zu lassen. Der General machte keine Einwendung gegen diese Förmlichkeit. Der Wagen hielt vor einem Hause der Rue Saint‑Jacques. Der General stieg aus und stützte sich dabei auf den Arm des Präsidenten, ohne dessen Würde zu kennen; man durchschritt den Gang, stieg einen Stock hinauf und trat in dasBeratungszimmer.
Die Sitzung hattebegonnen. Von der Einladung desBaronsbenachrichtigt, waren die Mitglieder des Klubs vollzählig versammelt. Als der General die Mitte des Saales erreicht hatte, wurde er aufgefordert, seineBinde abzunehmen. Er entsprach sogleich dieser Ausforderung und schien sehr erstaunt, eine so große Anzahl vonbekannten Gesichtern in einer Gesellschaft zu finden, von deren Dasein erbis dahin nicht einmal eine Ahnung gehabt hatte. Manbefragte ihn über seine Gesinnung, doch erbegnügte sich zu antworten, derBrief von der Insel Elba habe dieselbebekannt machen müssen…
Franz unterbrach sich mit den Worten: Mein Vater war Royalist, man hatte nicht nötig, ihn um seine Gesinnung zubefragen, sie warbekannt.
Und daher rührte meine Verbindung mit Ihrem Vater, mein lieber Herr Franz, sagte Villefort; man verbindet sich leicht, wenn man gleicher Meinung ist.
Lesen Sie, sprach abermals das Auge des Greises. Franz fuhr fort:
Der Präsident nahm nun das Wort und forderte den General auf, sich deutlicher zu erklären; doch Herr von Quesnel antwortete, er wünschte vor allem zu wissen, was man von ihm verlange. Es wurde nun dem General eben dieserBrief von der Insel Elba mitgeteilt, der ihn dem Klubals einen Mann empfahl, auf dessen Mitwirkung man zählen könne. Es war sodann von derbeabsichtigten Rückkehr von der Insel Elba die Rede, worauf ein neuerBrief mit umfassenderen Einzelheiten angekündigt wurde, den der Pharao, ein dem Reeder Morel in Marseille gehörendes Schiff mit einem dem Kaiser ganz und gar ergebenen Kapitän, überbringen würde. Während der Vorlesung desBriefes gabder General, auf den man wie auf einenBruder zählen zu können glaubte, im Gegenteil Zeichen der Unzufriedenheit und des sichtbaren Widerstrebens von sich.