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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Kapuze des Behüters hing auf seinem Rücken, aber der Chamäleon-Umhang paßte sich der Nacht so perfekt an, daß der trübhelle Fleck seines Gesichtes in der Dunkelheit zu schweben schien. Die Hand auf ihrem Arm schien direkt aus der Luft zu kommen.

Sie holte bebend Luft. Sie erwartete von ihm einen Kommentar darüber, wie leicht er sie hatte überraschen können, aber statt dessen drehte er sich um und kramte in seiner Satteltasche. »Ihr werdet gebraucht«, sagte er und kniete nieder, um den Pferden Fußfesseln anzulegen.

Sobald die Pferde festgemacht waren, richtete er sich auf, ergriff ihre Hand und zog sie mit sich wieder in die Nacht hinein. Sein dunkles Haar verschwand in der Nacht beinahe genauso wie sein Umhang, und er machte sogar noch weniger Geräusche als sie. Zähneknirschend mußte sie vor sich selbst zugeben, daß sie ihm ohne seine führende Hand niemals durch die Dunkelheit folgen gekonnt hätte. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich hätte losreißen können, solange er sie nicht loslassen wollte; seine Hände waren sehr kräftig.

Als sie auf eine kleine Erhebung kamen, kaum hoch genug, um die Bezeichnung Hügel zu verdienen, sank er auf ein Knie und zog sie mit herunter. Sie brauchte einen Augenblick, bis sie bemerkte, daß auch Moiraine hier war. Sie bewegte sich nicht, und so hätte man die Aes Sedai in ihrem dunklen Umhang auch für einen Schatten halten können. Lan deutete den Abhang hinunter auf eine große Lichtung im Wald.

Nynaeve blickte angestrengt durch den trüben Mondschein und lächelte dann plötzlich, als sie verstand. Jene blassen Flecken waren Zelte in regelmäßigen Reihen: ein verdunkeltes Lager.

»Weißmäntel«, flüsterte Lan, »zweihundert, vielleicht mehr. Es gibt gutes Wasser dort unten. Und den Burschen, den wir suchen.«

»In dem Lager dort?« Sie fühlte Lans Nicken eher, als daß sie es sah.

»Mitten drin. Moiraine kann genau auf ihn zeigen. Ich bin nahe genug herangeschlichen, um zu sehen, daß er bewacht wird.«

»Als Gefangener?« fragte Nynaeve. »Warum?«

»Ich weiß es nicht. Die Kinder sollten sich normalerweise nicht für einen Dorfjungen interessieren, es sei denn, irgend etwas hat sie mißtrauisch gemacht. Das Licht weiß, wie wenig dazu notwendig ist, das Mißtrauen der Weißmäntel zu erwecken, aber es macht mir schon Sorgen.«

»Wie werdet Ihr ihn befreien?« Erst als sie seinen Blick bemerkte, wurde ihr klar, wie sicher sie angenommen hatte, daß er mitten unter zweihundert Männern marschieren und mit den Jungen zurückkommen könne.

Na ja, er ist schließlich Behüter. Ein paar der Geschichten müssen ja wohl wahr sein.

Sie fragte sich, ob er sie nun wohl auslachen werde, aber seine Stimme klang ausdruckslos und geschäftsmäßig. »Ich kann sie herausholen, aber sie werden kaum in der Lage sein, daß ich das heimlich bewerkstelligen kann. Wenn wir bemerkt werden, haben wir zweihundert Weißmäntel auf den Fersen, und wir reiten zu zweit auf unseren Pferden. Es sei denn, sie sind zu beschäftigt, um uns zu jagen. Würdet Ihr ein Risiko eingehen?«

»Um jemandem aus Emondsfeld zu helfen? Natürlich! Was für ein Risiko?«

Er deutete wieder in die Dunkelheit hinter den Zelten. Diesmal konnte sie nur Schatten erkennen. »Ihre Pferde. Wenn die Halteseile angeschnitten sind — nicht ganz durch, aber genug, um sie reißen zu lassen, wenn Moiraine etwas zur Ablenkung anstellt — dann werden die Weißmäntel zu sehr damit beschäftigt sein, ihre eigenen Pferde einzufangen, als uns zu verfolgen. Auf dieser Seite ihres Lagers befinden sich zwei Wachtposten jenseits der eigentlichen Postenkette, aber wenn Ihr auch nur halb so gut seid wie ich glaube, dann werden sie Euch niemals bemerken.«

Sie schluckte schwer daran. Kaninchen auflauern war eine Sache für sich, aber Wachtposten mit Speeren und Schwertern... Also hält er mich für gut, ja? »Ich versuche es.«

Lan nickte wieder, als habe er nichts anderes erwartet. »Noch etwas. Heute abend sind auch Wölfe in der Gegend gewesen. Ich habe zwei gesehen, und wenn ich so viele bemerkte, sind es wahrscheinlich noch mehr.« Er schwieg einen Moment lang, und obwohl sich der Klang seiner Stimme nicht änderte, hatte sie das Gefühl, er sei verblüfft. »Es sah beinahe so aus, als wollten sie von mir gesehen werden. Jedenfalls sollten sie Euch nicht weiter belästigen. Wölfe meiden normalerweise die Menschen.«

»Das habe ich gar nicht gewußt«, bemerkte sie mit süßlicher Stimme. »Ich bin ja nur bei Schäfern aufgewachsen.« Er knurrte, und sie lächelte in die Dunkelheit hinein.

»Also fangen wir an«, sagte er.

Das Lächeln verging ihr, als sie hinunter in das Lager voll bewaffneter Männer blickte. Zweihundert Männer mit Speeren und Schwertern und... Bevor sie es sich anders überlegen konnte, lockerte sie ihr Messer in der Scheide und wollte losschleichen. Moiraine packte sie am Arm. Ihr Griff schien fast genauso kräftig wie der Lans.

»Paßt gut auf«, sagte die Aes Sedai leise. »Sobald Ihr die Seile durchschnitten habt, kommt so schnell wie möglich zurück. Auch Ihr seid ein Teil des Musters, und ich möchte — genau wie bei den anderen — Euer Leben nicht aufs Spiel setzen. Nur, daß heutzutage eben die ganze Welt auf dem Spiel steht.«

Verstohlen rieb sich Nynaeve den Arm, als Moiraine sie losließ. Sie wollte sich vor der Aes Sedai nicht anmerken lassen, daß ihr Griff schmerzte. Aber Moiraine wandte sich wieder der Beobachtung des Lagers zu, sobald sie losgelassen hatte. Und aufschreckend bemerkte Nynaeve, daß der Behüter weg war. Sie hatte nicht gehört, wie er weggeschlichen war. Licht noch mal — so ein verdammter Kerl! Schnell band sie sich die Röcke hoch, um die Beine besser bewegen zu können, und hastete in die Nacht hinein.

Nach der ersten Eile ging sie jedoch langsamer, da unter ihren Füßen ständig abgebrochene Ästchen knackten. Sie war froh, daß niemand da war, der ihr Erröten hätte bemerken können. Letzten Endes sollte sie sich ja leise bewegen, und sie befand sich auch nicht in einem Wettkampf mit dem Behüter. Tatsächlich?

Sie schüttelte solche Gedanken ab und konzentrierte sich darauf, ihren Weg durch den dunklen Wald zu suchen. Es war an sich nicht so schwer; das schwache Licht des abnehmenden Mondes reichte jedem, den ihr Vater unterrichtet hatte, und der Boden hob und senkte sich in sanften Wellen. Aber die sich kahl und scharf umrissen vom Nachthimmel abhebenden Bäume erinnerten sie ständig daran, daß es sich hier nicht um ein kindliches Spiel handelte, und der heulende Wind klang viel zu sehr nach den Hörnern von Trollocs. Jetzt — allein in der Dunkelheit — mußte sie auch daran denken, daß sich diesen Winter die Wölfe in den Zwei Flüssen anders verhalten hatten als sonst und nicht mehr vor Menschen davongelaufen waren.

Eine warme Welle der Erleichterung überlief sie, als ihr endlich der Geruch nach Pferden in die Nase stieg. Sie hielt beinahe den Atem an und kroch auf dem Bauch gegen den Wind dem Geruch entgegen.

Sie stolperte beinahe über die Wachen, bevor sie sie bemerkte. Sie marschierten aus der Nacht heraus geradewegs auf sie zu. Die weißen Umhänge flatterten im Wind und leuchteten beinahe im Mondlicht. Sie hätten genausogut Fackeln tragen können — Fackelschein hätte sie auch nicht sichtbarer werden lassen. Sie erstarrte und bemühte sich, wie ein Stück Boden auszusehen. Fast schon direkt vor ihr, kaum zehn Schritte entfernt, kamen sie mit aufstampfenden Füßen zum Stehen, wandten sich mit geschulterten Speeren einander zu. Gleich hinter ihnen konnte sie Schatten ausmachen. Das mußten die Pferde sein. Der Stallgeruch nach Pferden und Mist war stark.

»Alles ist gut in der Nacht«, verkündete eine weißumhüllte Gestalt. »Das Licht leuchte uns und behüte uns vor dem Schatten.«

»Alles ist gut in der Nacht«, antwortete der andere.

»Das Licht leuchte uns und behüte uns vor dem Schatten.«

Damit drehten sie sich um und marschierten wieder fort in die Dunkelheit.

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