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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Unmittelbar in meiner Nähe befand sich die lebensgroße Replik eines griechischen Kriegers – ich vermutete, dass es ein Spartaner war, da man auf jedes frivole Kleidungsstück verzichtet hatte und der Herr nichts als einen stabil aussehenden Helm mit einem Federbusch trug und in jeder Hand ein Schwert hatte. Zu seinen Füßen stand strategisch platziert ein großer Schild, der die auffälligen Mängel seiner Garderobe überdeckte.

Auf der rechten Rasenfläche stand das Gegenstück, das Diana, die Jägerin, darstellte. Die Dame war zwar spärlich bekleidet, und ihre wohlgeformten, weißen Brüste zogen anerkennende Seitenblicke der anwesenden Herrenwelt auf sich, doch was das Ausmaß der öffentlichen Faszination betraf, so konnte sie ihrem Begleiter nicht das Wasser reichen. Ich lächelte hinter meinem Fächer, als ich sah, wie Mr. und Mrs. Sherston an der Statue vorbeischwebten, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Ihre erhobenen Nasen und gelangweilten Mienen besagten, dass solche Kunstwerke in Europa gang und gäbe seien. Nur Kolonialisten, denen es sowohl an Kultur als auch an guter Herkunft mangelte, würden ein Spektakel darin sehen, meine Liebe.

Als ich die Statue meinerseits genauer betrachtete, stellte ich fest, dass sie doch keinen anonymen Griechen darstellte, sondern vielmehr Perseus. Jetzt konnte ich auch erkennen, dass der Gegenstand am Fuß des Schildes, den ich für einen Felsbrocken gehalten hatte, tatsächlich ein abgetrennter Gorgonenkopf war, dessen Schlangen zum Teil in schockierter Bestürzung abstanden.

Die unübersehbar kunstfertige Machart dieser Reptilien lieferte einer Anzahl von Damen eine Entschuldigung zur näheren Betrachtung, und sie wagten sich dicht heran, spitzten kennerhaft die Lippen und äußerten sich mit Bewunderungslauten über das Geschick des Bildhauers bei der Andeutung jeder einzelnen Schuppe. Dann und wann ließ die eine oder andere ihren Blick für den Bruchteil einer Sekunde in die Höhe schnellen, bevor sie ihn mit einem Ruck wieder auf das Gorgonengesicht heftete und rot anlief – zweifellos von dem Glühwein, der von den Dienstboten herumgereicht wurde.

Ein dampfender Becher dieses Getränkes, der mir unter die Nase gehalten wurde, lenkte mich von Perseus ab.

»Trinkt etwas davon, Mrs. Fraser.« Es war Lloyd Stanhope, die Liebenswürdigkeit in Person. »Ihr wollt Euch doch nicht erkälten, werte Dame.«

Das war zwar kaum wahrscheinlich, da sich der Tag zunehmend erwärmte, doch ich nahm den Becher entgegen und genoss den Duft von Zimt und Honig, der mir von seiner dampfenden Oberfläche entgegenwehte.

Ich drehte mich zur Seite und sah mich nach Jamie um, doch er blieb unsichtbar. Eine Gruppe von Herren, die darüber diskutierten, ob Virginiatabak oder Indigo lukrativer war, drängte sich um Perseus’ Vorderseite, während die Rückseite der Statue jetzt drei junge Mädchen verbarg, die sie im Schutz ihrer Fächer mit roten Gesichtern kichernd von hinten betrachteten.

»… einzigartig«, sagte Philip Wylie gerade zu irgendjemandem. Die Randgewässer der Konversation hatten ihn wieder an meine Seite geschwemmt. »Absolut einzigartig! Man nennt sie Schwarze Perlen. Ich wette, so etwas habt Ihr noch nicht gesehen.« Er sah sich um, und als er mich entdeckte, streckte er die Hand aus, um sacht meinen Ellbogen zu berühren. »Ich habe gehört, Ihr habt einige Zeit in Frankreich verbracht, Mrs. Fraser. Habt Ihr sie dort vielleicht gesehen?«

»Schwarze Perlen?«, sagte ich und bemühte mich, den Gesprächsfaden aufzunehmen. »Nun, ja, ein paar. Ich erinnere mich, dass der Erzbischof von Rouen einen kleinen Mohrenpagen hatte, der eine große, schwarze Perle in der Nase trug.«

Stanhope fiel die Kinnlade herunter, ein Bild der Lächerlichkeit. Wylie starrte mich für den Bruchteil einer Sekunde an, dann lachte er so laut auf, dass sowohl die Tabaklobby als auch die kichernden Mädchen verstummten und uns anstarrten.

»Ihr bringt mich noch um, meine Liebe«, keuchte Wylie, während Stanhope in unterdrücktes Prusten verfiel. Wylie zog ein Spitzentaschentuch hervor und betupfte sich vorsichtig die Augenwinkel, damit keine Lachträne seinen Puder befleckte.

»Also wirklich, Mrs. Fraser, habt Ihr denn meine Schätze noch nicht gesehen?« Er ergriff meinen Ellbogen und schob mich überraschend geschickt aus der Menge hinaus. »Kommt, ich will sie Euch zeigen.«

Er manövrierte mich reibungslos durch das Gewimmel und dann seitlich am Haus vorbei auf einen gepflasterten Weg, der zu den Stallungen führte. Eine weitere Menschenansammlung – zum Großteil Männer – drängte sich um das Paddock, wo Jocastas Stallknecht gerade mehreren Pferden Heu hinstreute.

Es waren fünf: zwei Stuten, zwei Zweijährige und ein Hengst. Alle fünf waren kohlrabenschwarz, und ihr Fell glänzte in der blassen Frühlingssonne, obwohl es noch das struppige Winterfell war. Ich war keine Expertin, was das Exterieur von Pferden betraf, wusste aber inzwischen genug, um den breiten Bug, den tonnenförmigen Rumpf und die reliefartigen Hinterteile zur Kenntnis zu nehmen, die ihnen das seltsame, aber höchst ansprechende Aussehen stämmiger Eleganz verliehen. Über die Schönheit ihres Körperbaus und ihres Fells hinaus war das Auffälligste an diesen Pferden ihr Langhaar.

Während die meisten Pferdemähnen ihr Dasein irgendwo zwischen kurzen Stoppeln und unordentlichem Gewirr fristeten, hatten diese schwarzen Pferde massenweise fließendes, seidiges Haar – fast wie Frauenhaar –, das sich im Rhythmus ihrer Bewegungen hob und wogte, genau wie auch die Wasserfälle ihrer langen, dichten Schweife. Dazu waren die Hufe und Fesseln eines jeden Pferdes mit einem feinen Federbusch aus schwarzen Haaren verziert, die sich bei jedem Schritt bewegten wie Gänsedistelsamen auf dem Wasser.

Im Vergleich zu den normalen, grobknochigen Reitpferden und kräftigen Zugpferden schienen diese Pferde beinahe etwas Magisches an sich zu haben – und den ehrfürchtigen Kommentaren der Zuschauer nach zu schließen, hätten sie genauso gut aus dem Märchenland wie von Philip Wylies Plantage in Edenton kommen können.

»Sie gehören Euch?«, fragte ich Wylie, ohne ihn anzusehen, denn ich wollte meine Augen nicht von dem bezaubernden Anblick abwenden. »Wo habt Ihr sie nur her?«

»Ja«, sagte er, und schlichter Stolz siegte über seine übliche, affektierte Art. »Sie gehören mir. Es sind Friesen. Eine der ältesten Warmblutrassen – ihre Abstammung lässt sich über Jahrhunderte zurückverfolgen. Und wo ich sie herhabe –« Er lehnte sich über den Zaun, streckte eine Hand aus, die Handfläche nach oben gekehrt, und winkte den Pferden einladend mit den Fingern. »Ich züchte sie schon seit einigen Jahren. Ich habe sie auf Mrs. Camerons Einladung hin mitgebracht; sie denkt darüber nach, eventuell eine meiner Stuten zu kaufen, und meinte, es seien vielleicht auch ein oder zwei ihrer Nachbarn interessiert. Doch was Lucas hier angeht –«, der Hengst war zu uns herübergekommen, als er seinen Besitzer erkannte, und ließ sich gnädig die Stirn kraulen, »er ist unverkäuflich.«

Die beiden Stuten waren hochtragend; Lucas war der Zuchthengst, und daher, sagte Wylie, hatte er ihn mitgebracht, um die Qualität der Linie zu beweisen. Deshalb, dachte ich insgeheim belustigt, und um mit ihm anzugeben. Wylies »Schwarze Perlen« erregten beträchtliches Interesse, und eine Reihe von Pferdezüchtern aus der näheren Umgebung waren bei Lucas’ Anblick sichtlich grün vor Neid geworden. Philip Wylie plusterte sich auf wie ein Zwerghahn.

»Oh, da bist du ja, Sassenach«, erklang Jamies Stimme plötzlich in meinem Ohr. »Ich habe schon nach dir gesucht.«

»Ach wirklich?«, sagte ich und wandte mich vom Paddock ab. Bei seinem Anblick verspürte ich eine plötzliche Wärme unter dem Brustbein und lächelte trotz meiner Ungeduld. »Und wo genau bist du gewesen?«

»Oh, hier und dort«, sagte Jamie, ohne sich von meinem anklagenden Tonfall stören zu lassen. »Wirklich ein schönes Pferd, Mr. Wylie.« Ein höfliches Nicken, und er hatte mich am Arm gepackt und hielt auf die Rasenfläche zu, noch bevor Philip Wylie sein gemurmeltes »Stets zu Diensten, Sir« ganz ausgesprochen hatte.

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