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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Richard Caswell war allein aufgestanden, und er sah zwar arg beleidigt aus, hatte aber offensichtlich nicht vor, auf irgendjemanden einzuschlagen. Er stand da, klopfte sich das trockene Gras vom Rücken seines Rockes und hatte die Lippen missbilligend zusammengepresst.

»Euer Fächer, Mrs. Fraser?« Aus meiner Analyse des Konfliktes gerissen, stellte ich fest, dass Major MacDonald mir höflich meinen Fächer wieder entgegenhielt. Seine Miene war ausgesprochen selbstzufrieden.

»Danke«, sagte ich, ergriff den Fächer und betrachtete MacDonald mit einigem Respekt. »Sagt mir, Major – lauft Ihr immer mit geladener Pistole herum?«

»Ein Versehen, Ma’am«, erwiderte er unverbindlich. »Wenn auch vielleicht ein glückliches, aye? Ich war gestern in Cross Creek, und da ich nach Anbruch der Dunkelheit allein zu Mr. Farquard Campbells Plantage zurückkehrte, hielt ich es für besser, auf der Straße vorsichtig zu sein.«

Er wies mit dem Kinn über meine Schulter hinweg.

»Sagt mir, Mrs. Fraser, wer ist dieses schlecht rasierte Individuum? Er scheint ein Mann von Stehvermögen zu sein, trotz seines Mangels an Benimm. Glaubt Ihr, er wird jetzt um seiner selbst willen auf die Barrikaden gehen?«

Ich fuhr herum und sah Hermon Husband Nase an Nase mit Barlow, der sich wieder erhoben hatte. Er hatte sich den runden, schwarzen Hut tief ins Gesicht geschoben, und sein Bart stand kampflustig ab. Barlow wich keinen Zentimeter zurück. Sein Gesicht war rot angelaufen, und der Zorn stand ihm auf die Stirn geschrieben, doch er hatte die Arme fest vor der Brust verschränkt, während er Husband zuhörte.

»Hermon Husband ist Quäker«, sagte ich in leicht tadelndem Tonfall. »Nein, er wird sich nicht auf Gewalt verlegen. Nur auf Worte.«

Eine ziemliche Menge Worte. Barlow versuchte beharrlich, ihn mit seinen eigenen Ansichten zu unterbrechen, doch Husband ignorierte diese und vertrat seine Meinung mit solchem Enthusiasmus, dass ihm der Speichel aus den Mundwinkeln flog.

»… ein schrecklicher Fehlgriff der Justiz! Sheriffs, so bezeichnen sie sich zumindest selbst, die nicht getreu der Buchstaben des Gesetzes ernannt worden sind, sondern sich vielmehr selbst ernennen, und dies zu keinem anderen Zweck als sich selbst zu bereichern, und verächtlich auf jedes legitime …«

Barlow ließ die Arme sinken und begann zurückzuweichen, um der Verbalattacke zu entfliehen. Doch als Husband kurz inne hielt, um Luft zu holen, nutzte Barlow die Gelegenheit, um sich vorzubeugen und Husband drohend den Finger in die Brust zu bohren.

»Ihr sprecht von Gerechtigkeit, Sir? Was haben denn Aufruhr und Zerstörung mit Gerechtigkeit zu tun? Wenn Ihr die Vernichtung von Eigentum als Mittel zur Wiedergutmachung befürwortet –«

»Das ist keineswegs der Fall! Aber sollen denn die Armen den Skrupellosen zum Opfer fallen, und soll ihr Leiden unbeachtet bleiben? Ich sage Euch, Sir, Gott wird die Unterdrücker der Armen gnadenlos zur Rechenschaft ziehen, und –«

»Worüber streiten sie sich denn?«, fragte MacDonald, der den Wortwechsel interessiert verfolgte. »Religion?«

Nachdem sie gesehen hatten, dass Husband die Bühne betrat, und sie begriffen, dass keine weiteren Schlägereien zu erwarten waren, hatten die meisten Zuschauer das Interesse verloren und waren zu den Buffettischen und den Kohlebecken auf der Terrasse davonspaziert. Hunter und ein paar andere Regulatoren blieben, um Husband moralisch zu unterstützen, doch die meisten Gäste waren Pflanzer und Kaufleute. Sie mochten zwar theoretisch auf Barlows Seite sein, waren jedoch praktisch nicht geneigt, den seltenen, festlichen Anlass durch eine Kontroverse mit Hermon Husband über die Rechte der steuerzahlenden Armen zu ruinieren.

Auch ich brannte nicht besonders darauf, die Rhetorik der Regulation im Detail zu ergründen, tat aber mein Bestes, um Major MacDonald einen groben Überblick über die Situation zu verschaffen.

»… und daher fühlte sich Gouverneur Tryon gezwungen, die Miliz einzuberufen, um dem entgegenzuwirken, aber die Regulatoren haben nachgegeben«, sagte ich abschließend. »Allerdings sind sie keinesfalls von ihren Forderungen abgerückt.«

Auch Husband hatte nicht von seinem Streitgespräch abgelassen – das tat er nie –, doch war es Barlow endlich gelungen, sich zurückzuziehen, und er leckte jetzt in Gesellschaft einiger mitfühlender Freunde an den Erfrischungstischen unter den Ulmen seine Wunden. Sie warfen in Abständen missbilligende Blicke in Husbands Richtung.

»Ich verstehe«, sagte MacDonald interessiert. »Farquard Campbell hat diese aufrührerische Bewegung schon erwähnt. Und der Gouverneur hat eine Miliz einberufen, um ihrer Herr zu werden, sagt Ihr, und könnte dies wieder tun? Wisst Ihr, wer seine Truppen befehligt?«

»Äh … ich glaube, General Waddell – Hugh Waddell – kommandiert mehrere Kompanien. Doch der Gouverneur hat den Großteil selbst befehligt; er ist ein ehemaliger Soldat.«

»Ach wirklich?« MacDonald schien von dem Thema gefesselt zu sein; er hatte seine Pistole nicht weg gesteckt, sondern tätschelte sie geistesabwesend. »Campbell sagt mir, dass Euer Gatte der Inhaber einer großen Landvergabe im Hinterland ist. Ist er ein Vertrauter des Gouverneurs?«

»So würde ich es nicht gerade ausdrücken«, sagte ich trocken. »Aber er kennt den Gouverneur, ja.«

Angesichts dieser Wendung des Gespräches wurde mir ein wenig mulmig. Es war – genau gesehen – illegal für Katholiken, eine königliche Landvergabe in den Kolonien inne zu haben. Ich wusste nicht, ob sich Major MacDonald dieser Tatsache bewusst war, aber angesichts von Jamies Herkunft war ihm zweifelsohne klar, dass dieser Katholik war.

»Meint Ihr, Euer Gatte lässt sich vielleicht dazu bewegen, ein Wort für mich einzulegen, verehrte Dame?« Seine blassblauen Augen leuchteten spekulierend, und ich begriff schlagartig, worum es ihm ging.

Um einen Berufssoldaten war es ohne Krieg in punkto Beschäftigung und Einkommen definitiv schlecht bestellt. Die Regulation mochte ja nur ein Sturm im Wasserglas sein, doch andererseits, wenn es auch nur die geringste Aussicht auf ein Eingreifen des Militärs gab … Tryon hatte schließlich keine regulären Truppen; es war gut möglich, dass ihm ein erfahrener Offizier willkommen war – und er bereit war, ihn zu bezahlen –, falls die Miliz noch einmal zusammengerufen wurde.

Ich warf einen argwöhnischen Blick in Richtung des Rasens. Husband und seine Freunde hatten sich ein Stück zurückgezogen und konferierten jetzt in einem dichten Pulk neben einer von Jocastas neuen Statuen. Der jüngsten Beinahe-Prügelei nach zu urteilen, kochte die Regulation immer noch gefährlich vor sich hin.

»Das ist gut möglich«, sagte ich vorsichtig. Ich sah keinen Grund, warum Jamie etwas dagegen haben sollte, ein Referenzschreiben an Tryon zu verfassen – und schließlich war ich dem Major etwas schuldig, da er gerade einen ausgewachsenen Aufruhr verhindert hatte. »Ihr müsstet meinen Mann natürlich selbst fragen – aber ich werde gern ein Wort für Euch einlegen.«

Der Major marschierte zur Terrasse davon, und als ich mich umdrehte, sah ich Hermon Husband auf mich zustiefeln, gefolgt von Hunter und einigen anderen Männern.

»Mrs. Fraser, ich muss Euch bitten, Mrs. Innes meine guten Wünsche und mein Bedauern auszusprechen, wenn Ihr so gütig wärt«, sagte er ohne Umschweife. »Ich muss gehen.«

»Oh, müsst Ihr uns schon verlassen?« Ich zögerte. Einerseits hätte ich ihn gern gedrängt zu bleiben; andererseits sah ich weitere Probleme voraus, wenn er dies tat. Barlows Freunde hatten ihn seit der Beinahe-Schlägerei nicht mehr aus den Augen gelassen.

Er las mir meinen Gedanken vom Gesicht ab und nickte nüchtern. Die Röte der Debatte war aus seinem Gesicht gewichen, und es war von grimmigen Furchen durchzogen.

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