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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Ah ja. Ich habe schon davon gehört.« In der Nähe seines Mundwinkels zuckte ein Muskel, und ich fragte mich beklommen, was genau er gehört hatte. Jamies Destille war im Hinterland und unter den schottischen Siedlern am Cape Fear ein offenes Geheimnis – ja, es standen sogar mehrere Fässer mit unreifem Whisky aus der Destillerie für jedermann sichtbar bei den Ställen, Jamies Hochzeitsgeschenk an seine Tante und Duncan –, doch ich hoffte, dass es nicht so offen war, dass ein frisch in den Kolonien eingetroffener Armeeoffizier gleich davon gehört hatte.

»Sagt mir, Mrs. Fraser …« Er zögerte, dann gab er sich einen Ruck. »Habt Ihr in Eurer Gegend der Kolonie sehr viel mit … Parteigeist zu tun?«

»Parteigeist? Oh, äh … nein, eigentlich nicht.« Ich blickte argwöhnisch zu Hector Camerons Mausoleum hinüber, wo Hermon Husbands dunkles Quäkergrau sich wie ein Fleck von dem reinweißen Marmor abhob. Parteigeist war ein Codewort für die Aktivitäten von Männern wie Husband und James Hunter – Regulatoren.

Die Milizaktion des Gouverneurs im Dezember hatte zwar die gewalttätigen Ausschreitungen zum Erliegen gebracht, doch die Regulation war immer noch ein brodelnder Topf unter einem sehr festen Deckel. Husband war aufgrund seiner ausdrucksstarken Pamphlete im Februar festgenommen und kurze Zeit eingekerkert worden, doch diese Erfahrung hatte weder seiner Einstellung noch seiner Wortwahl Abbruch getan. Der Topf konnte jederzeit überkochen.

»Es freut mich, das zu hören«, sagte Major MacDonald mit ausgesprochen enttäuschtem Gesicht. »Erfahrt Ihr denn in Eurer abgelegenen Siedlung viele Neuigkeiten?«

»Nicht viel. Äh … schönes Wetter heute, nicht wahr? Wir haben dieses Jahr wirklich Glück. Hattet Ihr eine gute Anreise aus Charleston? So früh im Jahr … der Schlamm …«

»Ja, Ma’am. Wir hatten ein paar kleine Schwierigkeiten, aber nicht mehr als …«

Im Lauf dieser Plauderei betrachtete mich der Major ganz unverhüllt und registrierte abschätzend den Schnitt und die Qualität meines Kleides, die Perlen an meinem Hals und meinen Ohren. Es lag nicht die geringste Spur von Anzüglichkeit oder Koketterie in seinem Blick. Er beurteilte einfach nur meine gesellschaftliche Stellung und den Grad der Wohlhabenheit und des Einflusses, den mein Mann hatte.

Ich ließ mich davon nicht beleidigen; schließlich machte ich es ja mit ihm nicht anders. Wohlerzogen und aus gutem Hause. So viel machte allein sein Rang deutlich, doch der schwere, goldene Siegelring an seiner rechten Hand beantwortete auch die letzte diesbezügliche Frage. Er persönlich war jedoch nicht allzu gut betucht; seine Uniform war an den Kanten abgetragen, und seine Stiefel waren stark zerkratzt, wenn auch gut poliert.

Ein leichter, schottischer Akzent mit einem Hauch von französischer Gutturalität – Erfahrung in Kontinentalfeldzügen. Und, wie ich vermutete, gerade erst in der Kolonie eingetroffen; sein Gesicht war von einer Krankheit gezeichnet, die noch nicht lange zurücklag, und das Weiße seiner Augen zeigte eine leichte Spur von Gelbsucht, die bei Neuankömmlingen häufig war, weil sie sich oft alles Mögliche von der Malaria bis zum Denguefieber einfingen, wenn sie auf die wimmelnden Keimparadiese in den Küstenstädten trafen.

»Sagt mir, Mrs. Fraser –«, begann der Major.

»Damit beleidigt Ihr nicht nur mich, sondern jeden Ehrenmann hier!«

Ninian Bell Hamiltons ziemlich schrille Stimme ertönte inmitten einer allgemeinen Gesprächspause, und auf der ganzen Rasenfläche wandten sich die Köpfe.

Er stand direkt vor Robert Barlow, einem Mann, dem ich vorhin vorgestellt worden war. Irgendein Kaufmann, erinnerte ich mich vage – aus Edenton? Oder vielleicht auch New Bern. Er war ein untersetzter Mann, der aussah, als sei er keinen Widerspruch gewöhnt, und er verhöhnte Hamilton ganz unverhohlen.

»Regulatoren nennt Ihr sie? Knastbrüder und Aufrührer! Und Ihr wollt sagen, dass solche Männer Ehrgefühl besitzen, ja?«

»Ich will es nicht sagen – ich konstatiere es als Tatsache, und als solche werde ich es auch verteidigen!« Der alte Herr richtete sich auf und tastete nach seinem Schwertknauf. Glücklicherweise trug er kein Schwert; aus gegebenem, festlichem Anlass trug keiner der anwesenden Herren eine solche Waffe.

Ob diese Tatsache Barlows Verhalten beeinflusste, konnte ich nicht sagen, doch er lachte verächtlich und kehrte Hamilton den Rücken, um sich zu entfernen. Wutentbrannt trat der ältere Schotte ihm darauf prompt in den Hintern.

Barlow, der mit einer solchen Attacke nicht rechnete und das Gleichgewicht verlor, schoss nach vorn und landete auf Händen und Knien, so dass ihm die Rockschöße über die Ohren flogen und er ein höchst lächerliches Bild abgab. Sämtliche Zuschauer brachen unabhängig von ihrer politischen Einstellung in Gelächter aus. Dadurch ermutigt, blies sich Ninian auf wie ein Zwergkampfhahn und stolzierte um seinen gestürzten Gegner herum, um ihn von vorn anzusprechen.

Ich hätte ihm sagen können, dass dies ein taktischer Fehler war, aber ich hatte ja auch den Vorteil, Barlows Gesicht zu sehen, das vor Wut und Verlegenheit knallrot war. Mit vorquellenden Augen rappelte er sich umständlich auf, setzte sich mit Gebrüll in Bewegung und rannte den kleineren Mann um.

Die beiden wälzten sich mit fliegenden Fäusten und Rockschößen im Gras, und die Zuschauer johlten ihnen ermunternd zu. Überall von der Rasenfläche und der Terrasse kamen die Gäste herbeigeeilt, um zu sehen, was hier vor sich ging. Abel MacLennan schob sich durch den Pöbel, offenbar in der Absicht, seinem Gastgeber Unterstützung anzubieten. Richard Caswell packte ihn am Arm, um ihn daran zu hindern, und er fuhr herum, wodurch Caswell das Gleichgewicht verlor.

James Hunter, dessen hageres Gesicht vor Schadenfreude leuchtete, stellte Caswell ein Bein, und dieser landete mit dem Hintern auf dem Rasen und machte ein überraschtes Gesicht. Caswells Sohn George heulte entrüstet auf und boxte Hunter in die Nieren. Hunter wirbelte herum und schlug George auf die Nase.

Eine Anzahl von Damen war in Gekreische ausgebrochen – nicht alle vor Schrecken. Eine oder zwei schienen Ninian Hamilton anzufeuern, der in dieser Minute auf der Brust seines Opfers saß und Anstalten machte, ihn zu erwürgen, wenn er auch dank Barlows kräftigem Hals und seiner Halsbinde damit wenig erfolgreich war.

Ich sah mich panisch nach Jamie um – oder Roger oder Duncan. Gottverdammt, wo waren sie nur alle?

George Caswell war überrascht zurückgewichen und hielt sich die Nase, aus der ihm das Blut auf sein Hemd tropfte. DeWayne Buchanan, einer von Hamiltons Schwiegersöhnen, schob sich zielstrebig durch die dichter werdende Menge. Ich wusste nicht genau, ob er seinen Schwiegervater von Barlow wegzureißen oder ihm bei seinem Mordversuch zu helfen gedachte.

»Oh, verflixt«, knurrte ich vor mich hin. »Hier, haltet das.« Ich drückte Major MacDonald meinen Fächer in die Hand und hob meine Röcke, um mich in den Schlamassel zu begeben, während ich mir noch überlegte, nach wem ich am wirkungsvollsten zuerst trat – und wohin.

»Möchtet Ihr, dass ich es beende?«

Der Major, der das Spektakel genossen hatte, machte bei diesem Gedanken ein enttäuschtes, aber pflichtergebenes Gesicht. Auf mein ziemlich verblüfftes Nicken hin griff er nach seiner Pistole, zielte zum Himmel und schoss in die Luft.

Der Knall war so laut, dass er für ein paar Sekunden alle zum Schweigen brachte. Die Streithähne erstarrten, und in der vorübergehenden Stille betrat Hermon Husband die Szene.

»Freund Ninian«, sagte er und blickte unter freundlichem Kopfnicken in die Runde. »Freund Buchanan. Ihr erlaubt.« Er ergriff den älteren Schotten an beiden Armen und zog ihn von Barlows Körper hoch. Er warf James Hunter einen warnenden Blick zu; Hunter gab ein hörbares »Hmpf!« von sich, trat jedoch ein paar Schritte zurück.

Die jüngere Mrs. Caswell, eine Frau von Verstand, hatte ihren Mann bereits vom Schlachtfeld entfernt und hielt ihm ein Taschentuch unter die Nase und ein silbernes Messer vom Buffet in den Nacken. DeWayne Buchanan und Abel MacLennan hatten je einen von Ninians Armen ergriffen und taten so, als müssten sie ihn unter großer Mühe bändigen, während sie mit ihm zum Haus davonmarschierten – obwohl es doch einigermaßen deutlich war, dass jeder Einzelne von ihnen ihn problemlos hätte hochheben und tragen können.

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