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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Edenton lag am Albemarle Sound und war per Schiff leicht zu erreichen. Also war es ausgesprochen wahrscheinlich, dass Bonnet sich wieder dem Seemannshandwerk zugewandt hatte – und damit auch der Piraterie und Schmuggelei.

»Ihr habt Bonnet einen durchtriebenen Jungen genannt«, sagte er und wandte sich MacDonald zu. »Warum?«

»Könnt Ihr gut Whist spielen, Oberst Fraser?« MacDonald sah ihn fragend an. »Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Es hat einige Vorteile mit dem Schachspiel gemeinsam, denn man muss die Gedanken seines Gegenspielers erraten, und es hat den noch größeren Vorteil, dass man es zu mehreren spielen kann.«

Die harten Linien seines Gesichtes entspannten sich vorübergehend zu einem schwachen Lächeln. »Und den noch größeren Vorteil, dass man damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann, was beim Schach selten der Fall ist.«

»Das Spiel ist mir vertraut«, sagte Jamie extrem trocken.

Major MacDonald war ein Offizier auf halbem Sold, der weder offizielle Pflichten noch ein aktives Regiment besaß. Es war alles andere als ungewöhnlich, dass solche Männer ihr mageres Einkommen dadurch aufbesserten, dass sie Informationen sammelten, die sie dann verkauften oder eintauschten. Es war zwar nicht von einer Bezahlung die Rede – noch nicht –, doch das bedeutete nicht, dass die Schuld nicht später noch abgerufen werden konnte. Jamie zeigte durch ein Kopfnicken an, dass er die Situation verstand, und MacDonald nickte seinerseits zufrieden. Wenn es an der Zeit war, würde er seine Wünsche äußern.

»Nun, Sir. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, brannte ich darauf zu erfahren, wer dieser Bonnet sein könnte – und welche Gans ihn gelegt hatte, wenn er tatsächlich so ein goldenes Ei war.«

Doch nun waren MacDonalds Gesprächspartner wieder auf der Hut gewesen, und er konnte nichts weiter über den mysteriösen Bonnet in Erfahrung bringen – abgesehen davon, was für eine Wirkung er auf die Menschen hatte, die ihm begegneten.

»Ihr wisst doch, dass man oft genauso viel durch das erfährt, was die Leute nicht sagen, wie durch das, was sie sagen. Oder dadurch, wie sie es sagen?« Er fuhr fort, ohne Jamies Kopfnicken abzuwarten.

»Wir waren acht Spieler. Drei haben ihren Spekulationen freien Lauf gelassen, aber ich konnte sehen, dass sie auch nicht mehr über Bonnet wussten als ich selbst. Zwei weitere schienen weder etwas zu wissen noch schien es sie zu interessieren, aber die beiden letzten –« Er schüttelte den Kopf. »Sie sind sehr still geworden, Sir. Wie Menschen, die nicht vom Teufel sprechen möchten, weil sie fürchten, dass er dann kommt.«

MacDonalds Augen leuchteten spekulativ.

»Ihr kennt Bonnet persönlich?«

»Ja. Die beiden Herren, die ihn kannten?«

»Walter Priestly und Hosea Wright«, erwiderte MacDonald prompt. »Beide gute Freunde des Gouverneurs.«

»Kaufleute?«

»Unter anderem. Beide besitzen Lagerhäuser; Wright in Edenton und Plymouth, Priestly in Charleston, Savannah, Wilmington und Edenton. Priestly hat außerdem geschäftliche Interessen in Boston«, fügte MacDonald nachträglich hinzu. »Obwohl ich nicht viel darüber weiß, welcher Natur sie sind. Oh – und Wright ist Bankier.«

Jamie nickte. Er hatte beim Gehen die Hände unter den Rockschößen gefaltet; niemand konnte sehen, wie fest er seine Finger geballt hatte.

»Von Mr. Wright habe ich, glaube ich, schon gehört«, sagte er. »Philip Wylie hat erwähnt, dass ein Herr dieses Namens eine Plantage in der Nähe seiner eigenen besitzt.«

MacDonald nickte zustimmend. Seine Nasenspitze war rot geworden, und auf seinen Wangen zeichneten sich kleine, geplatzte Blutgefäße ab, Überbleibsel jahrelanger Feldzüge.

»Aye, das dürfte Four Chimneys sein.« Er warf Jamie einen Seitenblick zu und betastete beim Nachdenken einen Backenzahn mit seiner Zunge.

»Dann habt Ihr also vor, ihn umzubringen?«

»Natürlich nicht«, erwiderte Jamie gleichmütig. »Einen Mann, der so gute Beziehungen auf höchster Ebene hat?«

MacDonald sah ihn scharf an und wandte sich dann mit einem kurzen Schnauben ab.

»Aye. Nun denn.«

Sie schritten eine Zeit lang Seite an Seite einher, ohne etwas zu sagen, ein jeder mit seinen eigenen Überlegungen beschäftigt – ein jeder in dem vollen Bewusstsein, was für Überlegungen der andere hegte.

Die Neuigkeit von den Verbindungen Bonnets hatte Vor- und Nachteile; einerseits würden sie wahrscheinlich die Suche nach dem Mann erleichtern. Andererseits würden diese Verbindungen die Lage beträchtlich verkomplizieren, wenn es daran ging, den Mann umzubringen. Das würde Jamie nicht aufhalten – und das war MacDonald eindeutig klar –, doch es musste zumindest bedacht werden.

MacDonald selbst stellte ebenfalls eine beträchtliche Komplikation dar. Bonnets Geschäftspartner würden mit großem Interesse zur Kenntnis nehmen, dass jemand sie von der Quelle ihres Profits abschneiden wollte – und sie würden mehr als nur wahrscheinlich Schritte in die Wege leiten, um das zu verhindern. Außerdem würden sie gut für die Information bezahlen, dass ihre goldene Gans bedroht war; eine Aussicht, die MacDonald natürlich zu schätzen wusste.

Doch es gab keine unmittelbare Möglichkeit, MacDonald zum Schweigen zu bringen; Jamie fehlten die Mittel, um ihm Schmiergeld zu zahlen, und das war sowieso ein unkluger Kurs, denn wer sich einmal kaufen ließ, hatte immer einen Preis.

Er sah MacDonald an, der seinen Blick erwiderte, schwach lächelte und dann den Kopf abwandte. Nein, Einschüchterung brachte hier nichts, selbst wenn er bereit gewesen wäre, einen Mann zu bedrohen, der ihm einen Dienst erwiesen hatte. Aber was dann? Er konnte MacDonald kaum eins über den Schädel brummen, um zu verhindern, dass er Wright, Priestly oder Butler gegenüber plauderte.

Nun, und wenn Bestechung oder Gewalt nicht in Frage kamen, konnte nur Erpressung dem Mann das Maul stopfen. Was wiederum ebenfalls mit Komplikationen verbunden war, insofern als er – im Moment – nichts wusste, womit er MacDonald hätte diskreditieren können. Ein Mann mit dem Lebensstil des Majors hatte mit Sicherheit seine Schwachstellen, doch sie zu finden … wie viel Zeit mochte ihm bleiben?

Dieser Gedanke brachte ihn auf eine Idee.

»Wie habt Ihr denn erfahren, dass ich an Neuigkeiten über Bonnet interessiert bin?«, fragte er abrupt und unterbrach MacDonalds Gedankengänge.

MacDonald zuckte mit den Achseln und setzte sich Hut und Perücke fester auf.

»Ich habe es aus einem halben Dutzend unterschiedlicher Quellen gehört, Sir, vom Wirtshaus bis hin zum Magistratengericht. Ich fürchte, Euer Interesse ist weithin bekannt. Nicht aber«, fügte er mit einem kalkulierenden Seitenblick hinzu, »der Grund dafür.«

Jamie grunzte heftig auf. Was für ein zweischneidiges Schwert. Dadurch, dass er sein Netz weit ausgeworfen hatte, hatte er seinen Fisch bekommen – doch er hatte zweifellos auch Wellen aufgeworfen, die den Wal womöglich verscheuchten. Wenn die ganze Küste wusste, dass er Bonnet suchte – so wusste Bonnet es auch.

Das konnte schlecht für ihn sein, vielleicht aber auch nicht. Wenn Brianna davon hörte – sie hatte ausdrücklich gewünscht, dass er Bonnet seinem Schicksal überließ. Das war natürlich Unsinn, doch er hatte nicht mit ihr darüber diskutiert, sondern ihr nur zugehört und dabei den Anschein erweckt, darüber nachzudenken. Sie brauchte schließlich nichts davon zu wissen, solange der Mann nicht unschädlich gemacht war. Doch wenn ihr verfrüht ein unachtsames Wort zu Ohren kam … Er hatte gerade begonnen, die Möglichkeiten abzuwägen, als MacDonald erneut das Wort ergriff.

»Eure Tochter … das ist wohl Mrs. MacKenzie, nicht wahr?«

»Spielt das eine Rolle?« Seine Worte waren kalt, und MacDonald presste kurz die Lippen zusammen.

»Nein. Natürlich nicht. Es ist nur – ich habe mich ein wenig mit Mrs. MacKenzie unterhalten und fand sie sehr … charmant. Der Gedanke, dass …« Er brach ab und räusperte sich. »Ich habe selbst eine Tochter«, sagte er abrupt. Er blieb stehen und drehte Jamie das Gesicht zu.

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