Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
»Ein Irrereden im Traum!« rief Nikolai Wsewolodowitsch und ging händeringend im Zimmer auf und ab. »Lisa, du Arme, was hast du dir angetan?«
»Ich habe mich an einer Kerze verbrannt, weiter nichts. Am Ende weinen Sie ebenfalls? Benehmen Sie sich anstandsmäßiger, gefühlloser ...«
»Warum, warum bist du zu mir gekommen?«
»Aber begreifen Sie denn gar nicht, in welche komische Situation Sie sich der Meinung der Welt gegenüber durch solche Fragen bringen?«
»Warum hast du dich in so häßlicher, törichter Weise zugrunde gerichtet, und was willst du jetzt tun?«
»Und das ist nun Stawrogin, der blutdürstige Stawrogin, wie eine hiesige Dame, die in Sie verliebt ist, Sie nennt! Hören Sie, ich habe es Ihnen ja schon gesagt: ich habe mein Leben nur auf eine Stunde berechnet und bin ganz ruhig. Machen Sie es mit Ihrem Leben ebenso ... übrigens, Sie haben dazu keinen Grund; Sie werden noch viele solche ›Stunden‹ und ›Augenblicke‹ haben.«
»Ebenso viele wie du; ich gebe dir mein heiliges Ehrenwort: auch nicht eine Stunde mehr als du!«
Er ging immer noch im Saale auf und ab und sah ihren schnellen, prüfenden Blick nicht, in dem plötzlich eine Hoffnung aufzuleuchten schien. Aber dieser Schimmer erlosch im selben Augenblicke wieder.
»Wenn du wüßtest, welche Qual es für mich ist, jetzt gegen dich nicht offen sein zu können, Lisa; wenn ich dir nur enthüllen könnte ...«
»Enthüllen? Sie wollen mir etwas enthüllen? Bewahre mich Gott vor Ihren Enthüllungen!« unterbrach sie ihn beinah ängstlich.
Er blieb stehen und wartete in starker Unruhe.
»Ich muß Ihnen gestehen,« fuhr sie fort, »schon damals in der Schweiz hat sich bei mir der Gedanke festgesetzt, daß Sie eine schreckliche, schmutzige, blutige Handlung auf dem Gewissen haben, eine Handlung, die Sie gleichzeitig in ein sehr komisches Licht stellen würde.. Hüten Sie sich, sie mir zu enthüllen, wenn dem so ist; ich würde Sie auslachen. Ich würde Ihr ganzes Leben lang über Sie lachen ... Ach, Sie werden wieder blaß? Ich werde nichts weiter sagen, ich werde nichts weiter sagen, ich gehe gleich fort!« rief sie und sprang mit einer mißmutigen, geringschätzigen Gebärde vom Stuhle auf.
»Quäle mich, martere mich, laß deinen Grimm an mir aus!« schrie er verzweifelt. »Du hast ein volles Recht dazu! Ich wußte, daß ich dich nicht liebte, und habe dich zugrunde gerichtet. Ja, ich habe ›den Augenblick genutzt‹; ich hegte die Hoffnung ... schon lange ... eine letzte Hoffnung ... Ich konnte dem Lichte nicht widerstehen, von dem mein Herz erhellt wurde, als du gestern zu mir hereinkamst, von selbst, allein, zuerst. Ich glaubte auf einmal ... Vielleicht glaube ich es auch jetzt noch.«
»Zum Danke für eine so edle Offenherzigkeit will ich Ihnen mit gleicher Münze zahlen: ich will nicht Ihre Barmherzige Schwester sein. Vielleicht werde ich wirklich Krankenpflegerin, wenn ich nicht heute rechtzeitig zu sterben verstehe; aber auch wenn ich es werden sollte, werde ich es nicht bei Ihnen werden, obwohl Sie allerdings nicht besser daran sind als ein Beinloser oder Armloser. Ich habe immer die Vorstellung gehabt, Sie würden mich nach einem Orte führen, wo eine riesige, böse Spinne von Menschengröße säße, und wir würden sie da unser ganzes Leben lang ansehen und uns vor ihr fürchten; und darüber würde unsere wechselseitige Liebe vergehen. Wenden Sie sich doch an Dascha; die wird mit Ihnen gehen, wohin Sie wollen.«
»Mußten Sie die sogar jetzt erwähnen?«
»Das arme Hündchen! Grüßen Sie sie von mir! Weiß sie, daß Sie schon in der Schweiz sie zur Pflegerin Ihres höheren Alters ausersehen haben? Welche Vorsorglichkeit! Welche Voraussicht! Halt, wer ist da?«
Im Hintergrunde des Saales wurde eine Tür ein wenig geöffnet; ein Kopf schob sich hindurch und verschwand schnell wieder.
»Bist du es, Alexei Jegorowitsch?« fragte Stawrogin.
»Nein, ich bin es nur,« antwortete Peter Stepanowitsch und schob sich wieder mit dem halben Leibe herein. »Guten Morgen, Lisaweta Nikolajewna! Wußte ich es doch, daß ich Sie beide in diesem Saale treffen würde! Ich bin nur auf einen Augenblick hergekommen, Nikolai Wsewolodowitsch; so schnell ich nur irgend konnte, bin ich hergeeilt, um ein paar Worte mit Ihnen zu reden... etwas dringend Notwendiges ... nur ein paar Worte!«
Stawrogin ging auf ihn zu; aber nach drei Schritten wandte er sich zu Lisa wieder um.
»Wenn du jetzt gleich etwas erfahren wirst, Lisa, so wisse: ich bin daran schuld!«
Sie fuhr zusammen und sah ihn erschrocken an; aber er ging eilig hinaus.
II.
Das Zimmer, aus welchem Peter Stepanowitsch in den Saal hineingesehen hatte, war ein großes, ovales Vorzimmer. Dort hatte bis dahin Alexei Jegorowitsch gesessen; aber er hatte ihn fortgeschickt. Nikolai Wsewolodowitsch machte die Tür nach dem Saale hinter sich zu und blieb erwartungsvoll stehen. Peter Stepanowitsch sah ihn mit einem schnellen, prüfenden Blicke an.
»Nun?«
»Das heißt, wenn Sie es schon wissen,« begann Peter Stepanowitsch eilig, und als wollte er mit seinen Augen dem andern in die Seele dringen, »so trägt selbstverständlich niemand von uns irgendwelche Schuld an etwas und am allerwenigsten Sie, weil das ein solches Zusammentreffen ... ein so merkwürdiges Zusammentreffen von Zufällen ist ... mit einem Worte, gerichtlich kann es Sie nicht berühren, und ich bin hergeeilt, um Sie zu benachrichtigen.«
»Sind sie verbrannt? Ermordet?«
»Ermordet, aber nicht verbrannt; das ist unangenehm; aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich nicht daran schuld bin, wie sehr Sie mich auch im Verdacht haben mögen; denn im Verdacht haben Sie mich vielleicht, wie? Wenn Sie die ganze Wahrheit wissen wollen: sehen Sie, es war mir wirklich der Gedanke durch den Kopf gegangen, – Sie selbst hatten ihn mir eingegeben, nicht im Ernst, sondern um mich zu necken (denn im Ernst würden Sie einem so etwas nicht eingeben), – aber ich konnte mich nicht dazu entschließen und hätte mich um keinen Preis dazu entschlossen, nicht für hundert Rubel, – und es ist auch keinerlei Vorteil dabei, das heißt für mich, für mich ...« (Er hastete gewaltig und redete wie eine Windklapper.) »Aber nun sehen Sie dieses Zusammentreffen der Umstände: ich habe aus meinen Mitteln (hören Sie wohl, aus meinen Mitteln; von Ihrem Gelde war auch nicht ein Rubel dabei, und vor allen Dingen, Sie wissen das ja selbst), ich habe diesem verdrehten Trunkenbolde, dem Lebjadkin, schon vorgestern abend zweihundertdreißig Rubel gegeben, – hören Sie wohl, vorgestern, nicht erst gestern nach der Vorlesung; beachten Sie das wohclass="underline" das ist ein sehr wichtiges Zusammentreffen; denn ich wußte ja damals noch nicht bestimmt, ob Lisaweta Nikolajewna zu Ihnen kommen würde oder nicht; ich gab aber mein eigenes Geld einzig und allein deshalb hin, weil Sie sich vorgestern so vorzüglich benommen und den Einfall gehabt hatten, allen Leuten Ihr Geheimnis zu enthüllen. Nun, da menge ich mich nicht hinein ... das ist Ihre Sache ... Sie haben nun einmal so etwas Ritterliches ... aber ich muß gestehen, ich war erstaunt, wie betäubt. Aber da mir diese Tragödien gar sonderlich mißbehagten (notabene, ich rede im Ernst, wenn ich auch einen altväterischen Ausdruck gebrauche), da das alles schließlich meinen Plänen schadet, so nahm ich mir vor, die Lebjadkins um jeden Preis und ohne Ihr Vorwissen nach Petersburg abzuschieben, um so mehr, da er auch selbst dorthin strebte. Nur einen Fehler habe ich dabei begangen: ich habe ihm das Geld gegeben, als ob es von Ihnen käme; war das ein Fehler oder nicht? Vielleicht war es gar kein Fehler, wie? Nun, hören Sie jetzt, hören Sie, wie sich das alles gestaltet hat...«