Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
»Ist es so? Ist es so?« fragte Lisa am ganzen Leibe zitternd, wie wenn sie ihr Todesurteil erwartete.
»Ich habe sie nicht getötet und bin dagegen gewesen; aber ich habe gewußt, daß sie getötet werden würden, und habe die Mörder nicht zurückgehalten. Gehen Sie von mir fort, Lisa!« sagte Stawrogin und ging in den Saal hinein.
Lisa verbarg das Gesicht in den Händen und verließ das Haus. Peter Stepanowitsch wollte ihr zunächst nacheilen, kehrte aber sofort wieder um und ging in den Saal.
»Also so sind Sie? Also so sind Sie? Also Sie fürchten nichts?« stürzte er auf Stawrogin los. Er befand sich in völliger Raserei, murmelte unzusammenhängend, vermochte kaum Worte zu finden, und der Schaum stand ihm vor dem Munde.
Stawrogin stand mitten im Saale und antwortete ihm keine Silbe. Er hatte mit der linken Hand einen Büschel seines Haares lose gefaßt und lächelte wie geistesabwesend. Peter Stepanowitsch faßte ihn kräftig am Ärmel.
»Ist es denn mit Ihnen ganz zu Ende, wie? Was haben Sie denn da angerichtet? Sie werden noch alle denunzieren und selbst in ein Kloster oder zum Teufel gehen ... Aber ich werde Ihnen doch das Lebenslicht ausblasen, wenn Sie mich auch nicht fürchten!«
»Ah, Sie sind es, der da so plappert?« sagte Stawrogin endlich, ihn ansehend und erkennend. »Laufen Sie,« fuhr er, zur Besinnung kommend, fort, »laufen Sie ihr nach; lassen Sie meinen Wagen anspannen; verlassen Sie sie nicht ... Laufen Sie; so laufen Sie doch! Bringen Sie sie nach Hause, damit es niemand erfährt, und damit sie nicht dorthin geht... zu den Leichen ... zu den Leichen ... Setzen Sie sie mit Gewalt in den Wagen ... Alexei Jegorowitsch! Alexei Jegorowitsch!«
»Warten Sie, schreien Sie nicht! Die liegt gewiß schon in Mawrikis Armen ... Mawriki wird sie nicht in Ihren Wagen einsteigen lassen ... Warten Sie! Hier ist etwas, was jetzt mehr Wert hat als der Wagen!«
Er zog wieder den Revolver heraus; Stawrogin sah ihm ernst ins Gesicht.
»Nun gut, schießen Sie mich tot!« sagte er leise, fast in versöhnlichem Tone.
»Pfui Teufel, in was für eine unwahre Situation sich ein Mensch verirren kann!« rief Peter Stepanowitsch, der nur so zitterte. »Wahrhaftig, man sollte Sie totschießen! Sie hätte Ihnen wirklich verächtlich den Rücken drehen sollen! ... Ein schöner ›Nachen‹ sind Sie, Sie alter, löchriger, ausrangierter Kahn! ... Na, wenigstens aus Ingrimm, wenigstens aus Ingrimm sollten Sie jetzt zur Besinnung kommen! Ach, ach! Ist Ihnen denn wirklich alles egal, daß Sie selbst um eine Kugel vor die Stirn bitten?«
Stawrogin lächelte seltsam.
»Wenn Sie nicht ein solcher Clown wären, so würde ich jetzt vielleicht ja sagen ... Wenn Sie nur eine Spur verständiger wären...«
»Ich bin ein Clown; aber ich will nicht, daß Sie, die bessere Hälfte meines Ich, ein Clown seien! Verstehen Sie mich?«
Stawrogin verstand ihn und war vielleicht der einzige, der ihn verstand. Schatow war erstaunt gewesen, als Stawrogin zu ihm gesagt hatte, Peter Stepanowitsch sei ein Enthusiast.
»Verlassen Sie mich jetzt, und gehen Sie zum Teufel; bis morgen aber werde ich irgendeinen Entschluß aus mir herauspressen. Kommen Sie morgen wieder her!«
»Ja? Ja?«
»Wissen kann ich es nicht! ... Scheren Sie sich weg!«
Er ging aus dem Saal hinaus.
»Na, vielleicht ist es gerade so am besten,« murmelte Peter Stepanowitsch vor sich hin und steckte den Revolver weg.
III.
Er lief, um Lisaweta Nikolajewna einzuholen. Diese war noch nicht weit gegangen und nur einige Schritte vom Hause entfernt. Alexei Jegorowitsch hatte sie zurückzuhalten gesucht und folgte ihr auch jetzt, einen Schritt hinter ihr, im Frack, ohne Hut, in respektvoll vorgebeugter Haltung. Er flehte sie unaufhörlich an, doch auf die Equipage zu warten; der Alte war ganz erschrocken und weinte beinahe.
»Mach, daß du wegkommst; der Herr verlangt Tee, und es ist niemand da, um ihn zu servieren,« sagte Peter Stepanowitsch, schob den Kammerdiener weg und legte ohne weiteres Lisaweta Nikolajewnas Arm in den seinigen.
Diese entzog ihm ihren Arm nicht, schien aber noch nicht recht zur Besinnung gekommen zu sein und noch nicht den vollen Gebrauch der Denkkraft wiedererlangt zu haben.
»Erstens dürfen Sie nicht den Weg da einschlagen,« begann Peter Stepanowitsch auf sie einzureden; »wir müssen hier gehen, nicht am Garten vorbei; und zweitens können Sie jedenfalls unmöglich zu Fuß gehen; bis zu Ihrer Wohnung sind drei Werst, und Sie haben nicht einmal einen Mantel. Wenn Sie nur einen Moment warten wollten. Ich bin in einer Droschke gekommen; die steht jetzt auf dem Hofe; ich will sie sofort vorfahren lassen, Sie hineinsetzen und nach Hause bringen, ohne daß es jemand gewahr wird.«
»Wie gut Sie sind,« sagte Lisa freundlich.
»Aber ich bitte Sie, in solchem Falle würde jeder human denkende Mensch an meiner Stelle ebenso ...«
Lisa sah ihn an und war erstaunt.
»Ach, mein Gott, ich dachte, es wäre immer noch der alte Mann.«
»Hören Sie, ich freue mich sehr, daß Sie die Sache so auffassen; denn das alles ist doch ein ganz törichtes Vorurteil. Und wenn Sie nun einmal durchaus fortwollen, wäre es da nicht das Beste, wenn ich diesem alten Manne beföhle, die Equipage anspannen zu lassen? Das dauert nur zehn Minuten, und wir kehren unterdes zurück und warten an der Haustür, wie?«
»Ich will vorher ... wo sind die Ermordeten?«
»Ach, das ist nun wieder einmal so ein Einfall! Das hatte ich doch gefürchtet! Nein, diese Torheit wollen wir lieber unterlassen; und es ist für Sie auch nichts daran zu sehen.«
»Ich weiß, wo sie sind; ich kenne das Haus.«
»Nun, was tut das zur Sache, daß Sie das Haus kennen! Ich bitte Sie, der Regen, der Nebel ... ich habe die heilige Verpflichtung übernommen! ... Hören Sie, Lisaweta Nikolajewna, eins von beiden: entweder Sie fahren mit mir in der Droschke; dann warten Sie hier ein bißchen, und gehen Sie keinen Schritt weiter vorwärts; denn wenn wir noch zwanzig Schritte weiter gehen, so sieht uns Mawriki Nikolajewitsch unfehlbar.«
»Mawriki Nikolajewitsch! Wo ist er? Wo ist er?«
»Nun, wenn Sie mit ihm gehen wollen, so will ich Sie meinetwegen noch ein bißchen weiterführen und Ihnen zeigen, wo er sitzt, und dann meinerseits mich Ihnen empfehlen; ich möchte ihm jetzt nicht nahe kommen.«
»Er wartet auf mich, o Gott!« rief sie, plötzlich stehen bleibend, und dunkle Röte übergoß ihr Gesicht.
»Aber ich bitte Sie, wenn er ein vorurteilsloser Mensch ist! Wissen Sie, Lisaweta Nikolajewna, das ist ja alles nicht meine Sache; ich bin dabei ganz unbeteiligt, und Sie wissen das selbst; aber ich wünsche Ihnen dennoch alles Gute ... Wenn es uns mit unserm ›Nachen‹ nicht geglückt ist, sondern es sich herausgestellt hat, daß er nur ein alter, morscher Kahn ist, der nur zum Zerschlagen taugt...«
»Ach, wundervoll!« rief Lisa.
»›Wundervoll‹ sagen Sie; aber dabei fließen Ihnen die Tränen nur so. Hier ist Mannhaftigkeit vonnöten. Die Frau darf hinter dem Manne in keiner Hinsicht zurückbleiben. In unserm Zeitalter, wo die Frau ... pfui Teufel!« (Peter Stepanowitsch hätte beinah ausgespuckt.) »Die Hauptsache aber ist: sich über nichts grämen; vielleicht wird sich alles noch vorzüglich gestalten. Mawriki Nikolajewitsch ist ein Mensch, der ... mit einem Worte, ein Mensch von tiefem Gefühl, wenn er auch nicht gesprächig ist, was übrigens ebenfalls gut ist, natürlich unter der Voraussetzung, daß er keine Vorurteile hat ...«
»Wundervoll, wundervoll!« rief Lisa unter krampfhaftem Lachen.
»Aber, zum Teufel ... Lisaweta Nikolajewna,« redete Peter Stepanowitsch weiter, der auf einmal sehr pikiert tat, »ich bin ja eigentlich nur Ihretwegen hier... mich persönlich geht es ja nichts an ... Ich habe Ihnen gestern gedient, als Sie das selbst wollten; und heute ... Na, von hier ist Mawriki Nikolajewitsch zu sehen; da sitzt er; er sieht uns nicht. Wissen Sie, Lisaweta Nikolajewna, haben Sie ›Polinka Sachs‹ gelesen?«