Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
»Wenn Sie in einem Wagen hergekommen sind, so bringen Sie sie sogleich zu Mawriki Nikolajewitsch. Sie hat soeben gesagt, daß sie mich nicht leiden kann und von mir weggehen will, und wird natürlich von mir keinen Wagen annehmen.«
»Nun sehe mal einer an! Will sie wirklich fort? Wie hat denn das kommen können?« fragte Peter Stepanowitsch mit etwas dummem Gesichte.
»Sie hat in dieser Nacht auf irgendeine Weise erraten, daß ich sie gar nicht liebe ... was sie natürlich immer schon gewußt hat.«
»Aber lieben Sie sie denn etwa nicht?« fiel Peter Stepanowitsch mit einer Miene grenzenlosen Erstaunens ein. »Aber wenn es so ist, warum haben Sie sie denn gestern, als sie hereinkam, bei sich behalten und ihr nicht als anständiger Mensch offen gesagt, daß Sie sie nicht lieben? Das ist ja furchtbar gemein von Ihnen; und in welchem gemeinen Lichte haben Sie mich da vor ihr erscheinen lassen?«
Stawrogin lachte auf einmal auf.
»Ich lache über meinen Affen,« fügte er sogleich zur Erklärung hinzu.
»Ach, Sie haben es erraten, daß ich den Clown gespielt habe!« rief Peter Stepanowitsch, ebenfalls höchst vergnügt lachend. »Ich wollte Sie erheitern! Denken Sie sich, ich habe gleich, als Sie zu mir herauskamen, Ihnen am Gesichte angesehen, daß es bei Ihnen ein Malheur gegeben hat. Vielleicht ist es sogar ein völliger Mißerfolg, wie? Na, ich wette darauf,« rief er, sich vor Entzücken fast beim Reden verschluckend, »daß Sie die ganze Nacht über im Saale nebeneinander auf Stühlen gesessen und die ganze kostbare Zeit damit zugebracht haben, über irgendeinen hohen, edlen Gegenstand zu disputieren ... Na, verzeihen Sie, verzeihen Sie; was geht es mich an? Ich habe ja schon gestern bestimmt gewußt, daß es bei Ihnen mit einer Dummheit enden würde. Ich habe sie Ihnen einzig und allein hergebracht, um Sie zu amüsieren, und um Ihnen zu beweisen, daß Sie sich in der Verbindung mit mir nicht langweilen werden; ich werde Sie noch dreihundertmal in dieser Weise regalieren; ich bin überhaupt andern Leuten gern gefällig. Wenn Sie sie aber jetzt nicht gebrauchen können, worauf ich gerechnet hatte, und in welcher Voraussetzung ich hierher gefahren bin, dann ...«
»Also haben Sie sie nur zu meinem Amüsement hergebracht?«
»Wozu denn sonst?«
»Nicht, um mich dazu zu veranlassen, meine Frau zu töten?«
»Na so etwas! Haben Sie sie denn etwa getötet? Wie tragisch Sie die Sache auffassen!«
»Ganz gleich; Sie haben sie getötet.«
»Ich sollte sie getötet haben? Ich sage Ihnen, ich habe nicht das geringste damit zu tun. Aber Sie fangen an, mich zu beunruhigen ...«
»Fahren Sie fort; Sie sagten: ›Wenn Sie sie jetzt nicht gebrauchen können, dann ...‹«
»Dann überlassen Sie mir das Weitere, selbstverständlich! Ich werde sie glänzend mit Mawriki Nikolajewitsch verheiraten, den ich übrigens durchaus nicht beim Garten postiert habe; setzen Sie sich nur nicht eine solche Vorstellung in den Kopf! Ich fürchte mich ja jetzt vor ihm. Da sagen Sie, ich soll sie in meiner Droschke fortschaffen; aber ich bin vorhin nur so so an ihm vorbeigekommen ... wirklich, wenn er nun einen Revolver bei sich hat? ... Nur gut, daß ich meinen mitgenommen habe. Da ist er« (er zog einen Revolver aus der Tasche, zeigte ihn und steckte ihn sogleich wieder ein); »ich habe ihn mitgenommen, weil es ein so weiter Weg ist ... Übrigens will ich Ihnen gleich in der Geschwindigkeit sagen: ihr tut jetzt das Herzchen nach Mawriki weh ... wenigstens müßte das nach allgemeiner Regel der Fall sein ... und wissen Sie, sie tut mir sogar wahrhaftig ein bißchen leid! Ich werde sie mit Mawriki zusammenbringen, und sie wird sich sogleich wieder Ihrer erinnern, wird ihm gegenüber Ihr Lob singen und ihm Schmähworte ins Gesicht werfen, – so ist das Weiberherz! Na, sehen Sie, Sie lachen ja wieder? Ich freue mich sehr, daß Sie so heiter geworden sind. Na also, dann wollen wir zu ihr gehen. Ich werde geradezu von Mawriki zu reden anfangen; von jenen aber ... von den Getöteten ... wissen Sie, wollen wir von denen nicht lieber jetzt schweigen? Es schadet ja nichts, wenn sie es erst später erfährt.«
»Was soll ich erfahren? Wer ist getötet? Was haben Sie von Mawriki Nikolajewitsch gesagt?« fragte Lisa, welche die Tür öffnete.
»Ah, Sie haben gehorcht?«
»Was haben Sie eben von Mawriki Nikolajewitsch gesagt? Ist er getötet?«
»Ah, also haben Sie nicht ordentlich verstanden! Beruhigen Sie sich, Mawriki Nikolajewitsch lebt und ist gesund, wovon Sie sich sofort überzeugen können, da er hier am Wege sitzt, neben dem Gartengitter ... und wie es scheint, hat er die ganze Nacht über da gesessen; er ist ganz naß geworden, er hat einen Mantel an ... Als ich herfuhr, hat er mich gesehen.«
»Das ist nicht wahr. Sie haben gesagt: ›Getötet‹ ... Wer ist getötet?« fragte sie in qualvollem Mißtrauen hartnäckig weiter.
»Getötet ist nur meine Frau, ihr Bruder Lebjadkin und die Magd der beiden,« antwortete Stawrogin in festem Tone.
Lisa fuhr zusammen und wurde furchtbar blaß.
»Ein brutales, seltsames Ereignis, Lisaweta Nikolajewna, ein ganz dummer Fall von Raub,« plapperte Peter Stepanowitsch sofort los; »nur ein Fall von Raub mit Benutzung der Feuersbrunst; es ist das Werk des Räubers Fedka, eines entsprungenen Sträflings, und schuld daran trägt der Dummkopf Lebjadkin, der allen Leuten sein Geld gezeigt hat ... Ich bin mit der Nachricht hierher geeilt ... es war mir, als ob mich jemand mit einem Stein gegen die Stirn geworfen hätte. Stawrogin konnte sich kaum auf den Beinen halten, als ich es ihm mitteilte. Wir haben uns hier beraten, ob wir es Ihnen jetzt gleich mitteilen sollten oder nicht.«
»Nikolai Wsewolodowitsch, sagt er die Wahrheit?« brachte Lisa nur mit Anstrengung heraus.
»Nein, die Unwahrheit.«
»Wieso die Unwahrheit?« rief Peter Stepanowitsch zusammenfahrend. »Was soll das nun wieder?«
»O Gott, ich verliere den Verstand!« rief Lisa.
»Aber begreifen Sie doch wenigstens, daß er jetzt ein Irrsinniger ist!« schrie Peter Stepanowitsch überlaut. »Seine Frau ist ermordet worden! Sehen Sie nur, wie blaß er ist! ... Er ist ja doch mit Ihnen die ganze Nacht über zusammengewesen und keinen Augenblick weggegangen; wie kann ihn da jemand verdächtigen?«
»Nikolai Wsewolodowitsch, sagen Sie mir, wie wenn Sie vor Gott ständen: sind Sie schuldig oder nicht? Und ich schwöre Ihnen, ich werde Ihrem Worte glauben wie dem Worte Gottes und Ihnen bis ans Ende der Welt folgen, ja, das werde ich tun. Wie ein Hündchen werde ich Ihnen folgen ...«
»Warum quälen Sie sie denn so, Sie phantastischer Kopf?« schrie Peter Stepanowitsch in rasender Wut. »Lisaweta Nikolajewna, zerstampfen Sie mich in einem Mörser, er ist unschuldig; vielmehr befindet er sich selbst in einem Zustande, als hätte er einen Schlag auf den Kopf bekommen, und redet irre, wie Sie sehen. Er ist unbeteiligt, ganz unbeteiligt; nicht einmal mit einem Gedanken hat er sich schuldig gemacht! Das Ganze ist nur die Tat von Räubern, die man bestimmt in Zeit von acht Tagen ergreifen und mit der Knute bestrafen wird ... Die Schuldigen sind der Sträfling Fedka und die Schpigulinschen Arbeiter; das sagt die ganze Stadt, und daher sage ich es ebenfalls.«