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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Herr von Villefort kehrte in sein Zimmer zurück.

Nun kannst du weder mehr in den Garten, noch nach der Straße hinaus.

Morel schaute das Mädchen voll Erstaunen an.

Es gibt nur noch einen erlaubten und sichern Ausgang, nämlich durch die Wohnung meines Großvaters. Komm, komm, sagte sie aufstehend.

Wohin? fragte Maximilian.

Zu meinem Großvater.

Ich, zu Herrn Noirtier?

Ja.

Bedenkst du auch, Valentine?

Ichbedenke. Und zwar seit langer Zeit. Ich habe, nur noch diesen Freund auf der Welt, und wirbedürfen seinerbeide…

Nimm dich in acht, Valentine, sagte Morel, ungewiß, ober tun sollte, was ihn Valentine tun hieß, nimm dich in acht, dieBinde ist von meinen Augen gefallen. Als ich hierher kam, beging ich eine Handlung des Wahnsinns. Bist du wohl auch imBesitz deiner ganzen Vernunft, teure Freundin?

Ja, und ich habe nur eineBedenklichkeit in der Welt, nämlich, daß ich die Überreste meiner armen Großmutter, die ich mir zubewachen gelobt, allein lassen soll.

Valentine, der Tod ist durch sich selbst heilig.

Ja, so ist es, und überdies wird es nicht lange währen.

Valentine durchschritt den Gang und stieg eine kleine Treppe hinab, die zu Noirtiers Wohnung führte. Morel folgte ihr auf den Fußspitzen. Im Vorzimmer fanden sie den alten Diener.

Barrois, sagte Valentine, schließe die Tür und lasse niemand herein. Sie ging voran. Noch in seinem Lehnstuhle sitzend, auf das geringste Geräusch achtend, durch seinen alten Diener von allem, was vorfiel, unterrichtet, heftete Noirtier seineBlicke auf den Eingang des Zimmers; er sah Valentine, und sein Auge glänzte.

Es lag in dem Gange und in der Haltung des Mädchens etwas Ernstes, Feierliches, was dem Greise auffiel. So glänzend auch sein Auge war, so wurde es doch forschend. Lieber Vater, sagte sie, höre mich wohl! Du weißt, daß die gute Mama vor einer Stunde gestorben ist, und daß ich nun, dich ausgenommen, auf der Welt niemand mehr habe, der mich liebt?

Ein Ausdruck unbeschreiblicher Zärtlichkeit leuchtete aus den Augen des Greises. Nicht wahr, dir allein muß ich meinen Kummer oder meine Hoffnungen anvertrauen?

Der Gelähmte machte einbejahendes Zeichen.

Valentine nahm Maximilianbei der Hand und sagte: So sieh diesen Herrn an! Der Greis heftete sein Auge forschend, zugleich aber etwas erstaunt auf Morel.

Es ist Herr Maximilian Morel, der Sohn des ehrlichen Kaufmanns in Marseille, von dem du ohne Zweifel hast sprechen hören.

Ja, machte der Greis.

Ein tadelloser Name, den Maximilian glorreich machen wird, denn mit dreißig Jahren ist er Kapitän der Spahis und Offizier der Ehrenlegion. Der Greis machte ein Zeichen, daß er sich dessen erinnere.

Wohl, guter Papa, sagte Valentine, vor dem Greise niederkniend und mit der Hand auf Maximilian deutend, ich liebe ihn und werde nur ihm gehören! Zwingt man mich, einen andern zu heiraten, so sterbe ich, und mußte ich mir selbst das Leben nehmen. Die Augen des Gelähmten drückten eine ganze Welt stürmischer Gedanken aus.

Nicht wahr, guter Papa, du liebst Herrn Maximilian Morel? sagte das Mädchen.

Ja, machte der Greis.

Und du willst uns, die wir deine Kinder sind, gegen den Willen meines Vatersbeschützen?

Noirtier heftete seinen gescheitenBlick auf Morel, als wollte er ihm sagen: Je nachdem.

Maximilian verstand ihn und sagte: Mein Fräulein, Sie haben eine heilige Pflicht in dem Zimmer Ihrer Großmutter zu erfüllen; wollen Sie mir erlauben, daß ich die Ehre habe, einen Augenblick mit Herrn Noirtier zu sprechen?

Ja, ja, das ist es, sagte das Auge des Greises; dann schaute er Valentine unruhig an.

Wie er es machen werde, um dich zu verstehen, willst du sagen, guter Vater?

Ja.

Oh! sei unbesorgt, wir haben so oft von dir gesprochen, daß er wohl weiß, wie ich mit dir rede.

Dann fügte sie mit einem anbetungswürdigen Lächeln, das freilich durch eine tiefe Traurigkeit verschleiert war, zu Maximilian gewendet, hinzu: Er weiß alles, was ich weiß.

Valentine erhobsich, rückte für Morel einen Stuhl vor, empfahlBarrois, niemand eintreten zu lassen, umarmte zärtlich ihren Großvater, drückte ihrem Verlobten traurig die Hand und entfernte sich.

Um Noirtier zubeweisen, daß er Valentines Vertrauenbesitze und alle ihre Geheimnisse kenne, nahm er das Wörterbuch, die Feder und das Papier und legte alles auf einen Tisch, auf dem eine Lampe stand. Vor allem, sagte Morel, vor allem erlauben Sie mir, Ihnen zu erzählen, mein Herr, wer ichbin, wie ich Fräulein Valentine liebe, und was meine Absichten inBezug auf Ihre Enkelin sind.

Ich höre, machte Noirtier.

Erbot ein eindrucksvolles Schauspiel, dieser Greis, scheinbar so kraftlos und unnütz, der aber doch der einzigeBeschützer und die einzige Stütze, der einzigeBerater zweier junger, schöner, starker Liebenden geworden war. Sein Antlitz, in dem sich Adel und ungewöhnliche Energie paarten, brachte eine mächtige Wirkung auf Morel hervor, der seine Erzählung zitterndbegann.

Er teilte dem Greise mit, wie er Valentine kennen gelernt habe, wie er sie geliebt, und wie sie, vereinsamt und unglücklich, wie sie war, seine Ergebenheit aufgenommen habe. Er sprach von seiner Geburt, von seiner Stellung, von seinem Vermögen; und mehr als einmal, wenn er denBlick des Gelähmtenbefragte, antwortete ihm dieserBlick: Es ist gut: fahren Sie fort!

Als Morel diesen ersten Teil seiner Erzählungbeendigt hatte, sagte er: Mein Herr, soll ich nun, da ich Ihnen meine Liebe und meine Hoffnungen geschildert, auch meine Pläne schildern?

Ja, machte der Greis.

Wohl, so hören Sie, was wirbeschlossen haben.

Er setzte hierauf Noirtier alles auseinander, wie ein Wagen in dem Gehege warte, wie erbeabsichtige, Valentine zu entführen, zu seiner Schwester zubringen, zu heiraten und mit ergebenem Warten auf die Verzeihung des Herrn von Villefort zu hoffen.

Nein, machte der Greis.

Nein, versetzte Morel, wir sollen nicht so handeln?

Nein.

Dieser Plan findet also nicht IhreBeistimmung?

Nein.

Gut, es gibt noch ein anderes Mittel, sagte Morel.

DerBlick des Greises fragte: Welches?

Ich werde Franz d'Epinay aufsuchen, fuhr Maximilian fort, ichbin glücklich, Ihnen dies in Abwesenheit des Fräulein von Villefort sagen zu können, und mich gegen ihn sobenehmen, daß er sich als ein mutiger Mann zu handeln gezwungen sieht.

NoirtiersBlick fragte fortwährend: Was werden Sie tun?

Hören Sie, antwortete Morci. Ich werde Franz, wie ich Ihnen sagte, aufsuchen und ihm erzählen, welcheBande mich mit Fräulein Valentine vereinigen. Ist es ein Mann von Zartgefühl, so wird er es dadurchbeweisen, daß er von selbst auf die Hand seinerBraut Verzicht leistet, und von dieser Stunde anbis zum Tode kann er auf meine Freundschaft und Ergebenheit rechnen. Weigert er sich, sei es aus Interesse, sei es aus lächerlichem Stolz, so werde ich mich, nachdem ich ihm auseinandergesetzt, daß er Valentine Zwang antue, daß sie mich liebe und keinen andern lieben könne, mit ihm schlagen und ihn töten, oder mich von ihm töten lassen. Töte ich ihn, so wird er Valentine nicht heiraten; tötet er mich, sobin ich sicher, daß Valentine ihn nicht heiratet.

Mit unsäglichem Vergnügenbetrachtete Noirtrer dieses edle, aufrichtige Antlitz, auf dem sich alle Gefühle ausprägten, die seine Zunge sprach, denn der sprechende Ausdruck seines schönen Gesichtes verlieh Morels Worten das, was die Farbe einer genauen und wahren Zeichnung verleiht. Als jedoch Morel zu sprechen aufgehört hatte, schloß Noirtier wiederholt die Augen, was, wie man sich erinnert, neinbedeutete.

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