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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Nein? versetzte Morel. Also mißbilligen Sie diesen zweiten Plan wie den ersten?

Ja, ich mißbillige ihn, machte der Greis.

Aber was soll ich tun, mein Herr? fragte Morel. Nach den letzten Worten der Frau von Saint‑Meran wird die Heirat Ihrer Enkelinbald vollzogen werden; soll ich die Dinge ihren Weg gehen lassen?

Noirtierbliebunbeweglich.

Ja, ichbegreife, sagte Morel, ich soll warten. — Ja.

Aber mein Gott, wenn Sie diebeiden einzigen Wege verwerfen, die mir möglich scheinen, von wem soll uns die Hilfe kommen, die wir vom Himmel erwarten?

Der Greis lächelte mit den Augen, wie er zu lächeln pflegte, wenn man zu ihm vom Himmel sprach. Er war immer noch der alte Atheist und Jakobiner.

Vom Zufall? fragte Morel. — Nein. — Von Ihnen? — Ja. — Von Ihnen? — Ja, wiederholte der Greis.

Begreifen Sie wohl, was ich Sie frage, mein Herr? Entschuldigen Sie mich, doch mein Leben hängt von Ihrer Antwort ab; wird unser Heil von Ihnen kommen? — Ja. — Sind Sie dessen sicher? — Ja.

Es lag eine solche Festigkeit in demBlicke, der diese Versicherung gab, daß man unmöglich an dem Willen, wenn vielleicht auch an der Macht, zweifeln konnte.

Oh, ich danke, mein Herr, ich danke tausendmal. Doch wenn nicht ein Wunder des Herrn Ihnen die Sprache, die Gebärde, dieBewegung zurückgibt, wie können Sie, an diesen Stuhl gefesselt, sich dieser Heirat widersetzen?

Ein Lächeln erleuchtete das Antlitz des Greises, ein seltsames Lächeln, das Lächeln der Augen auf einem unbeweglichen Gesichte.

Ich soll also warten? fragte der junge Mann. Doch der Vertrag?

Es erschien dasselbe Lächeln.

Wollen Sie mir sagen, er werde nicht unterzeichnet?

Ja, machte Noirtier.

Also wird der Vertrag nicht unterzeichnet werden! rief Morel. Oh! verzeihen Sie mir, mein Herr, bei der Ankündigung eines großen Glückes ist man zu zweifelnberechtigt; der Vertrag wird also nicht unterzeichnet werden?

Nein, machte der Gelähmte.

Trotz dieser Versicherung wollte Morel nicht an sein Glück glauben. Das Versprechen eines ohnmächtigen Greises war so seltsam, daß es, statt der Willenskraft zu entspringen, ebensogut in einer Schwäche der Organe seinen Ursprung haben konnte. Ist es nicht natürlich, daß der Wahnsinnige, der nichts von der Störung seines Geistes weiß, für sein Vermögen Unüberwindliches ausführen zu können glaubt? Der Schwache spricht von Lasten, die er aufhebt, der Schüchterne von Riesen, denen er Trotzbietet, der Arme von Schätzen, über die er zu gebieten hat, der Niedriggeborene nennt sich in seinem Stolze Jupiter.

Obnun Noirtier die Unentschiedenheit des jungen Mannesbegriffen hatte, ober der Gelehrigkeit, die er gezeigt, keinen vollen Glauben schenkte, er schaute Maximilian fest an. Was wollen Sie, mein Herr? fragte Morel, soll ich Ihnen mein Versprechen, nichts zu tun, wiederholen?

NoirtiersBlickbliebfest und starr, als wollte er sagen, ein Versprechen genüge nicht; dann schaute er auf Morels Hand.

Soll ich schwören, mein Herr? fragte Maximilian.

Ja, machte der Lahme mit derselben Feierlichkeit.

Morelbegriff, daß dem Greise an diesem Eide viel gelegen sei.

Er streckte die Hand aus und sagte: Ich schwöre Ihnenbei meiner Ehre, abzuwarten, was Sie gegen die Ansprüche des Herrn d'Epinay zu unternehmen gedenken.

Gut, machten die Augen des Greises.

Nunbefehlen Sie, mein Herr, daß ich mich zurückziehe?

Ja.

Morelbedeutete durch ein Zeichen, er seibereit, zu gehorchen.

Erlauben Sie, mein Herr, fuhr Morel fort, daß Ihr Sohn Sie umarmt, wie es soeben Ihre Tochter getan hat?

Man konnte sich in dem Ausdrucke der Augen des Greises nicht täuschen. Der junge Mann drückte auf Noirtiers Stirn seine Lippen an dieselbe Stelle, an die Valentine die ihrigen gedrückt hatte.

Dann verbeugte er sich zum zweiten Male vor dem Greise und ging hinaus. Außen fand er den alten Diener, den Valentine in Kenntnis gesetzt hatte; er erwartete Morel und geleitete ihn durch die Krümmungen eines düsteren Ganges, der zu einer nach dem Garten gehenden kleinen Tür führte. Bald hatte Morel das Gitter erreicht; durch die Hagenbuchenhecke war er in einem Augenblick oben auf der Mauer und durch seine Leiter in einer Sekunde in dem Luzernengehege, wo sein Wagen immer noch seiner harrte. Er stieg ein, kehrte müde und matt, aber mit freierem Herzen in die Rue Meslay zurück, warf sich auf seinBett und schlief, als läge er in denBanden tiefer Trunkenheit.

Die Gruft der Familie Villefort

Zwei Tage nachher versammelte sich einebeträchtliche Menge Menschen gegen zehn Uhr morgens vor der Tür des Herrn von Villefort, und man sah eine Reihe von Trauerwagen und Privatgefährten den Faubourg Saint‑Honors und die Rue de la Pépinière entlang ziehen.

Unter diesen Wagen hatte einer eine sonderbare Form. Es war eine Art von schwarz angemaltem Packwagen. Auf ihre Erkundigung erfuhren die Leidtragenden, daß dieser Wagen den Körper des Marquis von Saint‑Mecan enthalte. Die Zahl der Anwesenden war sehr groß. Der Marquis von Saint‑Meran, einer der eifrigsten und getreuesten Würdenträger König Ludwigs XVIII. und König Karls X., besaß eine große Zahl von Freunden, zu denen noch die vielen Personen kamen, die durch gesellschaftlicheBande an Herrn von Villefort geknüpft waren.

Ein zweiter Wagen, mit derselben Pracht geschmückt, fuhr vor der Tür des Herrn von Villefort vor, und der Sarg wurde von dem erwähnten Transportwagen auf den Leichenwagen gebracht.

Diebeiden Toten sollten in dem Friedhofe des Père la Chaisebestattet werden, wo seit langer Zeit Herr von Villefort das für dasBegräbnis seiner ganzen Familiebestimmte Gewölbe hatte errichten lassen. In diesem Gewölbe ruhtebereits der Leichnam der armen Renée, mit der sich ihr Vater und ihre Mutter nach zehnjähriger Trennung wieder vereinigen sollten.

Miteinander in demselben Trauerwagen unterhielten sichBeauchamp, Debray und Chateau‑Renaud über den plötzlichen Todesfall.

Ich habe Frau von Saint‑Meranbei meiner Rückkehr von Algerien im vorigen Jahre in Marseille gesehen, sagte Chateau‑Renaud; mit ihrer vollkommenen Gesundheit, mit ihrer Geistesgegenwart und ihrer wunderbaren Rüstigkeit schien sie zu einem Leben von hundert Jahrenbestimmt. Wie alt war die Marquise?

Sechsundsechzig Jahre, wenigstens wie mir Franz versicherte, antwortete Albert. Doch das Alter ist es nicht, was sie getötet hat, sondern der Kummer über den Tod des Marquis; es scheint, daß sie seit diesem Tode, der sie aufs heftigste erschütterte, nicht mehr völlig zur Vernunft gekommen ist.

Doch, woran ist sie denn gestorben? fragte Debray.

An einer Hirnkongestion, wie es scheint, oder an einem Schlagflusse.

Schlagfluß, versetzteBeauchamp, das ist schwer zu glauben. Frau von Saint‑Meran, die ich ebenfalls ein- oder zweimal in meinem Leben gesehen habe, war klein, von schwächlicher Gestalt und von mehr nervöser als sanguinischer Konstitution. Daß ein solcher Körper einem Schlagfluß erliegt, ist sehr selten.

Wie dem auch sein mag, sagte Albert, mag sie der Arzt oder die Krankheit getötet haben, Herr von Villefort oder Fräulein Valentine oder vielmehr unser Freund Franz ist nun imBesitze einer herrlichen Erbschaft, achtzigtausend Franken Rente, glaube ich.

Eine Erbschaft, die sichbeim Tode des alten Jakobiners Noirtierbeinahe verdoppelt.

Das nenne ich einen hartnäckigen Großvater, versetzteBeauchamp. Tenacem propositi virum. Er hat, glaube ich, gegen den Tod gewettet, er würde alle seine Erbenbeerdigen, und es wird ihm, meiner Treu, gelingen. Er ist das alte Konventsmitglied von 93, das im Jahr 1814 zu Napoleon sagte: Sie sinken, weil Ihr Kaiserreich ein junger, durch zu schnelles Wachsen saftlos gewordener Stamm ist. Nehmen Sie die Republik zum Vormund! Lassen Sie uns mit einer guten Konstitution auf die Schlachtfelder zurückkehren! Und ich verspreche Ihnen 500 000 Soldaten, ein neues Marengo und ein zweites Austerlitz. Die Ideen sterben nicht, Sire, sie schlummern zuweilen, aber sie erwachen stärker, als sie vor dem Einschlafen gewesen sind.

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