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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Nun gut. Wie gesagt, ich hatte das schon ein paar Mal beobachtet. Und Ian hat sie dann scharf angesehen, jedoch geschwiegen. Aber dann war ich einmal kurz vor Sonnenuntergang auf der Jagd und habe auf dem Hügel gleich hinter dem Turm ein kleines Reh erlegt – du weißt, wo?«

Ich nickte, immer noch verblüfft.

»Es war so nah, dass ich das Reh ohne Hilfe zum Haus tragen konnte, also habe ich es zum Räucherschuppen gebracht und aufgehängt. Es war niemand da – ich habe später herausgefunden, dass die Kinder zusammen mit den Dienstboten nach Broch Mhorda zum Markt gegangen waren. Also dachte ich, das Haus wäre ganz leer, und bin in die Küche gegangen, um einen Bissen zu essen und mir einen Becher Buttermilch zu nehmen, bevor ich wieder ging.«

Da er davon ausging, dass das Haus leer war, war er erschrocken, als er oben im Schlafzimmer Geräusche hörte.

»Was denn für Geräusche?«, fragte ich fasziniert.

»Nun … Geschrei«, sagte er achselzuckend. »Und Gekicher. Schubsen und Rumpeln, und dann ist ein Hocker oder so etwas umgekippt. Wären sie nicht so albern gewesen, hätte ich gedacht, es wären Diebe im Haus. Aber ich wusste, dass es Jennys Stimme war und Ians und –« Er brach ab, und seine Ohren wurden rot bei der Erinnerung daran.

»Und dann … ging es noch ein wenig so weiter mit den erhobenen Stimmen – und dann knallte ein Gürtel, und es folgte ein Schrei, den man sechs Felder weit hören konnte.«

Er holte tief Luft und zuckte mit den Achseln.

»Nun, ich war etwas verwundert und wusste nicht sofort, was ich tun sollte.«

Ich nickte, denn das konnte ich zumindest nachempfinden.

»Ich kann mir vorstellen, dass es eine etwas peinliche Situation war, ja. Aber dann … äh … ging es so weiter?«

Er nickte. Seine Ohren waren jetzt dunkelrot, und sein Gesicht war gerötet, was allerdings auch lediglich von der Hitze kommen konnte.

»Aye, so war es.« Er sah mich an. »Versteh mich nicht falsch, Sassenach, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass er ihr etwas antun wollte, wäre ich im nächsten Moment oben auf der Treppe gewesen. Aber …« Er verscheuchte eine neugierige Biene und schüttelte den Kopf. »Es war – es hat sich angefühlt – ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll. Es war nicht so, dass Jenny die ganze Zeit gelacht hat, denn das hat sie nicht – aber dass ich das Gefühl hatte, dass sie es am liebsten getan hätte. Und Ian … nun, Ian hat gelacht. Ich meine, nicht laut; es war nur … in seiner Stimme.«

Er atmete aus und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß vom Kinn.

»Ich bin völlig erstarrt stehen geblieben, ein Stück Kuchen in der Hand, und habe zugehört. Ich bin erst wieder zu mir gekommen, als mir die ersten Fliegen in den offenen Mund geflogen sind, und zu diesem Zeitpunkt waren sie schon … äh … sie haben … mmmpfm.« Er zog den Kopf ein, als sei ihm sein Hemd zu eng.

»Waren dabei, sich zu versöhnen, wie?«, fragte ich trocken.

»Ich nehme es an«, erwiderte er steif. »Ich bin gegangen. Bin den ganzen Weg nach Foyne gewandert und habe bei der alten Mrs. MacNab übernachtet.« Foyne war ein winziges Dorf etwa fünfzehn Meilen von Lallybroch entfernt.

»Warum?«, fragte ich.

»Nun, es ging nicht anders«, sagte er in aller Logik. »Ich konnte das Ganze schließlich nicht ignorieren. Also musste ich entweder herumwandern und nachdenken oder kapitulieren und mich selbst missbrauchen, und das konnte ich nun wirklich nicht gut machen – es war schließlich meine eigene Schwester.«

»Willst du damit sagen, dass du nicht gleichzeitig denken und dich sexuell betätigen kannst?«, fragte ich lachend.

»Natürlich nicht«, sagte er – womit er einen Verdacht bestätigte, den ich schon lange hegte – und betrachtete mich, als hätte ich den Verstand verloren. »Du denn?«

»Ich kann das, ja.«

Er zog eine Augenbraue hoch und war eindeutig nicht überzeugt.

»Nun, ich sage ja nicht, dass ich es immer tue«, räumte ich ein, »aber es ist möglich. Frauen sind es gewohnt, mehr als einer Tätigkeit gleichzeitig nachzugehen – sie müssen es, wegen der Kinder. Aber egal, zurück zu Jenny und Ian. Warum in aller Welt –?«

»Nun, ich bin herumgewandert und habe darüber nachgedacht«, gab Jamie zu. »Um ehrlich zu sein, konnte ich gar nicht damit aufhören. Die alte Mrs. MacNab konnte sehen, dass ich etwas auf dem Herzen hatte, und hat mich beim Abendessen so ausgefragt, dass ich … äh … nun ja, dass ich es ihr erzählt habe.«

»Wirklich? Wie hat sie reagiert?«, fragte ich fasziniert. Ich hatte die alte Mrs. MacNab gekannt, eine lebhafte Person, die kein Blatt vor den Mund nahm – und jede Menge Erfahrung mit menschlichen Schwächen hatte.

»Sie hat gegackert wie ein Huhn«, sagte er, und seine Mundwinkel kräuselten sich. »Ich dachte schon, sie würde vor lauter Belustigung ins Feuer kippen.«

Doch nachdem sie sich ein Stück weit erholt hatte, hatte sich die alte Dame die Augen gewischt und ihm die Dinge erklärt, gütig und geduldig, als spräche sie mit jemandem, der nicht ganz bei Verstand war.

»Sie hat gesagt, es läge an Ians Bein«, sagte Jamie und blickte mich prüfend an, ob das für mich einen Sinn ergab. »Sie hat gesagt, Jenny machte das nichts aus, ihm aber schon. Sie hat gesagt«, sagte er, und seine Gesichtsfarbe wurde noch kräftiger, »dass Männer keine Ahnung haben, was Frauen über das Bett denken, sie aber ständig glauben, sie müssten es wissen, und so kommt es zu Missverständnissen.«

»Ich wusste doch, dass ich die Alte mochte«, murmelte ich. »Was noch?«

»Nun ja. Sie hat gesagt, es wäre sehr wahrscheinlich, dass Jenny Ian nur verdeutlicht hat – und vielleicht auch sich selbst –, dass sie ihn nach wie vor für einen Mann hielt, trotz seines Beins.«

»Was? Warum?«

»Weil, Sassenach«, erklärte er nüchtern, »weil man als Mann immer wieder Grenzen ziehen und gegen andere vorgehen muss, die diese überschreiten. Feinde, Pächter, die eigenen Kinder – die eigene Frau. Man kann sie nicht pausenlos mit der Faust oder dem Riemen bestrafen, aber wenn man es tut, ist wenigstens jedem klar, wer das Sagen hat.«

»Aber das ist doch völliger –«, begann ich und brach dann stirnrunzelnd ab, um darüber nachzudenken.

»Und wenn man ein Mann ist, hat man das Sagen. Man ist derjenige, der die Ordnung wahrt, ob es einem gefällt oder nicht. So ist es nun einmal«, schloss er. Dann berührte er meinen Ellbogen und wies mit dem Kinn auf eine Lücke zwischen den Bäumen. »Ich habe Durst. Sollen wir einen Moment Rast machen?«

Ich folgte ihm auf einem schmalen Pfad durch den Wald zu der Stelle, die wir die Grüne Quelle nannten – weil das Wasser plätschernd durch eine Vertiefung aus hellem Serpentin floss, die von einer kühlen, schattigen Umrandung aus Moos eingefasst war. Wir knieten uns hin, benetzten unsere Gesichter und seufzten beim Trinken vor dankbarer Erleichterung. Jamie ließ sich eine Handvoll Wasser in sein Hemd laufen und schloss selig die Augen. Ich lachte über ihn, löste aber mein durchgeschwitztes Halstuch, tauchte es in die Quelle und wischte mir damit über Hals und Arme.

Der Weg zur Quelle hatte unsere Unterhaltung zum Stillschweigen gebracht, und ich wusste nicht genau, wie – oder ob – ich sie wieder aufnehmen sollte. Stattdessen saß ich einfach nur wortlos im Schatten, die Arme um die Knie geschlungen, und wackelte mit den Zehen im Moos.

Auch Jamie schien im Moment kein Bedürfnis zu haben zu sprechen. Er lehnte bequem an einem Felsblock, den nassen Stoff seines Hemdes an die Brust geklebt. Still saßen wir da und lauschten dem Wald.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber das bedeutete nicht, dass ich aufgehört hatte, über unser Gespräch nachzudenken. Auf eine merkwürdige Weise glaubte ich zu verstehen, was die alte Mrs. MacNab gemeint hatte – obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich mit ihr einer Meinung war.

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