Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
»Hallo, Luke.« Kelli lächelte. Sie trug ein rotes Kleid und sah umwerfend aus, aber ich kannte ja ihre wahre Gestalt. Ich wusste, was sie verbarg: zwei nicht zueinanderpassende Beine, rote Augen, Reißzähne und Flammen statt Haare.
»Was ist los, Dämonin?« Lukes Stimme war kalt. »Ich habe doch gesagt, dass ich nicht gestört werden will.«
Kelli zog einen Schmollmund. »Das ist nicht nett von dir. Du siehst angespannt aus. Wie wäre es mit einer Schultermassage?«
Luke wich zurück. »Wenn du etwas zu berichten hast, dann sprich. Sonst geh!«
»Ich weiß nicht, warum du neuerdings so hochnäsig bist. Früher hatten wir so viel Spaß zusammen!«
»Da hatte ich noch nicht gesehen, was du mit diesem Jungen in Seattle gemacht hast.«
»Ach, der hat mir doch nichts bedeutet«, sagte Kelli. »Der war nur ein kleiner Imbiss. Du weißt doch, dass mein Herz dir gehört, Luke.«
»Danke, oder besser: Nein, danke. Jetzt berichte oder verschwinde.«
Kelli zuckte mit den Schultern. »Von mir aus. Das Einsatzteam ist fertig, wie du verlangt hast. Wir können aufbrechen …« Sie runzelte die Stirn.
»Was ist los?«, fragte Luke.
»Da ist jemand«, antwortete Kelli. »Deine Sinne werden trübe, Luke. Wir werden beobachtet.«
Sie sah sich in der Luxuskajüte um. Ihr Blick fiel auf mich. Ihr Gesicht wurde zu dem einer Hexe. Sie bleckte die Reißzähne und sprang los.
Ich fuhr mit hämmerndem Herzen aus dem Schlaf hoch. Ich hätte schwören können, dass die Reißzähne der Empusa nur wenige Zentimeter von meiner Kehle entfernt gewesen waren.
Tyson schnarchte im Nachbarbett. Dieses Geräusch beruhigte mich ein wenig.
Ich verstand nicht, wie Kelli mich in einem Traum hatte spüren können, aber ich hatte mehr gehört, als ich wissen wollte. Eine Armee stand bereit. Kronos würde persönlich die Führung übernehmen. Sie brauchten jetzt nur noch eine Möglichkeit, sich im Labyrinth zu orientieren, um Camp Half-Blood überfallen und vernichten zu können, und Luke ging offenbar davon aus, dass es bald so weit sein würde.
Ich hatte Lust, Annabeth zu wecken und ihr alles zu erzählen, egal, ob es mitten in der Nacht war. Aber dann sah ich, dass die Hütte heller war als sonst. Der Salzwasserbrunnen sonderte ein blaugrünes Glühen ab, noch heller und dringlicher als in der vorigen Nacht. Das Wasser schien fast zu summen.
Ich stand auf und ging näher heran.
Diesmal ertönte aus dem Wasser keine Stimme, die um eine Anzahlung gebeten hätte. Ich hatte das Gefühl, dass der Brunnen darauf wartete, dass ich den ersten Zug machte.
Ich hätte vermutlich wieder ins Bett gehen sollen. Stattdessen dachte ich daran, was ich in der vorigen Nacht gesehen hatte – an das seltsame Bild von Nico am Ufer des Styx.
»Du versuchst, mir etwas zu sagen«, sagte ich.
Keine Reaktion von Seiten des Brunnens.
»Na gut«, sagte ich. »Zeig mir Nico di Angelo.«
Ich warf keine Münze in den Brunnen, aber das spielte diesmal keine Rolle. Eine andere Macht als Iris, die Botengöttin, schien die Kontrolle über das Wasser übernommen zu haben. Die Oberfläche schimmerte. Nico tauchte auf, aber er befand sich nicht mehr in der Unterwelt. Er stand auf einem Friedhof unter einem Sternenhimmel. Überall um ihn herum ragten riesige Weidenbäume auf.
Er sah Totengräbern bei der Arbeit zu. Ich hörte Schaufelgeräusche und sah Erde aus einem Loch fliegen. Nico trug einen schwarzen Umhang. Es war eine neblige und schwüle Nacht und ich hörte Frösche quaken. Neben Nicos Füßen stand eine riesige Einkaufstüte.
»Ist es nicht schon tief genug?«, fragte Nico. Er klang gereizt.
»Fast, junger Herr.« Es war derselbe Geist, mit dem ich Nico schon einmal gesehen hatte, dieses schwache, zitternde Bild eines Mannes. »Aber, junger Herr, ich sage Euch, das ist nicht nötig. Ihr habt doch bereits mich als Ratgeber.«
»Ich möchte aber eine zweite Einschätzung hören!« Nico schnippte mit den Fingern und das Graben hörte auf. Zwei Gestalten kletterten aus dem Loch. Es waren keine Menschen. Es waren in Lumpen gehüllte Skelette.
»Ihr seid entlassen«, sagte Nico. »Danke.«
Die Skelette zerfielen zu Knochenhaufen.
»Ihr könntet genauso gut den Schaufeln danken«, sagte der Geist verärgert. »Die haben genauso viel Verstand.«
Nico achtete nicht auf ihn. Er griff in seine Einkaufstüte, zog eine Zwölferpackung Coke heraus und öffnete eine Dose. Statt zu trinken, goss er den Inhalt ins Grab.
»Mögen die Toten abermals kosten«, murmelte er. »Mögen sie sich erheben und diese Gabe annehmen. Mögen sie sich erinnern.« Er warf auch die restlichen Dosen ins Grab und zog eine weiße, mit Bildern bedruckte Papiertüte hervor. Ich hatte seit Jahren keine mehr gesehen, erkannte sie aber sofort – es war eine Happy-Meal-Tüte von McDonald’s.
Er stellte sie auf den Kopf und schüttete Pommes und Hamburger ins Grab.
»Zu meiner Zeit haben wir Tierblut genommen«, murmelte der Geist. »Das war gut genug. Sie schmecken doch sowieso keinen Unterschied.«
»Ich will ihnen Respekt erweisen«, sagte Nico.
»Lasst mich doch wenigstens das Spielzeug behalten!«, bat der Geist.
»Still!«, befahl Nico. Er leerte noch eine Zwölferpackung Cola und drei weitere Happy-Meal-Tüten ins Grab, dann stimmte er einen Sprechgesang auf Altgriechisch an. Ich konnte nur ab und zu ein Wort aufschnappen – es ging um die Toten und um Erinnerungen und Rückkehr aus dem Grab. So richtige Gute-Laune-Themen.
Das Grab fing an zu blubbern. Schäumende braune Flüssigkeit stieg über die Ränder, als sei das ganze Loch mit Waschpulver gefüllt. Der Nebel wurde dichter und die Frösche hörten auf zu quaken. Dutzende von Gestalten tauchten zwischen den Grabsteinen auf, bläuliche, nur vage menschlich wirkende Figuren. Nico hatte mit Cola und Hamburgern die Toten heraufbeschworen.
»Das sind zu viele«, sagte der Geist nervös. »Ihr kennt Eure eigenen Kräfte nicht.«
»Ich habe alles unter Kontrolle«, sagte Nico, aber seine Stimme klang brüchig. Er zog sein Schwert – eine kurze Klinge aus hartem schwarzem Metall. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Es war keine himmlische Bronze und kein Stahl. Eisen vielleicht? Die Schatten wichen bei seinem Anblick zurück.
»Einer nach dem anderen«, befahl Nico.
Eine Gestalt schwebte vorwärts und kniete am Grab nieder. Sie schlürfte beim Trinken. Ihre geisterhaften Hände fischten Pommes aus der Pfütze. Als sie sich wieder erhob, konnte ich genauer sehen, wen ich da vor mir hatte – einen Teenie in griechischer Rüstung. Er hatte Locken und grüne Augen und sein Umhang wurde von einer Schnalle in Form einer Muschel zusammengehalten.
»Wer bist du?«, fragte Nico. »Sprich.«
Der Junge runzelte die Stirn und schien sich nicht so recht erinnern zu können. Dann sagte er mit einer Stimme, die wie trockenes, zerfallendes Papier klang: »Ich bin Theseus.«
Nie im Leben, dachte ich. Zumindest nicht der Theseus. Er war doch noch ein Junge. Ich hatte mein Leben lang Geschichten darüber gehört, wie Theseus mit dem Minotaurus gekämpft hatte und so, und ich hatte mir immer einen Kraftprotz vorgestellt. Der Geist, den ich jetzt vor mir sah, war weder stark noch groß. Und er war nicht älter als ich.
»Wie kann ich meine Schwester zurückholen?«, fragte Nico.
Theseus’ Augen waren leblos wie Glas. »Versuch es gar nicht erst. Es ist Wahnsinn.«
»Sag es mir einfach!«
»Mein Stiefvater starb«, erinnerte Theseus sich. »Er stürzte sich ins Meer, weil er dachte, ich sei im Labyrinth ums Leben gekommen. Ich wollte ihn zurückholen, aber es gelang mir nicht.«
Nicos Geist fauchte. »Junger Herr, der Seelentausch. Fragt ihn danach!«
Theseus verzog das Gesicht. »Diese Stimme. Ich kenne diese Stimme.«
»Nein, tust du nicht, du Dummkopf!«, sagte der Geist. »Beantworte die Fragen des Herrn und sonst nichts.«
»Ich kenne dich«, beharrte Theseus und schien verzweifelt in seiner Erinnerung zu graben.