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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Es gibt noch einen Grund dafür, wisst Ihr«, sagte ich und wandte auf dem Weg zur Tür den Kopf nach ihr um. »Wenn man jemanden liebt, möchte man ihm Vergnügen schenken. Und er möchte das Gleiche tun.«

»Vergnügen?« Ihre Stimme erhob sich ungläubig hinter mir. »Ihr meint, es macht manchen Frauen Spaß?«

Kapitel 47

Wenn du zum Weibe gehst …

Es war wirklich nicht meine Absicht herumzuspionieren. Eins meiner Bienenvölker war ausgeschwärmt, und ich war auf der Suche nach den entflohenen Bienen.

Neue Schwärme flogen normalerweise nicht weit und hielten häufig an. Oft legten sie stundenlange Pausen in Astgabeln oder Baumhöhlen ein, wo sie sich zu einer Kugel sammelten und Summkonferenzen abhielten. Fand man sie, bevor sie sich selbst für einen Ort entschieden, an dem sie sich niederlassen wollten, konnte man sie oft in einen verführerisch leeren Bienenkorb locken und sie so wieder in die Gefangenschaft zurücktragen.

Das Problem ist, dass Bienen keine Fußabdrücke hinterlassen. So wanderte ich also suchend auf dem Berghang hin und her, fast eine Meile von unserem Haus entfernt, einen leeren Bienenkorb an einem Strick über meine Schulter geschlungen, und versuchte dabei, Jamies Jagdanweisungen zu folgen und wie eine Biene zu denken.

Weit über mir auf dem Hang wuchsen große Flächen blühendes Klebkraut, Weidenröschen und andere Wildpflanzen – aber ein Stückchen bergab ragte ein – für Bienen – äußerst attraktiver Baumstumpf aus dem dichten Unterholz.

Der Bienenkorb war schwer und der Berghang steil. Es war leichter, bergab zu gehen als bergauf. Ich rückte den Strick zurecht, der meine Schulter wund zu scheuern begann, und setzte mich abwärts in Bewegung, durch Sumach- und Schneeballsträucher, benutzte Felsen als Fußbremse und hielt mich an Ästen fest, um nicht auszurutschen.

Da ich mich so auf meine Füße konzentrierte, nahm ich kaum Notiz davon, wo ich war. Ich kam in einer Lücke im Gebüsch heraus, von wo ich ein Stück unter mir das Dach einer Hütte sehen konnte. Welche war es? Die der Christies, dachte ich. Ich wischte mir mit dem Ärmel die Schweißtropfen vom Kinn; der Tag war warm, und ich hatte vergessen, eine Feldflasche mitzunehmen. Vielleicht würde ich auf dem Heimweg bei ihnen anhalten und um Wasser bitten.

Als ich den Baumstumpf endlich erreichte, fand ich zu meiner Enttäuschung keine Spur von den Bienen. Ich blieb stehen, tupfte mir den Schweiß aus dem Gesicht und lauschte, um eventuell das verräterische Dröhnen der Bienen aufzufangen. Ich hörte das Summen und Surren diverser Fluginsekten und das gesellige Gezwitscher eines Zwergkleiberschwarms über mir auf dem Berg – aber keine Bienen.

Ich seufzte und machte kehrt, um den Baumstumpf zu umrunden, hielt dann aber inne, weil mir unten etwas Weißes ins Auge fiel.

Thomas Christie und Malva befanden sich auf der kleinen Lichtung hinter ihrer Blockhütte. Ich hatte sein Hemd aufleuchten sehen, als er sich bewegte, doch jetzt stand er mit verschränkten Armen reglos da.

Er schien sich ganz auf seine Tochter zu konzentrieren, die Zweige von einem der Vogelbeerbäume am Rand der Lichtung abschnitt. Ich fragte mich, wozu?

Etwas Merkwürdiges schien der Szene anzuhaften, obwohl ich nicht mit dem Finger darauf zeigen konnte, was es war. Ihre Körpersprache? Die angespannte Atmosphäre zwischen ihnen?

Malva drehte sich um und ging auf ihren Vater zu, einige lange, schlanke Zweige in der Hand. Sie hatte den Kopf gesenkt und bewegte sich schleppend, und als sie ihm die Ruten reichte, verstand ich abrupt, was dort vor sich ging.

Sie waren zu weit entfernt, als dass ich sie hätte hören können, aber anscheinend sagte er etwas zu ihr und wies schroff auf den Baumstumpf, der ihnen als Hackklotz diente. Sie kniete sich davor hin, beugte sich vor und hob ihre Röcke, um ihren nackten Hintern zu entblößen.

Ohne zu zögern, hob er die Ruten und schlug sie ihr fest über den Hintern, dann peitschte er sie in die andere Richtung und überzog ihre Haut mit leuchtend roten Zickzacklinien, die ich selbst aus dieser Entfernung sehen konnte. Dies wiederholte er mehrmals und schwang die elastischen Zweige mit einer zielsicheren Gemessenheit, deren Brutalität durch seine offensichtliche Emotionslosigkeit noch schockierender wirkte.

Ich war nicht einmal auf die Idee gekommen, den Blick abzuwenden. Ich stand stocksteif im Gebüsch, zu verdattert, um auch nur die Mücken zu verscheuchen, die mein Gesicht umschwärmten.

Christie hatte die Ruten zu Boden geworfen, auf dem Absatz kehrtgemacht und war ins Haus gegangen, bevor ich auch nur blinzeln konnte. Malva hockte sich auf die Fersen, schüttelte ihre Röcke aus und strich sie beim Aufstehen vorsichtig über ihrem Hintern glatt. Ihr Gesicht war rot, aber sie weinte nicht und schien auch nicht verstört zu sein.

Sie ist daran gewöhnt. Der Gedanke kam mir ungebeten. Ich zögerte, weil ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte. Bevor ich einen Entschluss fassen konnte, hatte Malva ihre Haube zurechtgerückt, sich umgedreht, war mit entschlossener Miene in den Wald gegangen – und kam direkt auf mich zu.

Ich duckte mich schon hinter einem großen Tulpenbaum, bevor mir überhaupt klar war, dass ich das beschlossen hatte. Sie war nicht verletzt, und ich war mir sicher, dass es ihr nicht recht gewesen wäre zu erfahren, dass jemand den Vorfall beobachtet hatte.

Malva kam in geringem Abstand an mir vorbei. Sie schnaufte ein wenig, weil es bergauf ging, und prustete und murmelte auf eine Weise vor sich hin, die in mir den Eindruck weckte, dass sie ziemlich wütend war, aber nicht bestürzt.

Ich lugte vorsichtig um den Baumstamm herum, sah aber nur noch ihre Haube, die sich zwischen den Bäumen auf und ab bewegte. Dort oben wohnte niemand, und sie hatte keinen Korb und keine Werkzeuge zum Pflanzensammeln dabeigehabt. Vielleicht wollte sie einfach nur allein sein, um sich wieder zu fangen.

Das hätte mich nicht überrascht.

Ich wartete, bis sie außer Sichtweite war, dann stieg ich langsam bergab. Obwohl ich so durstig war, machte ich nicht bei den Christies halt, und auch mein Interesse an verirrten Bienen hatte ich verloren.

Ich begegnete Jamie ein Stück von zu Hause entfernt an einem Zaunübertritt, wo er sich mit Hiram Crombie unterhielt. Ich begrüßte ihn kopfnickend und wartete ungeduldig, dass Crombie sein Gespräch beendete, damit ich Jamie erzählen konnte, was ich gerade mit angesehen hatte.

Glücklicherweise zeigte Hiram kein Bedürfnis zu verweilen; ich machte ihn nervös.

Ich erzählte Jamie auf der Stelle, was ich beobachtet hatte, und stellte verärgert fest, dass er meine Betroffenheit nicht teilte. Wenn es Tom Christie für nötig hielt, seine Tochter auszupeitschen, dann war das seine Sache.

»Aber es könnte doch sein, dass er … es ist doch möglich – vielleicht ist das ja nur der Anfang. Vielleicht tut er … ihr noch andere Dinge an.«

Er warf mir einen überraschten Blick zu.

»Tom? Hast du irgendeinen Grund, so zu denken?«

»Nein«, räumte ich widerstrebend ein. Bei dem Gedanken an die Christies wurde mir mulmig, aber das lag wahrscheinlich nur daran, dass ich nicht mit Tom zurechtkam. Ich war nicht so dumm zu denken, dass ein Hang zum Bibelfanatismus automatisch bedeutete, dass ein Mensch nichts Böses tun konnte – aber um fair zu sein, bedeutete es auch nicht unbedingt, dass er es tat. »Aber er sollte sie doch sicher nicht so schlagen – in ihrem Alter?«

Er sah mich etwas entnervt an.

»Du begreifst nicht das Geringste, oder?«, sprach er genau das aus, was ich dachte.

»Genau das wollte ich auch gerade sagen, zu dir«, sagte ich und sah ihn unbeirrt an. Er wandte den Blick nicht ab, sondern fixierte mich mit den Augen, in die sich ein Ausdruck ironischer Belustigung stahl.

»Dann wird es also anders sein?«, sagte er. »In deiner Welt?« Es lag gerade genug Schärfe in seiner Stimme, um mich unmissverständlich daran zu erinnern, dass wir uns nicht in meiner Welt befanden – und es auch nie tun würden. Eine Gänsehaut ließ plötzlich die feinen blonden Haare auf meinem Arm zu Berge stehen.

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