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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Er konzentrierte sich auf seine Atmung, rief es sich wieder ins Gedächtnis. Er brauchte eigentlich nicht nachzudenken – es war alles da, deutlich in seiner Erinnerung. Doch wie beschrieb man so etwas? Er hatte nichts gesehen – und doch war da das Bild seines Vaters. Kein Geräusch, keine Berührung – und doch hatte er gehört und gespürt. Sein Körper schien seinen eigenen Reim darauf zu machen und die unfassbaren Phänomene der Zeit in messbare Werte zu übersetzen.

Er hob den Kopf von den Knien, atmete tief durch und fand langsam den Kontakt zu seinem Körper wieder.

»Ich habe an meinen Vater gedacht«, sagte er. »Als ich durch den Felsen trat, hatte ich gerade gedacht, wenn es funktioniert, könnte ich zurückgehen und ihn finden. Und ich … habe es getan.«

»Wirklich? Deinen Vater? War er ein Geist, meinst du das?« Er spürte das Zucken ihrer Hand mehr, als dass er sah, wie sie das Zeichen des Horns gegen das Böse machte.

»Nein. So nicht. Ich – ich kann es nicht erklären, Fiona. Aber ich bin ihm begegnet; ich habe ihn erkannt.« Das Gefühl des Friedens war nicht völlig von ihm gewichen; sanft kribbelnd schwebte es in seinem Unterbewusstsein. »Dann war da – so etwas wie eine Explosion, anders kann ich es nicht beschreiben. Etwas hat mich getroffen, hier.« Seine Finger berührten die Brandstelle auf seiner Brust. »Es hat mich mit Gewalt … hinausgedrückt, und das ist alles, woran ich mich erinnern kann, bis ich aufgewacht bin.« Er berührte sanft ihr Gesicht. »Danke, Fi; du hast mich vor dem Verbrennen gerettet.«

»Och, jetzt mach aber ’nen Punkt.« Sie tat seinen Dank mit einer ungeduldigen Geste ab. Sie hockte sich auf ihre Fersen und rieb sich nachdenklich das Kinn.

»Ich überlege gerade, Rog – was in ihrem Buch stand, dass man vielleicht geschützt ist, wenn man einen Edelstein dabeihat. Das Medaillon von deiner Mutter war doch mit kleinen Juwelen besetzt, oder?« Er konnte hören, wie sie schluckte. »Vielleicht – wenn du es nicht gehabt hättest – hättest du es nicht überlebt. Sie hat doch von den Leuten gesprochen, die es nicht überlebt haben. Sie hatten Verbrennungen – und deine Wunde ist da, wo das Medaillon war.«

»Ja. Das könnte sein.« Roger begann, sich mehr wie er selbst zu fühlen. Er sah Fiona neugierig an.

»Du sprichst immer von ›der‹. Warum sagst du nie ihren Namen?«

Fionas Locken bewegten sich im Morgenwind, als sie sich umwandte, um ihn anzusehen. Es war jetzt so hell, dass er ihr Gesicht mit seinem verwirrend direkten Ausdruck deutlich sehen konnte.

»Man nennt nur etwas beim Namen, wenn man will, dass es auch kommt«, sagte sie. »Das musst du doch wissen, wo doch dein Vater Priester war.«

Die Haare auf seinen Unterarmen richteten sich auf, obwohl sie von Hemd und Rock bedeckt waren.

»Jetzt, wo du es sagst«, sagte er, um einen scherzhaften Ton bemüht, der ihm gründlich danebengeriet. »Ich habe den Namen meines Vaters nicht direkt ausgerufen, aber vielleicht … Dr. Randall hat gesagt, sie hat bei ihrer Rückkehr an ihren Mann gedacht.«

Fiona nickte stirnrunzelnd. Er konnte ihr Gesicht deutlich erkennen und begriff erschrocken, dass es heller wurde. Die Dämmerung war nahe; der Himmel im Osten hatte die schimmernde Farbe von Lachsschuppen.

»Himmel, es ist fast Morgen. Ich muss los!«

»Los?« Fionas Augen weiteten sich vor Schrecken. »Du willst es doch nicht noch einmal versuchen?«

»Doch. Ich muss.« Sein Mund war völlig ausgetrocknet, und er bedauerte, dass Fiona den ganzen Kaffee dazu benutzt hatte, ihn zu löschen. Er kämpfte gegen das hohle Gefühl in seinem Bauch an und kämpfte sich hoch. Seine Knie waren weich, doch er konnte gehen.

»Bist du verrückt, Rog? Es wird dich mit Sicherheit umbringen!«

Er schüttelte den Kopf und heftete den Blick auf den hohen, gespaltenen Stein.

»Nein«, sagte er und hoffte inständig, dass er recht hatte. »Nein, ich weiß, was ich falsch gemacht habe. Es passiert mir nicht wieder.«

»Das kannst du nicht wissen, nicht mit Sicherheit.«

»Aye, doch.« Er nahm ihre Hand von seinem Ärmel und hielt sie zwischen den seinen fest; sie war klein und kalt. Er lächelte sie an, obwohl sich sein Gesicht merkwürdig taub anfühlte. »Ich hoffe, Ernie ist noch nicht zu Hause; er wird dich von der Polizei suchen lassen. Am besten gehst du schnell zurück.«

Sie zuckte ungeduldig die Achseln.

»Er ist angeln mit seinem Vetter Neil; er kommt vor Dienstag nicht zurück. Was meinst du, es passiert dir nicht wieder – warum nicht?«

Das war es, was schwieriger zu erklären war als alles andere. Doch er schuldete ihr den Versuch.

»Als ich gesagt habe, dass ich an meinen Vater dachte, da habe ich ihn mir so vorgestellt, wie ich ihn kannte – die Bilder von ihm in der Fliegerausrüstung oder mit meiner Mutter. Es ist nur … da war ich schon geboren. Verstehst du?« Er durchforschte ihr kleines, rundes Gesicht und sah, wie sie langsam die Augen schloss, als sie es begriff. Sie atmete mit einem leisen Seufzer aus, in dem sich Angst und Staunen vermischten.

»Dann bist du also nicht nur deinem Pa begegnet, oder?«, fragte sie leise.

Er schüttelte wortlos den Kopf. Kein Bild, kein Geräusch, Geruch, Gefühl. Kein Bild der Welt konnte beschreiben, wie es gewesen war, sich selbst zu begegnen.

»Ich muss los«, wiederholte er leise. Er drückte ihre Hand. »Fiona, ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dir bin.«

Sie starrte ihn einen Moment lang an, die weiche Unterlippe vorgeschoben, und ihre Augen glitzerten. Dann zog sie ihre Hand zurück, schraubte sich ihren Verlobungsring vom Finger und legte ihn in seine Hand.

»Es ist ein kleiner Stein, aber ein echter Diamant«, sagte sie. »Vielleicht hilft er dir.«

»Das kann ich nicht annehmen!« Er streckte die Hand aus, um ihn zurückzugeben, doch sie trat einen Schritt zurück und verschränkte die Hände hinter ihrem Rücken.

»Keine Sorge, er ist versichert«, sagte sie. »Ernie geht gern auf Nummer sicher.« Sie versuchte, ihn anzulächeln, obwohl ihr jetzt die Tränen über das Gesicht liefen. »Und ich auch.«

Es gab nichts mehr zu sagen. Er steckte den Ring in die Seitentasche seines Rockes und warf einen Blick auf den großen, gespaltenen Stein, dessen schwarze Flanken zu glitzern begannen, als sich das Licht der Dämmerung in den Flecken aus Katzengold und den Quarzfäden fing. Er konnte das Summen immer noch hören, obwohl es sich jetzt eher so anfühlte wie das Pulsieren seines Blutes; etwas in seinem Inneren.

Keine Worte, und kein Bedarf danach. Er berührte zum Abschied sacht ihr Gesicht und schritt leicht stolpernd auf den Stein zu. Er trat in die Spalte.

Fiona hörte nichts, doch das Echo eines Namens schimmerte in der stillen, klaren Luft des Mittsommertages.

Sie wartete lange, bis die Sonne auf der Spitze des Steines ruhte.

»Slan leat, a charaid chòir«, sagte sie leise. »Viel Glück, lieber Freund.« Sie ging langsam den Hügel hinunter und blickte nicht zurück.

Kapitel 34

Lallybroch

Schottland

Juni 1769

Der Name des Rotfuchses war Brutus, doch glücklicherweise schien er bisher nicht auf den Charakter des Pferdes hinzuweisen. Es war zu gesetzt, um ein Verschwörer zu sein, stark und zuverlässig – oder wenn nicht zuverlässig, so doch zumindest in sein Schicksal ergeben. Es hatte sie ohne einen Fehltritt durch die sommergrünen Täler und felsigen Schluchten getragen, sie höher und höher hinaufgebracht, auf den guten Straßen, die der englische General Wade fünfzig Jahre zuvor gebaut hatte, und den schlechten Straßen jenseits der Reichweite des Generals. Sie waren durch überwachsene Bachläufe geplanscht und in Höhen gelangt, wo die Straßen zu Rotwildwechseln im Moor dahinschwanden.

Brianna legte die Zügel auf Brutus’ Hals, um ihn nach der letzten Steigung ausruhen zu lassen, und saß still da, während sie das kleine Tal zu ihren Füßen überblickte. Das große, weißgetünchte Bauernhaus stand friedlich inmitten blassgrüner Hafer- und Gerstenfelder, seine Fenster und Schornsteine waren in grauen Stein gefasst, der ummauerte Gemüsegarten und die zahlreichen Nebengebäude scharten sich um das Haus wie Küken um eine große, weiße Henne.

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