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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Der kleine Junge kicherte noch lauter; die Ermahnung erschreckte ihn nicht im mindesten. Er sah Brianna verstohlen an, fing ihren Blick auf und vergrub sein Gesicht prompt an der Schulter seines Vaters. Langsam hob er den Kopf und riskierte einen weiteren Blick. Er riss die Augen auf.

»Pa!«, sagte er. »Ist das eine Dame?«

»Natürlich; ich habe dir doch gesagt, sie ist deine Cousine.«

»Aber sie hat Hosen an!« Matthew starrte sie schockiert an. »Eine Dame trägt keine Hosen!«

Die junge Frau sah ganz danach aus, als teilte sie diese Meinung, doch sie unterbrach ihn entschlossen und setzte sich in Bewegung, um dem Vater den Jungen abzunehmen.

»Ja, und sie hat bestimmt einen guten Grund dafür, aber man sagt den Leuten so etwas nicht ins Gesicht. Geh und wasch dich, aye?« Sie stellte ihn auf den Boden und schob ihn sanft an. Er bewegte sich nicht, sondern machte kehrt, um Brianna anzuglotzen.

»Wo ist Oma, Matt?«, fragte sein Vater.

»Im Wohnzimmer mit Opa und einer Dame und einem Mann«, antwortete Matthew prompt. »Sie haben zwei Kannen Kaffee getrunken und ein Tablett mit Scones und einen ganzen Dundee-Kuchen gegessen, aber Mama sagt, sie bleiben noch, weil sie hoffen, dass sie hier auch noch zu Abend essen können, und viel Spaß, weil es heute nur Suppe mit ein bisschen Haxe gibt, und verdammt – oh«, er hielt sich die Hand vor den Mund und sah seinen Vater schuldbewusst an, »und verflixt, wenn sie ihnen etwas von der Stachelbeertorte abgibt, egal, wie lange sie bleiben.«

Jamie sah seinen Sohn scharf an und blickte dann fragend zu seiner Schwester. »Eine Dame und ein Mann?«

Janet zog ein angewidertes Gesicht.

»Die Meckerziege und ihr Bruder«, sagte er.

Jamie grunzte und sah dabei Brianna an.

»Ich schätze, dann freut sich Mama wohl über eine Entschuldigung, von ihnen wegzukommen.« Er nickte Matthew zu. »Geh und hol deine Oma, Junge. Sag ihr, wir haben Besuch, den sie sicher sehen möchte. Und sag’s anständig, aye?« Er drehte Matthew zur Rückseite des Hauses um und entließ ihn mit einem sanften Klaps auf den Po.

Der Junge ging los, allerdings langsam und warf Brianna dabei einen Blick voll gebannter Faszination zu.

Jamie wandte sich lächelnd wieder an Brianna.

»Das war mein Ältester«, sagte er. »Und das« – er wies auf die junge Frau – »ist meine Schwester, Janet Murray. Janet – Mistress Brianna Fraser.«

Brianna wusste nicht, ob sie ihr die Hand anbieten sollte oder nicht, und begnügte sich stattdessen mit einem Kopfnicken und einem Lächeln. »Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen«, sagte sie freundlich.

Janet riss die Augen vor Erstaunen weit auf, ob über Briannas Worte oder ihren Akzent, konnte Brianna nicht sagen.

Jamie grinste über die überraschte Reaktion seiner Schwester.

»Du errätst niemals, wer sie ist, Jen«, sagte er. »Nicht in tausend Jahren!«

»Cousine«, murmelte sie und betrachtete ihren Gast unverhohlen von oben bis unten. »Sicher, sie sieht aus wie eine MacKenzie. Aber du sagst, sie heißt Fraser …« Ihre Augen weiteten sich plötzlich.

»Oh, das kann nicht sein«, sagte sie zu Brianna. Ein Lächeln breitete sich über ihr ganzes Gesicht und verstärkte ihre Ähnlichkeit mit ihrem Bruder. »Das kann nicht sein!«

Das Glucksen ihres Bruders wurde durch das Geräusch einer zufallenden Tür und den Klang leiser Schritte auf den Flurdielen unterbrochen.

»Aye, Jamie? Mattie sagt, wir haben einen Gast …« Die leise, energische Stimme erstarb auf einmal. Brianna blickte auf, und das Herz steckte ihr plötzlich im Hals.

Jenny Murray war sehr klein – gerade einen Meter sechzig groß – und so feinknochig wie ein Spatz. Sie stand da und starrte Brianna mit leicht geöffnetem Mund an. Ihre Augen waren tiefblau wie Enziane und fielen umso mehr auf, als ihr Gesicht papierweiß geworden war.

»Oje«, sagte sie leise. »Oje.« Brianna lächelte zögernd und nickte ihrer Tante zu – der Freundin ihrer Mutter, der geliebten, einzigen Schwester ihres Vaters. Oh bitte!, dachte sie, von einer plötzlichen Sehnsucht erfüllt, die so intensiv war, wie sie unerwartet kam. Bitte hab mich gern, bitte freu dich, dass ich hier bin!

Der kleine Jamie verbeugte sich ausgiebig vor seiner Mutter und strahlte.

»Mama, darf ich dir …«

»Jamie Fraser! Ich wusste, dass er wieder da ist – ich hab’s dir doch gesagt, Jenny Murray!«

Vom Ende des Flurs kam eine Stimme in schrillem vorwurfsvollem Tonfall. Brianna blickte erstaunt auf und sah eine Frau aus dem Schatten auftauchen, die vor Empörung knisterte.

»Amyas Kettrik hat mir gesagt, dass er deinen Bruder in der Nähe von Balriggan hat vorbeireiten sehen! Aber nein, du wolltest es ja nicht glauben, nicht wahr? Jenny – hast mich Dummkopf genannt, hast gesagt, Amyas ist blind und Jamie in Amerika! Lügner seid ihr, alle beide, du und Ian. Versucht, den verschlagenen Feigling in Schutz zu nehmen! Hobart!«, rief sie und wandte sich zur Rückseite des Hauses. »Hobart! Komm sofort her!«

»Sei still!«, sagte Jenny ungeduldig. »Du bist ein Dummkopf, Laoghaire!« Sie riss die Frau am Ärmel und drängte sie, sich umzudrehen. »Und was das Blindsein angeht, sieh sie dir doch an! Bist du schon so verkalkt, dass du keinen erwachsenen Mann mehr von einem Mädchen in Hosen unterscheiden kannst, zum Kuckuck?« Ihr Blick war immer noch fest auf Brianna gerichtet, ihre Augen von einem spekulativen Leuchten erfüllt.

»Ein Mädchen?«

Die andere Frau drehte sich um und sah Brianna stirnrunzelnd an. Dann blinzelte sie kurz, während ihre Wut verschwand und ihr rundes Gesicht Überraschung zeigte. Sie schnappte nach Luft und bekreuzigte sich.

»Jesses, Maria und Josef! Wer in Gottes Namen seid Ihr?«

Brianna holte tief Luft, blickte von der einen Frau zur anderen und antwortete. Sie versuchte, ihre Stimme nicht zittern zu lassen.

»Mein Name ist Brianna. Ich bin Jamie Frasers Tochter.«

Beide Frauen rissen die Augen auf. Die Frau namens Laoghaire wurde langsam rot und schien anzuschwellen. Sie öffnete und schloss den Mund auf der vergeblichen Suche nach Worten.

Jenny dagegen trat einen Schritt vor, ergriff Briannas Hände und sah in ihr Gesicht hoch. Ihre Wangen erblühten schwach rot, und plötzlich wirkte sie jung.

»Jamies? Du bist wirklich Jamies Mädchen?« Sie drückte Briannas Hände zwischen den ihren.

»Sagt meine Mutter.«

Brianna spürte das antwortende Lächeln in ihrem eigenen Gesicht. Jennys Hände waren kühl, doch Brianna fühlte sich trotzdem von einer Wärme durchströmt, die sich von ihren Händen bis in ihre Brust ausbreitete. Sie fing den schwachen, würzigen Duft von Gebäck in den Falten von Jennys Kleid auf und etwas Erdigeres und Durchdringenderes, das wohl der Geruch von Schafwolle sein musste.

»Ach ja?« Laoghaire hatte ihre Stimme und ihre Selbstkontrolle wiedergefunden. Sie trat einen Schritt vor und kniff die Augen zusammen. »Jamie Fraser ist dein Vater, aye? Und wer genau ist deine Mutter?«

Brianna erstarrte.

»Seine Frau«, sagte sie. »Wer denn sonst?«

Laoghaire warf den Kopf zurück und lachte. Es war kein angenehmes Lachen.

»Wer denn sonst?«, äffte sie Brianna nach. »Stimmt, wer denn sonst, Kleine? Und welche Frau meinst du?«

Brianna spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich und ihre Hände sich in Jennys anspannten, als die Flut der Einsicht sie durchspülte. Du Idiotin, dachte sie. Du riesige Idiotin. Es waren zwanzig Jahre gewesen! Natürlich hatte er wieder geheiratet! Natürlich. Egal, wie sehr er Mama geliebt hatte.

Diesem Gedanken folgte ein anderer, viel schrecklicherer, auf dem Fuße. Hat sie ihn gefunden? Oh, Gott, hat sie ihn mit einer neuen Frau gefunden, und er hat sie fortgeschickt? Oh, Gott, wo ist sie?

Sie wandte sich blindlings um, ohne zu wissen, wo sie hinsollte, was sie tun sollte, einfach nur sicher, dass sie sofort hier weg, ihre Mutter finden musste.

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