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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Ich nehme an, du möchtest dich hinsetzen, Cousine. Komm ins Wohnzimmer, aye?« Jamies Stimme erklang fest in ihrem Ohr, und sein Arm war um sie gelegt, drehte sie um und schob sie durch eine der Türen, die vom Flur abgingen.

Sie hörte das Durcheinander der Stimmen um sie herum kaum, die Verwirrung der Erklärungen und Vorwürfe, die um sie herum losgingen wie Schnüre mit Silvesterkrachern. Sie erblickte einen kleinen, gepflegten Mann, dessen Gesicht aussah wie das des Weißen Kaninchens, nämlich völlig überrascht, und einen weiteren, viel größeren Mann, der aufstand, als sie ins Zimmer trat, und auf sie zukam, das verwitterte freundliche Gesicht voller Sorgenfalten.

Es war der hochgewachsene Mann, der den Lärm beendete, die Anwesenden zur Ordnung rief und dann dem Stimmengewirr eine Erklärung für ihre Anwesenheit entrang.

»Jamies Tochter?« Er sah sie interessiert an, sah aber viel weniger überrascht aus als alle anderen bis jetzt. »Wie heißt du, a leannan?«

»Brianna.« Sie war zu aufgewühlt, um ihn anzulächeln, doch es schien ihm nichts auszumachen.

»Brianna.« Er ließ sich auf einem Kniehocker nieder, hieß sie sich ihm gegenüber hinsetzen, und sie sah, dass er ein Holzbein hatte, das steif zu einer Seite hin abgewinkelt war. Er ergriff ihre Hand und lächelte sie an, und das warme Leuchten in seinen sanften, braunen Augen gab ihr zumindest für einen Augenblick das Gefühl, etwas sicherer zu sein.

»Ich bin dein Onkel Ian. Herzlich willkommen.« Unwillkürlich drückte ihre Hand die seine fester und klammerte sich an die Zuflucht, die er ihr anzubieten schien. Er zuckte mit keiner Wimper und zog sie auch nicht zurück, sondern betrachtete Brianna nur sorgfältig und schien belustigt über ihre Kleidung zu sein.

»Hast in der Heide geschlafen, was?«, sagte er angesichts des Schmutzes und der Pflanzenflecken auf ihren Kleidern. »Du scheinst weit gereist zu sein, um uns zu besuchen, Nichte.«

»Sie sagt, sie ist deine Nichte«, sage Laoghaire. Sie hatte sich von ihrem Schock erholt und blickte über Ians Schulter, das runde Gesicht vor Abscheu verzogen. »Bestimmt ist sie nur gekommen, um zu sehen, was es hier zu holen gibt.«

»Ich würde nicht von mir auf andere schließen«, sagte Ian nachsichtig. Er drehte sich um und sah sie an. »Oder haben du und Hobardt nicht vor einer halben Stunde noch versucht, fünfhundert Pfund aus mir herauszuquetschen?«

Ihre Lippen pressten sich fest zusammen, und die Linien, die ihren Mund einklammerten, vertieften sich.

»Das Geld gehört mir«, schnappte sie, »und das weißt du genau! Es ist so vereinbart worden; du warst Zeuge bei dem Vertrag.«

Ian seufzte; offensichtlich war es nicht das erste Mal, dass er heute davon hörte.

»Das stimmt«, sagte er geduldig. »Und du bekommst dein Geld – sobald Jamie in der Lage ist, es dir zu schicken. Er hat es dir versprochen, und er ist ein Ehrenmann. Aber …«

»Ehrenmann, was?« Laoghaire gab ein undamenhaftes Schnauben von sich. »Dann ist es also ehrenhaft, ein Bigamist zu sein? Seine Frau und seine Kinder im Stich zu lassen? Meine Tochter zu entführen und ihr Leben zu ruinieren? Ehrenhaft!« Sie sah Brianna an, ihre Augen glitzernd und hart wie frisch gewalzter Stahl.

»Ich frage dich noch einmal, Mädchen – wie heißt deine Mutter?«

Brianna starrte sie einfach nur überwältigt an. Ihre Halsbinde würgte sie, und ihre Hände fühlten sich eisig an, obwohl Ian sie festhielt.

»Deine Mutter«, wiederholte Laoghaire ungeduldig. »Wer war sie?«

»Es spielt keine Rolle, wer …«, begann Jenny, doch Laoghaire baute sich mit zornrotem Gesicht vor ihr auf.

»Oh, doch, es spielt eine Rolle. Wenn er sie von irgendeiner Armeehure hat oder von einer Schlampe von Dienstmädchen in England – das ist eine Sache. Aber wenn sie …«

»Laoghaire!«

»Schwester!«

»Du altes Schandmaul!«

Brianna beendete das Geschrei, indem sie einfach aufstand. Sie war genauso groß wie die Männer und überragte die Frauen. Laoghaire trat einen Schritt zurück. Alle Gesichter im Zimmer waren auf sie gerichtet, erfüllt von Feindseligkeit, Mitgefühl oder schlichter Neugier.

Mit einer Kaltblütigkeit, die sie nicht fühlte, tastete Brianna nach der Innenseite ihres Rockes, der Geheimtasche, die sie erst vor einer Woche in den Saum genäht hatte. Es kam ihr wie ein Jahrhundert vor.

»Meine Mutter heißt Claire«, sagte sie und ließ die Halskette auf den Tisch fallen.

Es herrschte völliges Schweigen im Raum, nur das gedämpfte Torffeuer, das im Kamin brannte, zischte leise. Das Perlenhalsband lag glänzend da, und die Frühlingssonne, die durchs Fenster schien, ließ die durchbohrten Goldkügelchen wie Funken aufleuchten.

Es war Jenny, die zuerst sprach. Wie eine Schlafwandlerin streckte sie einen ihrer schlanken Finger aus und berührte eine der Perlen. Süßwasserperlen von der Sorte, die man barock nennt wegen ihrer einzigartigen, unregelmäßigen, unverwechselbaren Form.

»Oje«, sagte Jenny leise. Sie hob den Kopf und sah Brianna ins Gesicht, und ihre schrägstehenden, blauen Augen schimmerten, als weinte sie. »Ich freue mich so, dich zu sehen – Nichte.«

»Wo ist meine Mutter? Wisst ihr das?« Brianna blickte von Gesicht zu Gesicht, und das Herz schlug ihr heftig in den Ohren. Laoghaire sah sie nicht an; ihr Blick haftete an den Perlen, ihr Gesicht wirkte wie eingefroren.

Jenny und Ian tauschten einen schnellen Blick aus, dann stand Ian auf. Er bewegte sich umständlich, um das Bein unter sich zu schieben.

»Sie ist bei deinem Pa«, sagte er und berührte Briannas Arm. »Mach dir keine Sorgen, Kleine; sie sind beide in Sicherheit.«

Brianna widerstand dem Impuls, vor Erleichterung zusammenzubrechen. Stattdessen atmete sie ganz vorsichtig aus und spürte, wie sich der Knoten der Anspannung in ihrem Bauch langsam löste.

»Danke«, sagte sie. Sie versuchte, Ian zuzulächeln, doch ihr Gesicht fühlte sich schlaff und gummiartig an. In Sicherheit. Und zusammen. Oh, danke!, dachte sie in stummer Dankbarkeit.

»Die gehören von Rechts wegen mir.« Laoghaire wies auf die Perlen. Jetzt war sie nicht mehr aufgebracht, sondern voll kalter Selbstkontrolle. Jetzt, wo ihr Gesicht nicht mehr vor Wut verzerrt war, konnte Brianna sehen, dass sie einmal sehr hübsch gewesen und immer noch eine gutaussehende Frau war – hochgewachsen für eine Schottin und von einer gewissen Eleganz der Bewegung. Sie hatte jene Art empfindlicher, heller Hautfarbe, die schnell verwelkt, und sie war um die Hüften dicker geworden, doch ihre Gestalt war immer noch aufrecht und fest, und in ihrem Gesicht war immer noch der Stolz einer Frau zu sehen, die sich der Tatsache bewusst ist, dass sie einmal schön war.

»Nein, das tun sie nicht!«, sagte Jenny in einem kurzen Temperamentsausbruch. »Das waren die Juwelen meiner Mutter, die mein Vater Jamie für seine Frau gegeben hat, und …«

»Und seine Frau bin ich«, unterbrach Laoghaire. Dann sah sie Brianna an. Es war ein kalter, abschätzender Blick.

»Ich bin seine Frau«, wiederholte sie. »Ich habe ihn guten Glaubens geheiratet, und er hat mir Bezahlung für das versprochen, was er mir angetan hat.« Sie ließ ihren kalten Blick zu Jenny wandern. »Ich habe seit über einem Jahr keinen Penny mehr gesehen. Soll ich etwa meine Schuhe verkaufen, um meine Tochter zu ernähren – die Einzige, die er mir gelassen hat?«

Sie hob das Kinn und sah Brianna an.

»Wenn Ihr seine Tochter seid, dann sind seine Schulden auch die Euren. Sag’s ihr, Hobart.«

Hobart sah etwas verlegen aus.

»Also, Schwester«, sagte er und legte ihr als Beschwichtigungsversuch die Hand auf den Arm. »Ich denke nicht …«

»Nein, das tust du nicht, schon seit deiner Geburt!« Irritiert schüttelte sie ihn ab und streckte die Hand nach den Perlen aus. »Sie gehören mir!«

Es war der reine Reflex; die Perlen lagen fest umklammert in Briannas Hand, noch ehe sie überhaupt den Entschluss gefasst hatte, sie an sich zu nehmen. Die Goldkügelchen fühlten sich kühl an, doch die Perlen waren warm – das Erkennungsmerkmal einer echten Perle, hatte ihre Mutter ihr gesagt.

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