Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie hatte es noch nie gesehen, doch sie hatte keinen Zweifel. Sie hatte oft genug gehört, wie ihre Mutter Lallybroch beschrieb. Und außerdem war es meilenweit das einzige größere Haus; in den letzten drei Tagen hatte sie nur winzige, steinerne Bauernkaten gesehen, viele verlassen und zusammengefallen, manche nur noch feuergeschwärzte Ruinen.
Aus einem Schornstein unten stieg Rauch auf; es war jemand zu Hause. Es war fast Mittag; vielleicht waren alle drinnen und aßen?
Sie schluckte; ihr Mund war trocken vor Aufregung und Erwartungsfreude. Wen würde sie zuerst sehen? Ian? Jenny? Und wie würden sie ihr Erscheinen und ihre Erklärungen aufnehmen?
Sie hatte sich entschlossen, einfach die Wahrheit zu sagen, zumindest darüber, wer sie war und was sie hier suchte. Ihre Mutter hatte ihr gesagt, wie sehr sie ihrem Vater ähnelte; sie würde auf diese Ähnlichkeit zählen müssen, um sie zu überzeugen. Bei den Highlandern, denen sie bis jetzt begegnet war, hatten ihr Aussehen und ihre fremdartige Aussprache Argwohn erregt; vielleicht würden die Murrays ihr nicht glauben. Dann erinnerte sie sich und berührte ihre Rocktasche; nein, sie würden ihr glauben; schließlich hatte sie einen Beweis.
Ein plötzlicher Gedanke durchzuckte sie. Konnte es sein, dass sie jetzt hier waren? Jamie Fraser und ihre Mutter? Die Idee war ihr noch gar nicht gekommen. Sie war so fest davon überzeugt gewesen, dass sie in Amerika waren – aber das musste ja nicht so sein. Sie wusste nur, dass sie 1776 in Amerika sein würden; wo sie jetzt waren, war nicht zu sagen.
Brutus warf den Kopf hoch und wieherte laut. Hinter ihnen erklang ein antwortendes Wiehern, und Brianna nahm die Zügel auf, als Brutus sich umdrehte. Er hob den Kopf und wieherte erneut, und seine Nüstern weiteten sich interessiert, als ein hübscher Brauner um die Straßenbiegung trabte, der einen hochgewachsenen, in Braun gekleideten Mann trug.
Der Mann hielt sein Pferd einen Augenblick an, gab ihm dann aber sacht die Ferse und kam langsam näher. Sie sah, dass er jung war und trotz seines Hutes tiefgebräunt; er musste viel Zeit unter freiem Himmel verbringen. Seine Rockschöße waren zerknittert und seine Strümpfe mit Staub und Fuchsschwanzgräsern übersät.
Er näherte sich argwöhnisch und nickte, als er bis auf Sprechweite herangekommen war. Dann sah sie, wie er sich überrascht versteifte, und sie lächelte vor sich hin.
Er hatte gerade gemerkt, dass sie eine Frau war. Die Männerkleider, die sie trug, würden aus der Nähe niemanden täuschen; »jungenhaft« war das letzte Wort, das man benutzen würde, um ihre Figur zu beschreiben. Doch sie erfüllten hinlänglich ihren Zweck – man konnte bequem damit reiten, und aufgrund ihrer Größe sah sie aus der Entfernung wie ein Mann zu Pferd aus.
Der Mann zog seinen Hut und verneigte sich vor ihr; die Überraschung war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Er war nicht wirklich gutaussehend, doch er hatte ein freundliches, kraftvolles Gesicht mit fedrigen Brauen – die er zurzeit hochgezogen hatte – und braune Augen unter einer dichten Kappe aus lockigem, schwarzem Haar, das vor Gesundheit glänzte.
»Madame«, sagte er. »Kann ich Euch helfen?«
Sie nahm ebenfalls den Hut ab und lächelte ihn an.
»Das hoffe ich«, sagte sie. »Ist das hier Lallybroch?«
Er nickte, und Argwohn gesellte sich zu seiner Überraschung, als er ihren merkwürdigen Akzent hörte.
»So ist es. Habt Ihr hier zu tun?«
»Ja«, sagte sie fest. »Das habe ich.« Sie richtete sich im Sattel auf und holte tief Luft. »Ich bin Brianna … Fraser.« Es fühlte sich merkwürdig an, es laut zu sagen; sie hatte den Namen noch nie benutzt. Doch es fühlte sich erstaunlich richtig an.
Der Argwohn in seinem Gesicht verblasste, nicht aber die Verwunderung. Er nickte zurückhaltend.
»Euer Diener, Ma’am. Jamie Fraser Murray«, fügte er formell hinzu und verbeugte sich, »von Broch Tuarach.«
»Der kleine Jamie!«, rief sie aus, und ihre Heftigkeit erschreckte ihn. »Du bist der kleine Jamie!«
»So nennt mich meine Familie«, sagte er steif und vermittelte ihr erfolgreich den Eindruck, dass er etwas dagegen hatte, wenn fremde Frauen in unschicklicher Kleidung den Namen leichtfertig in den Mund nahmen.
»Erfreut, dich kennenzulernen«, sagte sie unbeeindruckt. Sie beugte sich im Sattel vor und streckte ihm die Hand hin. »Ich bin deine Cousine.«
Seine Augenbrauen, die sich während der Begrüßung gesenkt hatten, fuhren wieder hoch. Er sah ihre ausgestreckte Hand an, dann, ungläubig, ihr Gesicht.
»Jamie Fraser ist mein Vater«, sagte sie.
Seine Kinnlade fiel herab, und einen Augenblick lang glotzte er sie einfach nur an. Er betrachtete sie eingehend von Kopf bis Fuß, warf einen genauen Blick auf ihr Gesicht, und dann breitete sich langsam ein Lächeln in dem seinen aus.
»Hol mich der Teufel, wenn er es nicht ist!«, sagte er. Er ergriff ihre Hand und drückte sie so fest, dass die Knochen knirschten. »Himmel, du siehst genauso aus wie er!«
Er lachte, und die Freude ließ sein Gesicht verwandelt aussehen.
»Himmel!«, sagte er. »Meine Mutter bekommt Zustände!«
Die mächtige Kletterrose, die den Eingang überwucherte, hatte gerade ausgeschlagen, und Hunderte von winzigen, grünen Knospen waren in der Entstehung. Brianna blickte nach oben, während sie dem kleinen Jamie folgte, und ihr Blick fiel auf den Türsturz.
Fraser 1716 war in das verwitterte Holz geschnitzt. Der Anblick elektrisierte sie, und sie blieb einen Augenblick stehen, starrte den Namen an und spürte den sonnengewärmten Balken unter ihrer Hand.
»Alles in Ordnung, Cousine?« Jamie hatte sich umgewandt und sah sie fragend an.
»Bestens.« Sie eilte hinter ihm ins Haus und zog automatisch den Kopf ein, obwohl es nicht nötig war.
»Wir sind fast alle groß, bis auf Mama und die kleine Kitty«, sagte Jamie lächelnd, als er sah, wie sie sich bückte. »Mein Großvater – und deiner – hat das Haus für seine Frau gebaut, die auch eine sehr große Frau war. Es dürfte das einzige Haus in den Highlands sein, bei dem du durch die Tür gehen kannst, ohne den Kopf einzuziehen oder ihn dir zu stoßen.«
… und deiner. Bei seinen beiläufigen Worten wurde ihr trotz der Kühle im Flur plötzlich warm ums Herz.
Frank Randall war ein Einzelkind gewesen und ihre Mutter ebenfalls; sie hatte keine nahen Verwandten – nur ein paar ältere Großtanten in England und ein paar in Australien. Als sie sich auf den Weg machte, war sie nur davon ausgegangen, ihren Vater zu finden; dass sie gleichzeitig eine ganze Familie entdecken würde, war ihr nicht klar gewesen.
Eine Menge von Familie. Als sie den Flur mit seiner narbigen Wandverkleidung betrat, öffnete sich eine Tür, und vier kleine Kinder kamen herausgerannt, gefolgt von einer hochgewachsenen, jungen Frau mit braunen Locken.
»Ah, weg mit euch, schnell weg, ihr kleinen Fische!«, rief sie und lief ihnen mit ausgestreckten Händen hinterher, die wie Zangen auf- und zuschnappten. »Gleich frisst euch der böse Krebs, schnapp, schnapp!«
Die Kinder flohen kichernd und kreischend durch den Flur und blickten mit ängstlichem Entzücken über ihre Schultern zurück. Eins von ihnen, ein kleiner Junge von vielleicht vier Jahren, sah Brianna und Jamie im Eingang stehen. Er änderte sofort seine Richtung, raste durch den Flur wie eine durchgehende Lokomotive und rief: »Papa, Papa, Papa!«
Ohne Rücksicht auf Verluste warf sich der Junge gegen Jamies Taille. Letzterer fing ihn geschickt auf und hob den strahlenden kleinen Jungen hoch.
»Aber, aber, Matthew«, sagte er streng. »Was für Manieren bringt dir deine Tante Janet bei? Was soll denn deine neue Cousine von dir denken, wenn sie dich hier herumsausen sieht wie ein Huhn, das hinter seinen Körnern her ist?«