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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Kannst du dich an ein paar von den Wörtern erinnern?« Der Wissenschaftler in Roger erwachte, und trotz seiner Verwirrung meldete sich seine Neugier.

Fiona hatte keine große Ähnlichkeit mit ihrer Großmutter, doch sie warf ihm einen Blick zu, der ihn in seiner Direktheit plötzlich an Mrs. Graham erinnerte.

»Ich kenne sie alle«, sagte sie. »Ich bin jetzt die Ruferin.«

Ihm wurde bewusst, dass sein Mund offen stand, und er schloss ihn. Er griff nach der Keksdose und knallte sie vor sich auf den Tisch.

»Das ist aber nicht das, was du wissen musst«, sagte sie ruhig, »und deshalb erzähle ich es dir auch nicht. Du willst wissen, was mit Mrs. Edgars ist.«

Fiona war wirklich mit Gillian Edgars bekannt gewesen; Gillian war eine der Tänzerinnen gewesen, wenn auch erst seit kurzer Zeit. Gillian hatte die älteren Frauen ausgefragt, begierig, so viel wie möglich zu erfahren. Sie hatte auch den Sonnengesang lernen wollen, doch er war geheim; nur die Ruferin und ihre Nachfolgerin kannten ihn. Manche ältere Frauen kannten ihn teilweise – diejenigen, die den Gesang jahrelang immer wieder gehört hatten –, doch nicht ganz. Wann man beginnen und wie man den Gesang abstimmen musste, damit er mit dem Sonnenaufgang zusammenfiel, das war geheim.

Fiona hielt inne und blickte auf ihre gefalteten Hände.

»Es sind Frauen, nur Frauen. Männer haben dabei nichts zu suchen, und wir erzählen ihnen nichts davon. Unter keinen Umständen.«

Er legte seine Hand auf ihre Hände.

»Es ist richtig, dass du es mir erzählst, Fiona«, sagte er leise. »Bitte erzähl mir den Rest. Ich muss es wissen.«

Sie holte tief und zitternd Luft und zog ihre Hand unter der seinen hervor. Sie sah ihn direkt an. »Weißt du, wo sie hingegangen ist? Brianna?«

»Ich glaube schon. Dahin, wo Gillian gegangen ist, nicht wahr?«

Fiona antwortete nicht, sondern sah ihn weiter an. Ganz plötzlich überwältigte ihn die Irrealität der Situation. Es konnte doch nicht wahr sein, dass er hier saß, in der gemütlichen, abgenutzten Küche, die er seit seiner Kindheit kannte, und Tee aus einer Tasse trank, die mit dem Gesicht der Queen bemalt war, und dabei mit Fiona über heilige Steine und Zeitreisen diskutierte. In Gottes Namen, nicht Fiona, deren Interessen sich auf Ernie und den Betrieb ihrer Küche beschränkten.

Hatte er jedenfalls gedacht. Er griff nach der Tasse, trank sie aus und stellte sie mit einem leisen Klirren hin.

»Ich muss ihr folgen, Fiona – wenn ich kann. Kann ich?«

Sie schüttelte den Kopf, und es war klar, dass sie Angst hatte.

»Ich weiß es nicht. Ich weiß nur von Frauen; vielleicht können es nur Frauen.«

Roger umklammerte den Salzstreuer. Das hatte er befürchtet – unter anderem.

»Dann gibt es nur eine Möglichkeit, es herauszufinden, nicht wahr?«, sagte er, äußerlich ruhig. Vor seinem inneren Auge erhob sich ein großer gespaltener Stein, ungebeten, schwarz, wie eine nackte Drohung vor dem verhangenen Himmel.

»Ich habe ihr Notizbuch«, platzte Fiona heraus.

»Was – wessen? Gillians? Sie hat etwas aufgeschrieben?«

»Aye, das hat sie. Da ist eine Stelle …« Sie warf ihm einen Blick zu und leckte sich die Lippen. »Da bewahren wir unsere Sachen auf, damit wir sie vorher greifbar haben. Sie hatte das Buch da hingelegt, und – und – ich habe es mitgenommen, nachher.« Nachdem man Gillians ermordeten Ehemann in dem Steinkreis gefunden hatte, das meinte sie wohl.

»Ich wusste, dass die Polizei es vielleicht haben sollte«, fuhr Fiona fort, »aber es – na ja, ich hätte es ihnen nicht gern überlassen, und trotzdem habe ich mir gedacht, was, wenn es etwas mit dem Mord zu tun hat? Ich konnte es ihnen doch nicht vorenthalten, und trotzdem …« Sie blickte zu Roger auf, und in ihrem Blick lag die Bitte um Verständnis. »Es war ihr persönliches Buch, verstehst du, ihre Handschrift. Und wenn sie es an diese Stelle gelegt hatte …«

»Dann war es geheim.« Roger nickte.

Fiona nickte ebenfalls und holte tief Luft.

»Also habe ich es gelesen.«

»Und deswegen weißt du auch, wohin sie gegangen ist«, sagte Roger leise.

Fiona seufzte erschauernd und lächelte ihn matt an.

»Also, der Polizei würde es jedenfalls nicht weiterhelfen, das steht fest.«

»Könnte es mir weiterhelfen?«

»Ich hoffe es«, sagte sie schlicht, wandte sich zur Anrichte, zog eine Schublade auf und holte ein kleines, in grünes Tuch gebundenes Buch heraus.

Kapitel 32

Grimoire

Dies ist das Grimoire der Hexe Geillis. Das ist ein Hexenname, und ich nehme ihn als den meinen an; als was ich geboren wurde, spielt keine Rolle, nur, was ich aus mir mache, was aus mir wird. Und was ist das? Ich kann es noch nicht sagen, denn nur, indem ich es mache, werde ich herausfinden, was ich gemacht habe. Mein Weg ist der Weg der Macht.

Absolute Macht korrumpiert absolut, ja – und wie? Nun, durch die Annahme, dass Macht absolut sein kann, denn sie kann es nicht. Denn wir sind sterblich, ihr und ich. Beobachtet, wie die Haut auf euren Knochen schrumpft und dahinwelkt, spürt den Nähten eures Schädels nach, die sich durch eure Haut drängen, eure Zähne hinter den weichen Lippen ein Grinsen grimmigen Einverständnisses.

Und doch, innerhalb der Grenzen des Körpers sind viele Dinge möglich. Ob solche Dinge auch jenseits dieser Grenzen möglich sind – das ist die Sache anderer, nicht meine. Und was ist der Unterschied zwischen ihnen und mir, jenen anderen, die sich aufgemacht haben, das schwarze Reich zu erkunden, jenen, die Macht in der Magie und der Geisterbeschwörung suchen?

Ich gehe in meinem Körper, nicht in meiner Seele. Und indem ich meine Seele verweigere, gebe ich keine Macht an irgendwelche Kräfte ab, außer denen, über die ich die Kontrolle habe. Ich ersuche weder Teufel noch Gott um ihre Gunst; ich verneine sie. Denn wenn es keine Seele, keinen Tod zu berücksichtigen gibt, dann regiert weder Gott noch Teufel – ihr Kampf kümmert jene nicht, die nur für ihren Körper leben.

Wir regieren einen Augenblick lang und doch für alle Zeit. Ein empfindliches Netz, gesponnen, um Erde und Raum zu umgarnen. Uns ist nur ein Leben gegeben – und doch können wir seine Jahre in vielen Zeiten verbringen – wie vielen Zeiten?

Wer Macht ausüben will, der muss seine Zeit und seinen Ort sorgfältig auswählen, denn nur, wenn uns der Schatten des Steins zu Füßen liegt, steht das Tor des Schicksals wirklich offen.

»Bekloppt, das steht fest«, murmelte Roger. »Und was für ein furchtbarer Stil.« Die Küche war leer; er redete sich selbst Mut zu. Es funktionierte nicht.

Er blätterte vorsichtig um und überflog die Zeilen, die in einer klaren, rundlichen Handschrift verfasst waren.

Auf die Einleitung folgte ein Kapitel mit der Überschrift »Sonnenfeste und Feuerfeste« und dann eine Liste – Imbolc, Alban Eilir, Beltane, Litha, Lughnassadh, Alban Elfed, Samhain, Alban Arthuan. Jedem Namen folgten einige Notizen, und daneben stand eine Reihe von Kreuzen. Was zum Teufel sollte das?

Sein Blick fiel auf Samhain und die sechs Kreuze daneben.

Dies ist das erste der Totenfeste. Schon lange vor Christus und seiner Auferstehung entstiegen in der Samhain-Nacht die Seelen der Helden ihren Gräbern. Sie sind selten, solche Helden. Wer kommt schon zur Welt, wenn die Sterne richtig stehen? Und nicht jeder, der so geboren wird, hat den Mut, nach der Macht zu greifen, die ihm zusteht.

Obwohl sie ganz offensichtlich völlig verrückt war, hatte sie Methode und besaß Organisationstalent – eine merkwürdige Vermischung von kühler Beobachtungsgabe und poetischer Raserei. Der Mittelteil des Buches war mit »Fallstudien« überschrieben, und wenn sich Roger beim ersten Kapitel die Nackenhaare gesträubt hatten, dann war das zweite geeignet, ihm das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

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