Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Du hast da ein Bild auf deinem Schreibtisch.« Fiona sah ihn nicht an, sondern konzentrierte sich weiter auf das Geschirr, das sie gerade abräumte.
»Jede Menge.« Roger trank vorsichtig einen Schluck Tee; heiß und frisch, aber nicht so, dass man sich verbrannte. Wie machte sie das nur? »Willst du eins davon? Ich weiß, dass ein paar Schnappschüsse von deiner Oma dabei sind – du kannst sie gern haben, ich möchte nur gern eins selbst behalten.«
Jetzt blickte sie auf, etwas aus dem Konzept gebracht.
»Oh. Von Oma? Aye, die will Paps bestimmt sehen. Aber ich meine das große.«
»Große?« Roger versuchte zu erraten, welches Foto sie meinen konnte; die meisten waren Schwarzweiß-Schnappschüsse, die der Reverend mit seiner antiken Kleinbildkamera gemacht hatte. Doch es gab auch ein paar größere Kabinettfotografien – eins von seinen Eltern, ein anderes von der Großmutter des Reverends, die aussah wie ein Pterodaktylus in schwarzer Steppseide. Das Foto war am hundertsten Geburtstag der Dame aufgenommen worden. Diese Bilder konnte Fiona unmöglich meinen.
»Das von der, die ihren Mann umgebracht hat und verschwunden ist.« Fionas Mund presste sich zusammen.
»Der, die – oh.« Roger trank einen großen Schluck Tee. »Du meinst Gillian Edgars.«
»Der«, wiederholte Fiona stur. »Warum hast du ein Foto von der?«
Roger stellte die Tasse ab und griff nach der Morgenzeitung, um Beiläufigkeit vorzutäuschen, während er sich fragte, was er sagen sollte.
»Oh – jemand hat es mir gegeben.«
»Wer?«
Fiona war immer zielstrebig, jedoch selten so direkt. Was hatte sie nur?
»Mrs. Randall – Dr. Randall, meine ich. Warum?«
Fiona antwortete nicht, sondern presste ihre Lippen fest zusammen.
Roger hatte inzwischen jegliches Interesse an der Zeitung aufgegeben. Er legte sie vorsichtig hin.
»Hast du sie gekannt?«, sagte er. »Gillian Edgars?«
Fiona antwortete nicht sofort, sondern drehte sich zur Seite und beschäftigte sich mit dem Teewärmer.
»Du bist bei den Steinen auf dem Craigh na Dun gewesen; Joycie sagt, ihr Albert hat dich herunterkommen sehen, als er am Donnerstag nach Drumnadrochit gefahren ist.«
»Ja, das stimmt. Das ist doch kein Verbrechen, oder?« Er versuchte zu witzeln, doch damit kam er bei Fiona nicht durch.
»Du weißt, dass es da unheimlich ist; in all diesen Kreisen. Und jetzt erzähl mir nicht, dass du wegen der Aussicht da hochgestiegen bist.«
»Das habe ich gar nicht vor.«
Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und sah zu ihr auf. Ihr lockiges, dunkles Haar stand zu Berge; sie raufte es sich mit den Händen, wenn sie aufgeregt war, und sie war mit Sicherheit aufgeregt.
»Du bist mit ihr bekannt. Stimmt ja; Claire hat mir erzählt, dass du dich mit ihr getroffen hast.« Das leise Flackern der Neugier, das er bei der Erwähnung von Gillian Edgars’ Namen verspürt hatte, schwoll jetzt zu hell brennender Aufregung an.
»Ich kann ja wohl kaum mit ihr bekannt sein, oder? Sie ist tot.« Fiona hob den leeren Eierbecher hoch und fixierte die übriggebliebenen Schalenfragmente. »Oder?«
Roger unterbrach sie, indem er seine Hand auf ihren Arm legte.
»Wirklich?«
»Jedenfalls glaubt man das hier. Die Polizei hat nicht die geringste Spur von ihr gefunden.«
»Vielleicht sucht sie nicht an der richtigen Stelle.«
Alles Blut wich aus ihrem erröteten, hellhäutigen Gesicht. Roger festigte seinen Griff, obwohl sie nicht versuchte, zurückzuweichen. Sie wusste es, verdammt, sie wusste es! Doch was wusste sie?
»Sag mir, Fiona«, sagte er. »Bitte – sag mir. Was weißt du über Gillian Edgars – und die Steine?«
Jetzt zog sie doch ihren Arm zurück, ging aber nicht weg, sondern stand einfach nur da und drehte den Eierbecher wieder und wieder in der Hand herum, als wäre er ein Miniatur-Stundenglas. Roger stand auf, und sie scheute zurück und sah ängstlich zu ihm auf.
»Dann treffen wir eine Abmachung«, sagte er und versuchte, seine Stimme ruhig zu halten, um sie nicht noch mehr zu ängstigen. »Sag mir, was du weißt, und ich sage dir, warum Dr. Randall mir das Bild gegeben hat – und warum ich auf dem Craigh na Dun war.«
»Das muss ich mir überlegen.« Sie bückte sich rasch und ergriff das Tablett mit dem schmutzigen Geschirr. Sie war zur Tür hinaus, bevor er sie mit einem Wort aufhalten konnte.
Langsam setzte er sich wieder hin. Es war ein gutes Frühstück gewesen – wenn Fiona kochte, war es immer köstlich –, doch es lag ihm im Magen wie ein Sack Murmeln, schwer und unverdaulich.
Er sollte nicht zu viel erwarten, sagte er sich. Er beschwor damit nur eine Enttäuschung herauf. Was konnte Fiona schon wissen? Und doch, jede Erwähnung der Frau, die sich Gillian genannt hatte – und später Geillis –, reichte aus, um sein Interesse zu wecken.
Er ergriff seine vergessene Teetasse und schluckte, ohne etwas zu schmecken. Was, wenn er sich an die Abmachung hielt und ihr alles erzählte? Nicht nur über Claire Randall und Gillian, sondern auch über sich selbst – und Brianna.
Der Gedanke an Brianna war wie ein Stein, der in das Wasser seines Herzens fiel und Wellen der Furcht in alle Richtungen aussandte. Sie ist tot. Hatte Fiona über Gillian gesagt. Oder?
Wirklich?, hatte er geantwortet und dabei die Frau lebendig vor Augen gehabt, mit weit aufgerissenen, grünen Augen und wehendem Haar, im heißen Wind eines Feuers, als sie sich anschickte, durch die Tore der Zeit zu fliehen. Nein, sie war nicht gestorben.
Jedenfalls nicht damals, denn Claire war ihr begegnet – würde ihr begegnen? Früher? Später? Sie war nicht gestorben, doch war sie tot? Inzwischen musste sie es sein, oder auch nicht, und doch – es war so furchtbar verzwickt! Wie sollte er das überhaupt in zusammenhängende Gedanken fassen?
Zu aufgewühlt, um auf der Stelle sitzen zu bleiben, stand er auf und ging durch den Flur. An der Küchentür hielt er inne. Fiona stand an der Spüle und starrte aus dem Fenster. Sie hörte ihn und drehte sich um, das unbenutzte Spültuch in der Hand.
Ihr Gesicht war rot, aber entschlossen.
»Ich darf es niemandem erzählen, aber ich tue es trotzdem, ich muss.« Sie holte tief Luft und presste die Zähne zusammen, was ihr das Aussehen eines Pekinesen gab, der einem Löwen trotzt.
»Briannas Mama – die nette Frau Dr. Randall –, sie hat mich nach meiner Oma gefragt. Sie wusste, dass Oma eine – eine – Tänzerin war.«
»Tänzerin? Was, du meinst im Steinkreis?« Roger schrak ein wenig zusammen. Claire hatte es ihm ganz zu Anfang erzählt, doch er hatte es niemals wirklich geglaubt – nicht, dass die gesetzte Mrs. Graham in der Maidämmerung heidnische Zeremonien auf grünen Hügeln vollführte.
Fiona atmete langsam aus.
»Also weißt du das schon. Das habe ich mir gedacht.«
»Nein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was Claire – Dr. Randall – mir erzählt hat. Sie und ihr Mann haben einmal in der Dämmerung des Beltane tanzende Frauen in dem Steinkreis gesehen, und deine Oma war eine von ihnen.«
Fiona schüttelte den Kopf.
»Nicht nur eine von ihnen. Oma war die Ruferin.«
Roger trat in die Küche und nahm ihr das Küchentuch aus der widerstandslosen Hand.
»Komm und setz dich«, sagte er und führte sie zum Tisch. »Und erzähl mir, was ist eine Ruferin?«
»Diejenige, die die Sonne herbeiruft.« Sie setzte sich hin. Er sah, dass sie ihren Entschluss gefasst hatte; sie würde es ihm erzählen.
»Er ist in einer von den alten Sprachen, der Sonnengesang; manche Wörter erinnern ein bisschen an Gälisch, aber nicht alle. Zuerst tanzen wir in dem Kreis, dann bleibt die Ruferin stehen und stellt sich vor den gespaltenen Stein und – es ist eigentlich kein Gesang, aber es ist auch etwas anderes als Sprechen; mehr so wie der Priester in der Kirche. Man muss genau im richtigen Moment anfangen, wenn das erste Licht über dem Meer auftaucht, so dass man genau dann fertig wird, wenn die Sonne durch den Stein kommt.«