Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Korporal sah bestürzt aus. »Oh«, sagte er. »Nun ja …« Er wanderte zum Ufer des Teichs hinunter und blickte stirnrunzelnd ins Wasser. Er sah genauso aus wie Jamie eine Stunde zuvor, anscheinend auch aus demselben Grund.
»Es geht nicht anders, Collins«, sagte er zu dem älteren Soldaten. »Ich muss tauchen und nachsehen, warum es sich nicht bewegt.« Er zog seinen roten Rock aus und begann, die Manschetten seines Hemds zu öffnen. Ich wechselte einen entsetzten Blick mit Mrs. MacNab. Vermutlich reichte die Luft unter dem Mahlwerk ja zum Überleben, aber der Platz reichte mit Sicherheit nicht aus, um sich ernsthaft zu verstecken.
Ich dachte gerade wenig optimistisch über die Möglichkeit nach, einen überzeugenden epileptischen Anfall zu simulieren, als das Rad plötzlich über uns ächzte. Mit einem Geräusch, als würde ein Baum ermordet, vollführte das gewaltige Rund einen Halbkreis, stockte einen Moment, dann begann es, sich beständig zu drehen, und seine Schaufeln schöpften munter kleine Wasserbäche in die Rinne.
Der Korporal hielt inne und bestaunte das Rad. »Seht Euch das an, Collins! Was da wohl festgesteckt haben mag?«
Wie als Antwort kam oben auf dem Rad etwas in Sicht. Es hing rot und triefend an einer der Schaufeln. Die Schaufel tauchte in das Wasser ein, das jetzt durch die Rinne schäumte, der Gegenstand löste sich, und Jamies väterliche Unterhose trieb majestätisch auf das Wasser des Mühlteichs hinaus.
Der ältere Soldat fischte sie mit einem Stock heraus und präsentierte sie seinem Kommandeur, der sie vom Ende des Stocks pflückte wie ein Mann, der sich gezwungen sieht, einen toten Fisch in die Hand zu nehmen.
»Hm«, sagte er und hielt das Kleidungsstück kritisch an zwei Fingern hoch. »Woher in aller Welt mag das wohl gekommen sein? Es muss sich in der Achse verfangen haben. Merkwürdig, dass so etwas so viel Ärger machen kann, nicht wahr, Collins?«
»Ja, Sir.« Der Soldat fand das Innenleben eines schottischen Mühlrads eindeutig nicht übermäßig faszinierend, doch er antwortete höflich.
Nachdem er den Stoff ein paarmal hin und her gewendet hatte, zuckte der Korporal mit den Achseln und wischte sich damit den Schmutz von den Händen.
»Ein ordentliches Stück Flanell«, stellte er fest und wrang den nassen Lappen aus. »Mit Sicherheit noch gut, um das Sattelzeug zu putzen. Schönes Souvenir, was, Collins?« Und mit einer höflichen Verneigung vor Mrs. MacNab und mir wandte er sich seinem Pferd zu.
Die Dragoner waren kaum jenseits der Anhöhe verschwunden, als ein Plätschern im Mühlteich das Auftauchen des ortsansässigen Wassergeistes verkündete.
Seine Farbe war das blutleere, bläulich angehauchte Weiß von Carraramarmor, und seine Zähne klapperten so laut, dass ich seine ersten Worte kaum ausmachen konnte. Allerdings waren sie ohnehin gälisch.
Mrs. MacNab hatte keinerlei Schwierigkeiten, sie zu verstehen, und ihr betagter Mund klappte auf. Doch sie schloss ihn abrupt wieder, stand behende auf und verbeugte sich tief vor dem Gutsherrn, der vor ihr den Fluten entstieg. Bei ihrem Anblick hielt er inne, solange ihm das Wasser noch sittsam um die Hüften floss. Er holte tief Luft, biss die Zähne zusammen, um dem Geklapper Einhalt zu gebieten, und pflückte sich eine Wasserpflanze von der Schulter.
»Mrs. MacNab«, sagte er und verneigte sich vor seiner betagten Pächterin.
»Sir«, sagte sie und verbeugte sich ihrerseits erneut. »Ein schöner Tag, nicht wahr?«
»Ein bisschen k-kühl«, schnatterte er und warf mir einen Blick zu. Ich zuckte hilflos mit den Achseln.
»Wir sind froh, dass Ihr wieder zu Hause seid, Sir, und wir hoffen, die Jungen und ich, dass Ihr bald für immer bleiben könnt.«
»Das hoffe ich ebenfalls, Mrs. MacNab«, sagte Jamie zuvorkommend. Sein Kopf ruckte in meine Richtung, und er funkelte mich an. Ich lächelte ausdruckslos.
Ohne dieses Geplänkel zu beachten, faltete die alte Dame ihre knotigen Hände auf dem Schoß und lehnte sich würdevoll zurück.
»Ich wollte den gnädigen Herrn um einen kleinen Gefallen bitten«, begann sie, »und zwar geht es um …«
»Großmütterchen MacNab«, unterbrach Jamie sie jetzt und kam drohend einen halben Schritt näher. »Wie auch immer Euer Wunsch lautet, ich werde ihn erfüllen. Wenn Ihr mir nur mein Hemd zurückgebt, ehe mir vor Kälte etwas abfällt.«
Kapitel 29
Offene Worte
Wenn abends nach dem Essen der Tisch abgeräumt war, setzten wir uns meistens mit Ian und Jenny in den Salon und unterhielten uns freundschaftlich über dies und jenes oder hörten uns Jennys Geschichten an.
Heute Abend war ich an der Reihe, und Jenny und Ian hörten gebannt zu, als ich ihnen von Mrs. MacNab und den Rotröcken erzählte.
»Unser Herrgott weiß, dass kleine Jungen dazu da sind, ab und zu Prügel zu bekommen, sonst hätte er ihnen nicht solche Flausen in den Kopf gesetzt.« Meine Parodie des Großmütterchens erntete schallendes Gelächter.
Jenny wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
»Himmel, das stimmt. Und sie muss es ja wissen. Was hat sie, Ian, acht Jungen?«
Ian nickte. »Aye, mindestens. Ich weiß nicht einmal mehr, wie sie alle heißen; irgendwie waren immer ein paar MacNabs in der Nähe, mit denen man jagen oder angeln oder schwimmen gehen konnte, als Jamie und ich noch kleiner waren.«
»Ihr seid zusammen groß geworden?«, fragte ich. Jamie und Ian wechselten ein breites, komplizenhaftes Grinsen.
»Oh, aye, wir kennen uns schon eine Weile«, antwortete Jamie lachend. »Ians Vater war Faktor von Lallybroch, so, wie Ian es jetzt ist. Im Lauf meiner ungestümen Jugend habe ich mich bei diversen Anlässen Seite an Seite mit unserem Mr. Murray hier dabei wiedergefunden, dass wir dem einen oder dem anderen unserer Väter erklärten, dass nicht immer alles ist, was es zu sein scheint, und wenn das nicht half, warum man die Umstände berücksichtigen muss.«
»Und wenn das nicht half«, sagte Ian, »habe ich mich genauso oft Seite an Seite mit unserem Mr. Fraser hier über den Zaun gebeugt wiedergefunden und ihm dabei zugehört, wie er sich die Seele aus dem Leib gebrüllt hat, während ich darauf wartete, dass ich an der Reihe war.«
»Nie im Leben!«, erwiderte Jamie entrüstet. »Ich habe nie gebrüllt.«
»Nenn es, wie du willst, Jamie«, entgegnete sein Freund, »aber du warst furchtbar laut.«
»Man konnte euch beide meilenweit hören«, mischte sich Jenny ein. »Und nicht nur das Gebrüll. Man konnte Jamie ohne Unterlass diskutieren hören, jeden Schritt bis zum Zaun.«
»Aye, du hättest wirklich Anwalt werden sollen, Jamie. Ich weiß nur bis heute nicht, warum ich dir immer das Reden überlassen habe«, sagte Ian und schüttelte den Kopf. »Du hast uns jedes Mal in noch größere Schwierigkeiten gebracht, als wir sie sowieso schon hatten.«
Jamie fing erneut an zu lachen. »Du meinst den Turm?«
»Ja.« Ian wandte sich mir zu und zeigte nach Westen, wo sich der alte Rundturm auf dem Hügel hinter dem Haus erhob.
»Das war eine von Jamies besseren Verteidigungsreden«, erzählte er und verdrehte die Augen. »Er hat zu Brian gesagt, dass es unzivilisiert wäre, Gewalt anzuwenden, um seine Meinung durchzusetzen. Körperliche Bestrafung sei etwas Barbarisches, hat er gesagt, und außerdem altmodisch. Jemanden zu schlagen, nur weil er etwas getan hatte, was einem nicht in das eigene Weltbild passte, wäre keine konstruktive Form der Bestrafung …«
Jetzt lachten wir alle.
»Hat Brian sich das angehört?«, fragte ich.
»Oh, aye. Ich habe nur stumm neben Jamie gestanden und jedes Mal genickt, wenn er Luft holen musste. Als Jamie schließlich die Worte ausgegangen sind, hat sein Vater gehüstelt und gesagt: ›Ich verstehe.‹ Dann hat er sich umgedreht und eine Weile aus dem Fenster geschaut. Dabei hat er kopfnickend den Riemen geschwungen, als dächte er nach. Wir haben Seite an Seite dagestanden, wie es Jamie schon beschrieben hat, und haben mächtig geschwitzt. Schließlich hat sich Brian umgedreht und uns aufgefordert, ihm in den Stall zu folgen.«