Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nein, acht«, antwortete Jamie und schob ein neues Holzscheit in die Glut. »Himmel, hat das weh getan. Zwölf Schläge auf den Hintern, und er hat vom ersten bis zum letzten in seiner Kraft nicht nachgelassen. Das hat er nie wiederholt.« Er richtete sich in die Hocke auf und rieb sich die Nase mit den Fingerknöcheln. Seine Wangen waren rot, und seine Augen leuchteten.
»Als es vorbei war, ist Vater ein Stück beiseitegegangen und hat sich auf einen Stein gesetzt, während ich versuchte, mich wieder zu fassen. Als ich dann zu Ende geheult hatte und nur noch schniefte, hat er mich zu sich gerufen. Jetzt fällt mir auch wieder ein, was er gesagt hat. Vielleicht hilft es dir ja bei deinem Jamie, Ian, wenn es so weit ist.« Jamie schloss die Augen, während er sich erinnerte.
»Er hat mich zwischen seine Knie gestellt und mich aufgefordert, ihn anzusehen. Dann hat er gesagt: ›Das ist das erste Mal, Jamie. Ich werde das noch öfter tun müssen, vielleicht sogar hundertmal, bis du erwachsen bist.‹ Dann hat er ein bisschen gelacht und gesagt: ›Mein Vater hat es mindestens so oft mit mir gemacht, und du bist genau so stur und dickköpfig, wie ich es war. Manchmal werde ich dir bestimmt mit Freude den Hintern versohlen, je nachdem, womit du es dir verdient hast. Meistens aber nicht. Doch ich werde es trotzdem tun. Also vergiss das nicht, Junge. Wenn dein Kopf Unsinn ausbrütet, wird dein Hintern dafür bezahlen.‹ Dann hat er mich in den Arm genommen und gesagt: ›Du bist ein guter Junge, Jamie. Jetzt geh nach Hause und lass dich von deiner Mutter trösten.‹ Ich hatte schon den Mund auf, um etwas zu erwidern, aber er war schneller. ›Nein, ich weiß, dass du das nicht nötig hast, aber sie hat es nötig. Ab mit dir.‹ Also bin ich gegangen, und Mutter hat mir ein Brot mit Marmelade gemacht.«
Jenny fing plötzlich an zu lachen. »Ich erinnere mich«, sagte sie. »Pa hat diese Geschichte öfter erzählt, auch wie er dich verprügelt hat und was er zu dir gesagt hat. Er hat gesagt, du hättest auf halbem Weg nach Hause haltgemacht und auf ihn gewartet. Als er dich erreicht hatte, hast du ihn angesehen: ›Ich wollte nur fragen, Vater – hat es dir heute Freude gemacht?‹ Und als er verneint hat, hast du genickt und gesagt: ›Gut. Mir hat es auch nicht besonders gefallen.‹«
Wir lachten gemeinsam, dann blickte Jenny zu ihrem Bruder auf und schüttelte den Kopf. »Er hat diese Geschichte so gern erzählt. Pa hat immer gesagt, du würdest ihn noch ins Grab bringen, Jamie.«
Die Freude in Jamies Gesicht erstarb, und er senkte den Blick zu den Händen auf seinen Knien.
»Aye«, sagte er leise. »Und das habe ich ja auch getan, nicht wahr?«
Jenny und Ian wechselten bestürzte Blicke, und ich senkte ebenfalls den Kopf, weil ich nicht wusste, wie ich darauf reagieren sollte. Einen Moment lang war nur das Knistern des Feuers zu hören. Dann warf Jenny einen raschen Blick auf Ian, stellte ihr Glas beiseite und berührte ihren Bruder am Knie.
»Jamie«, sagte sie. »Es war nicht deine Schuld.«
Er hob den Kopf und lächelte sie trostlos an.
»Nicht? Wessen Schuld war es denn sonst?«
Sie holte tief Luft und sagte: »Meine.«
»Was?!« Er starrte sie völlig verdattert an.
Jenny war noch ein wenig blasser geworden als sonst, blieb aber gefasst.
»Wenn überhaupt jemand schuld war, dann ich. An dem, was … was dir widerfahren ist, Jamie. Und Vater.«
Er legte seine Hand auf die ihre und rieb sie sacht.
»Rede doch keinen Unsinn, Jenny«, sagte er. »Du wolltest doch nur versuchen, mich zu retten; du hast recht, wenn du nicht mit Randall gegangen wärst, hätte er mich wahrscheinlich an Ort und Stelle umgebracht.«
Sie betrachtete das Gesicht ihres Bruders, und ihre Stirn legte sich besorgt in Falten.
»Nein, ich bereue es nicht, dass ich mit Randall ins Haus gegangen bin – nicht einmal, wenn er … nein. Aber das war es nicht.« Sie holte noch einmal tief Luft, um sich Mut zu machen.
»Im Haus bin ich mit ihm hinauf in mein Zimmer gegangen. Ich – ich wusste ja nicht, was mich erwartete; ich war ja noch nie … mit einem Mann zusammen gewesen. Aber er kam mir furchtbar nervös vor, ganz rot, als wäre er sich selbst nicht sicher, was mir schon seltsam vorkam. Er hat mich aufs Bett geschubst, und dann hat er dagestanden und an sich herumgerieben. Erst habe ich gedacht, ich hätte mit meinem Knie tatsächlich Schaden angerichtet, obwohl ich eigentlich wusste, dass ich ihn nicht fest getroffen hatte.« Ihr stieg jetzt die Farbe in die Wangen, und sie warf Ian einen Seitenblick zu, ehe sie die Augen hastig wieder auf ihren Schoß richtete.
»Ich weiß jetzt, was er versucht hat – nämlich sich bereit zu machen. Ich wollte nicht, dass er merkte, dass ich Angst hatte, also habe ich mich auf das Bett gesetzt und ihn angestarrt. Das schien ihn wütend zu machen, und er hat mir befohlen, mich umzudrehen. Aber ich habe mich geweigert und ihn einfach weiter angesehen.«
Ihr Gesicht hatte die Farbe der Rosen im Garten. »Er … hat seinen Hosenlatz geöffnet, und ich … nun ja, ich habe ihn ausgelacht.«
»Du hast was?«, fragte Jamie ungläubig.
»Ich habe gelacht. Ich meine …« Sie sah ihrem Bruder trotzig in die Augen. »Ich wusste doch, wie ein Mann aussieht. Ich hatte dich oft genug nackt gesehen und Willie und Ian auch. Aber er …« Auf ihren Lippen erschien ein kleines Lächeln, obwohl sie sich sichtlich Mühe gab, es zu unterdrücken. »Er sah so komisch aus mit seinem feuerroten Gesicht und hat so hektisch gerieben und war trotzdem immer noch nur halb …«
Ian stieß ein ersticktes Geräusch aus, und sie biss sich auf die Lippe, fuhr aber tapfer fort.
»Mein Lachen hat ihn geärgert, das konnte ich sehen, also habe ich noch mehr gelacht. Da hat er sich auf mich gestürzt und mir das Kleid halb vom Leib gerissen. Ich habe ihn geohrfeigt, woraufhin er mich so fest vor das Kinn geschlagen hat, dass ich Sterne gesehen habe. Dann hat er gegrunzt, als wäre das schön für ihn gewesen, und hat Anstalten gemacht, zu mir aufs Bett zu steigen. Mir ist nichts anderes mehr eingefallen, als wieder zu lachen. Ich habe mich auf die Knie hochgekämpft und ihn … ihn verhöhnt. Ich habe ihm erklärt, ich wüsste, dass er kein richtiger Mann ist und es mit einer Frau nicht zuwege bringt. Ich …«
Sie senkte den Kopf noch tiefer, so dass die schwarzen Locken vor ihren brennenden Wangen hingen. Ihre Worte waren sehr leise, fast geflüstert.
»Ich … ich habe die Fetzen meines Kleides auseinandergebreitet und ich … habe ihn mit meinen Brüsten gereizt. Ich habe ihm gesagt, ich wüsste, dass er Angst vor mir hat, weil er nicht imstande wäre, eine Frau zu berühren, sondern es nur mit Tieren und jungen Männern treiben könnte …«
»Jenny«, sagte Jamie und schüttelte hilflos den Kopf.
Sie hob den Kopf und sah ihn an. »So ist es nun einmal gewesen«, sagte sie. »Es war das Einzige, was mir eingefallen ist, und ich konnte sehen, dass er außer sich war, aber es war auch deutlich, dass er … nicht konnte. Und ich habe ihm direkt auf die Hose gestarrt und wieder gelacht. Und dann hat er mir die Hände um die Kehle gekrallt und mich gewürgt, und ich habe mir den Kopf am Bettpfosten gestoßen und … als ich wieder wach wurde, war er fort und du auch.«
Ihr standen die Tränen in den ausdrucksvollen blauen Augen, als sie nach Jamies Händen fasste.
»Jamie, vergibst du mir? Ich weiß, dass er dich nicht so behandelt hätte, wenn ich ihn nicht derart wütend gemacht hätte, und dann wäre Vater –«
»Oh, Jenny, Liebes, mo chridhe, tu das nicht.« Er kniete jetzt neben ihr und zog ihr Gesicht an seine Schulter. Ian, der auf der anderen Seite neben ihr saß, sah aus wie versteinert.
Jamie wiegte sie sacht, während sie schluchzte. »Still, Kleines. Du hast das Richtige getan, Jenny. Es war nicht deine Schuld und vielleicht auch nicht meine.« Er strich ihr über den Rücken.
»Hör zu, mo chridhe. Er ist mit dem Befehl gekommen, hier Unheil zu stiften. Und es wäre gleichgültig gewesen, wen er hier vorgefunden hätte oder wie du oder ich uns verhalten hätten. Alles, was er wollte, war, für Aufruhr zu sorgen, den Distrikt gegen die Engländer aufzubringen, für seine eigenen Zwecke und für die des Mannes, der ihn bezahlt.«