Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er sah mich an und lächelte. Er hatte sich das Haar mit einem Lederriemchen zusammengebunden, doch die kürzeren Enden standen wie üblich ringsum ab und schimmerten rot und golden in der kalten, klaren Luft. Seine Haut hatte sich auf unserem Weg von Leoch nach Lallybroch zu einem goldenen Bronzeton verdunkelt, und er ähnelte einem Herbstblatt, das fröhlich im Wind wirbelte.
»Und was ist mit dir, Sassenach, meine Hübsche?«, fragte er grinsend. »Sind dir die Jungen hinterhergehechelt, oder warst du sittsam und scheu?«
»Ein bisschen weniger als du«, antwortete ich umsichtig. »Ich war acht.«
»Himmel. Wer war denn der Glückliche?«
»Der Sohn des Dragomans. Es war in Ägypten. Er war neun.«
»Och, dann kann man dir ja keine Vorwürfe machen. Von einem älteren Mann verführt. Noch dazu ein verflixter Heide.«
Die Mühle kam unter uns in Sicht, postkartenreif mit einer tiefroten Kletterpflanze an der gelb verputzten Wand und mit offenen Fensterläden, die trotz der abgenutzten grünen Farbe adrett aussahen. Das Wasser rauschte fröhlich durch die Rinne unter dem untätigen Mühlrad in den Mühlteich, und auf dem Teich schwammen sogar ein paar Enten.
»Sieh nur«, sagte ich. Ich blieb auf dem Hügel stehen und legte Jamie die Hand auf den Arm. »Ist das nicht hübsch?«
»Es wäre um einiges hübscher, wenn sich das Wasserrad drehen würde«, sagte er pragmatisch. Dann sah er mich an und lächelte.
»Aye, Sassenach. Es ist wirklich schön hier. Ich bin als Kind hier schwimmen gegangen – hinter der Biegung des Bachs ist ein kleiner See.«
Etwas weiter unten sahen wir den See durch das Geflecht der Weidenzweige schimmern. Und die Jungen. Sie waren zu viert und planschten splitternackt unter großem Geschrei im Wasser herum.
»Brrr«, sagte ich bei ihrem Anblick. Das Wetter war zwar schön für die Jahreszeit, aber es war dennoch so frisch, dass ich froh war, ein Schultertuch dabeizuhaben. »Mir friert ja schon beim Zusehen das Blut in den Adern ein.«
»Och …«, sagte Jamie, »komm, ich wärme es dir wieder.«
Er warf einen Blick auf die Jungen und zog mich in den Schatten einer großen Rosskastanie. Dort legte er mir die Hände um die Taille.
»Du warst zwar nicht die Erste, die ich geküsst habe«, sagte er leise. »Aber ich schwöre, dass du die Letzte bist.« Und er neigte den Kopf zu meinem Gesicht hinunter.
Der Müller kam sofort aus der Mühle, und hastig stellten wir einander vor. Dann zog ich mich auf die Bank am Mühlteich zurück, während sich Jamie eine minutenlange Schilderung des Problems anhörte. Als der Müller zurück in die Mühle ging, um zu versuchen, den Stein von innen zu drehen, blieb Jamie noch einen Moment stehen, um in die finsteren, verkrauteten Tiefen des Mühlteichs zu spähen. Schließlich zuckte er resigniert mit den Achseln und begann, sich seiner Kleider zu entledigen.
»Es geht nicht anders«, sagte er zu mir. »Ian hat recht; irgendetwas klemmt unter der Rinne im Rad fest. Ich muss tauchen und …« Er hielt inne, weil er mich nach Luft schnappen hörte, und drehte sich zu der Bank um, auf der ich mit meinem Korb saß.
»Was hast du denn?«, wollte er wissen. »Hast du etwa noch nie einen Mann in Unterhosen gesehen?«
»Aber … doch nicht … so!«, brachte ich prustend hervor. In weiser Voraussicht eines möglichen Tauchgangs hatte er ein unfassbar betagtes Kleidungsstück unter seinen Kilt gezogen, das einmal aus rotem Flanell gewesen war, jetzt aber mit einer verwirrenden Ansammlung verschiedener Farben und Stoffe geflickt war. Zudem hatte diese Unterhose offenbar einmal jemandem gehört, der eine deutlich ausladendere Taille hatte als Jamie. Sie drohte ihm von der Hüfte zu rutschen und warf tiefe Falten vor seinem flachen Bauch.
»Von deinem Großvater?«, riet ich und versuchte erfolglos, mir das Kichern zu verkneifen. »Oder deiner Großmutter?«
»Meinem Vater«, sagte er frostig und betrachtete mich von oben herab. »Du erwartest doch nicht, dass ich nackt vor meiner Frau und meinen Pächtern schwimmen gehe, oder?«
Mit beträchtlicher Würde nahm er den wallenden Stoff in die linke Hand und watete in den Mühlteich. Nachdem er sich schwimmend und wassertretend neben dem Rad einen Überblick verschafft hatte, holte er tief Luft und tauchte. Das Letzte, was ich von ihm sah, war der Hintern der roten Unterhose, der sich wie ein Ballon blähte. Der Müller, der aus dem Fenster der Mühle lehnte, rief ihm ermunternde Worte und Anweisungen zu, wann immer sein nass glänzender Kopf die Oberfläche durchbrach, um Luft zu holen.
Das Ufer des Teichs war dicht mit Pflanzen bewachsen, und ich suchte mit meinem Grabstock nach Eibischwurzeln und Mädesüß. Mein Korb war halb gefüllt, als ich hinter mir ein höfliches Hüsteln hörte.
Die Dame war schon sehr alt, zumindest sah sie so aus. Sie stützte sich auf einen Weißdornstock und war in Kleider gehüllt, die sie auch schon zwanzig Jahre zuvor getragen haben musste und die jetzt viel zu voluminös für ihren geschrumpften Körper waren.
»Guten Morgen wünsch’ ich«, sagte sie und nickte mit dem Kopf wie eine Garnspule. Sie trug ein gestärktes weißes Häubchen, das den Großteil ihres Haars verdeckte, doch ein paar eisengraue Strähnchen lugten neben ihren vertrockneten Apfelwangen hervor.
»Guten Morgen«, erwiderte ich und wollte mich gerade höflich aufrappeln, als sie noch ein paar Schritte näher kam und sich dann überraschend anmutig neben mir niederließ. Ich hoffte nur, dass sie auch wieder hochkommen würde.
»Ich bin …«, begann ich, hatte aber kaum den Mund geöffnet, als sie mich schon unterbrach.
»Ihr seid natürlich die neue Herrin. Ich bin Mrs. MacNab – sie nennen mich Großmütterchen MacNab, weil meine Schwiegertöchter ja auch alle Mrs. MacNab sind.« Sie streckte ihre dürre Hand aus und zog meinen Korb auf sich zu, um einen Blick hineinzuwerfen.
»Eibischwurzel – ah, gut gegen Husten. Aber das hier nehmt Ihr besser nicht.« Sie zeigte auf eine kleine bräunliche Knolle. »Sieht aus wie eine Lilienwurzel, ist es aber nicht.«
»Was ist es denn?«, fragte ich.
»Natternzunge. Wenn Ihr das esst, torkelt Ihr kurz darauf wie eine Irre durch die Gegend.« Sie zog die Knolle aus dem Korb und warf sie platschend in den Teich. Danach stellte sie sich den Korb auf ihren Schoß und inspizierte auch die übrigen Pflanzen mit kundiger Miene, was ich mit einer Mischung aus Belustigung und Irritation beobachtete. Schließlich reichte sie ihn mir zufrieden zurück.
»Gar nicht so dumm für eine Sassenach«, stellte sie fest. »Zumindest könnt Ihr Ziest und Gänsefuß auseinanderhalten.« Sie warf einen Blick auf den Teich, wo Jamies Kopf jetzt glänzend wie ein Seehund auftauchte, um dann wieder unter der Mühle zu verschwinden. »Ich sehe, der gnädige Herr hat Euch nicht nur Eures Gesichts wegen geheiratet.«
»Danke«, sagte ich und beschloss, das als Kompliment zu betrachten. Die Augen der Alten richteten sich messerscharf auf meine Taille.
»Noch nicht schwanger?«, wollte sie wissen. »Nehmt Himbeerblätter, die helfen. Lasst eine Handvoll davon mit ein paar Hagebutten ziehen und trinkt das bei zunehmendem Mond, vom Viertel- bis zum Vollmond. Wenn er dann wieder abnimmt, trinkt Berberitze, um Euren Bauch zu spülen.«
»Oh«, sagte ich, »nun ja …«
»Ich wollte den Herrn um einen Gefallen bitten«, fuhr die alte Dame fort. »Aber da er ja im Moment etwas beschäftigt ist, erzähle ich es Euch.«