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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Jenny hörte auf zu weinen, richtete sich auf und sah ihn erstaunt an.

»Um die Leute gegen die Engländer aufzubringen? Aber warum?«

Jamie machte eine ungeduldige Handbewegung. »Um herauszufinden, wer möglicherweise Prince Charles unterstützen würde, sollte es zu einem neuen Aufstand kommen. Aber ich weiß noch nicht, auf welcher Seite Randalls Auftraggeber steht – ob er sich dafür interessiert, die Gefolgsleute des Prinzen beobachten zu lassen und vielleicht ihr Eigentum beschlagnahmen zu lassen, oder ob er selbst vorhat, mit dem Prinzen zu marschieren, und deshalb möchte, dass die Highlands zum Krieg bereit sind, wenn die Zeit gekommen ist. Ich weiß es nicht, und es ist jetzt auch nicht wichtig.« Er berührte das Haar seiner Schwester und strich es ihr aus der Stirn.

»Wichtig ist nur, dass dir nichts zugestoßen ist und ich zu Hause bin. Ich komme bald für immer zurück, mo chridhe, das verspreche ich.«

Sie hob seine Hand an die Lippen und küsste sie mit brennendem Gesicht. Sie suchte in ihrer Tasche nach einem Taschentuch und putzte sich die Nase. Dann sah sie Ian an, der nach wie vor erstarrt an ihrer Seite saß, die Augen voller Schmerz und Wut.

Sie berührte ihn sacht an der Schulter.

»Du meinst, ich hätte es dir sagen sollen?«

Er bewegte sich nicht, sondern sah sie nur unverwandt an. »Aye«, sagte er leise. »Das meine ich.«

Sie legte sich das Taschentuch auf den Schoß und fasste ihn an beiden Händen.

»Ian, Mann, ich habe es dir nicht erzählt, weil ich dich nicht auch noch verlieren wollte. Mein Bruder war fort und mein Vater. Ich wollte mein Herzblut nicht auch noch verlieren. Denn du bedeutest mir mehr als selbst mein Haus und meine Familie, Liebster.« Sie schenkte Jamie ein schiefes Lächeln. »Und das heißt wirklich eine Menge.«

Sie blickte Ian flehend in die Augen, und ich konnte sehen, wie die Liebe und der verletzte Stolz in seinem Gesicht miteinander rangen. Da erhob sich Jamie und berührte mich an der Schulter. Leise gingen wir aus dem Zimmer und ließen die beiden vor dem sterbenden Feuer zurück.

Es war eine klare Nacht, und durch die hohen Fenster flutete das Mondlicht herein. Ich konnte nicht einschlafen und dachte, dass es vielleicht das Licht war, das auch Jamie wach hielt; er lag zwar reglos da, doch ich konnte an seiner Atmung hören, dass er nicht schlief. Er drehte sich auf den Rücken, und ich hörte ihn leise glucksen.

»Was findest du denn so lustig?«

Er drehte mir langsam den Kopf zu. »Oh, habe ich dich geweckt, Sassenach? Das tut mir leid. Ich war nur in meinen Erinnerungen versunken.«

»Ich habe nicht geschlafen.« Ich rutschte dichter an ihn heran. Das Bett war offensichtlich zu jener Zeit gebaut, in denen eine ganze Familie zusammen auf einer Matratze schlief; das gigantische Federbett musste die Produktivität Hunderter Gänse in Anspruch genommen haben, und sich in seinen Wogen zurechtzufinden war wie eine Alpenüberquerung ohne Kompass. »Woran hast du gedacht?«, fragte ich, als ich sicher an seiner Seite angelangt war.

»Oh, vor allem an meinen Vater. Dinge, die er gesagt hat.«

Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und blickte nachdenklich zu den Balken der niedrigen Zimmerdecke hinauf. »Es ist merkwürdig«, meinte er. »Als er noch gelebt hat, habe ich kaum auf ihn gehört. Aber seit er tot ist, haben die Dinge, die er zu mir gesagt hat, sehr an Einfluss gewonnen.« Wieder gluckste er. »Ich habe gerade an das letzte Mal gedacht, als er mich verprügelt hat.«

»Und was war daran komisch?«, fragte ich. »Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass du einen äußerst merkwürdigen Sinn für Humor hast, Jamie?« Ich suchte unter dem Oberbett nach seiner Hand, dann gab ich es auf und schlug es zurück. Er begann, meinen Rücken zu streicheln, und ich schmiegte mich an ihn und stieß kleine wohlige Laute aus.

»Hat dich dein Onkel eigentlich geschlagen, wenn es nötig war?«, fragte er neugierig. Ich verkniff mir das Lachen bei diesem Gedanken.

»Himmel, nein! Er wäre völlig entsetzt über diese Vorstellung gewesen. Onkel Lamb war kein Verfechter der Prügelstrafe – er fand, dass man mit Kindern diskutieren müsste wie mit Erwachsenen.« Jamie stieß einen schottischen Kehllaut aus, der seine Geringschätzung gegenüber dieser hirnrissigen Idee ausdrückte.

»Das erklärt dann auch zweifellos deine Charakterfehler«, sagte er und tätschelte meinen Hintern. »Mangel an Disziplin in deiner Jugend.«

»Welche Charakterfehler?«, hakte ich nach. Der Mond schien hell genug, um mir sein Grinsen zu zeigen.

»Soll ich sie wirklich alle aufzählen?«

»Nein.« Ich stieß ihm den Ellbogen in die Rippen. »Erzähl mir von deinem Vater. Wie alt bist du da gewesen?«

»Oh, dreizehn – vielleicht vierzehn. Lang, dünn und pickelig. Ich weiß gar nicht mehr, warum er mich verdroschen hat; zu diesem Zeitpunkt war der Grund meistens etwas, was ich gesagt hatte, nichts, was ich getan hatte. Ich weiß nur noch, dass wir beide vor Wut gekocht haben. Das war eine der Gelegenheiten, bei denen es ihm Freude gemacht hat, mich zu schlagen.« Er zog mich an sich, legte den Arm um mich, und ich drängte mich eng an seine Schulter. Dabei streichelte ich seinen flachen Bauch und spielte mit seinem Bauchnabel.

»Hör auf, das kitzelt. Willst du es hören oder nicht?«

»Oh, ich will es hören. Was werden wir denn tun, wenn wir jemals Kinder haben – mit ihnen diskutieren oder sie schlagen?« Mein Herz schlug zwar schneller bei diesem Gedanken, doch es deutete nichts darauf hin, dass es je mehr sein würde als eine rhetorische Frage. Seine Hand nahm die meine gefangen und hielt sie still über seinem Bauch.

»Das ist doch einfach. Du diskutierst mit ihnen, und wenn du fertig bist, gehe ich mit ihnen hinaus und verdresche sie.«

»Ich dachte, du magst Kinder.«

»Das tue ich auch. Mein Vater hat mich ja auch gemocht, wenn ich mich nicht wie ein Idiot aufgeführt habe. Und geliebt hat er mich so sehr, dass er mich grün und blau geprügelt hat, wenn ich mich wie ein Idiot aufgeführt habe.«

Ich drehte mich auf den Bauch. »Also schön. Erzähl es mir.«

Jamie setzte sich und ballte die Kissen bequemer zusammen, ehe er sich wieder hinlegte und die Arme erneut hinter dem Kopf verschränkte.

»Nun, er hat mich wie üblich zum Zaun geschickt – ich musste immer vorausgehen, damit ich beim Warten die angemessene Mischung aus Angst und Reue durchleben konnte, meinte er –, aber diesmal war er so wütend, dass er direkt hinter mir war. Dann habe ich die Prügel über mich ergehen lassen und habe die Zähne zusammengebissen, weil ich fest entschlossen war, keinen Laut von mir zu geben – der Teufel sollte mich holen, wenn ich mir anmerken ließ, wie weh es tat. Ich habe die Finger in den Holzzaun gebohrt, so fest ich konnte – so fest, dass das Holz gesplittert ist –, und ich konnte spüren, wie mein Gesicht feuerrot wurde, weil ich die Luft angehalten habe.« Wie zum Ausgleich holte er tief Luft und atmete langsam wieder aus.

»Normalerweise wusste ich, wann es vorbei sein würde, aber diesmal hat er nicht aufgehört. Es war schwer, den Mund zu halten; ich habe bei jedem Hieb gegrunzt, und ich konnte spüren, wie mir die Tränen in die Augen gestiegen sind, sosehr ich sie auch zugekniffen habe, aber ich habe durchgehalten, als hinge mein Leben davon ab.« Er war bis zur Taille entblößt, und seine Haut leuchtete im Mondlicht, von kleinen Silberhärchen überzogen. Ich konnte den Puls unter seinem Brustbein sehen, der unter meiner Hand ebenmäßig schlug.

»Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat«, fuhr er fort. »Vermutlich nicht sehr lange, aber mir ist es ewig vorgekommen. Schließlich hat er kurz aufgehört und mich angeschrien. Er war außer sich vor Wut, und ich war selbst so wütend, dass ich anfangs kaum verstehen konnte, was er gesagt hat – doch irgendwann drang es zu mir durch. Er hat gebrüllt: ›Verdammt, Jamie! Kannst du nicht einmal schreien? Du bist jetzt erwachsen, und ich habe nicht vor, dich noch einmal zu schlagen. Aber ich möchte wenigstens einen anständigen Laut von dir hören, Junge, ehe ich aufhöre, damit ich denken kann, dass ich wenigstens etwas Eindruck bei dir hinterlassen habe!‹« Jamie lachte und störte damit die rhythmische Bewegung seines Pulsschlags.

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