Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Also schön«, stimmte ich schwach zu, da ich ohnehin nicht wusste, wie ich sie daran hindern sollte.
»Es geht um meinen Enkelsohn«, sagte sie und heftete ihre grauen Murmelaugen auf mich. »Das heißt, um meinen Enkel Rabbie; ich habe insgesamt sechzehn, und drei davon heißen Robert, aber einer ist Bob und der andere Rob, und der kleine ist Rabbie.«
»Herzlichen Glückwunsch«, sagte ich höflich.
»Ich möchte, dass der gnädige Herr den Jungen als Stalljungen einstellt«, fuhr sie fort.
»Nun, ich kann das nicht …«
»Es liegt an seinem Vater«, unterbrach sie mich und beugte sich vertraulich vor. »Ich will nicht behaupten, dass es schlimm ist, wenn man ab und zu eine feste Hand hat; wer die Rute spart, verdirbt das Kind, habe ich schon oft gesagt. Und unser Herrgott weiß, dass kleine Jungen dazu da sind, ab und zu Prügel zu bekommen, sonst hätte er ihnen nicht solche Flausen in den Kopf gesetzt. Aber wenn es so weit kommt, dass das Kind von oben bis unten windelweich geprügelt wird und blaue Flecken im Gesicht hat, so groß wie meine Hand, und nur, weil es sich ein Plätzchen zu viel vom Teller genommen hat, dann …«
»Ihr meint, Rabbies Vater schlägt den Jungen?«, fiel ich ihr ins Wort.
Die alte Dame nickte zufrieden, weil ich so schnell begriff. »Gewiss doch. Habe ich das nicht gerade gesagt?« Sie hielt die Hand hoch. »Normalerweise würde ich mich da nicht einmischen. Ein Mann kann mit seinem Sohn umgehen, wie er es für richtig hält, aber … Rabbie ist mein Lieblingsenkel. Und der Junge kann nichts dafür, dass sein Vater ein Trunkenbold ist, so schlimm es für eine Mutter ist, so etwas über den eigenen Sohn sagen zu müssen.«
Sie hob mahnend den Finger wie ein Stöckchen. »Nicht, dass Ronalds Vater nicht auch manchmal einen Tropfen zu viel getrunken hat. Aber er hat nie Hand an mich oder die Kinder gelegt – zumindest nach dem ersten Mal nicht mehr«, fügte sie nachdenklich hinzu. Sie blinzelte mich plötzlich an, und ihre Apfelbäckchen rundeten sich, so dass ich einen klaren Eindruck davon bekam, was für eine lebhafte, attraktive junge Frau sie einmal gewesen sein musste.
»Einmal hat er mich geschlagen«, vertraute sie mir an. »Ich habe die Pfanne aus dem Feuer geholt und ihm damit eins übergebraten.« Sie wiegte sich vor Lachen. »Dachte schon, ich hätte ihn umgebracht, und hatte jammernd seinen Kopf auf meinem Schoß und wusste nicht, was ich tun sollte, eine Witwe, die zwei Kinder satt bekommen musste. Aber er hat sich erholt«, sagte sie beiläufig, »und mich und die Kinder nie wieder angerührt. Dreizehn Stück habe ich bekommen«, sagte sie stolz. »Und zehn davon großgezogen.«
»Herzlichen Glückwunsch«, sagte ich wieder, und diesmal meinte ich es ernst.
»Himbeerblätter«, sagte sie und legte mir vertraulich die Hand auf das Knie. »Denkt daran, Liebes, Himbeerblätter helfen. Und wenn nicht, kommt zu mir, dann mache ich Euch einen Trank aus Sonnenhut und Kürbiskernen, mit einem rohen Ei verquirlt. Das zieht den Samen Eures Mannes direkt in Euren Schoß, und bis Ostern seht Ihr selber wie ein Kürbis aus.«
Ich hustete und wurde rot. »Mmmpfm. Und Ihr wollt, dass Jamie, äh, der gnädige Herr, Euren Enkelsohn als Stalljungen einstellt, um ihn seinem Vater wegzunehmen?«
»Aye, das ist es. Rabbie ist ein fleißiger Junge, und der gnädige Herr wird nicht …«
Die Miene der alten Dame erstarrte mitten in ihrem lebhaften Wortschwall. Ich drehte mich um und erstarrte ebenfalls. Rotröcke. Dragoner, sechs Mann, die vorsichtig über den Hang auf die Mühle zugeritten kamen.
Mrs. MacNab erhob sich mit bewundernswerter Geistesgegenwart und setzte sich auf Jamies Kleidung, so dass diese unter ihren ausgebreiteten Röcken verschwand.
Hinter mir platschte es im Mühlteich, und Jamie holte beim Auftauchen explosiv Luft. Ich hatte Angst, nach ihm zu rufen oder mich zu bewegen, denn ich wollte die Aufmerksamkeit der Dragoner nicht auf den Teich lenken, doch die plötzliche Totenstille hinter mir signalisierte, dass er sie selbst gesehen hatte. Das Schweigen wurde durch ein einziges Wort unterbrochen, das leise, aber von Herzen über das Wasser kam.
»Merde.«
Die alte Dame und ich saßen reglos mit versteinerten Gesichtern da und beobachteten, wie die Soldaten den Hügel herunterkamen. Als sie sich schon auf der letzten Wegbiegung befanden, wandte sie sich rasch zu mir um und hielt sich den dünnen Finger vor den Mund. Ich durfte nichts sagen, damit sie nicht hörten, dass ich Engländerin war. Mir blieb nicht einmal Zeit zu nicken, ehe schlammverkrustete Hufe dicht vor uns zum Stehen kamen.
»Guten Morgen, die Damen«, grüßte der Anführer. Es war ein Korporal, zu meiner Erleichterung jedoch nicht Korporal Hawkins. Ich sah mich rasch um und stellte fest, dass diese Männer nicht zu denen zählten, die ich in Fort William gesehen hatte, und meine Hand löste ihre Umklammerung des Korbgriffs ein kleines bisschen.
»Wir haben die Mühle von oben gesehen«, sagte der Dragoner, »und dachten, wir könnten vielleicht einen Sack Mehl erwerben?« Er verneigte sich nacheinander vor uns beiden, da er sich nicht sicher war, wen er ansprechen sollte.
Mrs. MacNab war zwar frostig, aber höflich.
»Guten Morgen«, antwortete sie und neigte den Kopf. »Ich fürchte, wenn Ihr etwas zu essen wollt, muss ich Euch enttäuschen. Das Mühlrad funktioniert nicht. Vielleicht, wenn Ihr das nächste Mal hier vorbeikommt?«
»Oh? Was stimmt denn nicht?« Der Korporal, ein junger Mann mit einer frischen Gesichtsfarbe, schien neugierig geworden zu sein. Er ging zum Ufer hinunter, um einen Blick auf das Rad zu werfen. Der Müller, der just in diesem Moment auftauchte, um über die jüngsten Fortschritte mit dem Mühlstein zu berichten, sah ihn und verschwand hastig wieder.
Der Korporal rief einen seiner Männer. Er stieg die Böschung hinauf und winkte dem anderen Mann, der sich pflichtschuldigst bückte, damit der Korporal auf seinen Rücken steigen konnte. Von dort aus konnte er mit beiden Händen das Rietdach packen und wand sich hinauf. Oben gelandet, stand er auf und bekam ganz knapp die Kante des großen Rads zu fassen, das er jetzt mit beiden Händen hin und her schob. Er bückte sich und rief dem Müller durch das Fenster zu, er solle noch einmal versuchen, den Mühlstein von Hand zu drehen.
Ich zwang mich, den Blick von der Wasserrinne abzuwenden. Ich wusste zwar nicht viel darüber, wie eine Wassermühle funktionierte, doch ich hatte Angst, dass bei einem plötzlichen Ruck des Rads alles, was sich darunter befand, zerquetscht werden könnte. Diese Angst war anscheinend nicht unbegründet, denn Mrs. MacNab wendete sich drängend an einen der Soldaten.
»Ihr solltet Euren Herrn da herunterrufen, Junge. Was er macht, ist weder gut für die Mühle noch für ihn selbst. Er sollte sich nicht in Dinge einmischen, von denen er nichts versteht.«
»Oh, nur keine Sorge, Mütterchen«, sagte der Soldat gelassen. »Korporal Silvers Vater hat eine Weizenmühle in Hampshire. Das bisschen, was der Korporal nicht über Wasserräder weiß, würde in meinen Schuh passen.«
Mrs. MacNab und ich sahen uns alarmiert an. Nachdem der Korporal noch ein wenig auf und ab geklettert war und vorsichtig geschoben und gezogen hatte, kam er wieder zu uns herunter. Er schwitzte heftig und wischte sich mit einem großen, schmutzigen Taschentuch über das Gesicht, ehe er uns ansprach.
»Ich kann es von oben nicht bewegen, und dieser Dummkopf von einem Müller scheint kein Wort Englisch zu sprechen.« Er richtete den Blick auf Mrs. MacNabs kräftigen Stock und auf ihre knotigen Gliedmaßen, dann auf mich. »Vielleicht könnte mich ja die junge Dame begleiten und für mich mit ihm reden?«
Mrs. MacNab streckte beschützend die Hand aus und packte mich am Ärmel.
»Ihr müsst meiner Schwiegertochter verzeihen, Sir. Sie ist nicht ganz richtig im Kopf, seit ihr letztes Baby tot zur Welt gekommen ist. Hat seit über einem Jahr kein Wort mehr gesprochen, die Arme. Und ich kann sie keine Minute allein lassen, sonst wirft sie sich vor Schmerz ins Wasser.«
Ich tat mein Bestes, mir den Anschein zu geben, als sei ich nicht ganz richtig im Kopf – was mich in meinem gegenwärtigen Zustand keine große Mühe kostete.