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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich blieb vor einem Bild im Salon stehen, das Jenny als junges Mädchen zeigte. Sie saß auf der Gartenmauer vor einer rot belaubten Kletterpflanze. Mit ihr hockte eine Reihe von Vögeln auf der Mauer, Spatzen, eine Drossel, eine Lerche und sogar ein Fasan, die sich alle vor ihrer lachenden Herrin um den besten Platz drängten. Es war völlig anders als die formelleren Porträts, auf denen der eine oder andere Vorfahr finster aus dem Rahmen blickte, als würde er von seinem Kragen erwürgt.

»Das hat meine Mutter gemalt«, erklärte Jamie, der mein Interesse bemerkte. »Sie hat auch die meisten Bilder im Treppenhaus gemalt, aber hier hängen nur zwei von ihr. Dieses hat sie immer am liebsten gemocht.« Sanft berührte sein großer, stumpfer Finger die Oberfläche der Leinwand und zeichnete den Verlauf der Kletterpflanze nach. »Das waren Jennys zahme Vögel. Immer wenn jemand einen Vogel mit einem verletzten Bein oder einem gebrochenen Flügel fand, hat er das Tier zu ihr gebracht, und es dauerte nur Tage, bis sie es geheilt hatte und es ihr aus der Hand fraß. Der hier hat mich immer an Ian erinnert.« Der Finger tippte auf den Fasan, der die Flügel ausgebreitet hatte, um mit seinem einen Bein im Gleichgewicht zu bleiben, und seine Herrin aus dunklen Augen anhimmelte.

»Du bist furchtbar, Jamie«, sagte ich lachend. »Gibt es auch eins von dir?«

»Oh, aye.« Er führte mich zur Wand am Fenster gegenüber.

Aus dem Rahmen blickten mir feierlich zwei rothaarige, in Tartan gekleidete kleine Jungen entgegen, neben denen ein riesiger Windhund saß. Das musste Nairn sein, Brans Großvater, dazu Jamie und sein älterer Bruder Willie, der mit elf Jahren an den Pocken gestorben war. Jamie konnte nicht älter als zwei gewesen sein, als das Bild gemalt worden war, dachte ich; er stand zwischen den Knien seines älteren Bruders und hatte dem Hund eine Hand auf den Kopf gelegt.

Jamie hatte mir unterwegs von Willie erzählt – eines Abends am Feuer in einem verlassenen Tal. Ich erinnerte mich gut an die kleine Kirschholzschlange, die er aus seinem Sporran geholt hatte, um sie mir zu zeigen.

»Willie hat sie mir zum fünften Geburtstag geschenkt«, hatte er gesagt und war sacht mit dem Finger über den gewundenen Körper gefahren. Es war eine komische kleine Schlange, deren Körper sich kunstvoll ringelte und deren Kopf rückwärts gewandt war.

Jamie hatte mir das kleine Holztier gereicht, und ich hatte es neugierig umgedreht.

»Da ist ja etwas in die Unterseite geritzt. S-a-w-n-y. Sawny?«

»Das bin ich«, hatte Jamie gesagt und den Kopf eingezogen, als wäre er ein wenig verlegen. »Es ist ein Kosename, eine Anspielung auf meinen zweiten Namen, Alexander. So hat Willie mich immer genannt.«

Die Gesichter auf dem Bild ähnelten sich sehr; alle Fraser-Kinder hatten diesen direkten Blick, der sein Gegenüber mahnte, sie nur ja nicht zu unterschätzen. Doch auf diesem Porträt hatte Jamie noch rundliche Wangen und die Stupsnase eines Babys, während der kräftige Knochenbau seines Bruders bereits den Mann zu versprechen begann, der in ihm steckte, eine Verheißung, die sich nie erfüllt hatte.

»Hast du sehr an ihm gehangen?«, fragte ich leise und legte ihm die Hand auf den Arm. Er nickte und wandte den Blick zum Kaminfeuer ab.

»Oh, aye«, sagte er mit einem schwachen Lächeln. »Er war fünf Jahre älter als ich, und ich dachte, er wäre Gott, oder mindestens Jesus. Bin ihm überallhin nachgelaufen, oder zumindest überall, wohin er mich ließ.«

Er wandte sich ab und ging zu den Bücherregalen hinüber. Da ich ihm einen Moment der Zurückgezogenheit lassen wollte, blieb ich stehen und schaute zum Fenster hinaus.

Von dieser Seite des Hauses aus sah ich durch den Regen in der Ferne den Umriss eines Felsenhügels mit einer grasigen Kuppe. Er erinnerte mich an den Feenhügel, auf dem ich durch einen Stein geschritten war und aus einem Kaninchenbau hervorgekommen war. Erst sechs Monate. Doch es schien unendlich lange her zu sein.

Jamie war wieder zu mir ans Fenster getreten. Er starrte geistesabwesend in den strömenden Regen hinaus und sagte: »Es gab noch einen Grund. Den wichtigsten.«

»Grund?«, fragte ich verständnislos.

»Warum ich dich geheiratet habe.«

»Und zwar?« Ich weiß nicht, mit was für einer Antwort ich rechnete, vielleicht einer weiteren Enthüllung seiner verworrenen Familiengeschichte. Was er dann allerdings sagte, war auf seine eigene Weise noch schockierender.

»Weil ich dich wollte.« Er wandte sich vom Fenster ab, um mich anzusehen. »Mehr als jemals etwas anderes in meinem Leben«, fügte er leise hinzu.

Ich starrte ihn verdattert an. Was auch immer ich erwartet hatte, das war es nicht. Angesichts meines offenen Mundes fuhr er augenzwinkernd fort. »Als ich meinen Pa gefragt habe, woran man erkennt, dass man die Richtige gefunden hat, hat er mir gesagt, wenn der Moment gekommen ist, gibt es keinen Zweifel. Und genauso war es. Als ich auf dem Weg nach Leoch im Dunkeln unter diesem Baum aufgewacht bin und dich auf der Brust sitzen hatte und du mich angeflucht hast, weil ich kurz vor dem Verbluten war, habe ich mir gesagt: ›Jamie Fraser, du kannst zwar nicht erkennen, wie sie aussieht, und sie wiegt so viel wie ein anständiges Zugpferd, aber das ist die Frau.‹«

Ich bewegte mich auf ihn zu, und er wich zurück und redete wie ein Wasserfalclass="underline" »Ich habe mir gesagt: ›Sie hat dich in zwei Stunden zweimal zusammengeflickt, mein Junge, und so, wie das Leben unter den MacKenzies nun einmal ist, ist es vielleicht nicht schlecht, eine Frau zu heiraten, die eine Wunde verbinden und Knochenbrüche richten kann.‹ Und ich habe zu mir gesagt: ›Jamie, Junge, wenn sich ihre Berührung schon an deinem Schlüsselbein so schön anfühlt, stell dir vor, wie sie sich wohl weiter unten …‹«

Er wand sich an einem Stuhl vorbei. »Es kann natürlich sein, dass es nur die Nachwirkungen der vier Monate im Kloster waren, wo ich ja keine Frau zu Gesicht bekommen habe, aber dieser gemeinsame Ritt in der Dunkelheit …« Er hielt inne, um dramatisch aufzuseufzen, und entwischte meiner Hand, die nach seinem Ärmel fasste. »Dieser herrliche breite Hintern, der mir da zwischen den Beinen klemmte …« Mein Schlag in die Richtung seines linken Ohrs ging ins Leere, und er trat zur Seite, so dass wir einen kleinen Tisch zwischen uns hatten. »… und dieser felsenfeste Schädel, der mir vor die Brust rumste …« Ein kleiner Metallgegenstand prallte von seinem Schädel ab und fiel scheppernd zu Boden. »Da habe ich mir gesagt …«

Er lachte so sehr, dass er zwischen den Worten nach Luft schnappen musste. »Jamie … sagte ich mir … sie ist zwar zickig und eine Sassenach mit einer Zunge wie eine Natter … aber mit einem Hintern … welche Rolle spielt es da, wenn sie ein G-gesicht hat wie ein Sch-sch-schaf?«

Ich stellte ihm ein Bein und landete mit beiden Knien auf seinem Bauch, als er selbst mit einem Krach zu Boden ging, der das ganze Haus erschütterte.

»Willst du damit etwa sagen, dass du mich aus Liebe geheiratet hast?«, wollte ich wissen. Er zog die Augenbrauen hoch und rang nach Luft.

»Habe ich das … denn nicht gerade … gesagt?«

Er packte mich mit einem Arm um die Schultern und schlängelte den anderen unter meinen Rock, um jenen Teil meiner Anatomie, den er gerade noch so gelobt hatte, mehrfach gnadenlos zu kneifen.

In diesem Moment kam Jenny hereingerauscht, um ihren Handarbeitskorb zu holen. Sie blieb stehen und betrachtete ihren Bruder belustigt. »Und was treibst du da unten, Jamie, mein Junge?«, erkundigte sie sich mit hochgezogener Augenbraue.

»Ich liebe meine Frau«, keuchte er atemlos von unserem kichernden Ringkampf.

»Nun, du könntest dir wirklich einen bequemeren Platz dafür suchen«, sagte sie und zog die andere Augenbraue auch noch hoch. »Auf dem Boden holst du dir noch Splitter im Hintern.«

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