Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Soll ich dir Äpfel aus dem Lagerhaus mitbringen, Jenny? Dann kannst du dir den Weg sparen.«
»Gute Idee«, sagte Jamie mit einem abschätzenden Blick auf Jennys ausladenden Bauch. »Wir wollen ja nicht, dass sie es auf offener Straße verliert.«
»Du verlierst gleich etwas, Jamie Fraser«, gab sie zurück, während sie Ian den Rock hinhielt, damit er hineinschlüpfen konnte. »Mach dich doch ausnahmsweise nützlich und nimm diesen kleinen Plagegeist mit nach draußen. Mrs. Crook ist im Waschhaus, ihr könnt ihn bei ihr lassen.« Sie bewegte den Fuß, um den kleinen Jamie abzuschütteln, der an ihren Röcken hing und unablässig »Arm, Arm« bettelte.
Sein Onkel packte besagten Plagegeist gehorsam an der Taille und schwang ihn kopfunter und vor Begeisterung quiekend zur Tür hinaus. »Ah«, seufzte Jenny erleichtert und beugte sich zu dem goldgerahmten Spiegel vor, um ihr Aussehen zu überprüfen. Sie feuchtete sich einen Finger an und strich sich damit die Augenbrauen glatt, dann verschloss sie die letzten Knöpfe an ihrem Hals. »Schön, sich einmal zu Ende anzuziehen, ohne dass einem jemand am Rock oder an den Knien hängt. Es gibt Tage, an denen ich kaum allein pinkeln gehen oder einen Satz sagen kann, ohne unterbrochen zu werden.«
Ihre Wangen waren leicht gerötet, und ihr dunkles Haar lag glänzend auf der blauen Seide ihres Kleids. Ian lächelte sie an, und seine warmen braunen Augen leuchteten angesichts des blühenden Bildes, das sie bot.
»Nun, dann hast du ja vielleicht Zeit, dich mit Claire zu unterhalten«, schlug er vor. Er sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. »Ich vermute, sie hat gute Manieren und hört dir zu, aber lies ihr um Gottes willen keins von deinen Gedichten vor, sonst sitzt sie in der nächsten Kutsche nach London, ehe Jamie und ich zurück sind.«
Jenny schnippte unter seiner Nase mit den Fingern, ohne sich von seiner Spöttelei stören zu lassen.
»Da mache ich mir keine großen Sorgen, Mann. Bis April fährt keine Kutsche mehr, und bis dahin hat sie sich vermutlich an uns gewöhnt. Ab mit dir, Jamie wartet.«
Während die Männer unterwegs waren, verbrachten Jenny und ich den Tag im Salon. Sie war mit einer Stickerei beschäftigt, ich wickelte lose Fäden auf und sortierte die bunten Seidengarne.
Äußerlich freundlich, umkreisten wir einander vorsichtig, während wir uns unterhielten, und beobachteten uns aus den Augenwinkeln. Jamies Schwester, Jamies Frau; Jamie war unausgesprochen der Mittelpunkt, um den sich unsere Gedanken drehten.
Ihre gemeinsame Kindheit verband sie für immer miteinander wie Kette und Schuss eines Stoffs, doch die Muster des Gewebes hatten sich voneinander gelöst, durch Abwesenheit und Argwohn, dann durch ihre Ehen. Ians Faden war schon länger Teil ihres Gewebes, meiner war ganz neu. Wie würde dieses neue Muster der Spannung standhalten, mit der sich die Fäden berührten?
Unser Gespräch verlief zwar an beiläufigen Fronten, doch die unausgesprochenen Worte darunter waren deutlich zu hören.
»Du hast das Haus hier allein geführt, seit deine Mutter tot ist?«
»Oh, aye. Seit ich zehn bin.«
Ich habe für ihn gesorgt und ihn geliebt, als er klein war. Was wirst du mit dem Mann machen, an dessen Werdegang ich beteiligt war?
»Jamie sagt, du bist eine außergewöhnliche Heilerin.«
»Ich habe ihm bei unserer ersten Begegnung die Schulter zusammengeflickt.«
Ja, ich kann für ihn sorgen, und ich bin ein guter Mensch.
»Ich höre, ihr habt sehr schnell geheiratet.«
Hast du meinen Bruder seines Besitzes wegen geheiratet?
»Ja, es ging so schnell, dass ich bis kurz vor der Trauung nicht einmal Jamies richtigen Familiennamen kannte.«
Ich wusste nicht, dass er ein Gut besitzt; ich kann ihn also nur um seiner selbst willen geheiratet haben.
Und so ging es weiter. Wir verbrachten den Morgen, ein leichtes Mittagessen und die Nachmittagsstunden damit, uns zu unterhalten und Informationen, Meinungen und zögerliche Witze auszutauschen, um aneinander Maß zu nehmen. Eine Frau, die seit dem zehnten Lebensjahr einen großen Haushalt führte und seit dem Tod ihres Vaters und dem Verschwinden ihres Bruders das Anwesen verwaltete, war ein Mensch, den es nicht zu unterschätzen galt. Ich fragte mich, was sie von mir halten mochte, doch genau wie ihr Bruder schien auch sie die Fähigkeit zu besitzen, ihre Gedanken zu verbergen, wenn sie es für richtig hielt.
Als die Uhr auf dem Kaminsims fünf zu schlagen begann, räkelte sich Jenny gähnend, und das Kleidungsstück, das sie gerade flickte, rutschte ihr über den Bauch auf den Boden.
Sie streckte umständlich den Arm danach aus, doch ich ging neben ihr auf die Knie.
»Nein, lass mich das machen.«
»Danke … Claire.« Es war das erste Mal, dass sie mich beim Namen nannte, begleitet von einem schüchternen Lächeln, das ich erwiderte.
Ehe wir unser Gespräch fortsetzen konnten, wurden wir unterbrochen, weil Mrs. Crook, die Haushälterin, die Nase in den Salon steckte und fragte, ob wir den kleinen Jamie gesehen hätten.
Jenny legte seufzend ihre Näharbeit beiseite.
»Ist er schon wieder entwischt? Keine Sorge, Lizzie. Er ist bestimmt bei seinem Vater oder seinem Onkel. Wollen wir nachsehen, Claire? Ich könnte vor dem Essen etwas frische Luft vertragen.«
Schwerfällig erhob sie sich und drückte sich die Hände ins Kreuz. Sie stöhnte und lächelte mich dabei ironisch an.
»Noch drei Wochen ungefähr. Ich kann es kaum noch abwarten.«
Wir spazierten langsam über das Gelände. Jenny zeigte mir das Brauhaus und die Kapelle und erzählte mir, wann diese Teile des Anwesens entstanden waren.
Als wir uns dem Taubenschlag näherten, hörten wir Stimmen im Obstgarten.
»Da ist er ja, der kleine Schlingel!«, rief Jenny aus. »Warte nur, bis ich ihn in die Finger kriege«, setzte sie hinzu.
»Halt.« Ich legte ihr die Hand auf den Arm, weil ich die tiefere Stimme erkannte, die die Worte des Jungen begleitete.
»Keine Sorge, Mann«, ertönte Jamies Stimme. »Das lernst du schon. Es ist ein bisschen schwierig, nicht wahr, wenn dein Schwanz nicht weiter hervorragt als dein Bauchnabel?«
Ich spitzte mit meinem Kopf um die Ecke und sah ihn auf dem Hackklotz sitzen, in ein Gespräch mit seinem Namensvetter vertieft, der tapfer mit den Falten seines Hemdchens kämpfte.
»Was machst du denn mit dem Kind?«, erkundigte ich mich vorsichtig.
»Ich bringe unserem kleinen James die Kunst bei, im Stehen zu pinkeln«, erklärte er. »Das ist doch wohl das mindeste, was sein Onkel tun kann.«
Ich zog die Augenbraue hoch. »Reden kann jeder. Das mindeste, was sein Onkel tun kann, ist doch wohl, es ihm zu zeigen.«
Er grinste. »Oh, wir hatten schon ein paar praktische Demonstrationen. Aber beim letzten Mal gab es einen kleinen Unfall.« Er wechselte einen anklagenden Blick mit seinem Neffen. »Sieh mich nicht an«, sagte er zu dem Jungen. »Du warst selber schuld. Ich habe dir doch gesagt, du sollst stillhalten.«
Jenny räusperte sich mit einem trockenen Blick auf ihren Bruder, dann auf ihren Sohn. Der kleinere Jamie reagierte, indem er sich die Vorderseite des Hemdchens über den Kopf zog, doch der größere grinste unbeeindruckt. Er erhob sich von seinem Sitz und klopfte sich den Staub von der Kniehose. Dann legte er seinem Neffen die Hand auf den verhüllten Kopf und drehte ihn zum Haus um.
»›Ein jegliches hat seine Zeit‹«, zitierte er, »›und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.‹ Erst arbeiten wir, kleiner James, und dann waschen wir uns. Und dann ist Gott sei Dank Essenszeit.«
Nachdem das Geschäftliche erst einmal erledigt war, nahm sich Jamie am nächsten Nachmittag Zeit, mir das Haus zu zeigen. Es war 1702 gebaut worden, und es war modern für seine Zeit, mit Innovationen wie Heizöfen aus Keramik und einem großen gemauerten Ofen in der Küche, so dass das Brot nicht länger in der heißen Kaminasche gebacken wurde. Der Flur im Parterre, das Treppenhaus und die Wände im Salon waren mit gemalten Bildern gesäumt. Hier und da hing eine ländliche Idylle oder eine Tierstudie, doch die meisten zeigten die Familie und ihre Verwandtschaft.