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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Marina sah die Erschütterung in des Mannes Gesicht. Sie senkte den Blick. » ... denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen«, drangen die letzten Worte eines glücklichen, gläubigen Menschen an ihr Ohr.

»Ich möchte Euch eine alte Bekannte von uns vorstellen, Horuk«, nahm jetzt Michel das Wort. »Eure bisherige Mitsklavin Marina ist die Gräfin de Andalusia, auf allen Meeren bekannt als verwegene Kapitänin. Ihr habt Ihr es zu verdanken, daß wir überhaupt hierher gekommen sind.« »Mir habt Ihr gar nichts zu verdanken«, ereiferte sich Marina. »Dankt es dem Doktor. Ich habe wirklich nichts dazu getan.« Es kam jetzt hin und wieder vor, daß selbst Marina sich beschämt fühlte.

Horuk sprang auf und küßte ihr mit griechischer Grandezza die Hand. O ja, Horuk hatte Erziehung.

»Bueno«, meinte Ojo trocken, »so weit wäre ja nun alles geklärt. Ich bin der Meinung, wir sollten uns jetzt mit den Möglichkeiten für unsere Großaktion auseinandersetzen. Viel Zeit haben wir nicht mehr zu verlieren.« Marina und Michel nickten zustimmend.

Dann nahm Michel nach einer Weile des Überlegens das Wort und erläuterte die Einzelheiten eines Plans, wie sie in seinem Kopf Gestalt anzunehmen begannen.

9

Schon früh am nächsten Morgen — in den Karawansereien regte sich das erste Leben — ließen sich Ojo und Horuk, der jetzt ebenfalls türkische Kleidung trug, mit einem Segelboot nach Skutari übersetzen.

Als auf den primitiven Docks die ersten Arbeiter erschienen, schlenderten die beiden an der Reede entlang. Ihre Augen suchten und fanden die »Trueno«. Schiffszimmerleute und andere Handwerker arbeiteten bereits auf dem Deck der Galeone. Sie arbeiteten mit Hochdruck. Sie sangen nicht dabei.

»Verwunderlich«, sagte Ojo leise, »wenn man sich das betrachtet, hat man den Eindruck, als würde hier einmal mit spanischem Tempo gearbeitet. Sonst sind die Handwerker doch faul wie die Sünde!«Sie gingen eine halbe Stunde lang auf und ab. Aber außer dem Schlagen der Hämmer und dem Surren der Leinen, dem Kreischen der Sägen und den Kommandos der Vorarbeiter war nichts zu hören.

Und was das Seltsamste war: die Vorarbeiter gaben wohl in scharfem Ton ihre Anweisungen, aber sie ließen Allah und den Propheten dabei aus dem Spiel, fluchten und gestikulierten nicht wie wild und benahmen sich recht europäisch. »Unglaublich«, murmelte Ojo.

»Sehen wir mal zu, ob wir mit einem ins Gespräch kommen können«, sagte Horuk achselzuckend. »Ich werde aus dem sonderbaren Benehmen auch nicht klug. Es ist, als ob die Arbeiter zu müde zum Singen und zum Fluchen wären.«

Als sollten die beiden die Bestätigung für Horuks letzten Satz erhalten, schwiegen plötzlich die Hämmer und Sägen.

»Schluß!« rief ein Kerl mit einem mächtigen Brustkasten. »Die anderen werden gleich kommen. Beeilt euch mit dem Schlafen und findet euch pünktlich nach dem Abendgebet wieder ein.« In diesem Augenblick kam eine andere Gruppe von Männern zum Hafen. Schreiend und gestikulierend kletterten sie über die Docks.

Ojo und Horuk, die in den Strom gerieten, ließen sich mit auf das Schiff ziehen. Für Ojo war es ein eigenartiges Gefühl, plötzlich wieder auf den Planken der »Trueno« zu stehen. Ein Tischler drückte ihm einen Hammer in die Hand und schrie ihm etwas zu. »Wir sollen am Mast arbeiten«, flüsterte Horuk auf spanisch.

Die schweigenden Arbeiter, die sie vorgefunden hatten, als sie an den Docks herumlungerten, waren verschwunden. Jetzt herrschte anderes Leben an Bord.

»Die müssen es aber eilig haben mit der Wiederinstandsetzung«, sagte Ojo zu Horuk. Der gab ihm einen Wink zu schweigen und lauschte dem Gespräch zweier Segelmacher. »Wir werden zwei Tage vor dem Fest fertig«, meinte der eine.

»Beim Schejtan«, erwiderte der andere, »so habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gearbeitet. Aber für zweihundert Piaster lohnt sich das schon. Ich werde mir eine zweite Frau kaufen. Sie kostet fünfzig Piaster. Ich weiß nur nicht, was Fatima dazu sagen wird. Sie ist so eifersüchtig.«

»Verstoße die Alte einfach, wenn sie schimpft. Was soll man mit einer Frau anfangen, wenn sie alt und häßlich wird? Sie frißt mit ihren verfaulten Zähnen das letzte Brot aus dem Korb und wird vom türkischen Honig immer fetter. Und wenn du noch ein paar Jahre wartest, kann sie nicht einmal mehr einen Krug mit Wasser von der Zisterne schleppen.«

»Aber meine Fatima ist ja noch gar nicht so alt. Sie schleppt zwei Krüge Wasser, und verfaulte Zähne hat sie auch nicht. Nur, man möchte ja mal wieder etwas Junges haben für sein Geld.« »Das wäre mir auf die Dauer zu teuer. Es ist nicht nur, daß man sich eine kauft, man muß sie auch füttern. Und zwei essen doppelt soviel wie eine. Und dann kommen die Söhne und Töchter. Nein, ich werde mir neues Werkzeug kaufen und einen Schuhbazar aufmachen. Mein Weib ist Ledernäherin. Sie kann dann auch etwas verdienen.« Sie arbeiteten emsig an den Segeln.

»Ich möchte doch wissen, weshalb das Schiff zum Kurban-Bairam unbedingt fertig sein muß«, begann der erste wieder.

»Ich habe gehört, daß man die Piraten an den Rahen aufhängen will.«

»Dazu braucht man doch keine Segel und Kanonen. Erst machen wir das Schiff wie neu, und

dann wird es als Galgenberg benutzt und wieder beschmutzt.«

»Es ist ein Befehl des Rejs Seraskierat[7].«

»Na, was geht's schließlich uns an. Auf jeden Fall ist es ein Allah wohlgefälliges Werk, wenn Piraten gehängt werden. Es wird einen schönen Bairam geben.«

An Bord des eigenen Schiffes sollten Porquez und seine Mannschaft also gehängt werden. Welch eine entsetzliche Strafe für Seeleute, die ihr Schiff liebten! Die Herren der Osmanischen Marine waren wirklich groß im Erfinden von Grausamkeiten. Horuk gab Ojo einen Wink.

Die beiden stahlen sich heimlich weg und schlenderten kurz darauf durch das Hafengebiet. Am Abend berichteten sie Michel, was sie erkundet hatten.

Michel schlief unruhig in dieser Nacht. Er hatte das Gefühl, dringend etwas tun zu müssen, wenn die Rettung Erfolg haben sollte. Zu lange hatte er schon gezögert.

Da war der festgesetzte Dienst, den er einzuhalten hatte, solange er noch hier war. Der Rejs Effendi erschien fast täglich, um sich vom Erfolg der Ausbildung zu überzeugen. Einen Vorteil allerdings hatte Michel. Er war beliebt bei Rekruten und Offizieren. Und vielleicht konnte er auf Grund dieser Beliebtheit etwas durchführen, was einen anderen um Kopf und Kragen bringen würde.

Er hatte am nächsten Morgen im Seraskierat zu tun. Den Gang dorthin würde er zur Ausführung eines Unternehmens benutzen, das an Waghalsigkeit seinesgleichen nicht hatte. Ojo und Horuk begleiteten ihn. Der Wächter ließ die Männer sofort ein; denn er kannte den berühmtesten Schützen von Istanbul.

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7

Sitz des Oberbefehlshabers einer Armee; Kommandantur

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Сюжет
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