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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Da hörst du, wie sie ist. Ich habe dich vor ihr gewarnt. Wenn du sie leben läßt, so nährst du eine Schlange an deinem Busen, die dich eines Tages aus Dank für das Futter, das du ihr gegeben hast, vergiften wird.«

Er kletterte auf sein Ersatz-Pferd, mühsam, unterstützt von einem seiner schwarzen Sklaven, und ritt aus dem Stadion. Der Rappe gehörte jetzt Michel.

Fast alle Gegner hatten das Feld geräumt. Um Michel standen nur noch die Freunde von der Artillerie versammelt. Sie erdrückten ihn fast vor Begeisterung über seinen Sieg. Michel konnte es kaum erwarten, sich mit Marina zu entfernen; aber die Kameraden dachten nicht daran, seine Gesellschaft jetzt zu entbehren. Sie wollten den Sieg gebührend feiern. »Reite zu den Ställen«, sagte er darum zu Marina im Ton des Herrn, der mit seinem Sklaven spricht, »gib Cheir Eddins neuem Burschen dein Pferd wieder und komme dann in mein Quartier.«

»Ja, erhabener Effendim«, sagte sie mit einem Lächeln, das Michel verriet, daß die Sklaverei bereits von ihr abgefallen war.Achmed Serdar schien sich über sie zu ärgern. Aus welchem Grund, das vermochte er wahrscheinlich selbst nicht zu sagen.

»Das Teufelsweib macht mir Spaß«, wandte er sich an Michel, »sie ist bei Allah keine Schönheit. Aber sie ist einmal etwas anderes in der eintönigen Masse unserer Weiber. Wieviel Piaster würdest du für sie verlangen?« Michels Augen traten fast aus ihren Höhlen. Er wußte, daß es ein schwerer Verstoß gegen die hiesigen Sitten gewesen wäre, wenn er das deutliche Angebot eines so wohlwollenden Vorgesetzten abgelehnt hätte. Sein Blut gerann in den Adern. Das war ein wenig zu unerwartet gekommen. Er durfte nicht auf das Angebot eingehen, es | aber auch nicht ausschlagen. Als er sich einigermaßen i gefaßt hatte, meinte er mit gleichgültiger Stimme:

»Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, sie zu verkaufen, Achmed Serdar.«

»Nun, rede nicht viel. Mach einen Preis. Wenn er annehmbar ist, bezahle ich sofort.«

Der Rejs Effendi glaubte nicht anders, als daß Michel durch sein Zögern lediglich den Preis in die Höhe treiben wollte. Da wurde Michel ablehnend.

»Nein, Rejs Effendi, ich verkaufe sie nicht, wenigstens jetzt noch nicht. Ich habe wahrlich einen harten Kampf um sie ausgefochten. Und sie hat mir Glück gebracht.«

»Dein Glück wird sich ins Gegenteil verkehren, wenn du sie behalten willst. Denke daran, wie sie Cheir Eddin zugesetzt, wie sie ihn geärgert hat. Sie soll, so sagt man, eine große Dame in Frankistan gewesen sein. Ich glaube sie würde das Leben eines kleinen Kapudan ebenso zui Hölle machen, wie sie es Cheir Eddin getan hat.«

»Trotzdem möchte ich sie nicht verkaufen, Effendim« weigerte sich Michel hartnäckig. Achmed war enttäuscht. Er erwiderte Michels Gruß und ritt ohne ein weiteres Wort aus dem Stadion.

Dennoch brauchte man nicht den Eindruck zu haben, als würde Michels Weigerung ernstere Folgen nach sich ziehen. Achmed mochte im Augenblick Feuer gefangen haben. Aber er war reich, steinreich, und konnte sich jede andere Frau kaufen, die etwas Besonderes war.

6

Der Pfeifer und Ojo saßen erwartungsvoll im Zimmer beisammen. Sie sprachen nicht miteinander. Jeder hing seinen Gedanken nach. Und diese kreisten um einen einzigen Punkt: um das Eintreffen Marinas. Dann stand sie im Raum.

Schweigen. Bedrückendes, erwartungsvolles Schweigen.

Michel fing sich zuerst.

»Nehmt Platz, Madonna.«

»Danke«, sagte sie und ließ sich nieder.

Sie legte die Hände zusammen und hielt den Blick gesenkt. Kleine Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Dann tropften Tränen auf den Teppich, große, kristallklare Tränen, die wie Eisperlen glitzerten. Marina weinte.

Es war das erstemal, daß Michel und Ojo diese Frau weinen sahen.

Langsam hob sie den Blick. Ihre dunklen, verschwommenen Augen trafen Michel. Und über ihren rötlichen Haaren stand ein Schein. Es war Michel, als sei es ein Heiligenschein. Und der Mann, der diese Frau zuerst gehaßt, dann gleichgültig betrachtet hatte, fühlte etwas anderes in sich aufsteigen.Sie sahen sich an. Und unter ihren Tränen brach ganz langsam das alte, zuversichtliche Lächeln hervor. Michel löste das Schweigen.

»Wir hätten nicht gehofft, Euch so bald zu finden, Madonna.« Er sagte Madonna, nicht Dona. Madonna war nicht nur Höflichkeit, war viel mehr, war Verehrung. Marina kostete diese Anrede förmlich aus. Welch ein Gegensatz zu den langen, bangen Monaten, in denen sie nichts als das persönliche Eigentum bärtiger, despotischer Muslemin war!

»Ihr hattet nicht gehofft, mich zu finden? Habt Ihr wirklich nach mir gesucht? Ich dachte, der Zufall hätte mich auf Euch treffen lassen.«

»Es war wohl Zufall, wenigstens, daß ausgerechnet Ihr Cheir Eddins Pferdebursche wart. Aber hier in Istanbul sind wir tatsächlich nur Euretwegen gelandet. Wohntet Ihr in Eddins Palast?« »Ja. Seit er mich auf dem Sklavenmarkt von Mustapha gekauft hatte.« »Warum habt Ihr Euer Zeichen nicht aus dem Fenster gehängt?«

»Es hing draußen. Aber eines Tages hörte ich zufällig, daß meine »Trueno«« — sie sagte meine »Trueno« — »als Prise aufgebracht worden war. Ich wollte nicht, daß man an der Fahne meine Verbindung zu ihr erkannte. In Skutari haben sie der Bevölkerung die Hinrichtung der Mannschaft schon angekündigt. In zehn Tagen ist das Kurban-Fest. Das haben sie dazu ausersehen — zur höheren Ehre des Islams und zur Freude Allahs, wie sie sagen.« »In zehn Tagen? Das ist wenig Zeit. Und ich hatte vor, alles daranzusetzen, um sie zu retten.« »Da müßt Ihr Euch beeilen, Miguel.«

Es klang seltsam in seinen Ohren, dieses »Miguel«. Marina hatte ihn früher schon so angesprochen. Sie war der einzige Mensch auf der Welt, der ihn so nannte. Und die spanische Übersetzung seines Namens erhielt in ihrem Munde einen besonderen Klang. »Wir fahren morgen erst nach Istanbul zurück. Und ich habe die ganze Woche über Dienst. Das heißt, am Abend bin ich frei. Es wird nicht viel Zeit bleiben, um zu helfen. Sagt, Madonna, wie seid Ihr eigentlich in die Sklaverei gekommen? Ich brenne darauf, es zu erfahren.«

Marina erzählte ihre Erlebnisse und schilderte ihre Leiden. Es mußte ein schwerer Weg für sie gewesen sein. Aber eigenartigerweise sprach sie ganz ohne Haß. Stunden verstrichen.

Die beiden Männer hörten zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen.

»Und wie ist es der »Trueno« inzwischen ergangen?« schloß sie ihre Erzählung. »Wißt Ihr etwas darüber?«

Michel schilderte, was er aus dem Mund des türkischen Admirals gehört hatte.

»Und dieser Engländer, wie hieß er doch .. .?«

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Сюжет
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Главный герой
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