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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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Um die gleiche Zeit fuhr Dr. Peter Perthes in den Hafen von New York ein. Ein Sirenen- und Pfeifkonzert begrüßte die weiße >Ar-gentinia<. Das schmutzige Hafenwasser schäumte fettig. Drüben, von Brooklyn und Manhattan, grüßten die Steinriesen herüber. Die Spitzen der Wolkenkratzer schienen in den blauen Himmel zu stoßen, es sah aus, als trügen sie das Himmelsgewölbe.

Unter dem ausgestreckten Arm der Freiheitsstatue zog das weiße Schiff in den Hafen. Gewaltig reckte sich die steinerne Fackel der Sonne entgegen. Freiheit!

Dr. Perthes stand an der Reling und sah den großen Piers entgegen. Eine neue Welt eröffnete sich ihm, Station eines anderen Lebens. Der Schatten der Freiheitsstatue fiel über sein Gesicht. Er lächelte glücklich.

Kapitel 6

Wenn man die Kordilleren bei Bogota hinter sich läßt und hinabsteigt in die Niederungen von Meta, die Savannen und Wälder zu beiden Seiten des mächtigen Rio Guaviare, wenn man den breiten Fluß hinunterfahrt und die Höhenzüge des Mesa de Ma-ripän rechts vor sich liegen sieht, wird man nach Zapuare kommen, einem kleinen Ort aus Blockhütten und Palmenhäusern im Fiebergebiet von Piapoco. Hier leben seltsame Gestalten, finstere Gesellen, Trinker und Glückssucher, die in den unerforschten Urwäldern von Guaipu Navo bis hinunter zum Rio Negro Orchideen sammeln, wertvolle Hölzer schlagen, Tiere mit seltenen Pelzen jagen und in dem Traum leben, einmal inmitten des dumpfen, faulenden Urwaldes die geheimnisvolle Stadt eines versunkenen Stammes zu finden, Schätze, Gold und Edelsteine, wie sie die Tempel der Mayas auf Yuka-tan und die Höhlen der Azteken bargen.

Die Menschen in dieser aus dem Wald geschlagenen Siedlung an einem Fluß, in dem es von Alligatoren und Mörderfischen wimmelt, leben in einem steten Wechsel von Trübsinn und überschäumender Lust. Wenn sie in den >Bars<, den großen Blockhütten, hocken und widerlich scharfen, süßen Schnaps in sich hineinschütten, ist das Ganze ein Irrenhaus von bärtigen, entwurzelten Existenzen, denen das Leben in den Tropen keine andere Wahl mehr ließ, als auf diese menschenunwürdige Weise zugrunde zu gehen.

Ab und zu kommt von Villavicencio, der Kreisstadt, ein Inspektor der Staatspolizei nach Zapuare, um nach dem Rechten zu sehen. Dann gibt es zur Abwechslung eine kleine Schießerei, und die Leute von Zapuare erfahren zu ihrem Erstaunen, daß der gute Jim und der trinkfeste Johnny, die immer so nett zu allen waren, zwei von sechs Staaten der USA gesuchte Schwerverbrecher sind.

Das Klima ist heiß, feucht und schwül. Das Hemd klebt einem auf dem schwitzenden Körper fest, das Atmen ist Schwerarbeit, und jede weitere Anstrengung legt sich wie eine Eisenfaust auf die Brust.

Am Stadtrand von Zapuare, inmitten eines Gartens aus Gummibäumen und wilden Bananen, liegt ein Holzhaus mit einem Bootssteg hinunter zum Rio Guaviare. Unter den Gummibäumen stehen runde, weiße Zelte, einige Klapptische und verschiedene große Kartentafeln, die in Einzeldarstellungen die Gebiete von Piapoco bis Macueni und Guahibo an der bolivianischen Grenze zeigen. An einem Fahnenmast aus weißgestrichenem Holz hängt schlaff die Fahne der Bundesrepublik. An dem Holztor ist ein kleines Schild befestigt: >Expedition Dr. Perthes<.

In dem Innern des Holzhauses, das nur einen großen Raum und an Möbeln zwei Feldbetten mit großen Moskitonetzen, einen Berg Kisten, drei aneinandergeschobene Klapptische mit Mikroskopen, Retorten, Spirituskochern und Reagenzgläsern sowie einen Brutschrank für Nährböden und kleine, unterteilige Käfige mit Meerschweinchen und widerlich großen Ratten aufweist, saß Peter Perthes auf einer der Kisten. Ihm gegenüber, gleichfalls auf einer Kiste, saß ein stämmiger, braungebrannter Mann mit schwarzen Locken. Sie tranken aus falschen Tassen Mate, das Nationalgetränk der Südamerikaner. Ein Boy wirtschaftete in einer Ecke, die durch den Speiseschrank den Anschein einer Küche erhielt.

Der Mann bei Dr. Perthes war Dr. Fernando Cartogeno, ein kolumbianischer Arzt. Sie hatten sich auf merkwürdige Art kennen-gelernt. Pünktlich war Peter Perthes in Buenaventura angekommen und wurde dort von den Herren des Direktor von Barthey in Empfang genommen. Auf einer schrecklich langweiligen Bahnfahrt durch die Kordilleren brachte man ihn nach Bogota und begann in der Hauptstadt, die Expedition aufzubauen. Dr. Perthes besuchte den kolumbianischen Gesundheitsminister, der bei seinem Plan den Kopf schüttelte und meinte:»Um das Gift zu bekämpfen, müßten Sie ganz Südamerika in Flammen aufgehen lassen«, aber ihm wohlwollend jegliche Unterstützung seitens der Regierung, Nachschub mit Hubschraubern, falls Perthes auf einer Exkursion in den Urwald festhing und nicht mehr zurück konnte, versprach.

Dann besichtigte Peter Perthes die staatlichen Krankenhäuser, moderne Bauten nach amerikanischem Vorbild, weit, hell, luftig — aber mit dem großen Nachteil behaftet, von Ärzten geleitet zu werden, die nicht im entferntesten an die medizinischen Kenntnisse ihrer europäischen Kollegen heranreichten. Sie waren sämtlich aufTropenmedizin spezialisiert und standen allen Krankheiten, die über diese Kenntnisse hinausgingen, ziemlich hilflos gegenüber. Im Garten einer der Kliniken traf Peter Perthes dann auf diesen Dr. Car-togeno. Er hielt den Deutschen an, stellte sich vor und sagte:

«Ich höre, daß Sie in die Wälder an der kolumbianischen Grenze wollen, um toxikologische Forschungen zu betreiben. Ich halte das für verrückt.«

«Ihre Meinung ehrt mich«, antwortete Dr. Perthes schlagfertig.»Aber es muß auf der Welt auch Verrückte geben, sonst wäre sie zu langweilig.«

So kam man ins Gespräch, in dessen Verlauf sich Dr. Cartogeno als noch verrückter erwies, denn er bat Peter Perthes, ihn begleiten zu dürfen.

«Ich möchte weiterkommen«, hatte Dr. Cartogeno gesagt.»Was ich hier vollbringe, ist eine rein mechanische Arbeit. Ich verbinde, ich schneide, ich setze Spritzen. Und alles auf Anordnung, denn wir Assistenten sind in der Klinik Nullen, und der Chef ist ein Halbgott. Hier kann man nichts lernen, weil jeder Angst hat, der eine könnte mehr wissen als der andere und ihm den Posten des Oberarztes wegschnappen, der jedes vierte Jahr neu besetzt wird. «Er holte ein langes Zigarillo aus seiner Tasche und steckte das schwarze Kraut in Brand.»Ich weiß, daß Ihre Expedition in die völlig unbekannten Gebiete ein Irrsinn ist. Ihr erster Schritt auf den weißen Flecken der Landkarte wird Ihr Todesurteil sein. Aber es reizt mich, einmal eine Tat zu tun, die nicht jeder unternehmen würde. «Er blickte Peter aus seinen fast schwarzen Augen an.»Wissen Sie, daß an den Quellseen des Rio Ameira der gefürchtetste Mann des ganzen Urwaldes sitzt?«

«Sapolana?«

«Der König der Tarapas. Richtig! Man will sein Lager vor zwei Monaten zwischen dem Ameira und dem Rio Tomo gesehen haben. Heute ist es vielleicht ganz in unserer Nähe, am Cuno Mataveni.«

«Von mir aus kann der gute Häuptling im Nebenzimmer schlafen. Er stört mich nicht.«

«Aber Sie ihn! Das ist ein großer Unterschied. Wir haben von Bogota aus vier Expeditionen nach Amorua geschickt. Sie kamen nicht wieder aus den Wäldern heraus. Ein amerikanischer Suchtrupp in die völlig unbekannten Wälder des Rio Muco verscholl. Es gelang uns nicht, die weißen Flecken auf den Landkarten zu beseitigen. Nur Luftbilder geben uns einen gewissen Anhalt — über den Urwaldboden ist noch kein Schritt eines Weißen gegangen.«

«Dann werden wir die ersten sein. «Dr. Perthes blickte auf seine Armbanduhr.»Ich muß zurück. In vier Tagen breche ich auf. Wenn Sie sich anschließen wollen — was Sie zur Ausrüstung benötigen, wissen Sie ja —, dann seien Sie in vier Tagen in Caqueza. Ich bekomme dort meine Träger bis Zapuare.«

Damit ließ er Dr. Cartogeno stehen und verließ den Klinikgarten.

Am Morgen, als die Expedition von Caqueza aufbrach, stand Dr. Cartogeno am Ortsausgang neben seinem alten Ford. Die beiden

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