Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Vor ein paar Tagen waren sie von einem Trupp Cherokee-Krieger überfallen worden, die sie überrumpelt und die meisten von ihnen getötet hatten. Einige Frauen hatten sie mitgenommen.
»Sie haben meine Frau«, sagte Light mit zittriger Stimme. »Wir wollten sie – sie zurückholen.«
»Natürlich werden sie uns umbringen«, sagte Goose schwach, aber eigentlich recht fröhlich. »Doch das spielt keine Rolle.«
»Natürlich nicht«, sagte Jamie und musste lächeln. »Wisst Ihr, wohin sie sie gebracht haben?«
Die Brüder wussten, welche Richtung die Räuber eingeschlagen hatten, und sie hatten vor, ihre Spur bis zu ihrem Dorf zu verfolgen. Dort entlang, sagten sie und wiesen auf eine Lücke zwischen den Bergen. Ian sah Jamie an und nickte.
»Bird«, sagte er. »Oder besser Fox«, denn Running Fox war der Kriegshäuptling des Dorfes; ein tüchtiger Krieger, wenn es ihm auch etwas an Einfallsreichtum mangelte – ein Charakterzug, den Bird in Hülle und Fülle besaß.
»Sollen wir ihnen also helfen?«, sagte Ian auf Englisch. Er zog seine feinen Augenbrauen fragend hoch, doch Jamie merkte, dass es nur eine rhetorische Frage war.
»Oh, aye, ich denke schon.« Er rieb sich vorsichtig die Stirn; die Haut auf der Beule war bereits überdehnt und empfindlich. »Aber zuerst lass uns essen.«
Die Frage war nicht, ob sie es tun sollten, sondern nur, wie. Den Vorschlag, dass die Brüder Lights Frau zurückstehlen könnten, verwarfen Jamie und Ian kategorisch.
»Sie werden euch umbringen«, versicherte Ian ihnen.
»Das stört uns nicht«, meinte Light standhaft.
»Natürlich nicht«, sagte Jamie. »Aber was ist mit Eurer Frau? Sie würde allein zurückbleiben, und es hätte ihr nichts genützt.«
Goose nickte einsichtig.
»Er hat recht, weißt du«, sagte er zu seinem finster blickenden Bruder.
»Wir könnten die Cherokee um sie bitten«, schlug Jamie vor. »Eine Frau für dich, Ian. Bird hält viel von dir; er würde sie dir bestimmt geben.«
Er scherzte nur halb. Wenn noch kein anderer die junge Frau geheiratet hatte, war es möglich, dass sich der Mann, dem sie als Sklavin diente, überreden ließ, sie Ian zu geben, der großen Respekt genoss.
Ian lächelte, schüttelte aber den Kopf.
»Nein, es ist besser, wenn wir Lösegeld bezahlen. Oder –« Er musterte nachdenklich die beiden Indianer, die sich fleißig durch die restlichen Vorräte aus den Satteltaschen futterten. »Sollten wir Bird vielleicht bitten, sie zu adoptieren?«
Das war eine wirklich gute Idee. Denn sobald sie die junge Frau zurückhatten, würde es ihr und ihren Brüdern wieder genauso elend gehen wie zuvor – sie würden hungrig umherwandern.
Doch die Brüder schüttelten stirnrunzelnd die Köpfe.
»Ein voller Magen ist schön«, sagte Goose und leckte sich die Finger ab. »Aber wir haben mit angesehen, wie sie unsere Familie, unsere Freunde umgebracht haben. Wenn wir es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten, wäre es möglich. Aber –«
»Aye, ich verstehe«, sagte Jamie und war eine Sekunde lang sogar erstaunt, weil er es tatsächlich verstand; offenbar hatte er schon mehr Zeit unter den Indianern verbracht, als er angenommen hatte.
Die Brüder wechselten einen Blick, mit dem sie offenbar einen Gedanken austauschten. Als ihre Entscheidung gefallen war, wies Light respektvoll auf Jamie.
»Wir sind Eure Sklaven«, sagte er ein wenig zaghaft. »Es ist an Euch zu entscheiden, was mit uns geschehen soll.« Er hielt zögernd inne und wartete.
Jamie rieb sich mit der Hand über das Gesicht und dachte, dass er wohl doch nicht genug Zeit unter den Indianern verbracht hatte. Ian lächelte zwar nicht, doch er schien ein schwach belustigtes Vibrieren auszustrahlen.
MacDonald hatte ihm von Kriegszügen während der Franzosenkriege erzählt; Soldaten, die Indianer gefangen nahmen, brachten sie normalerweise um, um das Skalpgeld zu kassieren, oder sie verkauften sie als Sklaven. Diese Kriegszüge waren gerade einmal zehn Jahre vorbei, und der Frieden war seitdem häufig von Unrast erfüllt gewesen – und die verschiedenen Indianerstämme machten ihre Gefangenen weiß Gott zu Sklaven, es sei denn, sie beschlossen aus unerfindlichen indianischen Gründen, sie stattdessen zu adoptieren oder umzubringen.
Er hatte die beiden Tuscarora gefangen genommen; ergo befahl es die Sitte, dass sie jetzt seine Sklaven waren.
Er verstand bestens, was Light andeutete – dass er die beiden Indianer adoptieren sollte und die junge Frau zweifellos ebenso, wenn sie erst gerettet war. Und wie in Gottes Namen war ihm plötzlich diese Verantwortung zugefallen?
»Nun ja, für Skalps gibt es im Moment keinen Markt«, merkte Ian an. »Obwohl du die beiden vielleicht wirklich an Bird verkaufen könntest. Obwohl sie nicht viel wert sind, so dürr und kränklich, wie sie sind.«
Die Brüder starrten ihn reglos an und erwarteten seine Entscheidung. Light rülpste unvermittelt, und die Brüder zogen überraschte Gesichter. Jetzt lachte Ian doch, ein leises, knarrendes Geräusch.
»Oh, das könnte ich nie tun, und das wisst ihr alle drei ganz genau«, sagte Jamie gereizt. »Ich hätte dich fester schlagen und mir den Ärger ersparen sollen«, sagte Jamie zu Goose, der ihn gutmütig angrinste, so dass man seine Zahnlücke sah.
»Ja, Onkel«, sagte er und verbeugte sich zutiefst respektvoll.
Jamie erwiderte das mit einem missmutigen Geräusch, das die beiden Indianer jedoch ignorierten.
Die Orden also. MacDonald hatte ihm eine Kiste mitgebracht, die zum Bersten mit Orden, Blechknöpfen, billigen Messingkompassen, stählernen Messerklingen und anderen hübschen Nutzlosigkeiten gefüllt war. Da sich die Macht der Häuptlinge aus ihrer Beliebtheit ableitete und diese direkt proportional zu ihrem Vorrat an Geschenken stieg, nahmen die britischen Indianeragenten Einfluss, indem sie sich gegenüber jenen Häuptlingen freigebig zeigten, die ihre Bereitschaft signalisierten, sich auf die Seite der Krone zu stellen.
Er hatte nur zwei kleine Beutel solcher Bestechungsgeschenke dabei; den Rest hatte er für künftige Gelegenheiten zu Hause gelassen. Was er dabeihatte, würde zwar sicher ein ausreichendes Lösegeld für Mrs. Light abgeben, doch wenn er alles dafür ausgab, musste er den Häuptlingen der anderen Dörfer mit leeren Händen gegenübertreten – und das kam nicht in Frage.
Nun, dann musste er Ian wohl zurückschicken, um noch mehr zu holen. Aber erst, wenn er das Lösegeld ausgehandelt hatte; dabei brauchte er Ians Hilfe.
»Also schön«, sagte er und stand auf. Er wehrte sich gegen ein plötzliches Schwindelgefühl. »Aber ich werde sie nicht adoptieren.« Das Letzte, was er zurzeit brauchte, waren noch drei Mäuler, die er stopfen musste.
Kapitel 44
Scottie
Die junge Frau freizubekommen, war, wie er erwartet hatte, ein simpler Tauschhandel. Am Ende war Mrs. Light sogar ziemlich billig; ihr Preis betrug sechs Orden, vier Messer und einen Kompass. Natürlich hatte er sie vor dem Abschluss des Handels nicht zu Gesicht bekommen – hätte er sie erst gesehen, hätte er noch weniger geboten; sie war ein kleines, pockennarbiges Mädchen von etwa vierzehn, das leicht schielte.
Doch über Geschmack ließ sich nicht streiten, und Light und Goose waren schließlich beide bereit gewesen, für sie zu sterben. Sicher war sie sehr liebenswürdig oder besaß irgendeinen anderen herausragenden Wesenszug, wie zum Beispiel Talent im Bett.