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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Bei seiner Rückkehrbefragte das lebendige und gescheite Auge denBoten. Ach! Herr, sagteBarrois, ein großes Unglück ist geschehen, Frau von Saint‑Meran ist angekommen, und ihr Gemahl ist tot.

Herr von Saint‑Meran und Noirtier waren nie durch enge Freundschaft verbunden gewesen; man weiß aber, welche Wirkung die Kunde vom Tode eines Altersgenossen stets auf einen Greis hervorbringt. Noirtier ließ das Haupt auf dieBrust sinken, dann schloß er das linke Auge.

Fräulein Valentine? sagteBarrois.

Noirtier machte einbejahendes Zeichen.

Sie ist auf demBall, wie der gnädige Herr wohl weiß, denn sie kam in großer Toilette hierher, um Abschied zu nehmen.

Noirtier schloß abermals das linke Auge.

Ja, Sie wollen sie sehen.

Der Greisbedeutete durch ein Zeichen, daß er es wünsche.

Nun, man wird sie ohne Zweifelbei Frau von Morcerf holen; ich erwarte ihre Rückkehr und sage ihr, sie möge heraufkommen. Ist es so recht?

Ja, antwortete der Gelähmte.

Barrois wartete, wie wir gesehen, auf Valentines Rückkehr und teilte ihr den Wunsch ihres Großvaters mit, und so ging sie auch zu Noirtier hinauf, als sie Frau von Saint‑Meran verließ, die, so aufgeregt sie auch war, endlich der Müdigkeit unterlag und in einen fieberhaften Schlaf verfiel. Man hatte in denBereich ihrer Hand einen Tisch gestellt, auf dem eine Flasche mit Orangeade, ihrem gewöhnlichen Getränk, und ein Glas standen.

Valentine umarmte den Greis, der sie so zärtlich anschaute, daß das Mädchen abermals Tränen, deren Quelle es versiegt glaubte, seinen Augen entstürzen fühlte.

Der Greis verharrtebei seinemBlicke.

Ja, ja, sagte Valentine, du willst mir sagen, ich habe immer noch einen guten Großvater?

Der Greisbedeutete durch ein Zeichen, daß er wirklich dies habe durch seinenBlick sagen wollen.

Ach! zum Glücke, versetzte Valentine. Mein Gott, was würde sonst aus mir werden?

Es war ein Uhr morgens. Barrois hatte Lust, sich niederzulegen, undbemerkte daher, nach einem so schmerzhaften Abendbedürfe jedermann der Ruhe. Der Greis wollte nicht sagen, seine Ruhe sei es, sein Kind anzuschauen. Er verabschiedete Valentine, der die Ermattung und der Schmerz in der Tat ein leidendes Aussehen verliehen.

Als sie am andern Morgenbei ihrer Großmutter eintrat, fand sie diese imBette; das Fieber hatte sich nicht gelegt, esbrannte im Gegenteil ein düsteres Feuer in den Augen der Marquise, und sie schien das Opfer einer heftigen Nervenaufregung zu sein.

Oh! mein Gott! gute Mama, leiden Sie mehr? rief Valentine, als sie diese Zeichen der Aufregung wahrnahm.

Nein, meine Tochter, nein, sagte Frau von Saint‑Meran; aber ich erwartete mit Ungeduld dein Erscheinen, um deinen Vater holen zu lassen.

Meinen Vater? fragte Valentine unruhig.

Ja, ich will ihn sprechen.

Valentine wagte es nicht, sich dem Wunsche ihrer Großmutter, dessen Ursache sie überdies nicht kannte, zu widersetzen, und einen Augenblick nachher trat Villefort ein.

Mein Herr, sagte Frau von Saint‑Meran, ohne irgend einen Eingang und alsbefürchtete sie, es könnte ihr an Zeit gebrechen, Sie haben mir geschrieben, es handle sich um die Verheiratung dieses Kindes?

Ja, gnädige Frau, antwortete Villefort, und es ist sogar mehr als ein Plan, es ist ein Abkommen.

Ihr Schwiegersohn heißt Franz d'Epinay?

Ja, gnädige Frau.

Er ist der Sohn des Generals d'Epinay, der zu den Unseren gehörte, und einige Tage, ehe der Usurpator von der Insel Elba zurückkehrte, ermordet wurde?

So ist es.

Diese Verbindung mit einer Enkelin des Jakobiners widerstrebt ihm nicht?

UnsereBürgerkämpfe sind glücklicherweise vorüber, meine Mutter, sagte Villefort; Herr d'Epinay warbei dem Tode seines Vatersbeinahe ein Kind; er kennt Herrn Noirtier sehr wenig, und wird ihn, wenn nicht mit Vergnügen, doch wenigstens mit Gleichgültigkeit sehen.

Ist er eine schickliche Partie?

In jederBeziehung, der junge Mann erfreut sich allgemeiner Achtung.

Während dieser ganzen Unterredung war Valentine stumm geblieben.

Wohl, mein Herr, sagte Frau von Saint‑Meran nach kurzem Nachdenken, Sie müssen sichbeeilen, denn ich habe wenig Zeit mehr zu leben.

Sie, gnädige Frau! Sie, gute Mutter! riefen gleichzeitig Herr von Villefort und Valentine.

Ich weiß, was ich sage, versetzte die Marquise; Sie müssen sich alsobeeilen, damit, da es die Mutter nicht vermag, wenigstens die Großmutter ihre Ehe segnen kann. Ichbin die einzige, die ihr noch von seiten meiner armen Renéebleibt, die Sie so schnell vergessen haben, mein Herr.

Ah! Siebedenken nicht, daß ich diesem armen Kinde eine Mutter geben mußte.

Eine Stiefmutter ist nie eine Mutter, mein Herr. Doch es handelt sich nicht darum, sondern um Valentine; lassen wir die Toten ruhen.

Alles dies wurde mit einer solchen Geschwindigkeit und mit einem Ausdrucke gesprochen, daß es schien, die Aufregung der Kranken gehe in ein Delirium über.

Es soll nach Ihrem Wunsche gehen, sagte Villefort, und dies um so mehr, als Ihr Wunsch mit dem meinigen im Einklang steht. Sobald Herr d'Epinay nach Paris zurückgekehrt ist…

Meine gute Mutter, unterbrach ihn Valentine, die Schicklichkeit, die neue Trauer… würden Sie eine Ehe unter so trüben Umständen schließen wollen?

Meine Tochter, versetzte rasch die Großmutter, keine solchen Alltagsreden, die schwache Geister hindern, auf solide Weise ihre Zukunft zu gründen. Ich habe auch am Sterbebette meiner Mutter geheiratet undbin darum nicht unglücklich gewesen.

Abermals dieser Todesgedanke! rief Villefort.

Abermals! immer… ich sage Ihnen, daß ich sterben werde, hören Sie? Nun wohl! ehe ich sterbe, will ich meinen Eidam sehen; ich will ihmbefehlen, meine Enkelin glücklich zu machen, ich will in seinen Augen lesen, ober mir gehorchen will; kurz, ich will ihn kennen lernen, um ihn aus der Tiefe meines Grabes aufzusuchen, wenn er nicht wäre, was er sein soll, wenn er nicht wäre, was er sein muß, fügte die alte Frau mit einem furchtbaren Ausdrucke hinzu.

Gnädige Frau, sagte Villefort, Sie müssen die aufgeregten Gedanken, die fast an Wahnsinn grenzen, von sich entfernen. Liegen die Toten einmal in ihren Gräbern, so schlafen sie darin, um sich nie mehr zu erheben.

Oh ja, ja, gute Mutter! beruhige dich, rief Valentine.

Und ich, mein Herr, sage Ihnen, daß es nicht so ist, wie Sie glauben. Diese Nacht lag ich in furchtbarem Schlafe; denn ich sah mich gleichsam schlummern, als obmeine Seelebereits über meinem Leibe schwebte. Meine Augen, die ich gewaltsam offen halten wollte, schlossen sich unwillkürlich, und dennoch, ich weiß wohl, daß Ihnen dies unmöglich vorkommen wird, Ihnen, mein Herr,… ich sah mit geschlossenen Augen, auf derselben Stelle, wo Sie sind, aus jener Ecke kommend, in der eine Tür ist, die nach dem Ankleidezimmer von Frau von Villefort geht, geräuschlos eine weiße Gestalt hervortreten.

Valentine stieß einen Schrei aus.

Das Fieber hat Sie aufgeregt, sagte Villefort.

Zweifeln Sie, wenn Sie wollen, doch ichbin dessen, was ich sage, gewiß. Ich sah eine weiße Gestalt; und als sollte ich durch das Zeugnis eines andern Sinnes nochbestärkt werden, hörte ich das Glas rücken, das hier auf dem Tische steht.

Oh! gute Mutter, das war ein Traum.

Es war so wenig ein Traum, daß ich die Hand nach der Glocke ausstreckte und daß der Schattenbei dieser Gebärde verschwand. Die Kammerfrau trat mit einem Lichte ein.

Doch sie hat niemand gesehen?

Die Geister zeigen sich nur denen, die sie sehen sollen, es war die Seele meines Mannes.

Oh, sagte Villefort, unwillkürlich in der innersten Tiefe erschüttert, gestatten Sie diesen finstern Gedanken keinen Einfluß; Sie werden mit uns leben, Sie werden lange Zeit glücklich, geliebt, geehrt leben, und wir werden machen, daß Sie vergessen…

Nie, nie, nie! rief die Marquise. Wann kommt Herr d'Epinay zurück?

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