Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es gibt kein Fegefeuer«, sagte sie. »Das ist nur etwas, das der Papst erfunden hat.«
Lizzie klappte vor Schreck über diese Gotteslästerung der Mund auf, doch zum Glück lenkte Bobby sie dadurch ab, dass ihm schwindelig wurde und er sich hinlegen musste.
Malva schien zwar nicht übel Lust zu haben, die Diskussion fortzusetzen, doch abgesehen davon, dass sie noch ein- oder zweimal »Der Papst …« sagte, stand sie einfach nur da, schwankte mit offenem Mund hin und her und blinzelte ein wenig. Ich warf einen Blick auf Lizzie, die ebenfalls glasige Augen hatte. Sie gähnte hemmungslos und blinzelte mich mit tränenden Augen an.
Ich stellte fest, dass auch mir jetzt leicht schwindelig wurde.
»Ach du liebe Güte!« Ich riss Malva die Äthermaske aus der Hand und führte sie hastig zu einem Hocker. »Lasst mich das fortbringen, sonst wird uns noch allen schwindelig.«
Ich klappte die Maske auf, zog die feuchte Baumwolle heraus und trug sie auf Armeslänge aus dem Zimmer. Ich hatte beide Fenster des Sprechzimmers geöffnet, um für Frischluft zu sorgen und zu verhindern, dass wir alle vergast wurden, aber Äther war heimtückisch. Er war schwerer als Luft und sank daher zu Boden und sammelte sich dort, es sei denn, es gab einen Ventilator oder ein anderes Hilfsmittel, um ihn zu entfernen. Ich würde möglicherweise im Freien operieren müssen, dachte ich, wenn ich gezwungen war, länger damit zu arbeiten.
Ich legte die Baumwolle zum Trocknen auf einen Stein und ging zurück, in der Hoffnung, dass sie jetzt alle zu benommen waren, um ihre philosophischen Spekulationen fortzusetzen. Ich war nicht scharf darauf, dass sie diesen Gedanken weitersponnen; wenn es sich in Fraser’s Ridge herumsprach, dass Äther die Menschen von ihren Seelen trennte, würde ich niemals jemanden dazu bewegen, ihn anwenden zu dürfen, ganz gleich, wie brenzlig die Lage war.
»Nun, vielen Dank für Eure Hilfe«, sagte ich und lächelte, als ich das Zimmer betrat und erleichtert feststellte, dass sie alle hinlänglich wach aussahen. »Ihr habt etwas sehr Nützliches und Wertvolles getan. Aber jetzt geht an Eure Arbeit – ich räume hier auf.«
Malva und Lizzie zögerten ein paar Sekunden, denn keine der beiden wollte Bobby der anderen überlassen. Doch auf mein Drängen hin drifteten sie auf die Tür zu.
»Für wann ist Eure Hochzeit geplant, Miss Wemyss?«, fragte Malva beiläufig – und so laut, dass Bobby es hören konnte, obwohl sie es mit Sicherheit wusste; jeder in Fraser’s Ridge wusste es.
»August«, erwiderte Lizzie kühl und hob ihre kleine Nase ein Stückchen. »Gleich nach der Heuernte – Miss Christie.« Und dann bin ich Mrs. McGillivray, sagte die Genugtuung in ihrer Miene. Und Ihr – Miss Christie – seid ohne einen einzigen Verehrer. Nicht, dass Malva bei den jungen Männern keine Aufmerksamkeit erregte; nur, dass ihr Vater und ihr Bruder diese geflissentlich von ihr fernhielten.
»Ich wünsche Euch alles Gute«, sprach Malva hoheitsvoll. Sie richtete den Blick auf Bobby Higgins, dann wieder auf Lizzie, und lächelte, gesetzt und anständig unter ihrer gestärkten weißen Haube.
Bobby blieb noch einen Moment auf dem Tisch sitzen und sah den Mädchen nach.
»Bobby«, sagte ich, weil mir seine zutiefst nachdenkliche Miene auffiel, »die Gestalt, die Ihr in der Narkose gesehen habt – habt Ihr sie erkannt?«
Er sah mich an, dann glitt sein Blick wieder zu der leeren Tür, als könnte er ihn nicht abwenden.
»O nein, Ma’am«, sagte er in einem solchen Tonfall ernster Überzeugung, dass ich wusste, dass er log. »Ganz und gar nicht!«
Kapitel 43
Heimatlose
Sie hatten am Ufer eines kleinen Sees, den die Indianer Viele Binsen nannten, haltgemacht, um die Pferde zu tränken. Es war ein warmer Tag, und sie fesselten den Pferden die Beine, zogen sich aus und wateten ins Wasser, das von einer Quelle gespeist wurde und herrlich kalt war. So kalt, dass es alle Sinne aufschreckte und Jamie zumindest vorübergehend von seinen finsteren Überlegungen bezüglich der Note ablenkte, die MacDonald ihm von John Stuart, dem Superintendenten für Indianerfragen im Südlichen Department, überbracht hatte.
Sie war voll des Lobes über die Schnelligkeit und den Unternehmergeist gewesen, mit denen er die Snowbird-Cherokee unter britischen Einfluss gebracht hatte – hatte ihn im Weiteren aber zu noch aktiverem Engagement gedrängt, indem sie ihn auf Stuarts persönlichen Coup hinwies, die Choctaw und die Chickasaw bei der Wahl ihrer Häuptlinge zu beeinflussen, und zwar im Rahmen einer Zusammenkunft, die er vor zwei Jahren selbst einberufen hatte.
Der Feuereifer der Kandidaten im Wettstreit um Orden und finanzielle Vorteile war so groß, wie man ihn sich nur vorstellen kann, und glich den Anstrengungen der ehrgeizigsten Männer großer Staaten im Ringen um Ehre und Vorteile. Ich habe keine Mühen gescheut, um mich über ihre Charaktere zu informieren, und habe die Posten mit jenen Männern besetzt, die mir am würdigsten erschienen, und am geeignetsten, die Ordnung zu wahren und dafür zu sorgen, dass diese Nation im britischen Interesse handelt. Ich dränge Euch, bei den Cherokee ähnlich gute Resultate anzustreben.
»Oh, aye«, sagte er laut, als er in einem Binsendickicht auftauchte und sich das Wasser aus dem Haar schüttelte. »Ich soll Tsisqua absetzen, zweifellos durch ein Attentat, und dann den Rest bestechen, damit sie Pipestone Carver –«, den kleinsten und krankhaft bescheidensten Indianer, dem Jamie je begegnet war, »– als Friedenshäuptling einsetzen. Hach!« Er tauchte in einem Schwall von Luftblasen erneut unter und amüsierte sich damit, Stuarts Dünkel zu verfluchen und zuzusehen, wie die Worte als wabernde Quecksilberkugeln aufstiegen, um im hellen Licht der Wasseroberfläche wie von Zauberhand zu verschwinden.
Er tauchte erneut auf und schnappte nach Luft, dann hielt er den Atem an.
»Was war das?«, sagte eine erschrockene Stimme ganz in der Nähe. »Waren das die Männer?«
»Nein, nein«, sagte eine andere leise und drängend. »Sie sind nur zu zweit; ich sehe sie beide, dort drüben, siehst du?«
Er atmete mit offenem Mund, während er sich anstrengte, sie trotz seines Herzklopfens zu hören.
Er hatte sie zwar verstanden, konnte ihrer Sprache aber im ersten Moment keinen Namen zuordnen. Indianer, aye, aber keine Cherokee; sie waren … Tuscarora, das war es.
Er hatte seit Jahren mit keinem Tuscarora-Indianer mehr gesprochen; die meisten von ihnen waren in der Folge der Masernepidemie, die so viele von ihnen das Leben gekostet hatte, nach Norden gewandert – um sich in der Gegend, die die Liga der Irokesen kontrollierte, ihren Mohawk-»Vätern« anzuschließen.
Diese beiden diskutierten zwar im Flüsterton, jedoch so dicht bei ihm, dass er das meiste, was sie sagten, verstehen konnte; sie waren kaum mehr als einen Meter von ihm entfernt, verborgen durch ein beinahe mannshohes Dickicht aus Schilf und Binsen.
Wo war Ian? Er konnte es am anderen Ende des Sees plätschern hören, und als er vorsichtig den Kopf wandte, sah er aus dem Augenwinkel, dass Ian und Rollo im Wasser spielten und der Hund fast völlig untergetaucht umherpaddelte. Wenn man es nicht besser wusste – und der Hund die Eindringlinge nicht witterte und bellte –, sahen sie ganz wie zwei schwimmende Männer aus.
Die Indianer waren jedenfalls zu diesem Schluss gekommen – zwei Pferde, also auch zwei Männer, beide in sicherer Entfernung. Unter großem Knarzen und Rascheln setzten sie sich verstohlen in Richtung der Pferde in Bewegung.
Jamie hatte beinahe Lust, sie versuchen zu lassen, Gideon zu stehlen, und zu sehen, wie weit sie damit kamen. Doch es war möglich, dass sie sich nur mit Ians Pferd und dem Packmaultier davonmachten – und Claire würde stocksauer sein, wenn er zuließ, dass sie Clarence mitnahmen. Mit dem deutlichen Gefühl, beträchtlich im Nachteil zu sein, glitt er nackt durch das Schilf, verzog das Gesicht, weil es so auf seiner Haut scheuerte, und kroch dann zwischen den Rohrkolben hindurch an das schlammige Ufer.