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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Alle diese Italiener von Stande haben die Gewohnheit, sich untereinander zu verheiraten, nicht wahr? fragte Danglars scheinbar gleichgültig; sie lieben es, ihre Reichtümer znsammenzuhäufen.

Gewöhnlich machen sie es allerdings so; doch Cavalcanti ist ein Original und tut nichts wie die anderen. Ich lasse es mir nicht nehmen, daß er seinen Sohn nach Frankreich schickt, damit er hier eine Fran findet.

Und Sie haben von seinem Vermögen sprechen hören?

Dies ist eben eine zweifelhafte Sache; die einen gestehen ihm Millionen zu, die andernbehaupten, erbesitze keinen Heller.

Und was ist Ihre Meinung?

Darauf können Sie sich nicht stützen, denn sie ist ganz persönlich.

Und Sie glauben…

Ich glaube, daß alle diese alten Podestas, alle diese ehemaligen Condottieri, denn die Cavalcanti haben Heerebefehligt und Provinzen regiert, ich glaube, sage ich, daß sie Millionen in Winkeln vergraben haben, die nur ihre Erstgeborenen kennen und deren Kenntnis so von Geschlecht zu Geschlecht überliefert wird.

Das ist gut, rief Danglars, und um so mehr, als man von allen diesen Leuten nicht weiß, obsie auch nur einen Quadratzoll Landbesitzen.

Mindestens sehr wenig, ich weiß es wohl, denn ich kenne als Cavalcantis Grundbesitz nur seinen Palast in Lucca.

Ah! er hat einen Palast! sagte Danglars lachend, das ist schon etwas.

Ja, und er vermietet ihn an den Minister der Finanzen, während er selbst in einem kleinen Häuschen wohnt. Oh! ich habe es Ihnen gesagt, ich halte ihn für einen großen Geizhals.

Sie schmeicheln ihm nicht.

Hören Sie, ich kenne ihn kaum und habe ihn höchstens dreimal in meinem Leben gesehen; was ich weiß, weiß ich von dem AbbéBusoni und von ihm selbst. Er sprach heute morgen mit mir über seine Absichten mit seinem Sohn und ließ durchblicken, daß er es müde sei, in Italien, das ein totes Land sei, beträchtliche Fonds schlummern zu lassen, und ein Mittel suche, um entweder in Frankreich oder in England seine Millionen nutzbar zu machen. Doch wollen Sie immerhinbemerken, daß ich für nichts stehe, obschon ich zu dem AbbéBusoni persönlich das größte Zutrauen hege.

Gleichviel, ich danke Ihnen für den Kunden, den Sie mir zugeschickt haben; es steht ein guter Name mehr in meinen Registern, und mein Kassierer, dem ich erklärte, wie es mit diesem Cavalcanti steht, ist ganz stolz darauf. Doch sagen Sie, — die Frage kommt mir nur eben in den Mund — geben diese Leute ihren Söhnen, wenn sie sie verheiraten, eine Mitgift?

Ei, mein Gott! jenachdem. Ich kannte einen italienischen Fürsten, so reich wie ein Goldbergwerk, einen der ersten Namen von Toskana. Verheirateten sich seine Söhne nach seinem Gefallen, so gaber ihnen Millionen; verheirateten sie sich gegen seinen Willen, sobeschränkte er sich darauf, ihnen eine Rente von dreißig Talern monatlich auszusetzen. Nehmen wir an, Andrea verheirate sich nach den Ansichten seines Vaters, so wird er ihm vielleicht eine, zwei, drei Millionen geben. Handelte es sich z. B. um die Tochter einesBankiers, so würde er wohl Teilhaber des Hauses werden. Mißfällt ihm dagegen seine Schwiegertochter, dann gute Nacht! Der Cavalcanti steckt den Schlüssel in seine Kasse, dreht ihn zweimal um, und mein Andrea ist genötigt, davon zu leben, daß er die Karten zeichnet und die Würfel kneipt.

Der junge Mann wird einebayerische oder eine peruanische Prinzessin finden; er wird eine Krone haben wollen.

Nein, diese vornehmen Herren heiraten häufig einfache Sterbliche; sie lieben es, dasBlut zu mischen. Doch sagen Sie, wollen Sie Andrea verheiraten, lieber Herr Danglars, daß Sie alle diese Fragen an mich stellen?

Meiner Treu, es scheint mir keine schlechte Spekulation zu sein, und ichbin ein Spekulant.

Aber ich denke, nicht mit Ihrer Fräulein Tochter? Sie wollen doch wohl nicht den armen Andrea von Albert ins Jenseitsbefördern lassen?

Albert, versetzte Danglars die Achseln zuckend, dem liegt gerade etwas daran!

Er ist doch der Verlobte Ihrer Tochter?

Das heißt, Herr von Morcerf und ich sprachen zuweilen von dieser Heirat, aber Frau von Morcerf und Albert…

Halten Sie diesen für keine gute Partie?

Jedenfalls denke ich, Fräulein Danglars ist so viel wert wie Herr von Morcerf.

Fräulein Danglars' Mitgift wird in der Tat nicht übel sein, daran zweifle ich nicht, besonders wenn der Telegraph keine neuen Torheitenbegeht.

Oh! es handelt sich nicht allein um Mitgift. Aber sagen Sie mir dochbei dieser Gelegenheit, warum haben Sie Morcerf und seine Familie nicht eingeladen?

Ich habe dies getan, doch er entschuldigte sich um einer Reise nach Treport mit Frau von Morcerf, der man die Seeluft angeraten habe.

Ja, ja, sagte Danglars lachend, die muß ihr wohl gutbekommen? — Warum dies? — Weil es die Luft ist, die sie in ihrer Jugend einatmete.

Monte Christo ließ diesen Witz vorübergehen, ohne daß er ihn zubeachten schien.

Aber wenn Albert auch nicht so reich ist, wie Fräulein Danglars, sagte der Graf, so können Sie doch nicht leugnen, daß er einen schönen Namen führt?

Gerade darum würde ich Herrn Andrea Cavalcanti Herrn Albert von Morcerf vorziehen.

Ich denke die Morcerf stehen den Cavalcanti nicht nach, entgegnete Monte Christo.

Die Morcerf!.. Herr Graf, nicht wahr, Sie sind ein Kenner von Wappen?

Ein wenig.

Nun wohl, schauen Sie die Farbe des meinigen an; sie ist haltbarer, als die von Morcerfs Wappen.

Warum dies?

Weil ich, wenn ich auch nichtBaron von Geburtbin, doch wenigstens Danglars heiße, während er nicht Morcerf heißt.

Wie, er heißt nicht Morcerf?

Keineswegs, mich hat man zumBaron gemacht, und somitbin ich es.

Unmöglich.

Hören Sie, lieber Graf, fuhr Danglars fort, Herr von Morcerf ist mein Freund, oder vielmehr meinBekannter seit dreißig Jahren. Wohl! als ich noch ein kleiner Kommis war, war Morcerf ein einfacher Fischer, namens Fernand Mondego.

Wissen Sie das sicher?

Er hat, bei Gott! Fische genug an mich verkauft, daß ich ihn kenne.

Warum würden Sie ihm dann Ihre Tochter geben?

Weil Fernand und Danglarsbeide geadelte, beide reich gewordene etwa gleichwertige Emporkömmlinge sind, abgesehen von gewissen Dingen, die man von ihm gesagt und nie von mir gesehen hat.

Ah! ja, ichbegreife; was Sie hier sprechen, frischt mein Gedächtnis für den Namen Fernand Mondego auf. Ich habe diesen Namen in Griechenland gehört.

In Zusammenhang mit Ali Pascha? — Ganz richtig. — Das ist eben das Geheimnis, und ich gestehe, ich hätte viel darum gegeben, es zu entdecken. — Das wäre nicht schwierig, wenn Sie große Lust dazu hätten. — Wieso? — Ohne Zweifel haben Sie einen Korrespondenten in Janina? — In Janina? Ja! — Gut, so schreiben Sie an ihn und fragen ihn, welche Rolle in der Katastrophe von Ali Tependelini ein Franzose namens Fernand gespielt habe.

Sie haben recht! rief Danglars rasch aufstehend; ich will noch heute schreiben.

Tun Sie dies. Und wenn Sie irgend einebelastende Nachrichtbekommen…

So teile ich sie Ihnen mit.

Sie werden mir ein Vergnügenbereiten.

Danglars eilte aus dem Zimmer und machte gleichsam nur einen Sprung in den Wagen.

Das Kabinett des Staatsanwalts

Lassen wir denBankier in scharfem Trabe seiner Pferde nach Hause fahren und folgen Frau Danglarsbei ihrem Morgenausfluge. Sie war, wie gesagt, um halbzwei Uhr ausgefahren und ließbei der Passage du Pout‑Neuf halten. Sie stieg aus und ging durch die Passage. Ihre Kleidung war sehr einfach, wie es sich für eine Frau von Geschmack geziemt, wenn sie sich morgens auf der Straße zeigt.

In der Rue Génégaut stieg sie in einen Fiaker undbezeichnete als Ziel die Rue de Harlay. Kaum war sie in dem Wagen, als sie aus ihrer Tasche einen sehr dichten schwarzen Schleier zog, den sie an ihrem Strohhutebefestigte; dann setzte sie ihren Hut wieder auf undbemerkte mit Vergnügen, als sie sich in einem kleinen Taschenspiegelbeschaute, daß man von ihr nichts als ihre weiße Haut und die funkelnden Augensterne sehen konnte. Der Fiaker fuhr zum Justizpalast. Hier eilte Frau Danglars zur Treppe, stieg diese leicht hinauf und gelangtebald in den Saal des Pas‑Perdus.

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