Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
«Ihre Sachen sind noch dort. Sie hat nichts mitgenommen», erklärte Poirot.
Japp stieß einen Fluch aus.
«Wann ist sie fortgegangen?»
«Ungefähr um Viertel vor sieben.»
«Und was sagen die Leute im Hotel?»
«Sie regen sich sehr auf. Die Leiterin des Hotels, Mrs Harrison, sieht ganz verzweifelt aus.»
«Warum hat sie keine Anzeige bei der Polizei gemacht?»
«Weil eine Dame, mon cher, wenn sie zufällig einmal eine Nacht ausbleibt – ich gebe zu, dass im vorliegenden Fall die äußere Erscheinung keine solche Vermutung zulässt –, mit Recht erbost wäre, bei ihrer Rückkehr feststellen zu müssen, dass die Polizei benachrichtigt worden ist. Mrs Harrison hatte verschiedene Spitäler angerufen, falls Miss Seale vielleicht ein Unfall zugestoßen wäre. Sie hat sich gerade überlegt, ob sie Anzeige bei der Polizei erstatten sollte, als ich erschien. Mein Auftauchen bildete für sie gewissermaßen die Antwort auf ihr Gebet. Ich habe alles übernommen und mich verpflichtet, die Unterstützung eines besonders diskreten Kriminalbeamten zu gewinnen.»
«Mit dem diskreten Kriminalbeamten meinen Sie vermutlich mich?»
«Sie vermuten richtig.»
Japp stöhnte: «Also gut. Treffen wir uns nach der Leichenschau im Glengowrie Court Hotel.»
Japp brummte, während sie auf Mrs Harrison warteten: «Möchte wissen, aus welchem Grund das Frauenzimmer verschwunden ist?»
«Geben Sie zu, dass es merkwürdig ist?»
Sie hatten keine Zeit, das Gespräch fortzusetzen. Mrs Harrison, die Besitzerin des Glengowrie Court Hotels, kam auf sie zu. Mrs Harrison war redselig und den Tränen nahe. Sie sorgte sich so um Miss Sainsbury Seale. Was konnte ihr nur zugestoßen sein? Rasch ließ sie alle Möglichkeiten des Verhängnisses Revue passieren: Gedächtnisverlust, plötzliche Erkrankung, Blutsturz, Autounglück. Raubüberfall… Endlich hielt sie, nach Atem ringend, inne und murmelte: «So eine nette, gebildete Dame – und sie hat sich bei uns offensichtlich so wohl gefühlt…»
Auf Japps Bitte hin führte sie die beiden Männer in das keusche Schlafzimmer hinauf, das die verschwundene Dame bewohnt hatte. Dort herrschten Ordnung und Sauberkeit. Kleider hingen an der Garderobe, ein Nachtgewand lag zusammengefaltet auf dem Bett, und in einer Ecke standen Miss Sainsbury Seales zwei bescheidene Handkoffer. Unter dem Toilettentisch befand sich eine Reihe von Schuhen: ein Paar praktische Sporthalbschuhe, zwei Paar ziemlich gewagte Kreationen aus Glaceleder, mit hohen Absätzen und Verzierungen, ein Paar Abendschuhe aus glattem schwarzen Satin, so gut wie neu, und ein Paar Pantoffeln. Poirot bemerkte, dass die Abendschuhe eine Nummer kleiner waren als die Straßenschuhe – das ließ entweder auf Hühneraugen oder auf Eitelkeit schließen. Er überlegte, ob Miss Sainsbury Seale wohl Zeit gefunden hatte, vor dem Ausgehen ihre Schuhschnalle wieder anzunähen. Er hoffte es. Nachlässigkeit in der Kleidung störte ihn immer.
Japp war damit beschäftigt, einige Briefe durchzusehen, die er in einer Schublade des Toilettentisches gefunden hatte. Hercule Poirot zog vorsichtig eine Lade der Kommode auf. Sie enthielt lauter Unterwäsche. Er schob die Lade sittsam wieder zu und murmelte, dass Miss Sainsbury Seale anscheinend keine Abneigung dagegen habe, Wolle auf der bloßen Haut zu tragen. Dann öffnete er eine andere Schublade, die Strümpfe enthielt.
«Etwas Besonderes, Poirot?», erkundigte sich Japp.
Poirot hielt ein Paar Strümpfe in die Höhe und sagte niedergeschlagen: «Nummer zehn, billige Glanzseide, Preis vermutlich zwei Shilling elf Pence.»
«Sie brauchen noch nichts für die Testamentseröffnung zu taxieren, alter Freund», lachte Japp. «Hier sind zwei Briefe aus Indien, ein paar Quittungen von Wohltätigkeitsvereinen, keine Rechnungen. Eine höchst schätzenswerte Person, unsere Miss Sainsbury Seale.»
«Hat aber keinen guten Geschmack, was Kleider angeht», murmelte Poirot bedauernd.
«Wahrscheinlich betrachtet sie Kleider als weltlichen Tand.»
Japp war dabei, von einem alten Brief, der zwei Monate zurücklag, den Absender zu notieren.
«Vielleicht wissen die Leute etwas über sie», sagte er. «Wohnen draußen in Hampstead. Der Brief klingt, als ob es ziemlich gute Bekannte wären.»
Es ließ sich im Glengowrie Court Hotel nichts weiter ermitteln, ausgenommen die Feststellung, dass Miss Sainsbury Seale beim Ausgehen in keiner Weise einen erregten oder bekümmerten Eindruck gemacht hatte. Eine baldige Rückkehr lag offensichtlich in ihrer Absicht, denn sie hatte auf dem Weg durch die Halle ihrer neuen Freundin, Mrs Bolitho, zugerufen: «Nach dem Essen werde ich Ihnen die Patience zeigen, von der ich Ihnen erzählt habe!»
Aber sie war nicht zurückgekehrt. Sie war die Cromwell Road hinuntergegangen und verschwunden. Japp und Poirot begaben sich zu den Leuten in West-Hampstead, deren Adresse sie auf dem Brief gefunden hatten.
Es war ein freundliches Haus, und die Familie Adams bestand aus zahlreichen freundlichen Leuten. Jahrelang hatten sie in Indien gelebt, und mit Wärme sprachen sie von Miss Sainsbury Seale. Aber helfen konnten sie nicht.
Sie hatten sie in der letzten Zeit nicht mehr gesehen, einen ganzen Monat nicht, seit sie aus den Osterferien zurückgekommen waren. Damals hatte sie in einem Hotel nahe dem Russell Square gewohnt. Mrs Adams gab Poirot die Adresse dieses Hotels und auch die Adresse einer anderen mit Miss Seale befreundeten angloindischen Familie, die in Streatham wohnte. Aber auch diese beiden Adressen erwiesen sich als Fehlschläge. Miss Sainsbury Seale hatte zwar in dem fraglichen Hotel gewohnt, aber man erinnerte sich dort an nichts, was irgendwie von Wert war. Eine nette, ruhige Dame, die vorher im Ausland gelebt hatte. Auch die Leute in Streatham konnten keine Auskunft geben. Sie hatten Miss Seale seit Februar nicht mehr gesehen.
Blieb noch die Möglichkeit eines Unfalls, aber auch diese löste sich in nichts auf. In keinem Krankenhaus fand sich jemand, der der abgegebenen Beschreibung entsprach.
Miss Seale war spurlos verschwunden.
Am folgenden Morgen ging Poirot ins Holborn Palace Hotel und fragte nach Mr Howard Raikes.
Er wäre kaum überrascht gewesen, hätte man ihm gesagt, dass auch Mr Howard Raikes eines schönen Abends ausgegangen und nicht zurückgekommen sei. Mr Howard Raikes wohnte jedoch noch im Holborn Palace; es hieß, er sei gerade beim Frühstück.
Das Auftauchen Hercule Poirots im Speisesaal schien Mr Raikes nur ein zweifelhaftes Vergnügen zu bereiten. Er sah zwar nicht mehr ganz so mordlustig aus wie in Poirots undeutlichem Erinnerungsbild, machte aber immer noch einen äußerst finsteren Eindruck. Er starrte den ungeladenen Gast an und sagte unliebenswürdig: «Was zum Teufel wollen Sie von mir?»
«Sie gestatten?»
Poirot zog sich einen Stuhl vom Nebentisch heran.
Mr Raikes sagte: «Lassen Sie sich durch mich nicht stören! Nehmen Sie Platz und tun Sie, als ob Sie zu Hause wären!»
Lächelnd machte Poirot von der Erlaubnis Gebrauch.
Ungnädig wiederholte der junge Mann: «Also, was wollen Sie?»
«Erinnern Sie sich an mich, Mr Raikes?»
«Habe Sie in meinem Leben noch nicht gesehen.»
«Da irren Sie sich. Vor drei Tagen haben Sie wenigstens fünf Minuten lang mit mir im gleichen Zimmer gesessen.»
«Ich kann mich nicht an jeden Menschen erinnern, mit dem ich auf irgendeiner verdammten Gesellschaft zusammenkomme.»