Joe unter den Piraten
- Автор: Лондон Джек
- Год: 1959
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Joe unter den Piraten». Краткое содержание книги:
Joe konnte das allerdings nicht wissen. In seinem ganzen bisherigen Leben war noch nie auf ihn geschossen worden und nun in den letzten vierundzwanzig Stunden gleich zweimal! Einmal mehr oder weniger spielte kaum noch eine Rolle. Er pullte daher stetig weiter, während Franzosen-Pete den wilden Mann markierte und ihm alle erdenklichen Strafen androhte, für den Fall, daß er ihm noch einmal in die Finger geriete. Zu allem Überdruß fing jetzt auch Frisco Kid noch an zu meutern.
»Wag es nur, auf Joe zu schießen, und ich sorge dafür, daß sie dich hängen!« drohte er. »Laß ihn abhauen. Er ist ein guter Junge und ganz in Ordnung. Dieses dreckige Leben, das wir beide führen, ist nichts für ihn!« »Du auch noch fangen an?« kreischte der Franzose, außer sich vor Wut. »Verdammte Ratte. Ick knallen dir auck ab!« Er wollte sich auf den Jungen stürzen, aber Frisco Kid war schneller und jagte vor ihm her vom Ruderstand zum Bugspriet und wieder zurück. Da in diesem Augenblick frischer Wind aufkam, gab Franzosen-Pete die Jagd um der größeren willen auf. Er sprang an die Pinne, fierte das Großschot und steuerte die Schaluppe mit günstigem Wind auf Joes Boot zu. Joe setzte zu einem gewaltigen Spurt an, gab dann aber verzweifelt auf und zog die Riemen ein. Franzosen-Pete ließ das Großschot los und drehte bei. Als die Blender an dem still liegenden Boot entlangglitt, zerrte er Joe an Bord.
»Schnauze halten!« flüsterte Frisco Kid Joe zu, während der vor Wut kochende Franzose eilig die Fangleine festzurrte. »Widersprich ihm nicht. Laß ihn alles sagen, was er sagen will, und bleib ruhig. Besser für dich.« Aber Joes angelsächsiches Blut war in Wallung geraten. Er kümmerte sich nicht um den guten Rat. »Passen Sie auf, Herr Franzosen-Pete, oder wie Sie heißen«, begann er, »ich erkläre Ihnen hiermit, daß ich abhauen will und daß ich abhauen werde. Setzen Sie mich also gefälligst an Land. Wenn Sie sich weigern, bring' ich Sie ins Gefängnis - so wahr ich Joe Bronson heiße!« Frisco Kid wartete ängstlich auf die Wirkung. Franzosen-Pete hatte es glatt die Sprache verschlagen. Auf seinem Schiff widersetzte man sich ihm! Ein Junge auch noch, der es wagte! Das hatte es einfach noch nicht gegeben. Franzosen-Pete wußte, daß er gegen das Gesetz verstieß, wenn er Joe festhielt, aber gleichzeitig hatte er Angst, ihn laufen zu lassen. Joe wußte zuviel von der Schaluppe und ihrer Tätigkeit. Er hatte die unangenehme Wahrheit gesprochen, als er behauptete, er könne ihn ins Gefängnis bringen. Franzosen-Pete blieb nichts anderes übrig als zu versuchen, Joe einzuschüchtern.
»Ah, in derr Gefängnis? Ick?« überschlug sich seine Stimme vor Wut. »Dann du kommen mit! Du 'ast die Boot gepullt gestern nackt, oderr nickt? Du 'ast gestohlen der Eisen, oderr nickt? Du desertieren heute - oderr nickt? Und dann du sagen, mir bringen in Gefängnis? Bah!« »Aber ich habe vorher nichts davon gewußt!« protestierte Joe.
»Lala, sährr komisch. Du erzählen das die Ricktärr, die wirrd sick lacken tot, oderr?«
»Ich sage, ich habe es nicht gewußt«, wiederholte Joe tapfer. »Ich wußte nicht, daß ich in eine Bande von Dieben geraten war!«
Das Wort ließ Frisco Kid zusammenzucken. Wenn Joe ihn angesehen hätte, wäre ihm die Röte aufgefallen, die Frisco Kid ins Gesicht stieg.
»Und jetzt, da ich Bescheid weiß«, fuhr Joe fort, »wünsche ich an Land gesetzt zu werden. Ich kenne mich nicht aus mit den Gesetzen, aber ich weiß, was Recht ist und was Unrecht. Wenn ich etwas Unrechtes getan haben sollte -ich habe keine Angst vor dem Richter, nicht vor allen Richtern der Vereinigten Staaten zusammen. Und das ist mehr, als Sie von sich sagen können, Mr. Pete!« »Ah, ßo? Särr gut, särr gut! Du bist ein Dieb selber!« »Ich bin kein Dieb! Wagen Sie es nicht, mich noch einmal einen Dieb zu nennen!« Joes Gesicht war blaß, und er bebte - aber nicht vor Furcht.
»Dieb!« wiederholte der Franzose herausfordernd. »Sie lügen!«
Joe war nicht umsonst unter richtigen Jungen aufgewachsen. Sehr genau kannte er die Strafe für die Worte, die er eben gesprochen hatte, und er wartete nun auf diese Strafe. Daher war er nicht sonderlich überrascht, als er sich eine Sekunde später vom Boden des Ruderstandes aufsammelte. Aber sein Kopf brummte von dem harten Schlag, der zwischen seinen Augen gelandet war.
»Das sagen noch einmal!« drohte Franzosen-Pete, die Faust zu neuem Schlag erhoben.
Joe schössen vor Zorn die Tränen in die Augen, aber er war beherrscht und sagte mit tödlichem Ernst: »Wenn Sie behaupten, ich sei ein Dieb, Pete, dann lügen Sie. Sie können mich totschlagen. Ich werde trotzdem sagen: Sie lügen!« »Weg du!«
Einer Katze gleich war Frisco Kid zwischen die beiden gesprungen und hatte einen zweiten Hieb verhindert. Er trieb den Franzosen rückwärts quer durch den Ruderstand. »Laß den Jungen in Ruhe!« schrie Frisco Kid, und mit plötzlichem Entschluß hakte er die schwere eiserne Ruderpinne aus und stellte sich mit ihr als Waffe zwischen Joe und Franzosen-Pete.
»Jetzt ist endlich Schluß! Du Idiot, kannst du nicht sehen, aus welchem Holz der Junge geschnitzt ist? Der sagt die Wahrheit. Er hat recht, und er weiß, daß er recht hat. Du könntest ihn totschlagen, und er würde immer noch nicht nachgeben. - Nimm meine Hand, Joe!« Er drehte sich um und hielt Joe die Hand hin, die dieser herzhaft drückte. »Du hast verdammt Mut und keine Angst, es ihm zu zeigen !«
Franzosen-Petes Mund verzog sich zu einem matten Lächeln, aber das böse Funkeln seiner Augen strafte dieses Lächeln Lügen. Achselzuckend sagte er: »So, so! Er nischt libben, wenn ick ihn gebe Kosenamen! Ha, ha! Ist doch nur ein Spiel bei Seeleute. Wollen wir - wie sackt ihr -verßei'en und vergessen? Särr gut! Verßei'en und vergessen!« Er streckte die Hand aus, aber Joe nahm sie nicht. Frisco Kid nickte beifällig, und Franzosen-Pete verschwand, immer noch lächelnd und die Achseln zuckend, in der Kajüte.
»Fier das Großschot!« schrie er von dort. »Und halt auf Hunters Point ßu! 'eut will ick kocken den Essen, und ihrr dann saggen, Essen war gutt, sährr gut! Ah! Franzosen-Pete ist eine ganß große Kock!«
»So macht er's immer. Schmilzt weg und kocht selber, wenn er was gutmachen will«, erklärte Frisco Kid, während er die Ruderpinne wieder in den Ruderkopf steckte und dem Befehl des Kapitäns nachkam. »Aber selbst dann kann man ihm nicht trauen!«
Joe nickte mit dem Kopf, sagte aber nichts. Ihm war nicht nach einer Unterhaltung zumute. Noch immer zitterte er vor Erregung, und tief in seinem Innern prüfte er sein Verhalten in den letzten Minuten. Er fand nichts, dessen er sich hätte schämen müssen.
XIII.
FREUNDE IN DER NOT
Die Nachmittagsbrise frischte auf und tobte nun vom Pazifik heran. Rasch verschwand die Engelsinsel nach achtern. Die Blender pflügte am Hafen von San Franzisko vorbei. Bald waren sie mitten im dichtesten Verkehr und schlängelten sich zwischen Schiffen hindurch, die von allen Enden der Welt kamen. Etwas später kreuzten sie den Weg der Fährdampfer, die voll besetzt zwischen San Franzisko und Oakland hin und her fuhren. Einer kam so dicht heran, daß die Fahrgäste sich an die Reling drängten, um die wackere kleine Schaluppe mit den zwei Jungen am Ruder zu bewundern. Joe blickte neidisch zu der Reihe abwärts gewandter Gesichter auf. Die da oben fuhren jetzt alle nach Hause, während er dem Willen Franzosen-Petes ausgeliefert war und nicht einmal wußte, wohin es ging. Fast war er versucht, um Hilfe zu schreien. Aber dann kam es ihm selber dumm vor, und er schwieg. Er wandte sich um und ließ seinen Blick über die rauchigen Hügel der Stadt schweifen, und seine Gedanken bewegten sich um das seltsame Schicksal von Menschen und Schiff auf hoher See. Frisco Kid beobachtete ihn aus den Augenwinkeln und folgte Joes Gedankengänge so genau, als ob er laut gedacht hätte.