Joe unter den Piraten
- Автор: Лондон Джек
- Год: 1959
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Joe unter den Piraten». Краткое содержание книги:
Die beiden Jungen packten die Leine und hievten den Kratzer an Bord. Das Netz war mit Schlamm und Schleim und kleinen Austern gefüllt, und ein paar größere waren auch darunter. Den ganzen Matsch entleerten sie auf das Deck und durchsuchten ihn, während der Rahmen von neuem die Bank abharkte. Sie warfen die großen Austern in den Ruderstand und schaufelten den Rest über Bord. An Ausruhen war nicht zu denken. Schon mußte das andere Netz entleert werden. Und nachdem sie das erledigt und die Austern verlesen hatten, ließ Franzosen-Pete beide Rahmen einziehen, damit er die Blender über den Stag wenden konnte.
Die ganze Flotte baggerte nun auf ähnliche Art auf und ab. Manchmal kam eins der Boote ziemlich nahe heran. Dann grüßten sie hinüber, wechselten ein paar Worte miteinander oder riefen sich derbe Witze zu. Aber gleich mußten sie wieder hart anpacken. Schon nach einer Stunde tat Joe der Rücken weh von der ungewohnten Anstrengung, und da er noch sehr ungeschickt mit den Austern umging, schnitt er sich die Finger an ihren scharfrandigen Schalen blutig. »Ricktig«, sagte Franzosen-Pete trotzdem. anerkennend. »Du lernen schnähl. Särr bald du bist särr gut!« Joe verzog sein Gesicht zu einem kläglichen Lächeln. Wenn doch nur bald Mittag wäre, wünschte er im stillen. Hin und wieder, wenn ein Netz nur geringe Beute hergab, konnten die beiden Jungen einen Augenblick Luft schöpfen und sich unterhalten.
»Das ist die Spargelinsel!« sagte Frisco Kid und zeigte zum Ufer hinüber. »Den Namen haben ihr die Fischer und Küstenfahrer gegeben. Die Einwohner selber nennen die Insel Bay Farm.« Er zeigte weiter nach rechts. »Und in dieser Richtung liegt San Leandro. Sehen kannst du es nicht -aber es ist da!«
»Bist du schon mal da gewesen?« fragte Joe. Frisco Kid nickte. Gleichzeitig gab er Joe zu verstehen, daß er ihm beim Einholen des Steuerbordnetzes helfen möge.
»Hier die Austernbänke werden die wilden Bänke< genannt«, begann Frisco Kid dann von neuem.. »Sie gehören niemand. Darum kommen die Austernräuber hierher und tun so, als ob sie die Bänke ausbeuteten.« »Warum >tun sie so<? Wie soll ich das verstehen?« »Weil sie Räuber sind - darum. Und weil viel mehr dabei 'rauskommt, wenn man die privaten Bänke plündert.«
Mit einer weitausholenden Bewegung zeigte er nach Osten und Südosten. »Die privaten Austernbänke liegen dort drüben. Wenn wir keinen Sturm kriegen, fällt die ganze Flotte heute Nacht über sie her.« »Und wenn es Sturm gibt?« fragte Joe.
»Dann plündern wir sie nicht, und Pete kriegt die Wut. Er kriegt immer die Wut, wenn das Wetter ihm quer kommt. Sieht nicht so aus, als ob es abflauen würde, und bei Südwest ist das hier eine ganz üble Ecke. Vielleicht versucht Pete auszuhalten. Aber es ist schon besser, wir hauen ab, bevor es richtig losgeht.«
Eine Weile sah es so aus, als ob das Wetter besser werden wollte. Der steife Südwestwind ließ merklich nach, und als sie um die Mittagszeit zum Essen Anker warfen, brach die Sonne sogar hin und wieder durch die Wolkendecke. »Sieht ja ganz hübsch aus«, unkte Frisco Kid. »Aber ich bin schließlich nicht umsonst so lange in der Bucht gefahren. Die macht sich jetzt fertig, um uns ganz gewaltig eins auszuwischen!«
»Mack sein, du hast reckt, Kid«, pflichtete Franzosen-Pete ihm bei. »Aber die Blender bleiben hier - trotzdem. Letzte Mal er mackten weck - und was war? 'errliche Wetter war in die Nackt, 'eute er mackt nickt weck, klar. Särr gut!«
XV.
AUF GEFÄHRLICHEM ANKERGRUND
Den ganzen Nachmittag stampfte und rollte die Blender auf seinem Ankerplatz, und gegen Abend flaute der Wind trügerisch ab. Dadurch und durch Franzosen-Petes Beispiel ermutigt, beschlossen auch die anderen Austernboote, die Nacht durchzuhalten. Sie prüften jedoch alle sorgfältig ihre Vertäuung und warfen noch zusätzliche Anker aus. Franzosen-Pete schickte die beiden Jungen in das Beiboot. In ständiger Gefahr, umzuschlagen und abzusacken, ruderten sie mit dem zweiten Anker hinaus und ließen ihn im rechten Winkel zu dem ersten fallen. Darauf ließ Franzosen-Pete eine Menge Kette und Tau nachfieren. Die Blender trieb etwa fünfhundert Fuß zurück und lag nun ruhiger als vorher.
Aus dem sicheren Ruderstand blickte Joe auf die wildbewegte See. Die Austernbänke lagen völlig ungeschützt draußen in der offenen Bucht, und der Wind, der gute zwölf Meilen ungehindert über das Wasser hinfegte, peitschte die See so gewaltig auf, daß es aussah, als müßten die heftig schlingernden Schaluppen ihre Masten jeden Augenblick über Bord rollen. Kurz vor Einbruch der Dämmerung tauchte plötzlich ein Fetzen Segel in Luv auf, wurde größer und größer, bis es sich schließlich als das mächtige Großsegel der Rentier entpuppte. Franzosen-Pete kam aus der Kajüte gestürzt, um genauer zu sehen. »Der verrickte 'und!« rief er. »Eines Tages er wird - sicker bestimmt er wird so 'rangehen, und wuff! weck ist er - einfach weck: Wuff! Nix mehr Nelson, nix mehr Rentier, nix mehr nix!« Joe sah Frisco Kid fragend an.
»Es ist wahr«, antwortete der. »Nelson sollte sein Großsegel wenigstens um eins zurückstecken, zwei Reffs wäre noch besser. Aber da geht er hin, hat jeden Fetzen gesetzt, als wenn der Satan hinter ihm her wäre! Er geht zu scharf 'ran, und er ist leichtsinnig und rücksichtslos, wenn er es überhaupt nicht nötig hat. Ich bin mit ihm gefahren. Ich kenne ihn!«
Wie ein gewaltiger Vogel schoß die Rentier auf dem schäumenden Kamm einer Woge geradewegs auf sie zu. »Keine Angst«, rief Frisco Kid. »Der probiert nur mal aus, wie dicht er an uns herankommen kann, ohne mit uns zusammenzuknallen!«
Joe nickte und verfolgte mit weitaufgerissenen Augen das aufregende Schauspiel. Die Rentier sprang in die Luft und stieß seine Nase so hoch zum Himmel, daß man den ganzen gischtumwirbelten Bug sehen konnte. Dann tauchte er abwärts, bis das Vorderdeck mit Schaum völlig bedeckt war, und in schwindelerregender Fahrt sauste er so nahe an ihnen vorbei, daß der Großbaum die Takelung der Blender nur um knapp einen Fuß verpaßte. Nelson winkte ihnen von der Ruderpinne zu, als sie vorbeizischte. Er lachte Franzosen-Pete, der sich über den gefährlichen Scherz ärgerte, mitten ins Gesicht. In Lee angekommen, wendete das herrliche Schiff durch den Wind, rollte dabei einmal so stark, daß sein brauner Rumpf bis zum Mittelschwert zu sehen war, und die auf der Blender schon glaubten, es sei gekentert. Es richtete sich jedoch wieder auf und schoß wie besessen weiter. Schließlich lag es an Steuerbord mit der Blender auf einer Höhe. Sie sahen den Klüver mit einem Ruck herunterfallen und einen Anker über Bord fliegen, als die Rentier an den Wind ging. Und als er dann abfiel, sahen sie einen zweiten Anker über die Seite gehen und weit von dem andern entfernt versacken. Noch ehe die beiden Ankertaue sich gestrafft hatten, war das Großsegel eingeholt, festgemacht und beschlagen.