Joe unter den Piraten
- Автор: Лондон Джек
- Год: 1959
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Joe unter den Piraten». Краткое содержание книги:
Joe ließ das Schwert tiefer und kam dann zurück. Frisco Kid stellte ihn an das Klüverschot.
»Hart Lee!« schrie Frisco Kid. Er warf die Pinne herum, indem er sich mit seinem ganzen Körpergewicht dagegen stemmte. »Loslassen! Prima! Und jetzt 'ran ans Großsegel!« Griff um Griff gingen sie gemeinsam das gereffte Großsegel an. Joe begann es warm zu werden bei der Arbeit. Wie ein Rennpferd warf sich die Blender auf der Hinterhand herum und ging mit knatternden Segeln an den Wind. Die Schote prasselten wie ein Hagelschauer. »Hol das Klüverschot ein!«
Joe führte das Kommando aus. Das Großsegel fing wieder den Wind und zwang das Boot in die Gegenrichtung. Durch dieses Manöver kam Franzosen-Petes Koje von Lee nach Luv. Er rollte auf den Kajütenboden und blieb mit seinem besoffenen Kopf halb bewußtlos liegen. Frisco Kid, der mit dem Rücken gegen die Pinne die Schaluppe auf ihrem Kurs zu halten versuchte, betrachtete ihn angeekelt. »Der Hund!« knurrte er. »Wir könnten hier absaufen. Ihm war' alles egal!«
Zweimal wendeten sie und versuchten, dieselbe Strecke zurückzusegeln. Dann entdeckte Joe das Beiboot, das an der Windseite in der sternklaren Nacht auf und ab tanzte. »Wir haben Zeit - Zeit genug!« stellte Frisco Kid fest. Er brachte die Blender an den Wind und verminderte allmählich die Fahrt. »Jetzt!«
Joe lehnte sich über Bord, griff nach der Fangleine und machte sie an der Beting fest. Dann wendeten sie noch einmal und gingen wieder auf ihren alten Kurs. Joe schämte sich immer noch, weil sie seinetwegen so viel Umstände machen mußten. Aber Frisco Kid beruhigte ihn. »Macht überhaupt nichts«, sagte er. »So was passiert jedem, der anfängt. Später vergessen die meisten ihre eigenen Dummheiten und regen sich auf, wenn ein Neuer einen Fehler macht. Ich reg' mich nie auf, weil ich mich eben erinnere, wie das war, als ich . . .«
Und dann erzählte er Joe von all dem Pech, das ihm widerfuhr, damals, als er ganz jung zur See ging. Und er erzählte auch von den harten Strafen, die er für sein Pech über sich ergehen lassen mußte. Er hatte einen Schlag einer Talje um den Hals der Ruderpinne geschlungen, und während sie sich unterhielten, saßen sie eng beieinander im schützenden Ruderstand.
»Was ist das da drüben?« fragte Joe, als sie an einem Leuchtturm vorbeisegelten, der von einem Vorgebirge zu ihnen herüberblinkte.
»Die Ziegeninsel. Auf der anderen Seite ist eine Übungsstation für Schiffsjungen und daneben ein Torpedobunker. Außerdem kann man da verdammt gut fischen, Kabeljau. Wir fahren in Lee vorbei, steuern dann quer hinüber und gehen im Schutz der Engelsinsel vor Anker. Auf der Engelsinsel ist eine Quarantäne-Station. Wenn Franzosen-Pete wieder nüchtern ist, werden wir erfahren, wohin er will. Hau dich jetzt in die Koje und schlaf. Ich komm' schon zurecht.«
Joe schüttelte den Kopf. Alles war viel zu aufregend für ihn, als daß er nun Lust zum Schlafen verspürt hätte. Er wollte nicht an Schlafen denken, solange die Blender tanzte und sprang und mit seinem Bug das tosende Meer in Wolken von Gischt zerschlug. Sein Zeug war schon wieder halb trocken, und es machte ihm Spaß, an Deck zu bleiben. Die Lichter von Oakland waren immer winziger geworden, bis man nur noch ihren blassen Widerschein am Himmel wahrnahm. Aber im Süden kletterten die Lichter von San Franzisko Meile um Meile bergauf und bergab. Von dem großen Fährgebäude ausgehend mit Telegraph-Hill als weiterem Orientierungspunkt konnte Joe bald alle wichtigen Bauten der Stadt erkennen. Irgendwo dort drüben, in dem Gewirr von Licht und Schatten, lag das Haus seines Vaters. Vielleicht dachten sie nun gerade an ihn, sorgten sich um ihn. Und Bessie schlief dort drüben in ihrem warmen Bett, und morgen früh würde sie aufstehen und sich darüber wundern, daß ihr Bruder Joe nicht zum Frühstück erschien.
Ihn fror. Es war schon fast Morgen. Langsam sank sein Kopf gegen Frisco Kids Schulter, und er schlief fest ein.
XI.
KAPITÄN UND MANNSCHAFT
»He, Joe, aufwachen! Wir werfen Anker!« Joe fuhr hoch, verwirrt über die seltsame Umgebung. Der Schlaf hatte all seinen Kummer verbannt. Er hatte vergessen, wo er war. Nun fiel es ihm plötzlich wieder ein. Der Wind war gegen Morgen abgeflaut. Die Dünung ging immer noch hoch, aber die Blender kroch in den Schutz einer Felseninsel. Der Himmel war klar, und die Luft hatte die lebhafte Frische des frühen Morgens. Das gekräuselte Wasser lachte im Schein der Sonne, die sich soeben über den östlichen Horizont schob. Südlich von ihnen lag die Insel Alcatraz. Von ihren kanonenbestückten Klippen grüßte Trompetengeschmetter den Tag. Im Westen gähnte die Golden Gate zwischen dem Pazifik und der Bucht von San Franzisko. Mit vollen Segeln glitt eine Brigg auf der steigenden Flut langsam in den Hafen.
Ein herrlicher Anblick. Joe rieb sich den Schlaf aus den Augen und war ganz in Schauen verloren. Dann jedoch schickte Frisco Kid ihn nach vorne, wo er alles zum Ankern fertigmachen sollte.
»Leg fünfzig Faden Kette hin«, befahl Frisco Kid. »Und dann halt dich klar.« Er drückte die Schaluppe sanft an den Wind und machte gleichzeitig das Klüverschot los. »Laß das Klüverfall laufen!« rief er. »Und nun einholen!« Joe hatte das Manöver am Abend vorher beobachtet und konnte es daher mit Erfolg durchführen. »Jetzt 'rüber mit dem Schlammhaken! Aufpassen! Schneller!«
Die Ankerkette flog mit verblüffender Geschwindigkeit hinaus, und die Blender kam fest.
Frisco Kid ging nach vorne, um Joe zu helfen. Gemeinsam brachten sie das Großsegel ein, rollten es sauber auf, verschnürten alles mit den Segelleinen und steckten den Stieper unter den Großbaum.
»Da ist ein Eimer!« sagte Frisco Kid. »Schrubb das Deck! Keine Angst vorm Wasser haben, und vor dem Dreck schon gar nicht! Nimm den Besen. Gib ihm was zu tun. Glänzen muß alles! Wenn du so weit bist, kannst du das Wasser aus dem Beiboot schöpfen. Ganz schön was 'reingeschwappt in der Nacht. Ich geh' und mach' Frühstück.« Bald schoß das Wasser lustig übers Deck, und der Rauch, der vom Herd in der Kajüte aufstieg, verhieß köstliche Dinge. Immer wieder sah Joe von seiner Arbeit auf und ließ seinen Blick umherwandern. Jeder Junge wäre begeistert gewesen, und Joe war keine Ausnahme. Die abenteuerliche Romantik des Ganzen rührte ihn an, und sein Glück wäre vollkommen gewesen, hätte er nur vergessen können, wer und was seine Gefährten waren. Der Gedanke an Franzosen-Pete, der in dumpfem Schlaf in seiner Koje lag, zerstörte die Schönheit des Tages. Die Situation war für Joe neu. Die harte Wirklichkeit des Lebens erschreckte ihn. Aber sie verdarb ihn nicht, wie es bei einer schwächeren Natur leicht hätte geschehen können, sondern bestärkte ihn nur noch mehr in seinem Wunsch, sauber und stark zu sein und nichts zu tun, um dessentwillen er sich selber schämen müßte. Er blickte sich um und seufzte. Warum konnten nicht alle Männer anständig und aufrichtig sein? Es tat ihm furchtbar leid, daß er nun all dies wieder verlassen mußte. Aber die Ereignisse der vergangenen Nacht lasteten schwer auf ihm. Er mußte fort von hier, wenn er sich selber treu bleiben wollte.
Aus diesen Überlegungen heraus wurde Joe zum Frühstück gerufen. Er stellte fest, daß Frisco Kid nicht nur ein guter Seemann, sondern ein ebenso guter Koch war, und er beeilte sich, den aufgetischten Genüssen gerecht zu werden. Es gab Maisbrei in kondensierter Milch, Beefsteak mit Bratkartoffeln und dazu schneeweißes Brot, Butter und Kaffee. Franzosen-Pete setzte sich nicht zu ihnen, obwohl Frisco Kid mehrere Male versuchte, ihn wachzurütteln. Er brummte und grunzte, glotzte sie aus verquollenen Triefaugen schief an und schnarchte sofort weiter. »Man weiß nie im voraus, wann er wieder so'n Anfall kriegt«, erklärte Frisco Kid, als Joe, nachdem er das Geschirr abgewaschen hatte, an Deck kam. »Manchmal rührt er einen ganzen Monat lang keine Flasche an, und manchmal ist er nicht mal 'ne Woche an einem Stück nüchtern. Manchmal ist er gutmütig, manchmal ist er gefährlich. Am besten also, man läßt ihn in Ruhe und geht ihm aus dem Weg. Und daß du ihn ja nicht ärgerst! Dann kannst du dich auf was gefaßt machen. - Komm, wir gehen schwimmen«, wechselte er plötzlich zu einem angenehmeren Thema über. »Kannst du schwimmen?« - Joe nickte. »Was ist das da drüben?« fragte er, als er sich zum Absprung fertigmachte, und zeigte auf einen eingezäunten Strand auf der Insel, hinter dem mehrere Gebäude und eine große Anzahl von Zelten zu sehen waren.