Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er wusste, dass sie ihn nicht unbedingt brauchte – nicht zum Heu machen, zum Pflügen oder zur Jagd. Wenn nötig, konnte sie das alles selbst – oder sie konnte sich jemand anderen dafür suchen. Und doch … die Wildgänse sagten ihm, dass sie ihn brauchte – dass sie seinen Verlust betrauern würde, wenn es dazu kam. Vielleicht für immer. In seiner augenblicklichen, verletzlichen Stimmung war dieses Wissen ein großes Geschenk für ihn.
»Gänse«, sagte er schließlich mit halb erstickter Stimme in ihr Ohr. »Unsere Nachbarn hatten Gänse, als ich ein kleiner Junge war. Fette, weiße Biester. Wenn wir auf der Straße spielten, kamen sie schnatternd angefegt und haben mit den Schnäbeln nach uns gehackt und uns mit ihren Flügeln geschlagen. Wenn ich in den Garten gehen wollte, um mit meinen Kumpeln zu spielen, musste Mrs. Graham mitkommen und die Viecher mit dem Besen auf ihr eigenes Grundstück treiben. Dann ist eines Morgens der Milchmann gekommen, als die Gänse im Vorgarten waren. Sie sind auf ihn losgegangen, und er ist zu seinem Wagen gerannt – und sein Pferd war von dem ganzen Geschnatter und Geschrei so erschrocken, dass es zwei von den Gänsen platt getrampelt hat wie Pfannkuchen. Sämtliche Kinder auf der Straße waren begeistert.«
Sie lachte an seiner Schulter, halb schockiert, aber belustigt.
»Und was ist dann passiert?«
»Mrs. Graham hat sie an sich genommen und gerupft, und wir haben eine Woche lang Gänsepastete gegessen«, sagte er ganz nüchtern. Er richtete sich auf und lächelte sie an. Sie war errötet. »Das ist alles, was ich über Gänse weiß – sie sind durchtriebene Biester, aber sie schmecken gut.«
Er drehte sich um und hob sein schmutzverkrustetes Hemd vom Boden auf.
»Also. Lass mich deinem Vater auf dem Hof helfen, und dann möchte ich sehen, wie du meinem Sohn das Krabbeln beigebracht hast.«
Kapitel 34
Zaubermittel
Ich berührte die glänzende, weiße Oberfläche mit dem Zeigefinger, dann rieb ich ihn zufrieden gegen meinen Daumen.
»Es gibt doch wirklich nichts Fettigeres als Gänseschmalz«, sagte ich beifällig. Ich wischte mir die Finger an meiner Schürze ab und griff nach einem großen Löffel.
»Nichts, was für eine schöne Pastetenkruste besser wäre«, pflichtete Mrs. Bug mir bei. Sie stand auf den Zehenspitzen und beobachtete eifersüchtig, wie ich das weiche, weiße Fett aufteilte und es aus dem Kochtopf in zwei große Steingutgefäße schöpfte; eins für die Küche, eins für mein Sprechzimmer.
»Zu Hogmanay gibt es eine schöne Wildpastete«, sagte sie und kniff bei dieser Vorstellung die Augen zusammen. »Danach Haggis, Cullen Skink und Maiskuchen und als Süßspeise Rosinenkuchen mit Marmelade und Sahne!«
»Wundervoll!«, murmelte ich. Meine eigenen, konkreten Pläne bezüglich des Gänseschmalzes umfassten eine Salbe mit Sarsaparille und Bittersüß für Verbrennungen und Abschürfungen, einen Mentholbalsam für verstopfte Nasen und verschleimte Lungen und etwas angenehm Duftendes zur Linderung von Windelausschlägen – vielleicht Lavendelessenz und Balsamine.
Ich spähte zu Boden, um nach Jemmy zu sehen; er hatte zwar erst vor ein paar Tagen das Krabbeln gelernt, brachte es aber schon auf erstaunliche Geschwindigkeiten, vor allem, wenn gerade niemand hinsah. Doch er saß ganz friedlich in der Ecke und kaute konzentriert auf dem Holzpferd herum, das Jamie ihm zu Weihnachten geschnitzt hatte.
Obwohl so viele von ihnen Katholiken waren – und obwohl sie alle theoretisch Christen waren –, betrachteten die Highlandschotten Weihnachten in erster Linie als religiösen Brauch, nicht aber als Grund zum Feiern. Da es keinen Priester oder Pastor gab, verbrachten sie den Tag ähnlich wie einen Sonntag, wenn auch mit einem Festmahl aus besonderem Anlass und einer kleinen Bescherung. Mein Geschenk von Jamie war der hölzerne Schöpflöffel gewesen, den ich gerade benutzte – er hatte ein Pfefferminzblatt in den Griff geschnitzt. Ich hatte ihm ein neues Hemd mit einem Rüschenkragen für feierliche Anlässe geschenkt, da sein altes an den Nähten ziemlich morsch geworden war.
In weiser Voraussicht hatten Mrs. Bug, Brianna, Marsali, Lizzie und ich eine enorme Menge Melassetoffee hergestellt, das wir als Weihnachtsüberraschung an alle Kinder in Hörweite verteilt hatten. Ganz gleich, was die Bonbons ihren Zähnen antun würden, sie hatten die wohltuende Wirkung, ihnen dauerhaft die Münder zuzukleben, und demzufolge hatten die Erwachsenen ein friedliches Weihnachtsfest genossen. Selbst von Germain war nur noch ein melodisches Gurgeln zu hören gewesen.
Hogmanay, der letzte Abend des Jahres, war jedoch etwas ganz anderes. Gott weiß, aus welchen Wurzeln heidnischer Extase die schottische Neujahrsfeier entsprungen war, aber es hatte schon seinen Grund, warum ich so darauf aus war, im Voraus eine ganze Reihe medizinischer Vorbereitungen zu treffen – denselben Grund, aus dem Jamie gerade oben bei der Whiskyquelle war und überprüfte, welche Fässer hinreichend gereift waren, um niemanden zu vergiften.
Als das Gänseschmalz abgefüllt war, war noch ein ordentlicher Rest dunkler Brühe am Boden des Kessels über, in der knusprige Hautstückchen und Fleischfasern herumwirbelten. Ich sah, wie Mrs. Bug sie beäugte, während ihr Visionen einer Bratensoße durchs Hirn tanzten.
»Die Hälfte«, sagte ich streng und griff nach einer großen Flasche.
Sie legte keinen Widerspruch ein, sondern zuckte nur mit ihren rundlichen Schultern und lehnte sich resigniert auf ihrem Stuhl zurück.
»Aber was habt Ihr denn damit vor?«, fragte sie neugierig und sah zu, wie ich ein Stück Musselin über den Flaschenhals spannte, um die Brühe abzuseihen. »Schmalz, aye, wirkt Wunder in allen Salben. Und Brühe ist gut bei Grippe oder Bauchgrimmen, kein Zweifel – aber sie hält sich doch nicht.« Sie zog eine ihrer angedeuteten Augenbrauen hoch, um mich zu warnen, falls ich das tatsächlich nicht gewusst hatte. »Wenn Ihr sie länger als ein oder zwei Tage stehen lasst, fängt sie an zu schimmeln.«
»Nun, das will ich auch hoffen«, sagte ich zu ihr und goss einen Löffel Brühe auf das Musselinstück. »Ich habe gerade eine besonders gute Partie auf Brot angesetzt, und ich möchte gern sehen, ob es auch auf dieser Brühe wächst.«
Ich konnte sehen, wie ihr eine ganze Reihe von Fragen und Antworten durch den Kopf schossen, die alle auf ihrer wachsenden Furcht basierten, dass meine Manie für verdorbenes Essen überhandnehmen könnte und bald die gesamte Produktion der Küche mit Beschlag belegen würde. Ihr von Argwohn verfinsterter Blick huschte zu unserer Kuchendose hinüber, dann zurück zu mir.
Ich wandte den Kopf ab, um insgeheim zu lächeln, und stellte fest, dass Adso, der Kater, auf den Hinterbeinen auf der Bank stand, die Vordertatzen auf der Tischplatte verankert, während seine großen, grünen Augen fasziniert den Bewegungen der Schöpfkelle folgten.
»Oh, möchtest du auch etwas?« Ich holte eine Untertasse aus dem Regal und füllte sie mit einer dunklen Pfütze aus Brühe mit köstlichen Gänsefleischfetzen und schwimmenden Fettaugen.
»Das ist von meiner Hälfte«, versicherte ich Mrs. Bug, aber sie schüttelte heftig den Kopf.
»Das kommt gar nicht in Frage, Mrs. Fraser«, sagte sie. »Der kleine Prachtkerl hier hat in den letzten zwei Tagen sechs Mäuse gefangen.« Sie strahlte Adso voller Zuneigung an. Der Kater war auf den Boden gesprungen und schleckte seine Brühe, so schnell sich seine kleine, rosafarbene Zunge bewegen konnte. »Was immer er von meinem Herd möchte, hat er sich verdient.«
»Oh, hat er das? Wunderbar. Dann kann er ja in mein Sprechzimmer kommen und da sein Glück mit den Mäusen versuchen.« Wir beherbergten im Augenblick eine ganze Mäuseplage; vom schlechten Wetter ins Haus getrieben, flitzten sie nach Anbruch der Dunkelheit an den Fußleisten entlang, und selbst am helllichten Tage schossen sie plötzlich über den Boden oder hüpften aus geöffneten Schranktüren, so dass die Hausbewohner schier einen Herzinfarkt bekamen und das Geschirr fallen ließen.