Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Leute redeten immer noch davon, als wir uns kurz vor Mitternacht vor dem First Footing zu heißem Gebäck, Bier und Cidre ins Haus zurückzogen.
Mrs. Bug brachte einen Korb mit Äpfeln zum Vorschein und versammelte alle jungen, unverheirateten Mädchen in einer Ecke der Küche, wo jede – unter großem Gekicher und verstohlenen Blicken in Richtung der jungen Männer – eine Frucht so schälte, dass die Schale in einem Stück blieb. Jedes Mädchen warf seine Schale hinter sich, und dann wirbelte die ganze Gruppe herum und scharte sich um den Streifen, um zu sehen, was für einem Buchstaben er ähnlich sah.
Da Apfelschalenstreifen von Natur aus ziemlich kreisförmig sind, entdeckte man eine ganze Reihe von Cs, Gs und Os – gute Neuigkeiten für Charley Chisholm und den jungen Geordie Sutherland, während man allgemein spekulierte, ob ein »O« wohl »Angus Og« bedeuten konnte, denn Angus Og MacLeod war ein fröhlicher Junge, der sehr beliebt war, während der einzige »Owen« ein älterer Witwer war, der ungefähr einsfünfzig groß war und ein großes Geschwür im Gesicht hatte.
Ich hatte Jemmy nach oben gebracht, um ihn ins Bett zu stecken, und nachdem ich seinen völlig entspannten, schnarchenden Körper in die Wiege gelegt hatte, kam ich genau rechtzeitig wieder nach unten, um zu sehen, wie Lizzie ihre Schale warf.
»C!«, riefen zwei der Guthriemädchen im Chor, die fast mit den Köpfen aneinanderstießen, als sie sich bückten, um die Schale zu betrachten.
»Nein, nein, es ist ein J!«
Nachdem ein Appell an Mrs. Bug als die anwesende Expertin ergangen war, bückte sie sich und beäugte den roten Schalestreifen mit schief gelegtem Kopf wie ein Rotkehlchen bei der Betrachtung eines in Frage kommenden Wurms.
»Das ist allerdings ein J, keine Frage«, urteilte sie und richtete sich auf, und die Gruppe brach in Gekicher aus und drehte sich geschlossen um, um John Lowry anzustarren, einen jungen Farmer aus Woolam’s Mill, der sich völlig verblüfft nach ihnen umsah.
Aus dem Augenwinkel sah ich es rot aufblitzen, und als ich mich umdrehte, sah ich Brianna in der Tür zum Flur stehen. Sie winkte mich herbei, und ich eilte zu ihr.
»Roger ist fertig und könnte losgehen, aber wir konnten das gemahlene Salz nicht finden; es war nicht in der Vorratskammer. Hast du es in deinem Sprechzimmer?«
»Oh! Ja, das habe ich«, sagte ich schuldbewusst. »Ich habe es zum Trocknen von Schlangenwurz benutzt und vergessen, es zurückzustellen.«
Gäste drängten sich auf den Verandas, standen an den Wänden des breiten Flures und kamen aus der Küche geströmt. Alles redete, trank und aß, und ich schlängelte mich vorsichtig hinter Brianna durch das Gedränge auf mein Sprechzimmer zu, tauschte Grüße aus, während ich in meine Richtung geschwenkten Cidrebechern auswich und auf Gebäckkrümel trat.
Das Sprechzimmer selbst war allerdings so gut wie leer; die Leute mieden es lieber – aus Aberglauben, schmerzhafter Erinnerung oder schlichtem Argwohn –, und da ich den Raum dunkel gelassen und kein Feuer angezündet hatte, lud ich sie auch nicht zum Eintreten ein. Auch jetzt brannte nur eine Kerze in dem Zimmer, und es war niemand da außer Roger, der in den Utensilien herumstöberte, die ich auf der Arbeitsfläche liegen gelassen hatte.
Als ich eintrat, blickte er auf und lächelte. Vom Tanzen noch schwach errötet, hatte er seinen Rock wieder angezogen und sich einen Wollschal um den Hals gewickelt; sein Umhang hing neben ihm über dem Stuhl. Der Brauch wollte es so, dass sich als First Foot nach Hogmanay am besten ein hochgewachsener, gut aussehender, dunkelhaariger Mann eignete; einen solchen Mann nach Mitternacht als den ersten Besucher zu begrüßen, der die heimische Schwelle überschritt, brachte dem Haus im kommenden Jahr Glück.
Da Roger ohne Zweifel der größte – und mit Abstand bestaussehendste – dunkelhaarige Mann in Reichweite war, hatte man ihn zum First Foot gewählt, nicht nur für das Herrenhaus, wie die Leute es nannten, sondern auch für die Häuser in der näheren Umgebung. Fergus und Marsali und die anderen, die in der Nähe wohnten, waren bereits nach Hause geeilt, um zur Begrüßung des First Foot bereit zu sein, wenn er kam.
Ein rothaariger Mann dagegen brachte als First Foot fürchterliches Unglück, und man hatte Jamie in sein Studierzimmer verbannt, wo ihn die Lindsaybrüder unter großem Hallo bewachten, denn sie sollten dafür sorgen, dass er bis nach Mitternacht sicher verwahrt blieb. Es gab zwar von hier bis Cross Creek keine einzige Standuhr, aber der alte Mr. Guthrie hatte eine Taschenuhr, die noch älter war als er selbst; dieses Instrument würde uns den mystischen Moment anzeigen, in dem das Jahr dem nächsten Platz machte. Angesichts der Tatsache, dass diese Uhr dazu neigte, stehen zu bleiben, bezweifelte ich, dass dies mehr als eine symbolische Ankündigung sein würde, aber das reichte ja schließlich auch.
»Zehn vor zwölf«, verkündete Brianna, als sie hinter mir in das Sprechzimmer platzte, ihren Umhang ebenfalls über dem Arm. »Ich habe gerade auf Mr. Guthries Uhr nachgesehen.«
»Zeit genug. Kommst du etwa mit?« Roger grinste Brianna an, als er ihren Umhang sah.
»Soll das ein Witz sein? Ich bin schon seit Jahren nicht mehr bis nach Mitternacht von zu Hause weggeblieben.« Sie erwiderte sein Grinsen und schwang sich den Umhang um die Schultern. »Hast du alles?«
»Bis auf das Salz.« Roger wies auf einen Leinenbeutel auf der Arbeitsfläche. Ein First Foot brachte Geschenke mit ins Haus: ein Ei, ein Stückchen Holz, eine Prise Salz – und etwas Whisky, damit sichergestellt war, dass es dem Haushalt im kommenden Jahr nicht am Notwendigsten mangeln würde.
»Gut. Wo habe ich nur – oh, Himmel!« Als ich auf der Suche nach dem Salz die Schranktür aufschlug, sah ich mich einem glühenden Augenpaar gegenüber, das mich aus der Dunkelheit anfunkelte.
»Ach du meine Güte.« Ich legte mir eine Hand auf die Brust, um mein Herz am Herausspringen zu hindern, und winkte mit der anderen schwach in Rogers Richtung, denn bei meinem Ausruf war er aufgesprungen, zu meiner Verteidigung bereit. »Keine Sorge – es ist bloß die Katze.«
Adso war vor der Party geflüchtet und hatte sich die Überreste einer frisch erlegten Maus als Gesellschaft mitgenommen. Er fauchte mich an, da er offensichtlich glaubte, ich wollte ihm diese Delikatesse wegschnappen, aber ich schob ihn energisch beiseite und zog den Beutel mit dem gemahlenen Salz hinter seinem pelzigen Hintern hervor.
Ich schloss die Schranktür wieder und überließ Adso seinem Festmahl, um Roger das Salz zu geben. Er nahm es entgegen und legte den Gegenstand hin, den er in der Hand gehabt hatte.
»Wo hast du denn das alte Weiblein her?«, fragte er und wies mit dem Kinn auf den Gegenstand, während er das Salz in seine Tasche steckte. Ich blickte zur Arbeitsfläche und sah, dass er die kleine, rosafarbene Steinfigur betrachtet hatte, die Mrs. Bug mir gegeben hatte.
»Von Mrs. Bug«, erwiderte ich. »Sie sagt, es ist ein Fruchtbarkeitszauber – und so sieht es auch aus. Dann ist es also sehr alt?« Ich hatte mir das schon gedacht, und Rogers Interesse bestätigte mir meinen Eindruck.
Er nickte, den Blick immer noch auf die Figur gerichtet.
»Sehr alt. Die Stücke, die ich in Museen gesehen habe, werden auf mehrere tausend Jahre geschätzt.« Er zeichnete die kugelförmige Umrisse ehrfürchtig mit dem Zeigefinger nach.
Brianna trat näher, und ohne zu überlegen legte ich ihr die Hand auf den Arm.
»Was denn?«, sagte sie und wandte mir das Gesicht zu, um mich anzulächeln. »Soll ich es nicht anfassen? Funktioniert es denn so gut?«
»Nein, natürlich nicht.«
Ich zog meine Hand fort. Ich lachte zwar, fühlte mich aber sehr verlegen. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass es mir tatsächlich lieber war, wenn sie die Figur nicht berührte, und ich war erleichtert, als sie sich nur über die Arbeitsfläche beugte, um sie zu betrachten, sie aber liegen ließ. Rogers Blick war ebenfalls auf die Figur gerichtet – oder vielmehr sah er Brianna an und hatte seine Augen mit einer seltsamen Intensität auf ihren Hinterkopf gerichtet. Ich konnte mir nahezu vorstellen, dass er sie genauso heftig beschwor, die Figur anzufassen, wie ich sie beschwor, es nicht zu tun.