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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Unten erklang erneut Gelächter, das die Geräusche auf der anderen Straßenseite vorübergehend übertönte. Wo war Jamie? Ich lehnte mich hinaus, und der Wind blähte die Kapuze meines Umhangs auf und blies mir Eis ins Gesicht.

Da war er. Eine hochgewachsene, dunkle Gestalt, die durch den Schnee auf den Unterstand zuging, jedoch langsam, wobei er mit den Füßen das weiße Pulvereis in großen Wolken aufwirbelte. Was … doch dann begriff ich, dass er der Spur der Liebenden folgte und absichtlich darauf herumtrampelte, um die Fährte zu verwischen, die jedem der Jäger unten im Haus ihre Geschichte nur zu deutlich erzählt hätte.

In dem mit Zweigen verkleideten Unterstand klaffte plötzlich ein Loch, als ein Stück aus der Wand herausbrach. Dampfwolken quollen in der Luft auf, und dann kam ein Pferd zum Vorschein, das zwei Reiter trug und sich nach Westen davonmachte, vom Schritt zum Trab und dann zum Galopp angetrieben. Der Schnee war nicht tief; nicht mehr als etwa zehn Zentimeter. Die Pferdehufe hinterließen eine deutliche Spur, die die Straße entlangführte.

Ein durchdringendes Wiehern erhob sich aus dem Unterstand, gefolgt von dem eines weiteren Pferdes. Unter mir erklangen alarmierte Geräusche, Rascheln und Rumpeln, als die Männer sich aus ihren Decken rollten oder nach ihren Waffen hechteten. Jamie war verschwunden.

Ganz plötzlich kamen Pferde aus dem Unterstand gerast, traten die Wand ganz ein und zertrampelten die herabgefallenen Äste. Schnaubend, wiehernd, tretend und schubsend ergossen sie sich über die Straße, ein Chaos aus wehenden Mähnen und rollenden Augen. Dann sprang auch das letzte Pferd aus dem Unterstand und schloss sich der Stampede an. Sein Schweif schlug nach der Gerte, die auf seiner Kruppe landete.

Jamie warf die Gerte weg und verschwand geduckt wieder in dem Unterstand, just als die Tür aufflog und die Szene in blassgoldenes Licht tauchte.

Ich nutzte die Gelegenheit des allgemeinen Aufruhrs, um ungesehen die Treppe hinunterzuhuschen. Alle waren draußen; selbst Mrs. Brown war mitsamt ihrer Nachthaube ins Freie gerauscht und hatte dabei die Bettdecken halb aus dem Bett geschleift. Hiram, der stark nach Bier roch, blökte mich beschwipst schwankend an, als ich an ihm vorbeikam, seine gelben Augen feucht und aufgedunsen von dem durchzechten Abend.

Draußen war die ganze Straße voller halb bekleideter Männer, die hin und her irrten und aufgeregt mit den Armen fuchtelten. Ich erblickte Jamie mitten in der Menge, wo er wild mitgestikulierte. Zwischen den aufgeregten Fragen und Kommentaren fing ich ein paar Satzfetzen auf – »vor Schreck durchgegangen« … »Panther?« … »Gottverdammt!«, und so weiter.

Nach einigem Herumwandern und zusammenhanglosem Diskutieren beschloss man einhellig, dass die Pferde wahrscheinlich von selbst zurückkommen würden. Der Schnee blies in wirbelnden Eisschleiern von den Bäumen, und der Wind steckte seine kalten Finger durch jede Ritze in der Kleidung.

»Würdet ihr in einer solchen Nacht draußen bleiben?«, fragte Roger nicht ganz unbegründet. Da man allgemein der Meinung war, dass kein vernünftiger Mensch das tun würde – und dass Pferde zwar nicht unbedingt vernünftige, aber doch zumindest ganz verständige Kreaturen seien –, begann man wieder in das Haus zurückzuströmen, zitternd und murrend, da jetzt die Hitze der Aufregung nachzulassen begann.

Mit den letzten Nachzüglern wandte sich auch Jamie dem Haus zu und sah mich auf der Veranda stehen. Sein Haar war offen, und das Licht aus der offenen Tür erleuchtete ihn wie eine Fackel. Er fing meinen Blick auf, verdrehte die Augen himmelwärts und zog die Schultern zu einem kaum merklichen Achselzucken hoch. Er hätte sie schließlich sowieso nicht aufhalten können.

Ich legte meine kalten Finger an die Lippen und blies ihm einen kleinen Eiskuss zu.

VIERTER TEIL

Ich höre keine Musik außer dem Klang der Trommeln

Kapitel 33

Weihnachten daheim

Was hättest du denn getan?«, fragte Brianna. Sie drehte sich um – sehr vorsichtig, weil Mr. Wemyss’ Bett so eng war – und parkte ihr Kinn bequem in Rogers Schulterbeuge.

»In welcher Hinsicht?« Zum ersten Mal seit Wochen durch und durch aufgewärmt, zum Bersten mit Mrs. Bugs opulentem Essen gefüllt und endlich im Nirwana einer Stunde unter vier Augen mit seiner Frau angelangt, fühlte sich Roger angenehm schläfrig und abwesend.

»In Bezug auf Isaiah Morton und Alicia Brown?«

Roger gähnte herzhaft und machte es sich noch bequemer, so dass die Matratze aus Maisblättern laut unter ihnen raschelte. Vermutlich hatte das ganze Haus sie vorhin gehört, als sie zugange waren – nicht, dass ihn das gekümmert hätte. Zu Ehren seiner Heimkehr hatte sie sich die Haare gewaschen; es breitete sich in Wellen über seine Brust und schimmerte seidig im sanften Leuchten des Kaminfeuers. Es war erst später Nachmittag, aber die Fensterläden waren geschlossen, und so hatten sie die Illusion, sich in einer kleinen, abgelegenen Höhle zu befinden.

»Ich weiß es nicht. Vermutlich dasselbe wie dein Pa; was sonst? Dein Haar riecht toll.« Er wickelte sich eine Locke um seinen Finger und bewunderte ihren Glanz.

»Danke. Ich habe dieses Zeug benutzt, das Mama macht, mit Walnussöl und Ringelblumen. Aber was ist mit Isaiahs armer Frau in Granite Falls?«

»Was soll mit ihr sein? Jamie konnte Morton doch nicht zwingen, zu ihr zurückzukehren – vorausgesetzt, sie möchte ihn überhaupt haben«, fügte er in aller Logik hinzu. »Und das Mädchen – Alicia – war offensichtlich mehr als willig; dein Vater konnte ihre Flucht mit Morton wohl kaum an die große Glocke hängen, es sei denn, er wollte den Mann tot sehen. Wenn die Browns Morton dort gefunden hätten, hätten sie ihn auf der Stelle umgebracht und seine Haut an ihr Scheunentor genagelt.«

Er sprach im Brustton der Überzeugung, denn er konnte sich noch gut an die Gewehrmündungen erinnern, die ihn in Brownsville empfangen hatten. Er strich ihr das Haar hinter das Ohr und hob seinen Kopf, um sie zwischen die Augenbrauen zu küssen. Seit Tagen hatte er ihn sich schon ausgemalt, diesen glatten, blassen Fleck zwischen den dichten Brauen. Er kam ihm wie eine kleine Oase inmitten ihrer lebendigen, gefährlichen Gesichtszüge vor; ihre blitzenden Augen, ihre messerscharfe Nase waren mehr als nur attraktiv, ganz zu schweigen von ihrer beweglichen Stirn und dem breiten Mund, der seine Meinung ebenso sehr durch seine Form wie durch seine Worte kundtat – allerdings nicht friedvoll. Und nach den letzten drei Wochen war ihm sehr nach Frieden zumute.

Er ließ sich auf das Kissen zurück sinken und zog mit dem Finger den strengen Bogen ihrer Augenbraue nach.

»Ich glaube, das Beste, was er unter den Umständen tun konnte, war, den Jungverliebten ein wenig Luft zu verschaffen, damit sie sich gefahrlos davonmachen konnten«, sagte er. »Mit Erfolg. Am nächsten Morgen war der Schnee schon im Begriff, sich in Schlamm zu verwandeln, und nach all dem Getrampel war nicht mehr zu sagen, ob nicht womöglich ein Bärenregiment durch den Ort marschiert war, geschweige denn, in welche Richtung sie unterwegs waren.«

Er wusste, wovon er sprach; ganz plötzlich war warmes Tauwetter angebrochen, und die Miliz hatte den Heimweg zwar in Hochstimmung angetreten, war aber bis über die Ohren im Schlamm versunken.

Brianna seufzte, und von ihrem Atem bekam er eine angenehme Gänsehaut auf der Brust. Jetzt hob sie den Kopf ein wenig und sah ihn interessiert an.

»Was denn? Habe ich immer noch Dreck irgendwo kleben?« Er hatte sich gewaschen, aber in Eile, denn er war begierig gewesen, etwas zu essen, und noch begieriger, ins Bett zu kommen.

»Nein. Ich mag es einfach, wenn du eine Gänsehaut bekommst. Alle Haare auf deiner Brust stehen zu Berge und deine Brustwarzen auch.« Sie berührte eine der genannten Körperstellen leicht mit dem Fingernagel, und zu ihrer Belustigung raste eine neue Gänsehautwelle über seine Brust. Er bäumte ein wenig den Rücken auf, dann entspannte er sich. Nein, er würde bald nach unten gehen müssen, um sich seinen abendlichen Aufgaben zu widmen; er hatte schon gehört, wie Jamie nach draußen ging.

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