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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Oh«, sagte er und entspannte sich. »Das ist Jacob Schnell. Er ist mit einem Freund aus Salem hier; sie sind mit den Muellers gekommen.«

»Wirklich.« Bis Salem war es eine ordentliche Strecke; fast dreißig Meilen. Ich fragte mich, ob er nur durch das Fest angezogen worden war. Ich sah mich nach Tommy Mueller um, den ich insgeheim als möglichen Partner für Lizzie im Kopf hatte, aber ich sah ihn nirgendwo in der Menge.

»Weißt du irgendetwas über diesen Schnell?«, fragte ich, während ich den Jungen kritisch betrachtete. Er war ein oder zwei Jahre älter als die anderen Jungen, die Lizzie umtänzelten, und ziemlich groß. Sein Gesicht war unauffällig, sah aber freundlich aus; er hatte einen schweren Knochenbau, und seine kräftige Taille ließ jetzt schon eine wohlgenährte Plauze in den mittleren Jahren ahnen.

»Den Jungen selber kenne ich nicht, aber seinem Onkel bin ich einmal begegnet. Es ist eine anständige Familie; ich glaube, sein Vater ist Schuster.« Wir warfen beide automatisch einen Blick auf die Schuhe des jungen Mannes; nicht neu, aber sehr gute Qualität mit großen, quadratischen Zinnschnallen nach deutscher Fasson.

Der junge Schnell schien sich einen Vorsprung erarbeitet zu haben; er stand dicht über Lizzie gebeugt und sagte gerade etwas zu ihr. Sie hatte die Augen fest auf sein Gesicht gerichtet, und ein konzentriertes Stirnrunzeln zerfurchte die Haut zwischen ihren hellen Augenbrauen, während sie versuchte auszumachen, was er zu ihr sagte. Dann bekam sie es heraus, und ihr Gesicht entspannte sich lachend.

»Ich glaube nicht.« Jamie schüttelte den Kopf, während er sie mit leichtem Stirnrunzeln beobachtete. »Seine Leute sind Herrnhuter; sie würden nicht zulassen, dass er eine Katholikin heiratet – und es würde Joseph das Herz brechen, das Mädchen so weit fort zu schicken.«

Lizzies Vater hing sehr an seiner Tochter, und da er sie schon einmal fast verloren hatte, war es unwahrscheinlich, dass er sie an einen Ort verheiraten würde, der so weit entfernt lag, dass er sie erneut aus den Augen verlor. Dennoch, ich war mir sicher, dass Joseph Wemyss fast alles tun würde, um sicher zu stellen, dass seine Tochter glücklich war.

»Es könnte doch sein, dass er mit ihr geht.«

Jamie machte ein trostloses Gesicht bei dieser Vorstellung, gab mir aber mit einem widerstrebenden Kopfnicken Recht.

»Möglich. Ich würde ihn nicht gern verlieren, wenn ich auch annehme, dass Arch Bug vielleicht –«

Mac Dubh!-Rufe unterbrachen ihn.

»Komm schon, Seaumais ruaidh, zeig ihm, wie es geht!«, rief Evan vom anderen Ende der Scheune und fuchtelte gebieterisch mit seinem Bogen.

Es hatte eine Tanzpause gegeben, damit die Musiker wieder zu Atem kommen und etwas trinken konnten, und in der Zwischenzeit hatten sich einige Männer an einem Schwerttanz versucht, denn dazu war nur ein Dudelsack oder eine einzelne Trommel als Begleitung nötig.

Ich hatte kaum darauf geachtet und nur die ermutigenden oder verächtlichen Rufe aus dieser Ecke der Scheune gehört. Anscheinend waren die meisten Anwesenden keine großen Meister in dieser Sportart – der letzte Herr, der sich daran versucht hatte, war über eines der Schwerter gestolpert und auf die Nase gefallen; man half ihm gerade wieder auf die Beine. Er war rot im Gesicht und tauschte lachend scherzhafte Beleidigungen mit seinen Freunden aus, die ihm das Heu und den Staub aus den Kleidern klopften.

»Mac Dubh, Mac Dubh!«, riefen Kenny und Murdo einladend und gestikulierten, aber Jamie winkte lachend ab.

»Nein, das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich …«

»Mac Dubh! Mac Dubh! Mac Dubh!« Kenny schlug unter rhythmischem Gesang sein Bodhran, und die Gruppe der Männer um ihn herum stimmte ein. »Mac Dubh! Mac Dubh! Mac Dubh

Jamie warf mir einen kurzen, hilflos flehenden Blick zu, aber Ronnie Sinclair und Bobby Sutherland steuerten bereits gezielt auf uns zu. Ich trat lachend aus dem Weg, und jeder von ihnen packte Jamie an einem Arm, und seine Proteste gingen in ausgelassenem Gejohle unter, als sie ihn in die Mitte der Tanzfläche schoben.

Applaus und Beifallsrufe erhoben sich, als sie ihn an einer freien Stelle postierten, an der das Stroh so fest in den feuchten Boden gestampft war, dass es eine harte Oberfläche bildete. Als er sah, dass er keine Wahl hatte, richtete Jamie sich auf und strich seinen Kilt gerade. Er fing meinen Blick auf, verdrehte in gespielter Resignation die Augen und begann, sich seines Rockes, seiner Weste und seiner Schuhe zu entledigen, während Ronnie in der Hocke herumhüpfte, um die beiden gekreuzten Breitschwerter zu seinen Füßen zurechtzulegen.

Kenny Lindsay begann, sanft sein Bodhran zu schlagen. Er zögerte zwischen den einzelnen Schlägen, ein Geräusch leiser Spannung. Die Menge murmelte und trat erwartungsvoll auf der Stelle. Nur mit Hemd, Kilt und Strümpfen bekleidet, verbeugte sich Jamie ausladend und drehte sich mit der Sonne, um sich viermal zu verneigen, einmal in jede Himmelsrichtung. Dann stellte er sich aufrecht hin und nahm seinen Platz direkt über den gekreuzten Schwertern ein. Seine Hände hoben sich, und seine Finger wiesen steif in die Höhe.

Neben mir brach Applaus aus, und ich sah, wie Brianna zwei Finger in den Mund steckte und einen ohrenbetäubenden Beifallspfiff losließ – was ihre unmittelbaren Nachbarn sichtlich schockierte.

Ich sah, wie Jamie Brianna mit einem schwachen Lächeln anblickte, und dann fanden seine Augen die meinen wieder. Das Lächeln verharrte auf seinen Lippen, doch es lag etwas anderes in seinem Ausdruck; etwas Bedauerndes. Der Schlag des Bodhrans beschleunigte sich allmählich.

Ein Schwerttanz wurde in den Highlands aus drei Gründen getanzt. Zur Demonstration und Unterhaltung, wie jetzt gerade. Als Wettkampf, wie es die jungen Männer beim gathering taten. Und so, wie man es ursprünglich getan hatte, als Omen. Wenn man ihn am Vorabend einer Schlacht tanzte, sagte das Können des Tänzers Erfolg oder Niederlage voraus. In der Nacht vor Prestonpans, vor Falkirk hatten junge Männer zwischen gekreuzten Schwertern getanzt. Nicht aber vor Culloden. In der Nacht vor jener letzten Schlacht hatten keine Lagerfeuer gebrannt, war niemand in der Stimmung für Barden und Kampflieder gewesen. Es spielte keine Rolle; damals hatte niemand ein Omen gebraucht.

Jamie schloss einen Moment die Augen, senkte den Kopf, und die Trommel begann prasselnd zu schlagen.

Ich wusste aus seinen Erzählungen, dass er seinen ersten Schwerttanz bei einem Wettkampf getanzt hatte und dann – mehr als einmal – am Vorabend von Schlachten, zuerst in den Highlands, dann in Frankreich. Die alten Soldaten hatten ihn gebeten zu tanzen, hatten sein Können als Versicherung geschätzt, dass sie überleben und triumphieren würden. Da die Lindsays von seinem Können wussten, musste er auch in Ardsmuir getanzt haben. Doch das war in der Alten Welt gewesen, in seinem alten Leben.

Er wusste – und das hatte Roger ihm nicht sagen müssen –, dass sich die alten Traditionen veränderten, weiter verändern würden. Dies war eine neue Welt, und der Schwerttanz würde nie wieder im Ernst getanzt werden, weil der Tänzer ein Omen wünschte und die alten Götter des Krieges und Blutes um ihre Gunst bat.

Seine Augen öffneten sich, und sein Kopf fuhr auf. Der Schlegel traf mit einem abrupten Knall auf die Trommel, und mit einem Ausruf der Menge begann der Tanz. Seine Füße berührten den fest gestampften Boden im Norden und im Süden, im Osten und im Westen, und sie landeten wie der Blitz zwischen den Schwertern.

Seine Füße bewegten sich geräuschlos und zielsicher, und sein Schatten ragte hinter ihm an der Wand auf und tanzte mit, die langen Arme hoch erhoben. Sein Gesicht blickte immer noch zu mir, doch er sah mich nicht länger, dessen war ich mir sicher.

Die Beinmuskeln unter seinem Kiltsaum waren so kräftig wie die eines flüchtenden Hirsches, und er tanzte mit dem ganzen Können des Kriegers, der er gewesen, der er nach wie vor war. Doch ich hatte das Gefühl, dass er jetzt nur noch um der Erinnerung willen tanzte, damit seine Zuschauer es nicht vergaßen; er tanzte, und der Schweiß flog ihm von der Stirn, und der Blick in seinen Augen war unaussprechlich fern.

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