Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nein, tu das nicht.« Er ließ sie los, und sie drehte sich um und strich mit der Fingerspitze über sein Kinn. »Eigentlich ist es gar nicht so schlecht. Außerdem kannst du das doch auch später machen, oder?«
»Aye, das kann ich.« Er neigte den Kopf und küsste sie sanft, aber gründlich. Das war es dann also? Sie wollte nur hören, dass sie ihre Sache gut gemacht hatte, als sie allein für Haus und Hof verantwortlich gewesen war? Wenn ja, dann fand er, dass sie es verdient hatte. Er hatte ja gewusst, dass sie in seiner Abwesenheit nicht nur am Kamin gesessen und Jemmy Wiegenlieder vorgesungen hatte – aber über die unappetitlichen Details hatte er nicht nachgedacht.
Er war umgeben vom Duft ihres Haars und dem Moschus ihres Körpers, doch als er tief einatmete, um mehr davon zu bekommen, fiel ihm auf, dass das Zimmer außerdem auch nach Wacholder und Tannennadeln duftete, und nach dem milden Duft von Bienenwachskerzen. Und nicht nur eine; sie hatte drei Stück in Kerzenleuchtern über das Zimmer verteilt. Normalerweise hätte sie ein Binsenlicht angezündet und die wertvollen Kerzen aufgehoben, aber jetzt erglühte ein sanftes, goldenes Licht in dem kleinen Zimmer, und er erkannte, dass sein Glanz auch ihren Liebesakt erleuchtet hatte und jetzt seine Erinnerungen an Kastanienrot und Elfenbein prägte, an den Goldflaum, der sie wie ein Löwenpelz bedeckte, an das dunklere Rot und Violett ihrer geheimen Stellen, seine dunkle Haut auf ihrer hellen – Erinnerungen, die in seinem Kopf lebhaft vor dem Hintergrund weißer Laken erglühten.
Der Boden war sauber – oder zumindest war er es gewesen –, die weißen Kieferndielen blank geschrubbt und die Ecken mit getrocknetem Rosmarin eingestreut. Als er an ihrem Ohr vorbei sah, konnte er das zerwühlte Bett sehen und erkannte, dass sie es mit frischem Leinen und einem neuen Quilt bezogen hatte. Sie hatte seine Heimkehr mit viel Mühe vorbereitet. Und er war hier hereingeplatzt, zum Bersten von seinen Abenteuern erfüllt, in Erwartung ihres Lobes, weil er das Kunststück zuwege gebracht hatte, lebend heimzukommen, und er hatte nichts davon gesehen – blind für alles, in seinem drängenden Bedürfnis, sie zwischen seine Finger zu bekommen und ihren Körper unter dem seinen zu spüren.
»Hey«, sagte er leise in ihr Ohr. »Mag sein, dass ich ein Dummkopf bin, aber ich liebe dich, aye?«
Sie seufzte tief auf, und ihre Brüste drückten sich an seine nackte Brust, warm sogar durch den Stoff von Hemd und Kleid. Sie waren fest; sie füllten sich langsam mit Milch, waren aber noch nicht hart.
»Ja, das bist du«, sagte sie unverblümt, »aber ich liebe dich auch. Und ich bin froh, dass du wieder da bist.«
Er lachte und ließ sie los. Ein Wacholderzweig war über dem Fenster festgesteckt, schwer von blaugrünen, mit Raureif überzogenen Beeren. Er streckte die Hand aus und brach ein Stück davon ab, küsste es und steckte es ihr in den Ausschnitt ihres Mieders, zwischen ihre Brüste, ein Zeichen des Waffenstillstandes – und der Entschuldigung.
»Frohe Weihnachten. Also, was war denn jetzt mit den Gänsen?«
Sie hob eine Hand an den Wacholderzweig, ein halbes Lächeln erschien in ihrem Gesicht, um dann zu verblassen.
»Oh. Na ja. Nichts Wichtiges. Es ist nur …« Er folgte ihrer Blickrichtung, drehte sich um und sah den Papierbogen, der senkrecht hinter der Schüssel auf dem Waschtisch stand.
Es war eine Kohlezeichnung; Wildgänse, die sich vor einem stürmischen Himmel über die vom Wind gepeitschten Bäume hinwegkämpften. Es war eine wunderbare Zeichnung, und als er sie ansah, spürte er dasselbe, seltsame Gefühl, das er gespürt hatte, als er die Gänse gehört hatte – halb Glück, halb Schmerz.
»Frohe Weihnachten«, sagte Brianna leise hinter ihm. Sie trat an seine Seite und legte ihre Hand um seinen Arm.
»Danke. Es ist … Gott, Brianna, du bist wirklich gut.« Das war die Wahrheit. Er neigte den Kopf und küsste sie fest, denn er brauchte etwas, um die Sehnsucht zu lindern, die aus dem Papier in seiner Hand sprach.
»Sieh dir die andere an.« Sie trat etwas von ihm zurück, ohne seinen Arm loszulassen, und wies kopfnickend auf den Waschtisch.
Er hatte gar nicht gesehen, dass es zwei waren. Die andere Zeichnung hatte hinter der ersten gestanden.
Sie war gut. So gut, dass ihm das Blut im Herzen gefror. Auch die zweite Zeichnung war mit Kohle angefertigt, dieselben sparsamen Schwarz-, Weiß- und Grautöne. In der ersten hatte sie die Wildheit des Himmels gesehen und festgehalten: Sehnsucht und Mut, unablässige, vertrauensvolle Anstrengung inmitten der Leere von Luft und Sturm. In dieser hier hatte sie Stille gesehen.
Es war eine tote Gans, die mit halb ausgebreiteten Flügeln an den Füßen aufgehängt war. Ihr Hals war schlaff, der Schnabel halb geöffnet, so als suchte sie noch im Tod den Flug und die lauten Rufe ihrer Begleiter. Die Linien waren die reine Anmut, die Details der Federn, des Schnabels und der leeren Augen erlesen. In seinem ganzen Leben hatte er noch nie etwas so Schönes – und so Trostloses gesehen.
»Das habe ich letzte Nacht gezeichnet«, sagte sie leise. »Alle waren im Bett, aber ich konnte nicht schlafen.«
Sie hatte einen Kerzenhalter ergriffen und rastlos das überfüllte Haus durchstreift, bis sie schließlich trotz der Kälte ins Freie ging, um im kühlen Dunkel der Nebengebäude Einsamkeit, vielleicht sogar Ruhe zu finden. Und im Räucherschuppen war ihr im Licht der Glut die Schönheit der aufgehängten Gänse aufgefallen, deren reines Gefieder sich schwarz-weiß von der verrußten Wand abhob.
»Ich habe mich vergewissert, dass Jemmy fest schlief, dann habe ich meine Zeichenutensilien geholt und gezeichnet, bis ich so kalte Finger hatte, dass ich die Kohle nicht mehr halten konnte. Das war die beste.« Sie deutete auf die Zeichnung, einen abwesenden Blick in den Augen.
Zum ersten Mal sah er die blauen Schatten in ihrem Gesicht und stellte sich vor, wie sie mitten in der Nacht allein bei Kerzenschein tote Gänse zeichnete. Jetzt hätte er sie gern in den Arm genommen, doch sie wandte sich ab und ging zum Fenster, dessen Läden zu klappern begonnen hatten.
Der Schnee des kurzen Schauers war geschmolzen, doch dann war ein eiskalter Wind gefolgt, der die letzten, trockenen Blätter von den Bäumen fegte und Eicheln und Kastanienhüllen durch die Luft wirbelte, die wie Schrot auf das Dach prasselten. Er folgte ihr und griff an ihr vorbei, um die Fensterläden zu schließen und sie zum Schutz vor dem bitteren Wind zu befestigen.
»Pa hat mir Geschichten erzählt, während ich – während ich auf Jemmys Geburt gewartet habe. Ich habe nicht genau aufgepasst –« Ihr Mundwinkel zuckte ironisch. »Aber das eine oder andere habe ich behalten.«
Jetzt drehte sie sich um und lehnte sich an die Fensterläden, die Hände hinter sich auf die Fensterbank gestützt.
»Er hat gesagt, wenn ein Jäger eine Graugans tötet, muss er bei der toten Gans warten, weil Graugänse sich fürs Leben paaren, und wenn man nur eine tötet, trauert sich die andere zu Tode. Also wartet man, und wenn das Männchen kommt, tötet man es auch.«
Ihre Augen hingen dunkel an den seinen, doch die Kerzenflammen ließen es in ihren Tiefen blau aufglitzern.
»Was ich mich gefragt habe, war – sind alle Gänse so? Nicht nur die Graugänse?« Sie wies erneut auf die Zeichnungen.
»Kann schon sein. Ich weiß es aber nicht genau. Dann machst du dir also Sorgen um die Partner der Gänse, die du erschossen hast?«
Ihre weichen, blassen Lippen pressten sich fest aufeinander, dann entspannten sie sich.
»Sorgen nicht gerade. Nur – ich musste hinterher einfach daran denken. Daran, wie sie weiterflogen … allein. Du warst fort – ich musste einfach daran denken – ich meine, ich habe gewusst, dass dir diesmal nichts passiert, aber nächstes Mal kommst du vielleicht nicht … na ja, egal. Es ist albern. Vergiss es.«
Sie stand auf und hätte sich fast an ihm vorbei in die Mitte des Zimmers geschoben, doch er legte die Arme um sie und hielt sie so dicht an sich, dass sie sein Gesicht nicht sehen konnte.