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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»… und du willst nicht einmal einen Blick auf deinen Sohn werfen oder etwas von ihm hören – er kann jetzt krabbeln, und ich wollte es dir zeigen, aber du wolltest nur ins Bett und hast dir noch nicht einmal die Mühe gemacht, dich vorher zu rasieren …«

Roger fühlte sich, als sei er in die Rotorblätter eines großen Ventilators geraten, der sich rapide drehte. Er kratzte sich an seinem kurzen Bart und hatte ein schlechtes Gewissen.

»Ich … äh … dachte, du wolltest gern …«

»Das wollte ich ja auch!« Sie stampfte mit dem Fuß auf, und der zerfallene Dreck erhob sich in einer kleinen Staubwolke.

»Okay!« Er bückte sich, um sein Hemd aufzuheben, wobei er ein Auge argwöhnisch auf sie gerichtet hielt. »Dann – dann bist du also wütend, weil mir nicht aufgefallen ist, dass du den Boden geputzt hast, ist es das?«

»Nein!«

»Nein«, wiederholte er. Er holte tief Luft und machte einen neuen Versuch. »Dann liegt es also doch daran, dass ich Weihnachten vergessen habe?«

»Nein.«

»Du bist wütend, weil ich mit dir schlafen wollte, obwohl du es auch wolltest?«

»NEIN! Könntest du bitte die Klappe halten?«

Roger war sehr in Versuchung, dieser Bitte Folge zu leisten, doch ein hartnäckiges Bedürfnis, der Sache auf den Grund zu gehen, ließ ihn weiter drängen.

»Aber ich verstehe nicht, warum –«

»Das weiß ich doch! Das ist ja das Problem!«

Sie machte auf der nackten Ferse kehrt und stampfte zu der Truhe hinüber, die am Fenster stand. Mit einem Knall schwang sie den Deckel auf und begann unter leisen Prust- und Ächzgeräuschen, darin zu kramen.

Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und zog sich das schmutzige Hemd über den Kopf. Er fühlte sich verärgert und schuldbewusst zugleich, eine schlechte Kombination. Er zog sich in einer Atmosphäre geladenen Schweigens fertig an und legte sich eine Reihe möglicher Bemerkungen und Reaktionen zurecht, um sie sogleich wieder zu verwerfen, da sie alle die Lage nur weiter anheizen würden.

Sie hatte ihre Strümpfe gefunden, streifte sie sich heftig ruckend über, dann schob sie ihre Füße in ein Paar abgetragene Holzpantinen. Jetzt stand sie am offenen Fenster und atmete die kalte Luft in tiefen Zügen ein, so als hätte sie vor, ihre Morgengymnastik zu machen.

Am liebsten hätte er die Flucht ergriffen, während sie nicht hinsah, aber er brachte es nicht über sich, einfach zu gehen, solange zwischen ihnen etwas nicht stimmte – was in Gottes Namen es auch immer war. Er konnte das Gefühl der Nähe spüren, die vor weniger als einer Viertelstunde noch zwischen ihnen geherrscht hatte, und er brachte es einfach nicht fertig zu glauben, dass es sich einfach in Luft aufgelöst hatte.

Er trat behutsam hinter sie und legte ihr die Hände auf die Schultern. Sie fuhr nicht herum, um ihm auf den Fuß oder in die Eier zu treten, daher riskierte er einen leichten Kuss auf ihren Nacken.

»Du wolltest mich etwas fragen, das mit den Gänsen zu tun hat.«

Sie holte tief Luft und atmete seufzend aus, um sich dann ganz leicht an ihn zu lehnen. Ihre Wut schien genauso schnell verschwunden zu sein, wie sie gekommen war, und er war zwar verblüfft, aber dankbar. Er legte die Arme um ihre Taille und zog sie an sich.

»Gestern«, sagte sie, »sind Mrs. Aberfeldy die Frühstücksbrötchen angebrannt.«

»Oh. Aye?«

»Mrs. Bug hat ihr vorgeworfen, viel zu sehr mit den Haarbändern ihrer Tochter beschäftigt zu sein, um auf das zu achten, was sie tat. Und was dachte sie sich überhaupt dabei – hat Mrs. Bug gesagt –, Johannisbeeren in die Buttermilchbrötchen zu geben?«

»Warum sollte man denn keine Johannisbeeren in Buttermilchbrötchen tun?«

»Ich habe keine Ahnung. Aber Mrs. Bug meint, man sollte es nicht. Und dann ist Billy MacLeod die Treppe heruntergefallen, und seine Mutter war nirgendwo zu finden – sie war auf den Abort gegangen und stecken geblieben –, und …«

»Bitte was?« Mrs. MacLeod war klein und ziemlich stämmig, verfügte jedoch über ein beachtliches Hinterteil mit einem Arsch, der an zwei Kanonenkugeln in einem Sack erinnerte. Es war nicht schwer, sich vorzustellen, dass ihr etwas Derartiges zustieß, und Roger spürte, wie das Lachen in seiner Brust aufquoll. Er versuchte mannhaft, es zu unterdrücken, doch es entwich als schmerzhaftes Prusten aus seiner Nase.

»Wir sollten nicht lachen. Sie hatte überall Splitter.« Trotz ihres vorwurfsvollen Tons konnte er spüren, wie Brianna zitterte, und ihre Stimme wurde von Lachen geschüttelt.

»Himmel. Und dann?«

»Na ja, Billy hat gebrüllt – er hat sich nichts gebrochen, aber er hat sich ziemlich fest den Kopf gestoßen –, und Mrs. Bug kam mit ihrem Besen aus der Küche gestürzt, weil sie meinte, die Indianer greifen an, und Mrs. Chisholm hat sich auf die Suche nach Mrs. MacLeod gemacht und angefangen, vom Abort aus zu brüllen, und … jedenfalls kamen mitten in dem ganzen Tohuwabohu die Gänse angeflogen, und Mrs. Bug hat mit Riesenaugen nach oben geschaut, und dann hat sie so laut ›Gänse!‹ gerufen, dass alle Welt zu schreien aufhörte, und sie ist in Pas Studierzimmer gerast und mit der Vogelflinte wieder herausgekommen und hat sie mir in die Hand gedrückt.«

Während ihrer Erzählung hatte sie sich ein wenig entspannt. Sie schnaufte und lehnte sich an ihn.

»Ich war so wütend, dass ich tatsächlich einfach irgendetwas umbringen wollte. Und es waren ziemlich viele – die Gänse –, man konnte sie überall am Himmel rufen hören.«

Er hatte die Gänse auch gesehen. Schwarze Vögel, die in V-Form auf dem Höhenwind entlangflogen und sich wie Pfeile ihren Weg über den Winterhimmel bahnten. Hatte ihre Rufe gehört, mit einem seltsamen Gefühl der Einsamkeit im Herzen, und sich gewünscht, Brianna wäre an seiner Seite.

Alle waren aus dem Haus geeilt, um zuzusehen; die wilden Chisholmkinder und die halbwilden Chisholmhunde hatten johlend und bellend vor Aufregung im Gebüsch herumgetobt, um die abgestürzten Vögel einzusammeln, während Brianna nur dastand und schoss und nachlud, so schnell sie konnte.

»Einer der Hunde hat eine Gans erwischt, und Toby hat versucht, ihn davon wegzuzerren, und der Hund hat ihn gebissen, und er ist auf dem ganzen Hof herumgerast und hat gebrüllt, sein Finger sei ab, und er war ganz voller Blut, und niemand konnte ihn anhalten, um nachzusehen, ob es stimmte, und Mama war nicht da, und Mrs. Chisholm war mit den Zwillingen unten am Bach …«

Sie spannte sich wieder an, und er konnte sehen, wie das Blut ihr erneut in den Nacken stieg. Er umfasste ihre Taille fester.

»Und war sein Finger abgebissen?«

Sie hielt inne und holte tief Luft, dann wandte sie den Kopf, um ihn anzusehen, und ihr Gesicht verlor etwas an Farbe.

»Nein. Er hatte nicht einmal eine Schramme an der Haut; es war Gänseblut.«

»Aha. Dann hast du es doch gut gemacht, oder? Die Vorratskammer ist voll, keine Verletzten – und das Haus steht auch noch.«

Es hatte ein Scherz sein sollen, und er war überrascht zu spüren, wie sie tief aufseufzte und ihre Anspannung ein wenig nachließ.

»Ja«, sagte sie, und ihre Stimme hatte einen unleugbar zufriedenen Unterton. »Das habe ich. Keine Toten und Verletzten – und alle Mäuler gestopft. Und das bei minimalem Blutvergießen«, fügte sie hinzu.

»Na ja, an der Sache mit dem Hobeln und den Spänen ist wohl doch etwas dran, aye?« Er lachte und neigte den Kopf, um sie zu küssen, dann fiel ihm sein Bart wieder ein. »Oh – tut mir leid. Ich gehe mich rasieren, ja?«

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