Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und dann«, fügte Jamie grimmig hinzu, »ist da noch MacDonald – wenn man vom Teufel spricht.«
Der Major war aus dem Haus getreten, und sein roter Rock leuchtete in der Morgensonne. Roger sah, dass er reisefertig war, gestiefelt und gespornt, die Perücke auf dem Kopf, den mit Spitze besetzten Hut in der Hand.
»Ein Kurzbesuch, wie ich sehe.«
Jamie stieß ein leises, unartikuliertes Geräusch aus.
»Lang genug, um mir mitzuteilen, dass ich versuchen muss, den Kauf von dreißig Musketen nebst Munition zu arrangieren – natürlich auf meine Kosten, die mir irgendwann von der Krone zurückerstattet werden«, fügte er hinzu, und sein Tonfall war so zynisch, dass er keinen Zweifel daran ließ, für wie unwahrscheinlich er diese Eventualität hielt.
»Dreißig Musketen.« Roger dachte darüber nach und spitzte die Lippen zu einem lautlosen Pfeifen. Jamie war ja nicht einmal in der Lage gewesen, das Gewehr zu ersetzen, das er Bird für seine Hilfe in Brownsville geschenkt hatte.
Jamie zuckte mit den Achseln.
»Und dann sind da noch Kleinigkeiten wie die Mitgift, die ich Lizzie Wemyss versprochen habe, wenn sie heiratet. Und Marsalis Mutter Laoghaire –« Er warf Roger einen argwöhnischen Blick zu, weil er nicht sicher war, wie viel dieser über Laoghaire wusste. Mehr, als Jamie lieb sein würde, dachte Roger und gab sich Mühe, ein unbeteiligtes Gesicht zu machen.
»Ich bin ihr etwas für ihren Lebensunterhalt schuldig. Wir können von dem leben, was wir haben, aye – aber für den Rest … muss ich Land verkaufen oder die Steine. Und das Land gebe ich nicht auf.« Seine Finger trommelten unruhig gegen seinen Oberschenkel, dann hielten sie inne, weil er die Hand hob, um dem Major zuzuwinken, der sie gerade über die Lichtung hinweg erspäht hatte.
»Ich verstehe. Tja, dann …« Es musste wohl sein; es war töricht, auf einem Vermögen in Edelsteinen zu hocken, nur weil sie eines Tages für einen weit hergeholten, riskanten Zweck benötigt werden könnten. Dennoch bekam Roger bei dieser Vorstellung ein etwas hohles Gefühl, so als schnitte jemand seine Sicherheitsleine durch, während er sich von einer Klippe abseilte.
Jamie atmete hörbar auf.
»Nun gut. Ich werde Seiner Lordschaft in Virginia einen der Steine schicken. Bobby Higgins kann ihn mitnehmen. Er wird wenigstens einen guten Preis für mich erzielen.«
»Aye, das ist eine –« Roger hielt inne, denn die Szene, die sich vor ihm abspielte, lenkte ihn ab.
Der Major, offenbar bester Laune nach einem guten Frühstück, war die Eingangsstufen hinuntergestiegen und schlenderte jetzt auf sie zu – ohne die weiße Sau zu bemerken, die aus ihrem Unterschlupf unter dem Fundament hervorgekommen war und an der Hauswand entlangtrottete, um sich ihr eigenes Frühstück zu suchen. Es würde nur noch eine Sache von Sekunden sein, bevor sie den Major entdeckte.
»Hoy!«, brüllte Roger und spürte, wie etwas in seiner Kehle riss. Der Schmerz war so heftig, dass er erstarrte und sich mit den Händen an den Hals fasste, mit plötzlicher Stummheit geschlagen.
»Achtung, das Schwein!«, rief Jamie, der mit den Armen wedelte und auf das Haus zeigte. Der Major schob den Kopf vor, die Hand hinter dem Ohr – dann verstand er die wiederholten »Schwein!«-Rufe und sah sich wild um – als die weiße Sau auch schon schwerfällig lostrabte und dabei ihre Hauer wie Sensen schwang.
Am besten wäre es gewesen, wenn er kehrtgemacht hätte und auf die sichere Treppe zurückgespurtet wäre, doch stattdessen wurde er von Panik erfasst und rannte vor dem Schwein davon – geradewegs auf Jamie und Roger zu, die prompt in entgegengesetzte Richtungen losliefen.
Roger drehte den Kopf und sah, dass der Major mit Riesensätzen an Vorsprung vor dem Schwein gewann und sich offenbar die Blockhütte zum Ziel gesetzt hatte. Doch zwischen dem Major und der Hütte lag die offene Grube des Murmeltierofens, getarnt durch das hochgewachsene Frühlingsgras, durch das der Major galoppierte.
»Nein!«, schrie Roger, nur, dass das Wort als ersticktes Krächzen herauskam. Dennoch schien ihn der Major zu hören, denn ein leuchtend rotes Gesicht wandte sich mit vorquellenden Augen in seine Richtung. Es musste wie »Schwein!« geklungen haben, denn in diesem Moment blickte sich der Major um und registrierte, dass das Schwein sein Tempo beschleunigte, die rosa Äuglein voll Mordlust auf ihn geheftet.
Diese Ablenkung hätte sich beinahe als fatal erwiesen, denn der Major stolperte über seine Sporen, stürzte der Länge nach ins Gras und verlor seinen modischen Hut – den er während der gesamten Jagd nicht losgelassen hatte und der jetzt durch die Luft kreiselte.
Roger zögerte kurz, rannte dann aber mit einem erstickten Fluch zurück, um dem Major zu helfen. Er sah, dass auch Jamie mit gezücktem Spaten zurückkam – obwohl selbst eine Metallschaufel kläglich ungeeignet schien, um mit einer Zweihundert-Kilo-Sau fertigzuwerden.
Doch MacDonald rappelte sich schon wieder auf. Bevor einer von ihnen ihn erreichen konnte, stürzte er los, als sei der Teufel persönlich hinter ihm her. Mit wedelnden Armen und puterrotem, aber entschlossenem Gesicht rannte er um sein Leben, hetzte wie ein Hase durch das Gras – und verschwand. In der einen Sekunde war er noch da, in der nächsten hatte er sich aufgelöst wie von Zauberhand.
Jamie starrte erst Roger mit aufgerissenen Augen an, dann das Schwein, das auf der anderen Seite der Ofengrube zum Stehen gekommen war. Mit behutsamen Bewegungen, ein Auge stets auf das Schwein gerichtet, pirschte er sich dann an die Grube heran und warf einen vorsichtigen Blick hinein, als fürchtete er sich vor dem Bild, das ihn an ihrem Boden erwartete.
Roger trat an Jamies Seite und spähte in die Grube. Major MacDonald war in den tieferen Teil gefallen, wo er wie ein Igel zusammengerollt lag, die Arme schützend um seine Perücke geschlungen – die wie durch ein Wunder nicht verrutscht war, wenn sie auch jetzt mit Erdbrocken und Gras übersät war.
»MacDonald?«, rief Jamie hinunter. »Seid Ihr verletzt, Mann?«
»Ist es noch da?«, fragte der Major bebend, ohne seine Kugelform aufzugeben.
Roger warf einen Blick über die Grube hinweg auf das Schwein, das jetzt seine lange Schnauze ein Stückchen weiter ins Gras gesteckt hatte.
»Äh … aye, das ist es.« Zu seiner Überraschung fiel ihm das Sprechen leicht, selbst wenn er etwas heiser war. Er räusperte sich und sprach ein wenig lauter weiter. »Aber Ihr braucht keine Angst zu haben. Es ist damit beschäftigt, Euren Hut zu fressen.«
Kapitel 41
Der Büchsenmacher
Jamie begleitete MacDonald bis nach Coopersville, wo er den Major auf die Straße nach Salisbury brachte, ausgestattet mit Verpflegung, einem verwegenen Schlapphut zum Schutz vor dem Wetter und einer kleinen Flasche Whisky zur Kräftigung seiner angeschlagenen Lebensgeister. Dann bog er mit einem innerlichen Seufzer zum Anwesen der McGillivrays ab.
Robin arbeitete in seiner Schmiede, umgeben von den Gerüchen heißen Metalls, von Holzspänen und Waffenöl. Ein schlaksiger junger Mann mit einer Hakennase bediente den ledernen Blasebalg, auch wenn seine verträumte Miene auf einen gewissen Mangel an Aufmerksamkeit für seine Arbeit schließen ließ.
Robin merkte, dass Jamies Schatten die Tür verdunkelte, blickte auf, nickte kurz und machte sich wieder an seine Arbeit.
Er hämmerte einen Eisenstab zu flachen Bändern; der Eisenzylinder, um den er diese wickeln würde, um einen Gewehrlauf herzustellen, war schon zwischen zwei Blöcken eingespannt. Jamie hielt sich sorgsam außer Reichweite der fliegenden Funken und setzte sich auf einen Eimer, um zu warten.
Der Junge am Blasebalg war Sengas Verlobter – Heinrich. Heinrich Strasse. Er zog den Namen zielsicher aus den Hunderten anderer Namen, die er in seinem Kopf verwahrte. Und mit ihm kam automatisch alles, was er über Heinrichs Vorgeschichte, seine Familie und seine Verbindungen wusste, die sich in seiner Vorstellung als Beziehungsgeflecht rings um das lange, verträumte Gesicht des Jungen abzeichneten, symmetrisch und komplex wie das Muster einer Schneeflocke.