Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Seine Miene änderte sich nicht, und doch spürte ich, wie etwas Namenloses zwischen uns ausgetauscht wurde. Dann wandte er den Kopf ab und streckte seine lange, verwitterte, extrem schmutzige Hand aus, um nach dem Stück Brot zu greifen.
Eine Art Seufzer durchlief das Zimmer, als er aß – indem er das Brot langsam zermalmte, denn er hatte kaum noch Zähne. Ich konnte Mrs. Wilsons Pulsschlag fühlen, viel schwächer jetzt und rasend schnell wie der eines Kolibris. Sie hing beinahe erschlafft im Griff der Männer, und ihre welken Augenlider sanken immer tiefer, während sie dem Sündentilger zusah.
Er umfasste den Weinbecher mit beiden Händen, als sei es ein Kelch, und trank ihn geschlossenen Auges leer. Dann stellte er den leeren Becher hin und sah Mrs. Wilson neugierig an. Ich ging davon aus, dass er noch nie einen seiner Kunden lebend angetroffen hatte, und fragte mich, wie lange er sein seltsames Amt schon ausübte.
Mrs. Wilson starrte ihm ins Gesicht, und ihre Miene war ausdruckslos wie die eines Kindes. Der Puls in ihrem Bauch hüpfte wie ein Stein, ein paar leichte Schläge, eine Pause, dann ein Stoß, der meine Handfläche traf wie ein Hammerschlag, dann zurück zu den unregelmäßigen Hüpfern.
Der Sündentilger verbeugte sich ganz langsam vor ihr. Dann packte er den Shilling. Drehte sich um und huschte zur Tür, erstaunlich schnell für ein solch kränkliches Exemplar.
Mehrere Jungen und jüngere Männer, die an der Tür gestanden hatten, eilten ihm schreiend nach; ein oder zwei nahmen Holzstöcke aus dem Korb am Kamin mit. Andere waren hin- und hergerissen; sie blickten zur offenen Tür, wo sich Schreie und der Aufprall fliegender Steine mit dem Jammern der bean-treim mischten – doch ihre Blicke wurden unwiderstehlich erneut zu Mrs. Wilson gezogen.
Sie sah … friedvoll aus, das war das einzige Wort dafür. Es überraschte mich nicht im Geringsten, den Pulsschlag unter meiner Hand einfach anhalten zu spüren. Irgendwo tief in meinem Inneren spürte ich, wie der schwindelerregende Fluss der Blutung begann, eine warme Flut, die mich mit sich zog, bis schwarze Flecken vor meinen Augen tanzten und es mir in den Ohren klingelte. Ich wusste mit absoluter Sicherheit, dass sie jetzt unwiderruflich tot war. Ich spürte, wie sie davonging. Und doch hörte ich ihre Stimme über dem Lärm, sehr leise, aber ruhig und klar.
»Ich verzeihe dir, Hiram«, sagte sie. »Du warst ein guter Junge.«
Mir war zwar schwarz vor Augen geworden, doch ich konnte immer noch dumpf hören und spüren. Etwas packte mich und zog mich fort, und ein paar Sekunden später kam ich zu mir, in einer Ecke an Jamie gelehnt, dessen Arme mich stützten.
»Ist alles gut, Sassenach?«, sagte er drängend. Er rüttelte mich ein wenig und klopfte meine Wange.
Die schwarzgekleideten bean-treim waren bis zur Tür gekommen. Ich konnte sie draußen stehen sehen wie dunkle Zwillingssäulen, und der fallende Schnee begann, sie zu umwirbeln. Der kalte Wind wehte herein und brachte kleine, harte, trockene Flocken mit, die über den Boden tanzten. Die Stimmen der Frauen erhoben und senkten sich und verschmolzen mit dem Wind. Am Tisch versuchte Hiram Crombie, seiner Schwiegermutter die Granatbrosche an das Leichentuch zu heften, doch seine Hände zitterten, und sein Gesicht war tränennass.
»Ja«, sagte ich schwach, dann etwas kräftiger: »Ja. Jetzt ist alles gut.«
Die Dunkelheit senkte sich am Abend vor Allerheiligen. Wir gingen zu den Klängen des heulenden Windes und des prasselnden Regens zu Bett und erwachten am Fest Allerheiligen umhüllt von Weiß. Große, weiche Flocken schwebten unentwegt absolut lautlos zu Boden. Es gibt keine perfektere Stille als die Einsamkeit im Herzen eines Schneesturms.
Dies ist die dünne Zeit, in der sich die einst geliebten Toten nähern. Die Welt kehrt sich nach innen, und Träume und Rätsel liegen in der kalten Luft. Der Himmel verwandelt sich. Aus der scharfen, klaren Kälte einer Million brennender Sterne wird die rötlich graue Wolke, die die Erde umhüllt und Schnee verheißt.
Ich nahm eins von Briannas Streichhölzern aus der Schachtel und entzündete es, begrüßte froh die winzige Flamme, die sofort aufsprang, und bückte mich, um sie an das Brennholz zu halten. Nachdem sie die Nacht mit ihrem Feuer beherrscht hatten, strebten unsere Kürbisgesichter jetzt einem friedlicheren Schicksal entgegen, wurden zu Kuchen und Kompost, sanken in die sanfte Ruhe der Erde vor der Erneuerung. Tags zuvor hatte ich den Boden in meinem Garten umgegraben, die Wintersamen eingesetzt, auf dass sie schlafend heranschwollen und unterirdisch träumten von ihrer Geburt.
Jetzt ist die Zeit, in der wir in die Gebärmutter der Welt zurückkehren, träumen von Schnee und Stille. Erwachen, und die Seen unter dem schwindenden Mond sind plötzlich zugefroren, die kalte Sonne brennt tief und blau im Geäst der vereisten Bäume. Abends von unseren kurzen, notwendigsten Arbeiten zurückkehren zu Köstlichkeiten und Geschichten, in die Wärme des Feuerscheins im Dunkeln.
Am Feuer, in der Dunkelheit, kann man alles sagen, alles hören, in Sicherheit.
Ich zog mir Wollstrümpfe an, dicke Unterröcke, mein wärmstes Schultertuch und stieg hinunter, um das Küchenfeuer zu schüren. Ich sah den Dampfwölkchen zu, die vom duftenden Kessel aufstiegen, und spürte, wie ich mich nach innen kehrte. Die Welt konnte gehen, und wir würden heilen.
Sechster Teil
Auf dem Berg
Kapitel 40
Im Märzen der Bauer
März 1774
Es war Frühling, und die langen, trostlosen Monate lösten sich in Schmelzwasser auf, das sich in kleinen Bächen von allen Hügeln ergoss und in winzigen Wasserfällen von Stein zu Stein zu Stein hüpfte.
Die Luft war vom Lärmen der Vögel erfüllt, eine Kakophonie der Melodien, die an die Stelle der einsamen Rufe der vorbeiziehenden Gänse trat.
Im Winter halten sich die Vögel für sich, ein einzelner Rabe, der grübelnd in einem kahlen Baum kauert, eine Eule, die sich im Schatten unter einem Scheunendach vor Kälte aufplustert. Oder sie treten in Scharen auf; auf und davon getragen von donnernden Flügeln, wirbeln sie durch die Luft wie eine Handvoll emporgeworfener Pfefferkörner, bahnen sich ihren Weg in V-Formation, voll Trauer und Mut, der Verheißung eines fernen, schwierigen Überlebens entgegen.
Im Winter ziehen sich die Raubvögel in die Einsamkeit zurück; die Singvögel suchen das Weite, die Farbigkeit der gefiederten Welt auf das Einfachste reduziert, Räuber und Beute, graue Schatten, die am Himmel vorüberziehen. Und nur dann und wann fällt ein leuchtender Tropfen Blut zur Erde zurück, um das Ende eines Lebens anzuzeigen. Zurück bleiben verstreute Federn, die mit dem Wind davonschweben.
Doch wenn der Frühling erwacht, werden die Vögel betrunken vor Liebe, und ihre Lieder gellen im Gebüsch. Weit, weit in die Nacht hinein, denn die Dunkelheit schwächt ihre Energie zwar ab, bringt sie aber nicht zum Schweigen. Und zu jeder Stunde erheben sich leise melodische Unterhaltungen, unsichtbar und seltsam intim in der Mitte der Nacht, als ob man im Nebenzimmer ein unbekanntes Liebespaar belauscht.
Ich rückte dichter an Jamie heran, während ich dem klaren, lieblichen Gesang einer Drossel in der großen Rotfichte hinter dem Haus lauschte. Nachts war es immer noch kalt, jedoch ohne den bitteren Frost des Winters, an dessen Stelle die süße Frische tauender Erde und knospender Blätter getreten war, eine Kälte, die das Blut prickeln und warme Körper einander suchen ließ, um miteinander zu verschmelzen.